Von Geburt an sportlich Darum ist Volleyball so wichtig für Julia

Unterschätzen auf eigene Gefahr: Julia gibt nicht auf
Unterschätzen auf eigene Gefahr: Julia gibt nicht auf © Stephan Wieser

Auf dem Feld mit ihren "Volleyhasen" fühlt sich Sportsfreundin Julia am wohlsten. Mit 1,57 Metern Körpergröße unterschätzt man sie auf eigene Gefahr

Die Liebe zu Sport und Bewegung wurde Julia von ihren Eltern in die Wiege gelegt. Sie spielt seit ihrem 9. Lebensjahr Volleyball bei den "Volleyhasen", der deutsch-polnischen Mannschaft in ihrem Heimatort Rothenburg. Parallel befindet sich die 19-Jährige in der Ausbildung zur Physiotherapeutin.

Sportsfreunde 2018: Julia im Interview

Women's Health: Julia, wann bist du das erste Mal mit Sport in Berührung gekommen?

Julia: Noch bevor ich geboren wurde! Meine Mama war und ist immer noch aktiv und sportlich, ich hab damals bestimmt auch einige Turnübungen "mitgemacht". Ich wollte eigentlich immer Turnerin wie sie werden – leider war das bei uns nicht präsent. Stattdessen bin ich immer mit zum Kindersport, dort war sie Übungsleiterin.

Deine ganze Familie ist sportlich, korrekt?

Auf jeden Fall. Dank meinem Vater boxt mein Bruder in 3. Generation. Wir sind alle der sportlich-zappelige Typ Mensch.

Wie bist du dann zum Volleyball gekommen?

Per Zufall, würde ich sagen. Ich war 9 und wurde vom Schwimmtraining abgeholt, da haben wir einen Bekannten getroffen. Der hat gefragt, ob ich nicht Lust auf Volleyball hätte. Ich war gleich begeistert und hab allen erzählt, dass ich jetzt "Handball" spiele – ich wusste damals noch gar nicht, was Volleyball ist, und man spielte es ja mit der Hand.

Seit 2008 spielt Julia Volleyball bei den "Volleyhasen"
Seit 2008 spielt Julia Volleyball bei den "Volleyhasen" © Stephan Wieser

Kannst du beschreiben, was dich an deinem Sport so begeistert?

Es ist einfach vom ersten bis letzten Punkt spannend, das Blatt kann sich in wenigen Sekunden wenden. Außerdem ist es ein Teamsport, wir müssen uns aufeinander verlassen können und aufeinander abgestimmt sein. Du kämpfst zusammen um jeden Ball und pushst dich gegenseitig, um zu gewinnen. Alleine hast du auf dem 9-mal-9-Meter großen Feld keine Chance. Die Absprache muss stimmen, Zuspieler und Angreifer müssen auf der selben Wellenlänge sein. Und wenn eine Mitspielerin in der "Spirale" steckt, haben alle anderen die Aufgabe, sie da rauszuholen. Du brauchst einfach jede einzelne Spielerin auf dem Feld, alle müssen voll da sein.

Dich motiviert auch, dass dich andere oft unterschätzen.

Viele unterschätzen mich aufgrund meiner Körpergröße von 1,57 Metern, allgemein und natürlich beim Sport, nach dem Motto: "Du bist doch viel zu klein für Volleyball". Das ist natürlich Quatsch – und es ist ein großartiges Gefühl, zu zeigen, was ich tatsächlich alles drauf habe.

Hast du sportliche Vorbilder?

Natürlich, die hat man ja irgendwie immer. Bei mir sind es Kerstin Tzscherlich und Lisa Stock, die beide für den Dresdner SC gespielt haben. Auch unsere eigenen Spielerinnen waren und sind große Vorbilder.

Euer Team, die "Volleyhasen", sind einzigartig in eurer Liga. warum?

Wir sind eine deutsch-polnische Mannschaft. In der Sachsenklasse Ost sind wir das einzige "internationale Team". Wir trainieren in Polen und Deutschland und haben unsere eigene "Geheimsprache" in Punktspielen. Da die anderen Teams kein polnisch verstehen, gibt unser Coach Signale auf polnisch.

Eine Libera benötigt schnelle Reflexe und gute Spielübersicht
Eine Libera benötigt schnelle Reflexe und gute Spielübersicht © Stephan Wieser

Was war euer bisher größter Erfolg?

Das war unser Aufstieg aus der Bezirksliga in die Sachsenklasse 2015. Das mussten wir erstmal selbst begreifen, dass wir als noch recht junge Mannschaft aus dem kleinen Rothenburg plötzlich gegen Teams aus und in Dresden antreten würden.

Wenn du es zusammenfassen müsstest: Was bedeutet dir dein Sport?

Ganz kurz: alles. Ich treffe meine Freunde, kann vom stressigen Alltag, der Schule oder Arbeit abschalten. Dabei bleibe ich mit Volleyball fit und habe Spaß.

Deine Familie unterstützt bestimmt deinen sportlichen Lebensstil. Wie sieht es bei deinen Freunden außerhalb der Volleyhasen aus?

Ja, meine Eltern und mein Bruder unterstützen mich, schauen auch oft bei Punktspielen zu. Es ist vorgekommen, dass ich Freunde verloren habe, weil ich es nicht einsah, meinen Sport hinten anzustellen. Das ist heute auch noch so, entweder kommt man damit klar oder nicht. Meine richtigen, engen Freunde wissen und akzeptieren das.

Wie bekommst du deine Ausbildung zur Physiotherapeutin und den Volleyball unter einen Hut?

ich bin mittlerweile im 3. Lehrjahr, und es war und ist nicht leicht. Ich habe oft überlegt, das Training abzusagen, um stattdessen noch zu lernen. Aber ich bin der Meinung, dass es gerade in solchen Stresssituationen wichtig ist, ein Hobby als Ausgleich zu besitzen und es nicht aufzugeben. Bevor die Prüfungsphase losging, konnte ich oft nicht schlafen. Ich bin dann einfach um 3 oder 4 morgens aufgestanden, hab laut Musik gehört und Liegestütze gemacht oder bin auf den Händen durch die Wohnung gelaufen. Danach schlief es sich super.

Für Julia ist Sport ein wichtiger Ausgleich zum stressigen Alltag
Für Julia ist Sport ein wichtiger Ausgleich zum stressigen Alltag © Stephan Wieser

Unterstützen dich deine Teamkolleginnen?

Ja, sie sind eine große Hilfe. Unsere Kapitänin ist Ärztin und ich konnte sie immer fragen, wenn ich mal etwas nicht verstanden habe. Im Trainingslager konnte ich außerdem gut üben, indem ich einige von meinen Mitspielerinnen massiert habe oder verschiedene therapeutische Übungen an ihnen ausprobieren durfte.

Der Sport ist also eine große Hilfe für deinen Beruf.

Auf jeden Fall. Auch das Spielen an sich hilft mir. Als Libera muss ich meine Augen überall haben, genau auf die Gegner achten. Das kann ich ganz gut auf Gruppenbehandlungen anwenden. So sehe ich, wenn der Herr im blauen Shirt im Hohlkreuz ist oder der andere schon wieder Pause macht. Auch meine Lebenseinstellung ist vom Sport beeinflusst: Im Spiel darfst du den Ball nicht fallen lassen – egal, wie hart der Gegner zuschlägt, man muss kämpfen. Und auch im Leben darf man sich nicht ergeben.

Welche Ziele hast du dir für die nahe Zukunft gesteckt?

Das Wichtigste ist auf jeden Fall, die Ausbildung endlich zu beenden und die 13 Prüfungen bestanden zu haben. Danach atme ich erstmal tief durch. Sportlich habe ich erstmal keine Ziele. Früher wollte ich nicht mehr auf der Ersatzbank sitzen und mitspielen. Da kann ich ein "Check, Ziel erreicht" dahintersetzen. Von daher will ich einfach besser werden und mit meinen "Volleyhasen" weiter Spaß haben.

Auch unsere Partnerseiten Men's Health und Runner's World stellen im Rahmen der gemeinsamen Aktion "Sportsfreunde 2018" Menschen und ihre bewegenden Geschichten vor. Lass dich auch von ihnen motivieren und inspirieren!

26.07.2018| © womenshealth.de
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