Bettgeflüster Warum wir mehr über Sex sprechen sollten

Achtung, ich komme – aus diesen Gründen sollten Sie offener mit Ihrer Lust umgehen
Achtung, ich komme – aus diesen Gründen sollten Sie offener mit Ihrer Lust umgehen © g-stockstudio / Shutterstock.com

Feucht werden, fingern, Dildo – ist Ihnen das Lesen dieser Wörter unangenehm? Das muss es nicht! Darum sollten wir offener über Sex sprechen

Sex ist im Fernsehen, auf Werbeplakaten, im Internet – fast überall bekommen wir Tipps für heißeren Geschlechtsverkehr oder sehen Frauen in Reizwäsche, die uns das neueste Sportwagenmodell so richtig schmackhaft machen sollen. Wir leben in einer sexualisierten Welt, in der ein Thema trotzdem viel zu kurz kommt: die weibliche Lust. Während männliche Masturbation schon selbstverständlich ist, ist der Solosex von Frauen oft immer noch ein Tabuthema. Wir haben mit der Bloggerin Louisa Dellert und der Sexologin Ann-Marlene Henning ganz offen über das intime Thema gesprochen und möchten Ihnen die spannenden Erkenntnisse natürlich nicht vorenthalten. Also: Let’s talk about sex!

Ein erfülltes Sexleben beginnt nicht erst beim gemeinsamen Geschlechtsverkehr. © g-stockstudio / Shutterstock.com

Sprechen Sie über Sex!

Dass sich Männer häufiger mit ihren Kumpels nur über ihre aktuellsten Bettgeschichten austauschen, ist sicherlich ein Klischee. Trotzdem ist auch an so manchem Stereotyp etwas Wahres dran: Denn Fakt ist, dass zu wenig über weibliche Lust gesprochen wird. "Wenn Frauen ganz offen über Sexualität, Selbstbefriedigung und Co. reden, passiert es leider immer noch viel zu schnell, dass sie als Schlampe oder billig betitelt werden", stellt Bloggerin Louisa Dellert fest. Louisa hat den mutigen Schritt gewagt, auf ihrem Blog und besonders in ihren Youtube-Videos ganz ehrlich und locker über vermeintliche Tabuthemen zu sprechen. Auch sonst plädiert sie für Offenheit: "Wir sollten mehr mit unseren Sexpartnern reden! Ganz klar aussprechen, was wir mögen, was wir unbedingt mal ausprobieren möchten und auch, was uns überhaupt nicht gefällt."

Auch die Sexologin Ann-Marlene Henning sieht das Problem. In ihrem Buch "Liebespraxis. Eine Sexologin erzählt" schreibt sie: "Hemmungen und Blockaden, wenn es ums Thema Sex geht, erlebe ich auch in meiner Praxis. Zwar sind die Medien voll von sexuellen Botschaften, in der Werbung ist Sex omnipräsent, nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen? – haben sich die Menschen noch nicht an einen ungezwungenen Umgang mit dem Thema gewöhnt". Auch wenn es schwer fällt: Lernen Sie, über Sex zu reden.

Sexologin Ann-Marlene Henning
Sexologin Ann-Marlene Henning sagt: "Das größte Sexualorgan des Menschen ist das Gehirn!" © Rowohlt Verlag

Darum sind Aufklärung und Ehrlichkeit wichtig

Aufgeklärt – sollten wir das nicht alle spätestens nach diesem einen furchtbaren Gespräch mit unseren Eltern sein, das wir peinlich berührt möglichst schnell verdrängt haben? Und heutzutage sind wir doch allein durch Filme, Werbung und Co. permanent mit dem Thema konfrontiert. Aber genau deren einseitige Betrachtung ist gefährlich, findet auch Louisa Dellert: "Bei dem Thema wird leider oft alles über einen Kamm geschert. Die Bedürfnisse des einzelnen werden da selten erwähnt." Die starke Sexualisierung unserer Gesellschaft könne besonders für Jugendliche zum Problem werden: "Jungs denken, dass sie so drauf sein müssen wie die Männer in Pornos. Das kann einer Frau aber wehtun. Mädchen hingegen bekommen gezeigt, dass sie ständig stöhnen und jedes Mal zum Höhepunkt kommen müssen. Wenn es dann aber nicht so läuft, denken diese Mädchen, dass etwas mit ihnen nicht stimmt – und das wirkt sich auf ihr Selbstbewusstsein und ihr Sexleben aus."

Auch Sexologin Henning warnt vor der Gefahr von falschen Vorstellungen: "Menschen neigen dazu, sich an Idealen zu messen, obwohl eher ein Vergleich mit dem Durchschnitt angesagt wäre. Noch besser ist, sich überhaupt nicht zu vergleichen. Denn Sie sind einzigartig!"

Louisa Dellert spricht öffentlich über die weibliche Lust

Louisa Dellert und Ann-Marlene Henning machen es vor: Sie sprechen, posten und schreiben ganz ehrlich, mit Witz und niemals peinlich über Sexualität. Louisa erzählt uns, was sie zu diesem mutigen Schritt bewogen hat: "Ich bin generell ein sehr offener Mensch, mir ist nichts unangenehm. Als ich jünger war, dachte ich selbst, dass mit mir etwas nicht stimmt: Ich wusste nicht, wie sich ein Orgasmus anfühlt. Deswegen ist es mir wichtig, offen darüber zu sprechen." Und die Reaktionen ihrer Follower sprechen für sich: Viele bedanken sich für die uneingeschränkte Ehrlichkeit und Louisas lockere Art, vermeintlich heikle Themen anzusprechen.

OMGYes: Jetzt gehen wir Sexualität ganz praktisch an

"Hochschaukeln", "umspielen", "abfedern" – sagt Ihnen alles nichts? Kein Wunder! Diese Begriffe sind drei Beispiele für die weiblichen Selbstbefriedigungstechniken, die das Team von OMGYes vorstellt. Denn schon auf rein sprachlicher Ebene zeigt sich die Diskrepanz von männlicher und weiblicher Masturbation: Für die männliche Selbstbefriedigung gibt es unendlich viele Begriffe, die weibliche wird eher verschwiegen. OMGYes hat es sich zur Aufgabe gemacht, weibliche Lust zu erforschen – und uns ganz praktisch näherzubringen. So findet man auf der Website Videos von Frauen, die sich selbst befriedigen. Keine Schauspielerinnen, kein Photoshop – sondern pure Authentizität. Danach kann man die Techniken mithilfe von berührungssensiblen Touch-Videos ausprobieren – und, wenn man möchte, natürlich an sich selbst. Die Website richtet sich laut eigener Aussage an Frauen, Männer und Paare, die wissen möchten, wie sie noch mehr Lust, bessere Beziehungen, gute Gespräche und bessere Orgasmen erleben können. Louisa Dellert ist schon Fan der Seite und auch Ann-Marlene Henning rät ihren Kunden immer wieder, einfach mal neue Dinge auszuprobieren.

Lieben Sie sich selbst – wortwörtlich!

Nein, Sie müssen sich jetzt nicht auf der Stelle selbst berühren, mit all Ihren Kollegen über Ihr Sexleben sprechen oder sich noch heute mit den neuesten Sexspielzeugen ausrüsten. Sex sollte nichts mit Vorschriften oder Regeln zu tun haben. Vielmehr möchten wir Sie ermutigen, ehrlicher zu sich selbst zu sein und auf Ihren Körper zu hören – denn Basis eines erfüllten Sexlebens ist zunächst einmal uneingeschränkte Selbstliebe.

12.01.2018| © womenshealth.de
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