Lebensziele So findet und verwirklicht man seinen Lebenstraum

Lebensziel verwirklichen
#LifeGoals: Eine Psychologin erklärt, wie man sein Lebensziel definiert © Zolotarevs / Shutterstock.com

Ist es wichtig, einen großen Lebenstraum zu haben? Und wie findet man überhaupt heraus, was wirklich glücklich macht?

Was ist überhaupt ein Lebensziel?

Ein durchtrainierter Körper, eine unvergessliche Weltreise, ein fettes Bankkonto – welchen Lebenstraum wir verfolgen, hängt – wie so vieles – von unserer Persönlichkeit ab. Während die einen ganz auf materielle Dinge fixiert sind und beim Gedanken an ein teures Auto und eine luxuriöse Inneneinrichtung vor Glück zerfließen, bedeutet für andere wiederum der Traum von der eigenen Familie mit Hund und Garten alles. Eines haben all diese Lebensziele allerdings gemeinsam: Sie treiben uns an, motivieren uns, sorgen dafür, dass wir einen Sinn hinter unserem Leben sehen. Kurzum: Lebensträume und Lebensziele sind ein bisschen wie die berühmte Karotte, die vor der Nase baumelt und uns am Laufen hält; mit dem kleinen Unterschied, dass wir die Karotte im besten Fall irgendwann auch zu fassen kriegen.

Ikigai: Wofür lohnt es sich zu leben?

Ohne diesen oder jenen Lebenstraum nun im Einzelnen einer Wertung unterziehen zu wollen, herrscht in unserer Gesellschaft die Meinung vor, dass diejenigen, die ihren Lebenssinn klar definiert haben und ihn zielsicher verfolgen, besser dran sind als solche, die so gar keine Ahnung haben, wofür sie eigentlich Tag für Tag das Bett verlassen.

In Japan gibt es dafür einen ganz konkreten Begriff: Ikigai. Übersetzt heißt das so viel wie „Lebenssinn“ oder „das, wofür es sich zu leben lohnt“. Wer sein Ikigai kennt, soll der Lehre nach automatisch ein glücklicheres und somit auch längeres Leben führen. Um sein persönliches Ikigai zu finden, sollten bestenfalls folgende vier Lebensbereiche ausgewogen und im Einklang zueinander stehen: Leidenschaft (das, wofür man brennt), Mission (das, was die Welt braucht), Beruf (das, worin du gut bist) und Berufung (das, womit du Geld verdienst).

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Wofür lohnt es sich zu Leben? Kennen Sie Ihre Leidenschaft, Ihre Mission, Ihren Beruf und Ihre Berufung? © Zolotarevs / Shutterstock.com

Wie erkennt man sein persönliches Lebensziel?

Wie aber findet man nun seinen Lebenssinn, sein Ikigai? Ist es überhaupt wichtig ein Lebensziel zu definieren und umzusetzen? Und woher wissen wir eigentlich, dass dieser sogenannte Lebenstraum auch wirklich unserer ist? Wie wollen wir sicher gehen, dass das, wofür wir soviel Zeit und Kraft und Liebe aufwenden, auch wirklich das ist, was uns am Ende glücklich und zufrieden macht, wenn wir es denn erreicht haben?

Interview mit Glücksdetektivin Dr. Katharina Tempel

Diplom-Psychologin Dr. Katharina Tempel ist Expertin auf dem Gebiet der Positiven Psychologie. Vielen ist sie im Netz (gluecksdetektiv.de) sowie bei YouTube als „Glücksdetektiv“ bekannt. Wir wollten von ihr wissen, wie man sein privates Lebensziel findet, formuliert und bestenfalls auch erreicht.

Alle reden davon, dass es so wichtig sei, sich ein Lebensziel zu setzen. Ist das wirklich so elementar? Braucht man ein klar definiertes Lebensziel zum Glücklichsein?

Dr. Katharina Tempel: „Ziele verleihen dem Leben Sinn und ein sinnvolles Leben zu führen ist eine Voraussetzung, um glücklich und erfüllt zu sein. Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, ob wir unsere Ziele auch erreichen. Allein sie zu kennen und anzustreben ist gut für uns. Denn Ziele zeigen uns den Weg und geben uns Halt. Wir brauchen Ziele in unserem Leben, an denen wir uns orientieren können. Gerade langfristige Ziele zeigen uns den Kurs für unser weiteres Leben an und ermöglichen dadurch, dass wir uns stärker auf die Gegenwart konzentrieren können. Ein Wanderer, der sein Ziel kennt, muss nicht an jeder Weggabelung erneut entscheiden, ob er dem grünen oder dem blauen Wanderweg folgt. Somit hat er Zeit und Ressourcen, um sich stärker auf den Moment zu konzentrieren und zum Beispiel die bunten Blumen am Wegesrand zu genießen.“

Wie finde ich überhaupt heraus, was ich wirklich will und was mich erfüllt? Wie schaffe ich es, in der heutigen Gesellschaft, in der mir von allen Seiten vorgegeben wird, was angeblich erfüllt und glücklich macht, wirklich auf mich und meine Bedürfnisse zu hören?

Dr. Katharina Tempel: „Oft wissen wir im Grunde unseres Herzens, was wir wollen. Nur haben wir verlernt, darauf zu hören oder trauen uns schlichtweg nicht, unserem Herzen zu folgen. Wer herausfinden möchte, was er will, sollte sich in erster Linie Zeit für sich selbst nehmen, um in Kontakt mit den eigenen Wünschen, Interessen, Leidenschaften, Werten und Stärken zu kommen. Dazu ist auch notwendig, dass wir ehrlich zu uns selbst sind. Es hilft niemandem, wenn wir uns etwas vormachen und Wege einschlagen, die nicht zu uns passen, nur, um (vermeintlich) die Erwartungen anderer zu erfüllen.“

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Tief in unserem Herzen wissen wir oft schon, was wir wirklich wollen, aber trauen uns nicht, diesen Wunsch auch zu verfolgen. © Zolotarevs / Shutterstock.com

Genügt ein Lebensziel oder sollten es gleich mehrere sein?

Dr. Katharina Tempel: „Die meisten Menschen haben wohl mehr als ein Ziel im Leben und das ist auch gut so. Denn das Leben verläuft nicht nach Plan. Wer sich zu sehr auf ein Ziel versteift, der verpasst womöglich, was das Leben sonst noch zu bieten hat. Nicht alle Ziele sind für uns erreichbar und Prioritäten ändern sich. Manches ist uns in ein paar Jahren nicht mehr wichtig, anderes rückt in den Vordergrund und mache Ziele belasten uns irgendwann mehr, als das wir von ihnen profitieren würden. Ziele sind daher nie in Stein gemeißelt, sondern ein grober Fahrplan für die nächsten Jahre.“

Gibt es Lebensziele, die viele Menschen anstreben, die aber eigentlich sehr ungesund sind bzw. nicht wirklich glücklich machen?

Dr. Katharina Tempel: „Es macht tatsächlich einen Unterschied welche Ziele verfolgt werden und aus welchen Gründen dies geschieht. Denn nicht alle Ziele sind förderlich für unser Wohlbefinden. Ziele, die mit persönlichem Wachstum, zwischenmenschlichen Beziehungen und Beiträgen zur Gesellschaft verknüpft sind, gehen mit weit mehr Selbstverwirklichung und Lebensfreude einher als Ziele, die mit Geld, Schönheit und Popularität in Verbindung stehen. Menschen, die auf letzteres fokussieren weisen bspw. eher Depressionen und Ängste auf, sind weniger zufrieden, gesund und vital. Daneben ist für unser Wohlbefinden auch wichtig, ob die Ziele aus persönlichen Interesse hervorgehen oder durch äußeren Druck zustande kommen.“

Wenn man sein Lebensziel gefunden hat, welche Schritte sind von da an elementar, um es auch wirklich zu erreichen?

Dr. Katharina Tempel: „Um ein Ziel zu erreichen, sollte es auf jeden Fall schriftlich festgehalten werden. Ein smartes Ziel ist sowohl spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Große Ziele sollten nach Möglichkeit in kleinere Teilziele zerlegt werden, für deren Erreichung Zwischenbelohnungen eingeplant werden können. Auch das Visualisieren der eigenen Ziele kann hilfreich sein. Dabei sollten wir uns jedoch nicht in fantastischen Tagträumen verlieren, sondern gleichsam bedenken, welche Hindernisse uns beim Erreichen des Ziels im Weg stehen und wie wir diese überwinden können.“

Tipp: Auf ihrem YouTube-Kanal stellt die Glücksdetektivin die SMART-Methode und die WOOP-Methode vor; beides Wege, die dabei helfen sollen, die eigenen Ziele wirklich zu erreichen. Sehr sehenswert!

Lebensziel erreicht – und jetzt? Was kommt danach?

Dr. Katharina Tempel: „Zunächst hoffentlich eine große Feier, um den eigenen Erfolg gebührend zu würdigen. Sicherlich ist auch ein Urlaub oder eine andere Auszeit mehr als angebracht. Früher oder später sollten wir uns jedoch neue Ziele setzen, denn sonst droht der berühmte Fall ins schwarze Loch. Ohne Visionen und Ziele haben wir keinen Grund mehr morgens aufzustehen. Das Leben verliert seinen Sinn und wir die Motivation zu leben.“

Glücksdetektivin Dr. Katharina Tempel
Glücksdetektivin Dr. Katharina Tempel © privat

Unsere Expertin

Dr. Katharina Tempel ist Diplom-Psychologin und Expertin auf dem Gebiet der Positiven Psychologie. Sie hat eine Doktorarbeit über Übungen zur Steigerung des Wohlbefindens geschrieben und verfügt über langjährige Erfahrung als psychologische Onlineberaterin.

Als Glücksdetektiv gibt sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen auf ihrer Webseite gluecksdetektiv.de und ihrem YouTube-Kanal weiter und unterstützt Menschen dabei glücklicher zu werden und ein erfüllteres Leben zu führen.

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Ohne ein Ziel vor Augen verliert man Motivation und Antrieb. © Zolotarevs / Shutterstock.com

90 Prozent haben ihr größtes Lebensziel noch nicht verwirklicht

Zu dem Ergebnis kam zumindest eine aktuelle Ipsos-Studie im Auftrag von Jacobs. Gut so, denn das heißt auch, dass sie motiviert auf etwas hinarbeiten. Immerhin haben sich 9 von 10 Deutschen bereits einen ihrer Lebensträume erfüllt und jeder Vierte sogar schon mehrere. Wir Frauen sind dabei offenbar besonders ambitioniert: Knapp jede Dritte hat sich schon mehrere Träume erfüllt. Insgesamt sind die Deutschen übrigens der Ansicht, dass sich mit den nötigen Einsatz jeder seinen Lebenstraum erfüllen kann. Die entscheidenden Voraussetzungen dafür sind Mut, Ehrgeiz, ein finanzielles Polster, ein guter Plan, ein unterstützendes Netzwerk von Freunden und Verwandten sowie der Glaube an sich selbst. Vor allem die jüngerer Generation ist davon überzeugt, dass die Erfüllung ihrer Träume vor allem von ihnen selbst abhängt. Auch interessant: Während die ältere Generation sich eher Gesundheit und Zufriedenheit als Ziel setzt, träumen die Jungen vor allem von einer erfüllten Partnerschaft. Und wovon träumen Sie?

27.12.2017| Linda Babst © womenshealth.de
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