Wing Tsun für Frauen So verbessert Wing Tsun die Reaktionsfähigkeit

Schnelles Reagieren ist wichtiger als Muskelkraft
Die chinesische Kampfsportart stärkt das Reaktionsvermögen © se media / Shutterstock.com

Channel your inner Superwoman! – Das könnte mit Wing Tsun Ihr neues Motto werden. Die chinesische Kampfkunst verspricht nicht nur ein ganzheitliches Workout, sondern vor allem effektive Selbstverteidigung

Sicher kann sich jede von uns an mindestens eine Situation erinnern, in der es angebracht gewesen wäre, sein Gegenüber in die Schranken zu weisen. Manchmal ist das aber gar nicht so einfach. Wing Tsun verhilft Ihnen nicht nur zu dem nötigen Selbstbewusstseinsschub, sondern macht auch noch richtig Spaß.

Woher kommt Wing Tsun?

Wing Tsun (andere Schreibweisen sind z.B Wing Chun oder Wing Tzun) ist eine süd-chinesische Kampfkunst, die nicht als Wettkampfsportart, sondern als Selbstverteidigungssystem verstanden wird. Es ranken sich verschiedene Mythen um die Herkunft dieser Kampfkunst, da es kaum schriftliche Aufzeichnungen gibt. Die wohl bekannteste Legende handelt von einer Nonne namens Ng Mui, die die Kampfkunst kreierte und sie an ihre Schülerin Yim Wing Tsun weitergab, die heute als Namensgeberin des Sports gilt. Klingt alles vage, sicher ist aber, dass das moderne Wing Tsun von den Lehrern Yuen Kay Shan und Yip Man geprägt wurde, die zahlreiche Stile hervorbrachten.

Was genau macht man beim Wing Tsun?

Beim Wing Tsun-Training lernen Sie zunächst Ihren eigenen Körper besser kennen, indem Sie bestimmte Formen und Grundtechniken üben. „Für mich war es elementar, dass diese Sportart den Fitnessaspekt mit einem philosophischen Ansatz verbindet. Die Lehren des Wing Tsun kann ich auf mein ganzes Leben anwenden“, erklärt Eva Zaugg, Ausbilderin und Trainerin der Wing Tzun Fitness Akademie in Ludwigshafen am Rhein. Abgesehen davon zeichnet sich Wing Tsun durch seine abwechslungsreichen Trainingsmethoden aus. Funktionelles Krafttraining gehört genauso dazu wie Reflextraining oder Partnerübungen.

5 typische Übungen beim Wing Tsun Training

1. Chi Sao

Ein elementarer Bestandteil des Trainings ist das Chi Sao (dt. "Klebende Arme"), ein Reflextraining. Hier geht es vor allem darum, die Kraft des Gegners für den eigenen Angriff zu nutzen. Dazu trainiert man den Zugang zur eigenen Intuition und lernt auf verschiedene Situationen zu reagieren.

2. Schlag-, Tritt- und Drucktechniken

Auch Schlag-, Tritt- und Drucktechniken gehören zum Trainingsrepertoire, sagt Zaugg. Das Ziel ist es, Griff-Schlag-Kombinationen zu automatisieren, sodass Sie einen Angreifer gut abwehren können.

3. Formen

Anfänger beginnen beim Wing Tsun mit sogenannten Formen. Das sind festgelegte Abfolgen, die die Schüler allein durchführen. Die Grundposition im Wing Tsun heißt Yee Jee Kim Yeung Ma, auch IRAS genannt. Aus diesem Stand werden die Chi Sao Übungen trainiert und die Formen praktiziert.

4. Lat Sao

Ein wichtiger Bestandteil des Trainings sind außerdem Partnerübungen, die als Lat Sao oder im Kampf als “Sparring“ bekannt sind. Diese reichen von Rollenspielen, über Drillübungen, Reflex-und Reaktionstraining bis hin zu freien Angriffen. Die wichtigste Regel bleibt aber auch hier: Respekt, Wertschätzung und Rücksichtnahme dem Trainingspartner gegenüber.

5. Training mit Pratzen und Holzpuppe

Schonmal einen Bruce Lee Film gesehen? Die Holzpuppe ist ein typisches Trainingsgerät des Wing Tsun und ist Bestandteil vieler berühmter Szenen in Martial Arts Filmen. “Die Holzpuppe wird benutzt, um Angriffe zu simulieren und die eigene Flexibilität und Drucktechnik zu perfektionieren“, erklärt die Expertin. Im Partnertraining kommen außerdem Pratzen zum Einsatz, an denen Sie ihre Schlagtechniken trainieren.

Ist Wing Tsun für Frauen geeignet?

“Bei Wing Tsun gibt es eine hohe Frauenquote“, sagt Zaugg. Dass rund die Hälfte der Neueinsteiger weiblich ist, liegt wohl auch daran, dass die Kampfkunst auf Selbstverteidigung ausgelegt ist. “Sie können hier lernen, sich gegen einen körperlich starken und auch stärkeren Gegner durchzusetzen. Es geht dabei nicht ums Kräfte messen, sondern um das taktische Verständnis, die Lücken des Gegners zu nutzen, um selbst vorzugehen“, erklärt die Trainerin. So lernen auch weniger kräftige Frauen, sich gegen größere Angreifer zur Wehr zu setzen. Außerdem kommt hier auch die körperliche Fitness nicht zu kurz. Beim Wing Tsun können Sie sich so richtig auspowern: “Liegestütze, Burpees und Übungen mit der Kettlebell gehören auf jeden Fall zu unserem Standardworkout“.

Anfänger lernen zunächst Techniken wie die Handbefreiung, Schlagabwehr und das Befreien aus Klammergriffen. “Je höher der Kenntnisstand, desto mehr werden die Reflexe trainiert, also das Chi Sao“, sagt Trainerin Zaugg.

Effektive Selbstverteidigung, abwechslungsreiches Workout und echter Ego-Boost in einem Sport vereint, das bietet Wing Tsun. Deshalb ist das ganzheitliche Training ideal für alle Powerfrauen und solche, die es werden wollen.

20.09.2013| Laura Krampe © womenshealth.de
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