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Bist auch du betroffen? Gut leben mit Neurodermitis

Trockene Haut und Juckreiz Lass uns über Neurodermitis reden

Mit rund 3,6 Millionen Betroffenen ist sie die häufigste chronische Hauterkrankung Deutschlands. Sie betrifft zwar beide Geschlechter etwa gleich häufig, aber es gibt natürlich auch einige frauenspezifische Herausforderungen, die wir in diesem Artikel vorstellen. Rede und Antwort stehen uns hierfür die Expertinnen Dr. Alice Martin (Dermatologin) und Sonja Dargatz (Psychologin)

Wenn die Haut wie verrückt juckt und brennt, gerötet, schuppig oder blutig ist, fällt es nicht immer leicht, selbstbewusst und positiv mit der chronisch entzündlichen Hauterkrankung im Alltag oder in der Partnerschaft umzugehen. Helfen kann es, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen (etwa auf Instagram) und aktiv mit anderen über die Erkrankung zu sprechen. Informationsplattformen wie www.leben-mit-neurodermitis.info helfen, die Erkrankung besser zu verstehen und so aktiv mit ihr umzugehen. Neurodermitis ist zwar nicht heilbar, aber dank moderner langfristiger Therapieoptionen oft gut kontrollierbar.

Neurodermitis: Symptome und Folgen

Die Erkrankung tritt meist in Schüben unterschiedlicher Dauer und Schwere auf und äußert sich vor allem durch Entzündungen auf und unter der Haut. Besonders unangenehm: der daraus entstehende quälende Juckreiz. Dieser begünstigt wiederum Hauttrockenheit, Risse, Rötungen, Krustenbildung und Nässen.

Mehrere Ursachen spielen bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle: genetische Veranlagung, eine gestörte Hautbarriere, Umweltfaktoren und eine übersteuerte Immunantwort – das Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Reize wie zum Beispiel Wolle, Stress, Infektionen oder Pflanzenpollen mit Entzündungen. Auch die Hormone spielen eine Rolle.

Insbesondere bei Frauen können dann noch Faktoren wie Hormonschwankungen und gegebenenfalls Schwangerschaft und Stillzeit hinzukommen, was die Neurodermitis noch unberechenbarer machen kann.

Wir wollten es daher genauer wissen: Gibt es für Frauen Dinge, die sie im Umgang mit der Hautkrankheit besonders im Auge behalten sollten? Dafür haben wir zwei Expertinnen gefragt, die Dermatologin Dr. Alice Martin und die Psychologin Sonja Dargatz

Unsere beiden Expertinnen: Sonja Dargatz und Dr. Alice Martin (rechts)

Gibt es besondere Herausforderungen für Frauen mit Neurodermitis?

Dr. Martin: Es gibt viele Herausforderungen bei Frauen mit Neurodermitis. Um nur ein Beispiel zu nennen: die Körperpflege, die kann mitunter anders als beim Mann sein. So rasieren sich viele Frauen an den Beinen, die dadurch tendenziell häufiger zur Austrocknung neigen. Deswegen ist die anschließende Pflege und Rückfettung umso wichtiger. Auch das Make-up sollte verträglich für die trockene Haut sein und nicht zusätzlich austrocknend wirken.

Ist Neurodermitis vererbbar?

Dr. Martin: Neurodermitis hat in der Tat eine hohe genetische Komponente. Wenn beide Eltern an einer Neurodermitis leiden oder gelitten haben, besteht das Risiko beim Kind zu circa 80 Prozent.

Gibt es Faktoren, die das Risiko einer Neurodermitis bei meinem Kind reduziert?

Dr. Martin: Ja, Studien zeigen, dass eine sterile Umgebung das Risiko erhöht (insbesondere auch für Allergien, die die Neurodermitis wiederum verschlechtern können). Andersherum sind etwa Bauernhofausflüge sehr hilfreich, um das Immunsystem zu trainieren. Auch das falsche Pflegeverhalten (zu viel Waschen, desinfizieren oder Ähnliches) kann die Neurodermitis verschlechtern beziehungsweise triggern.

Wie und wann erzähle ich meinem Partner oder Gegenüber von der Neurodermitis?

Dargatz: Mich sprechen immer wieder Betroffene an, wie schwer es für sie ist, mit der Neurodermitis einen Lebenspartner oder eine Lebenspartnerin zu finden. Ich gebe den Betroffenen gerne mit, dass die chronische Erkrankung nicht gleich im Mittelpunkt des Gespräches stehen muss. Das hat Zeit. Wenn man jemanden kennenlernt, sympathisch und interessant findet, zählt letztlich mehr die Einstellung, wie wir damit umgehen, die unser Gegenüber wahrnimmt.

Vielmehr beeindruckt es doch das Gegenüber, wenn man fröhlich ist, von Dingen aus dem Leben berichtet, die einen erfüllen und dem Gegenüber Lust darauf machen, einen noch besser kennenzulernen.

Was kann ich tun, wenn ich mich unwohl in meiner Haut fühle bzw. jede Berührung schmerzt?

Dargatz: Lieb gemeinte Gesten von anderen Personen können für Betroffene zur Herausforderung werden. Deshalb lohnt es sich, die Dinge offen anzusprechen und charmant um Verständnis zu bitten. Ganz einfach und praktisch. Ein möglichst natürlicher und selbstverantwortlicher Umgang mit der Hauterkrankung hinterlässt eher einen guten Eindruck. Wer offen und freundlich Ideen und Lösungsvorschläge beim Gegenüber anbringt, hat bereits das berühmte "Eis" gebrochen.

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Eine Erste-Hilfe-Methode bei einem akuten Juckreiz ist Kälte, etwa durch kaltes Wasser oder ein Coldpack aus dem Eisschrank, mit einem Handtuch umwickelt kühlend auf die Haut legen. Auch ein Thermalspray aus der Apotheke kann hier Linderung verschaffen.

Stress ist für viele Betroffene einer der größten Trigger, wie gehe ich am besten damit um? Gibt es einfache Strategien zur Stressreduktion?

Dargatz: Leider gibt es nicht "die" Stressbewältigungsstrategie, um Neurodermitis oder Alltagsstress aus dem Leben zu verbannen. Es gibt auch keine "einfachen" Strategien. Trigger wie Stress sind immer individuell, genauso wie die Reaktion auf die Stressoren. Grundsätzlich ist man im Rahmen einer chronischen Erkrankung wie der Neurodermitis auf emotionszentrierte Strategien angewiesen, da sich die Grunderkrankung nicht auflösen lässt.

In diesem Strategie-Rahmen kann man lernen, ungute Gefühle zu reduzieren, um sich aufgrund seiner Erkrankung nicht das Leben madig machen zu lassen. Dazu gehört es auch zu lernen, die Erkrankung anzunehmen, Trigger vorzubeugen, eigene Notfallstrategien zu kennen, Selbstfürsorgemöglichkeiten einzusetzen und sozialen Rückhalt zu haben.

Zu welchem Arzt, zu welcher Ärztin sollte ich bei einer Neurodermitis gehen?

Dr. Martin: Grundsätzlich sollte bei allen Hautangelegenheiten ein Dermatologe oder eine Dermatologin kontaktiert werden (digital als auch persönlich). Denn nicht nur rezeptpflichtige Wirkstoffe können eine schnelle Linderung verschaffen, sondern auch die Empfehlung konkreter Hautpflegeprodukte (so wie über unsere Hautarztpraxis App dermanostic). Aber auch GynäkologInnen können insbesondere bei frauenspezifischen Themen und Fragestellungen das ganzheitliche Behandlungskonzept gut ergänzen.

Neurodermitis nimmt Einfluss auf das Leben von Betroffenen. Aber niemand sollte sich deshalb ins soziale Aus drängen lassen, im Gegenteil: Halte dich an die genannten Tipps, reduziere Stress, treibe Sport, achte auf eine gesunde Ernährung, genieße dein Leben und sprich mit deinen Freunden und Ärzten über deine Situation - das hält dich in der Balance und baut Stressresilienz auf.

Du hast Probleme, einen geeigneten Facharzt oder eine Fachärztin zu finden? Probiere es mal mit dem Arztfinder über www.leben-mit-neurodermitis.info und tausche dich mit anderen Betroffenen über Instagram aus @leben_mit_neurodermitis.info

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