Warum Frauen ihren Partner ständig ändern wollen Mikhail_Kayl / Shutterstock.com

Warum Frauen ihre Partner verändern wollen

Partner verändern Versuche nicht, deinen Mann zu ändern – sondern das hier

"Zieh andere Schuhe an, rasier dich, iss gesünder!" Warum neigen wir oft dazu, unseren Partner erziehen zu wollen? Was hinter dem Optimierungs-Wahn steckt

Wer frisch verliebt ist, packt den neuen Mann auch gerne mal in Zuckerwatte. Mr. Perfect ist über jeden Zweifel erhaben, weichgezeichnet durch die rosarote Brille. Seine ungewöhnlichen Eigenarten verbuchst du unter Kategorien wie "süß" oder "interessant". Doch bald schleicht sich die Alltags-Routine ein – und die ist Killer jedes rosaroten Filters.

Plötzlich findest du niedliche Macken des Partners nervig oder lächerlich. Wieso ist er zum Beispiel immer so nachlässig gekleidet? Und warum nimmt er sich kaum Zeit, um mit dir zu kochen oder ausführlich über den Tag zu sprechen? Auf einmal ist Mr. Perfect also ziemlich unperfekt. Dabei hast du dich doch genau so in ihn verliebt.

Oder habt ihr einfach nur ein bisschen zugenommen und wollt die Pfunde loswerden? Dieser Plan hilft super:

Woran liegt es, dass Frauen in Beziehungen dazu neigen, den Partner nach ihren Wünschen ändern zu wollen? Wir haben mit dem Berliner Psychotherapeuten und Buchautor Dr. Wolfang Krüger ("So gelingt die Liebe, auch wenn der Partner nicht perfekt ist", BoD, um 10 Euro) gesprochen und ihn gefragt, was dahintersteckt.

Warum wollen so viele Frauen Ihren Partner ändern?

Zunächst muss man sagen: Das wollen ja nicht nur Frauen. Krüger: "Wir alle stoßen beim Partner immer auf Eigenschaften, die wir gern ändern würden." Aber vielleicht wird bei Männern eher spürbar, dass es nicht funktioniert: "Männer weichen eher aus, wenn sie spüren, dass sie ihre Frau nicht ändern können. Sie ziehen sich zurück, verbringen mehr Zeit bei der Arbeit oder gehen fremd. Frauen investieren mehr Kraft in die Veränderung der Beziehung."

Eine Studie zeigt, dass in Paarbeziehungen, in denen über Veränderungen diskutiert wurde, Frauen sich von ihren Männern mehr Zuneigung, Aufmerksamkeit und Unterstützung wünschten. Männer wünschten sich, wenig überraschend, vor allem mehr Sex. Übrigens: Es ist unter Paartherapeutinnen ein bekanntes Phänomen, dass einige Menschen davon ausgehen, ihre Beziehung könne sich nur verbessern, wenn ihr Partner sich ändert. Es gilt aber immer auch, bei sich selbst zu schauen.

Falscher Partner oder falsche Einstellung zu Beziehungen?

Meist stecken andere Probleme dahinter. Wie gesagt, eines davon ist der Wechsel von der rosaroten Verliebtheitsphase in den Alltag. Diesen Sprung muss man schaffen, ohne sich zu sehr in Details zu verbeißen.

Krüger: "Nur etwa 10 Prozent der Frauen haben einen falschen Partner, meist waren sie anfangs ja auch in ihn verliebt. Doch dann geraten sie in eine Ohnmachtsfalle, weil sie den Partner ändern wollen und es gibt Schallplattengespräche, in denen sie immer wieder das Gleiche kritisieren." Da musst du dich erst einmal fragen, wie wichtig dir diese Dinge wirklich sind.

Haben viele Leute eine unrealistische Vorstellung von perfekter Partnerschaft?

Es ist normal, dass man nicht einfach alles hinnimmt, was stört. Krüger: "Eine gute Partnerschaft ist ein Team. Das ist ein hoher Anspruch, weil jeder negative Eigenschaften in die Beziehung einbringt. Einer zieht sich schnell zurück, ein anderer lässt sich gern bedienen oder ist schnell ungeduldig und wird laut. Es ist normal, dass wir diese Eigenarten nicht akzeptieren."

Außerdem sind hohe Ansprüche an die Liebe und deren Objekt sehr verbreitet. Krüger: "Über 90 Prozent aller Jugendlichen hegen bereits den Wunsch nach der großen Liebe. Damit haben wir die Erwartung, dass man immer wieder Herzklopfen verspürt, obgleich man den Alltag zusammen verbringt. Wir erwarten, dass der Partner sehr verlässlich und trotzdem aufregend ist." Das ist schonmal nicht einfach.

Bleibt die Frage, wie viel von diesem unrealistischen Anspruch dennoch realisierbar ist. "Unsere Erwartungen an die Liebe sind sehr hoch, aber prinzipiell sind sie erfüllbar, wenn wir bereit sind, unser eigenes Leben zu ändern" sagt Krüger. "Man muss manchmal sehr direkt Veränderungen einfordern. Aber die meisten Veränderungen stellen sich ein, wenn ich all dies endlich erledige, was ich immer aufgeschoben habe. Die Partnerschaft mit sich selbst ist die wichtigste Beziehung und wenn sie gelingt habe ich auch den notwendigen Schwung zur Veränderung meiner Partnerschaft." Wie Whitney Houston schon sang: "Learning to love yourself, it is the greatest love of all."

Kann ich meinen Partner überhaupt ändern?

So lange wir hier nicht über tiefgreifende Änderungen der Persönlichkeit reden, ist vieles möglich. Krüger: "Natürlich muss die Basis des anderen erhalten bleiben und ich muss den Partner so anerkennen, wie er ist. Aber wir können grundlegende Eigenschaften ändern. Dann achten unpünktliche Partner auf die Uhrzeit, Männer tun viel in der Küche und werden viel zärtlicher und hören zu."

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Natürlich muss man niemand einen rücksichtslosen unachtsamen Partner so akzeptieren, wie er ist. Krüger: "Das wäre fatal. Aber ich muss lernen, welche Wege der Veränderung wirklich sinnvoll sind und wann ich in eine Machtspirale gerate."

Wie soll ich meine Wünsche und die Dinge, die mich stören, ansprechen?

Freundlich und direkt. Ohne Umschweife, aber auch ohne Vorwurf. Und vor allem mit der Bereitschaft zu akzeptieren, dass der andere nicht sofort spurt und alles anders macht. Krüger: "Es gibt Angewohnheiten die jeder mit gutem Willen ändern kann. Das wäre zum Beispiel die nicht zugeschraubte Zahnpastatube. Doch es gibt auch Persönlichkeitseigenschaften, die nur schwer zu ändern sind. Sie sind in der Kindheit entstanden und der Partner ändert sie nur unter großem Druck."

Das Ganze ist ein offener, gleichberechtigter Austausch, der nie dazu führen darf, den anderen in seinem Wesen komplett in Frage zu stellen. "Natürlich darf jeder seine Wünsche einbringen" so Krüger. "Aber er muss grundsätzlich den Partner akzeptieren." Das ist übrigens nur fair, wenn Frauen dazu den Mund aufmachen: Frauen mussten jahrhundertelang damit leben, dass Männer an ihren herummäkeln. Da müssen die Jungs sich umgekehrt jetzt auch mal etwas anhören. "Auch Männer müssen sich daran gewöhnen, dass Frauen ihre Wünsche einbringen", sagt Krüger. "Männer sollen dann mehr auf ihre Kleidung und ihr Gewicht achten und regelmäßig zum Arzt gehen."

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Was ist der größte Fehler, wenn ich meinen Partner ändern will?

Es gilt, den Unterschied zwischen Wünschen und deren Erfüllung sowie Ansprüchen und Forderungen zu unterscheiden. Krüger: "Beim Wünschen bin ich mir bewusst, dass ich etwas eventuell nicht bekomme. Manchmal muss ich meinerseits etwas tun, ich muss es mir also verdienen." Da ist noch Bewegung drin, es ist ein Widerspiel, bei dem Kommunikation und Austausch möglich sind.

"Bei Ansprüchen habe ich die Überzeugung, dass mir etwas zusteht und werde sehr sauer, wenn das nicht eintrifft." Diese Unzufriedenheit kann dann dazu führen, dass du die Sache falsch angehst, weil du meinst, im Recht zu sein. Da geht dann vielleicht das Manipulieren los, der Versuch den anderen zu erpressen oder zu gängeln. "Manipulieren ist immer respektlos," sagt Krüger. "Ich behandle den Partner, als wäre er ein Hund, den ich mit Leckerli dressiere." So willst du nicht sein.

Wie lerne ich meinen Partner zu akzeptieren, wie er ist?

Krüger rät hier zum "Prinzip der indirekten Veränderung". Damit meint er, dass jede/r zunächst bei sich schaut und den eigenen Weg geht bzw. ändert. Dann kann der Partner folgen oder sich zumindest anpassen. Krüger: "Dann hat man den Schwerpunkt des Lebens in sich selbst, man verwirklicht eigene Lebensziele und auf diese Weise ändert sich das System der Partnerschaft. Es kommt auf mich an – in dieser optimistischen Erkenntnis liegt das Geheimnis guter Partnerschaften."

Das wird übrigens auch durch Studien bestätigt. So zeigte sich etwa, dass die Entscheidung eines Partners, gesünder zu leben, meist dazu führte, dass der jeweils andere Partner sich ebenfalls um einen gesünderen Lebensstil bemühte.

Der Psychologe rät darüber hinaus dringend dazu, das Glück auch außerhalb der Partnerschaft zu suchen. Nein, nicht durch Seitensprünge, durch andere Kontakte! Krüger: "Grundlegend ist zunächst, gute Freundschaften einzugehen, um nicht zu abhängig vom Partner zu sein. Eine Beziehung muss atmen, dann wird man auch wieder für den anderen interessant." Der Psychologe hält immer die eigene Entwicklung für entscheidend. Denn deine Lebendigkeit und Lebensfreude hat die Kraft, die Stagnation in der Beziehung auflösen. "Es setzt ungeheure Energien frei, selbst lustvoll persönliche Entwicklungen zu verwirklichen – anstatt den Partner ändern zu wollen."

Anstatt deinen Partner passgenau ändern zu wollen, gehe eine Partnerschaft mit dir selbst ein, finde deine innere Mitte. Dann spürst du, wie ein tiefgreifender lebendiger Prozess beginnt, der dich und deine Partnerschaft verändert. 90 Prozent aller Liebesbeziehungen lassen sich auf diese Weise nachhaltig verbessern – auch wenn der Partner nicht perfekt ist.

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