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Soll ich mich trennen? Wann es Zeit ist für eine Trennung, und wie sie am besten klappt

Wenn nur noch Tassen und böse Worte fliegen, hilft oft nur die Trennung. Doch statt zu gehen, stecken viele im Scherbenhaufen fest. So kommst du da raus

Die Frage ist so drängend wie quälend: Soll ich mich trennen? Wäre es besser zu gehen oder zu bleiben? Verhältnismäßig leicht fällt dieser Entschluss, wenn er sich nie an Vereinbarungen hält. Oder ständig fremdgeht.

Aber selbst ohne einen so eindeutigen Grund kann sich das Gefühl einstellen, dass es ohne ihn vielleicht besser wäre. Immer gibt es neue Probleme, dauernd ist Beziehungskrise, oft heulst du dich bei Freundinnen aus, weil er dich schlecht behandelt oder deine Wünsche schlicht ignoriert. Auf deren sachlich fundierte und differenzierte Ratschläge wie "Schick den Mistkerl in die Wüste!" antwortest du stets schulterzuckend: "Aber ich liebe ihn doch!"

Eigentlich weißt du selbst ganz genau, dass die Freundin Recht hat und verstehst auch nicht, wieso du dich immer noch so an ihn klammerst. Aber so ist das, wenn Menschen in einer miesen Beziehung feststecken: Erst wenn du bereit bist, einen Schlussstrich zu ziehen, wird dir klar, dass du schon viel früher die Koffer hättest packen sollen.

Was sind die ersten Schritte bei einer Trennung?

Bevor du es angehst, musst du dir darüber bewusst werden, was du wirklich willst. Finde zuerst deine Souveränität zurück. Mache dir klar: Du triffst die Entscheidung. Du hast es selbst in der Hand, ob du lieber in einer maroden Beziehung steckst oder als zu­friedener Single durchs Leben gehst.

Natürlich fällt es schwer, einen Schlussstrich zu ziehen, wenn Kopf und Herz sich uneinig sind. Wenn der Kopf sich fürs Gehen entscheidet, ist das Herz noch lange nicht so weit und warnt vor dem drohenden Schmerz und dem Alleinsein.

"Auch wer Schluss macht, trauert genauso wie der Partner, der verlassen wird", erklärt Daniela van Santen, Beziehungscoach in der "Liebeskummerpraxis" in Hamburg. "Man teilt schließlich die gleichen schönen Erinnerungen. Der Verstand kann noch so sehr beteuern, dass es richtig war, die Beziehung zu beenden – der Ex-Partner fehlt trotzdem."

Was spricht für eine Trennung, wenn es gemeinsame Kinder gibt?

Wenn ihr Kinder habt, gilt größere Vorsicht beim Thema Trennung. Kinder verkraften eine Trennung der Eltern meist nicht so gut wie Erwachsene, weil sie diese nicht so gut einordnen können. Da bricht viel eher eine kleine Welt zusammen. Während das Auflösen einer Zweier-Beziehung schon fast eine Lifestyle-Entscheidung ist, geht es mit Kindern um die Zerstörung einer Familie. Dessen solltet ihr euch stets bewusst sein.

Aber natürlich ist auch ein Zusammenbleiben "nur wegen der Kinder" keine Lösung. Wenn die Beziehung dich nur noch unglücklich macht, wenn es nur noch Streit gibt, merken das auch die Kinder, und es belastet auch sie. Insofern gilt auch hier: Wenn es nicht mehr geht, musst du auf dich schauen. Und dann sehen, wie ihr das kinderverträglich organisiert.

Warum fällt es so schwer, sich vom Partner zu trennen?

Trauer, Angst und sogar körperlicher Schmerz sind keine Seltenheit, wenn du dich mit der Frage quälst, ob es besser wäre zu gehen oder zu bleiben. Um die Entscheidung zu vermeiden, suchst du fadenscheinige Gründe, die rechtfertigen, beim Partner bleiben zu können – nach dem Motto: "Wir hatten doch auch schöne Zeiten!"

Aber damit bleibst du auch in deiner Komfortzone. So glorifizierst du die wenigen glücklichen Momente in der Partnerschaft und kehrst seine dauernden Respekt­losigkeiten und Lügen, seine Untreue und den ewigen Streit kurzerhand unter den Teppich.

Das Festhalten am vermeintlich Bewährten ist Selbstschutz. Denn die Trennung würde bedeuten, sich und anderen einzugestehen, dass das Vorhaben Liebe mal wieder gescheitert ist – und mit ihm all Ihre investierten Gefühle und Hoffnungen untergehen. Also verharren viele unglücklich Liierte in einer Art Leidensstarre – und das erstaunlich lange. Aber die Liebe ist kein Tapferkeitswettbewerb!

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Seien Sie distanziert, aber nicht kalt. Lassen Sie auch ihn zu Wort kommen. Es ist auch seine Liebe, die zerbricht.

Wie merke ich, dass es gut wäre, sich zu trennen?

Der eine oder andere Streit ist normal. Auch ein längerer Krach kann überwunden werden, solange zwischen euch noch Liebe und Wohlwollen herrschen. Dass du diesen Text hier liest, ist zwar ein Zeichen, aber noch kein eindeutiges: Wenn es in der Beziehung zu ­kriseln beginnt, ergreifen aller Erfahrung nach Frauen eher die Initiative als Männer. Sie hinterfragen auch eher Dinge, suchen mit dem Partner das Gespräch oder schlagen eine Paartherapie vor.

"Ein Coaching lohnt sich oft", sagt van Santen. Wie aber kannst du herausfinden, ob der zermürbende Kampf um eine Partnerschaft überhaupt noch Sinn macht? Die Beziehungsexpertin rät dazu, sich eine fundamentale Frage zu stellen: "Kann ich mit diesem Mann in dieser Beziehungssituation noch 20 Jahre ­leben?" Wenn du dir das überhaupt nicht vorstellen willst und kannst, ist es definitiv Zeit loszulassen.

Was sind weitere Anzeichen, dass eine Trennung nötig ist?

Noch weitere Empfindungen geben dir eine Antwort auf Ihre Frage "Soll ich mich trennen?" Wichtige Anhaltspunkte sind zum Beispiel:

  • Wenn du das Gefühl hast, immer mehr Zeit und Aufwand in die Beziehung zu investieren als er.
  • Wenn er ständig Dinge tut, die dich kränken und verletzen.
  • Wenn du dich mehr freust, Zeit ohne den Partner zu verbringen als mit ihm.
  • Wenn ihr überhaupt nicht mehr zusammen lacht.
  • Wenn ihr jenseits von Alltagskram keine gemeinsamen Gesprächsthemen findet.
  • Wenn du Situationen, die du gewöhnlich mit ihm gemeinsam verbracht hast, eher meidest als herbeiführst.
  • Wenn du vieles von dem, was er sagt und was er tut, einfach nicht nachvollziehen kannst.
  • Wenn du oft das Gefühl hast, dass er dich bei den Dingen, die du gern tust, eher stört oder dir im Weg ist.
  • Wenn du dir einfach nicht mehr vorstellen kannst, dich von ihm anfassen zu lassen.

Was sind die Vorteile einer Trennung?

Der wichtigste Vorteil: Ein selbstbestimmtes Leben zurückgewinnen. Ohne den Partner. Klar, es wird anfangs schwerfallen, der Trennungsschmerz wird dich lähmen, und du musst dich an das Leben als Single erst wieder gewöhnen.

Ist der erste Kummer aber vorüber, wartet eine schöne neue Welt auf dich. "Großes wird aus Schmerz geboren", bekräftigt die Expertin."Das Überwinden einer schmerzvollen Trennung ist wie die Genesung nach einer Krankheit. Man sieht die Welt mit anderen Augen und wird mutiger. Daraus entstehen oft gute Dinge, etwa eine berufliche Veränderung", sagt van Santen.

Und wenn auch nicht plötzlich der Traumjob um die Ecke kommen sollte, wird sich Ihr Leben zum Positiven verändern. Keiner nörgelt mehr über Ihr Outfit, Ihre angeblichen Macken und Ihre Freunde. Keiner hält Sie mehr davon ab, die Dinge zu tun, die Ihnen Freude bereiten. Eine missglückte Beziehung heißt eben nicht, dass Sie im Leben versagt oder zu wenig gekämpft haben. Es bedeutet lediglich, dass die Vorstellungen zweier Menschen nicht zusammengepasst haben. Wenn Sie sich das bewusst machen, können Sie sichergehen, dass das Scheiden keine Schlammschlacht wird und ein bisschen weniger wehtut.

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Auch wenn es überhaupt keinen Spaß macht: Sie sollten für die Trennung das persönliche Gespräch suchen.

Wie teile ich ihm meine Entscheidung mit?

Es wäre ganz falsch, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu gehen und deinen Partner zurückzulassen. Den wichtigsten Schritt hast du ohnehin mit der Entscheidung getan, lieber zu gehen statt zu bleiben.

Jetzt musst du aber auch wahrnehmbar Fakten schaffen und das klärende Gespräch mit dem zukünftigen Ex respektvoll über die Bühne bringen. Du kennst ihn und kannst vermutlich erahnen, wie er reagieren wird. Du legst dir am besten schon im Vorfeld mögliche Reaktionen auf sein zu erwartendes Verhalten zurecht. So bleibst du im entscheiden Moment selbstsicher. Du solltest aber auch auf unvorher­gesehene Reaktionen gefasst sein und das bei der Wahl des ­Ortes bedenken.

Wie sollte ein Trennungsgespräch am besten ablaufen?

Ein wichtiger Punkt: Der Ort für Ihr Gespräch. Zuhause ist es am ruhigsten und am intimsten. "In der eigenen Wohnung muss sich niemand schämen, wenn die Tränen kullern", sagt van Santen.

Wenn dein Partner jedoch zu aufbrausenden Reaktionen oder gar aggressiven Gefühlsausbrüchen neigt, empfiehlt sich ein öffentlicher Raum als Treffpunkt. In Gegenwart anderer, fremder Menschen kommt es seltener zu heftigen ­Szenen. Die Expertin rät zu einem Spaziergang im Park: "Da hat man Ruhe, ist aber nicht ganz allein."

Wichtig ist auch, wie du dem Mann die Nachricht überbringst, nämlich möglichst knapp und auf den Punkt. Gehe nicht zu sehr ins Detail, vor allem bei den Folgen. "Wie die Möbel aufgeteilt werden, hat da nichts zu suchen", sagt van Santen. Formuliere so ehrlich und sachlich wie möglich, wie es zu dem Entschluss gekommen ist. Wichtig: Um Streit zu vermeiden, solltest du auch ihm zuhören, ihn ausreden lassen. Es ist auch seine Liebe, die da gerade zerbricht.

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Nicht laut werden! Statt ihm Vorwürfe zu machen, senden Sie lieber Ich-Botschaften wie: "Ich erwarte mehr von einer Beziehung."

Was sollte ich beim Trennungsgespräch besser nicht tun?

Auf klassische Streitthemen wie Haushalt oder Geld solltest du nicht eingehen. Dann geht es gleich wieder damit los. Auch Vorwürfe haben in diesem Gespräch nichts zu suchen, egal, wie respektlos sich der Mann dir gegenüber in der Vergangenheit verhalten hat. Statt zu sagen "Du hast meine Liebe mit Füßen getreten", sende eine Ich-Botschaft: "Ich erwarte mehr von einer Beziehung."

Gehe auch trotz aller Gewohnheit nicht auf Tuchfühlung. Halte Abstand. Nimm möglichst während des Gesprächs weder seine Hand noch ihn in den Arm. Das weckt nur falsche Hoffnungen. Ein absolutes No-Go sind auch Aussagen wie: "Ich liebe dich ja eigentlich noch, aber …" Wie soll der verlassene Partner bei solchen Worten die Trennung verstehen und akzeptieren?

Sprudeln bei ihm die Gefühle trotzdem über, solltest du das zulassen und ihm die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen – er konnte sich schließlich nicht, wie du, auf das Gespräch vorbereiten. Reagiert er wütend, hilft ein Trick, die Situation in den Griff zu bekommen: Stelle ihm eine Frage. Wut kommt aus dem animalischen Teil des Gehirns – um jemanden zu beruhigen, musst du ihn dazu bringen, den rationalen Teil zu benutzen. Etwa mit: "Was glaubst du – warum fiel es uns immer so schwer, ein gemein­sames Urlaubsziel zu finden?"

Hole den Mann einfach mit ins Boot. So machst du aus deinem Trennungswunsch eine gemeinsame Idee: "Du merkst doch auch, dass es nicht mehr klappt." Vielleicht kommt ihm das sogar entgegen. Klingt komisch, kann aber durchaus hilfreich sein, denn viele Männer bringen oft selbst nicht den Mut zum Schlussmachen auf. "Stattdessen treiben sie die Frauen dazu, sich zu trennen", sagt die Expertin.

Wie kann ich die Trennung überwinden?

Bevor du endgültig raus aus der Nummer bist, müssen noch ein paar lästige Dinge erledigt werden: bei einer gemeinsamen Wohnung die Möbel aufteilen, den zusammen gebuchten Urlaub stornieren, den Eltern und Freunden die schlechte Nachricht unterbreiten.

"Oft wünscht sich der Verlassene auch ein zweites Gespräch", so van ­Santen. "Lasse dich ein Mal darauf ein, auch wenn es den anderen nicht zufriedenstellen wird", rät sie. Aber ein drittes und viertes Gespräch sollte es nicht geben. Das ist dann meist nur die Fortsetzung des Dauerstreits unter anderen Bedingungen.

In der Folgezeit ist es dann besser, den Kontakt abzubrechen. Denn wenn ihr euch weiterhin seht oder täglich beim Ex durchklingeln. als wäre nichts gewesen, reißt das Wunden auf.

Gibt es gemeinsame Kinder, habt ihr das Schlimmste noch vor euch: Es ihnen irgendwie verständlich machen und euren Alltag miteinander organisieren. Hier gilt: Der klare Schnitt ist mit Kindern viel schwerer und praktisch kaum umzusetzen.

In den sozialen Netzwerken solltet ihr den Schnitt nicht gleich radikal zeigen, rät van Santen: "Wer sofort den Beziehungsstatus ändert oder Bilder löscht, demütigt den anderen öffentlich." Statt einfach den Stecker zu ziehen, solltest du der Liebe im Netz also langsam den Saft ­aus­gehen lassen – oder es ihm überlassen, wann er die virtuelle Verbindung zu Ihnen kappt.

Jeder Abschied ist schwer, so gut und richtig die Gründe dafür sind. Horche in dich hinein und stelle dir die entscheidenden Fragen. Eine Trennung ist kein einzelner Schnitt, sondern ein Prozess. Wenn du dir aber einmal darüber klar geworden bist, dass du ein Ende willst, zieh die Sache in großer Offenheit und Klarheit durch und hole dir dein Leben zurück.

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