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BDSM Eine Domina erklärt dir, was BDSM wirklich ist

Hat eine Domina ein schlechtes Gewissen, wenn sie Hintern versohlt? Und sind devote Frauen ein Schlag ins Gesicht des Feminismus? Wir haben mit einer Femdom gesprochen

Worauf stehst du eigentlich im Bett? Auf ganz "normale" Sachen? Oder gehörst du zu der extravaganten Sorte? Darf’s auch mal etwas heftiger sein? Haare ziehen und Po versohlen? Oder findest du das total krank? Empfindest du vielleicht schon diese Fragen als eine Zumutung? Im letzten Fall solltest du hier nicht weiterlesen.

Wenn du aber ein starkes Interesse an genau diesen etwas ausgefalleneren Spielarten der Liebe hast und mehr über Fesselspiele und Ähnliches wissen möchtest, bist du hier genau richtig. Denn wir haben eine Expertin zum Thema BDSM befragt.

Was genau ist eigentlich BDSM?

BDSM steht für Bondage and Discipline, Dominance and Submission, Sadism and Masochism und bezeichnet somit eine ziemlich große Bandbreite sexueller Varianten. Über allem steht die Lust am Spiel mit Dominanz und Unterwerfung, die sich in Form von Fessel-Sex, erotischen Rollenspielen mit spielerischer Bestrafung oder lustvoll zugefügten Schmerzen äußern kann.

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Madame Lisa glaubt, dass die meisten Menschen eine – vielleicht nur kleine – Vorliebe für BDSM in sich tragen.

Das Feld ist weit und bietet somit reichlich Platz für Vorurteile. Wir wollten wissen, was dran ist am Klischee vom Top-Manager, der sich in seiner Freizeit gerne den Hintern versohlen lässt; ob es stimmt, dass es devoten Frauen an Selbstbewusstsein fehlt und ob eine Domina eigentlich auch mal ein schlechtes Gewissen kriegt, wenn sie zuschlägt.

Wie kann ich BDSM lernen?

Wir haben uns mit einer Frau unterhalten, die aus genau dieser Unwissenheit der anderen eine Passion gemacht hat: Madame Lisa ist Domina in Stuttgart oder – wie sie sich lieber nennt – eine Femdom. Die Abkürzung steht für "Female dominance“, heißt also so viel wie „weibliche Dominanz“.

Sie glaubt, dass die meisten Menschen eine – wenn auch vielleicht nur kleine – Vorliebe für BDSM in sich tragen und bietet seit mehr als 10 Jahren spezielle Seminare und Workshops für diejenigen an, die gerne mehr über diese Form der Sexualität herausfinden möchten.

Ihr Ziel: BDSM aus der Schmuddelecke holen und den Menschen klar machen, dass das Klischee von der arroganten Domina, die sich den Staub von den Stiefeln lecken lässt, so gar nichts mit der Realität zu tun hat. Im folgenden Interview beantwortet sie alle Fragen zu BDSM.

Geht es beim BDSM echt um Frauen im Lederdress, die Männer an der Leine führen?

Wenn Du auf die typischen Bilder in Pornos anspielst – das hat herzlich wenig mit der Realität zu tun. In diesen Filmen wird BDSM ziemlich überzeichnet dargestellt und ist in der Regel weit entfernt von dem, was Männer oder Frauen erleben wollen würden, wären sie der Situation tatsächlich ausgesetzt. BDSM hat in Wirklichkeit sehr viel mit tiefen Emotionen und Intimität zu tun.

Wer Sex hat, der sieht nicht nur, sondern fühlt, riecht und schmeckt – das geht beim Porno-Schauen gänzlich verloren und darum muss man im Film die Dinge übertreiben, um beim Zuschauer einen Reiz auszulösen. Das gilt aber für jede Form der Pornografie. Letztlich vermittelt das den Menschen ein mitunter sehr schiefes Bild von BDSM.

Ich merke das immer wieder in meinen Workshops und Seminaren, wenn die Menschen sagen "Gott, bin ich erleichtert. Ich dachte, ich dürfte jetzt nicht mehr lachen und müsste Kommandos brüllen“. Jemanden zu führen hat nichts damit zu tun grausam oder abartig zu sein. Das geht auch leise, höflich und freundlich.

Was sind das für Menschen, die deine BDSM-Seminare besuchen?

Da ist quer durch die Bank wirklich alles vertreten. Von der 19-jährigen Studentin über den Banker bis hin zum Senior. Mein ältester Kursteilnehmer war übrigens 72 Jahre alt. Es sind sowohl absolute Neulinge wie auch erfahrene BDSMler dabei, Paare und Einzelpersonen.

Einige wollen wissen, ob BDSM überhaupt etwas für sie ist, die anderen suchen nach neuen Impulsen für ihre Beziehung. Der Großteil ist zwischen 30 und Ende 40 und – ganz ehrlich – völlig normal. Was ich damit sagen will: Viele verwechseln BDSM mit Milieu oder einer speziellen Art der Erotikbranche und erwarten ein dementsprechendes Klientel. Dem ist aber nicht so.

Stimmt das Bild vom strengen Manager, der sich zum Ausgleich auspeitschen lässt?

Die gibt es natürlich; aber ebenso gibt es die Manager, die im Bett den dominanten Part übernehmen wollen.

Ich habe da eine ganz eigene Theorie was Erstere angeht. Wenn ein Mann spürt, dass er devote Tendenzen hat, ist es ihm manchmal unangenehm, das einfach als gegeben hinzunehmen und zuzugeben. Dann benutzt er eben seinen Job als Krücke. Manchen fällt es einfach leichter ihre Vorlieben mit der beruflichen Position zu begründen als mit der eigenen Persönlichkeit.

Einmal dominant, immer dominant? Oder kann sich eine Vorliebe ändern?

Bei einigen Menschen wechselt das sogar immer mal wieder. Das sind die sogenannten Switcher. Und manchmal kann jemand, der 20 Jahre lang devot war, plötzlich das Bedürfnis haben auch mal die Gegenseite auszuleben.

Ich bin das beste Beispiel. Als ich mit 19 Jahren BDSM für mich entdeckte, habe ich mich in der unterwürfigen Rolle sehr wohl gefühlt. Hätte man mir damals gesagt, dass ich mal als Femdom unterwegs wäre, ich hätte demjenigen den Vogel gezeigt.

Das hat sich in dem Moment geändert als ich eine Femdom und ihre beiden Sklaven auf einer Party getroffen habe. Je besser wir uns kennenlernten, desto faszinierter war ich von der Art, wie sie mit den beiden Männern umging. Irgendwann wusste ich, das will ich auch.

Ich glaube, es gibt immer eine kleine Sehnsucht im Menschen, die ins Gegenteilige schlägt. Manchmal braucht es nur den richtigen Partner im richtigen Moment, um genau diesen Gegenpol zu wecken.

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Das Wichtigste beim BDSM ist Vertrauen, verbindliche Absprachen müssen eingehalten werden.

Apropos Partner – was machen denn Paare, wo beide dominant sind?

So etwas kann tatsächlich ein Wermutstropfen sein, muss aber nicht zwangsläufig das Ende einer Beziehung bedeuten. In solchen Fällen kann sich das Paar zum Beispiel abwechseln, so dass jeder mal in der Rolle aufgehen kann, die ihn am stärksten triggert.

Oder das Paar öffnet sich für andere Paare. Dabei kann die Sexualität auch völlig ausgeklammert werden, wenn einem das zu weit geht. Manchmal reicht es schon, wenn Schlagspielchen oder bestimmte Rollenspiele mit diesem anderen Paar geteilt werden.

Eine offene Beziehung mit wechselnden Sexualpartnern kann zwar auch für ein eigentlich monogames Paar funktionieren, aber meist spielen hier Eifersucht und Verlustängste eine große Rolle.

Wie spricht man das Thema beim Partner an? Peitsche im Netz bestellen und im Bett auspacken?

Sowas kann funktionieren, aber auch schnell nach hinten losgehen. Zum Beispiel dann, wenn man ohne Sinn und Verstand drauflos peitscht und den anderen möglicherweise ernsthaft verletzt – körperlich wie seelisch.

Genau das ist der Grund, warum ich diese Seminare anbiete. Hier lernen die Menschen nicht nur die Basics über BDSM und erfahren alles Relevante über die verschiedenen Spielarten, sondern ich vermittle auch medizinisches Wissen. Heißt: Wie fest und wohin kann ich überhaupt schlagen, ohne dass was kaputt geht? Genauso wichtig ist übrigens die richtige Kommunikation unter den Partnern.

Die Haltung devoter Frauen wird von Feministinnen mitunter verurteilt. Was denkst du?

Dahinter verbirgt sich eine Art Doppelmoral. Warum sollte man devoten Frauen ihre Lust und ihre sexuelle Selbstbestimmung madig machen, nur weil sie nicht in das Konzept von jemandem passen? Eine Frau, die zu ihrer Sexualität steht und sie lebt, ist wesentlich freier als eine Frau, die ihre Vorlieben leugnet.

Es ist ohnehin ein Irrglaube, dass devot veranlagte Frauen ein geringes Selbstbewusstsein hätten oder schwach wären. Das Gegenteil ist der Fall. Wer sich vor jemandem verneigen möchte, muss erst einmal stabil stehen können. Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass es wesentlich mehr Stärke braucht, um jemanden zu dienen und sich freiwillig zurückzustellen als zu befehlen.

Der bewusste Machtaustausch wird quasi nur möglich, indem der devote Part stark genug ist, um genau das zuzulassen. Genauso ist es ein Irrglaube, dass der dominante Part lediglich kalt oder hart sein muss. Eine gute Führung im BDSM erfordert vor allem Einfühlungsvermögen und ist dann genau richtig gewählt, wenn sie für den Partner das richtige Maß an Härte und Strenge ist.

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Eine Frau, die ihre Sexualität lebt, ist wesentlich freier als eine Frau, die ihre Vorlieben leugnet.

Gibt es auch Menschen, die BDSM nutzen, um Gewaltphantasien auszuleben?

Ja, die gibt es leider auch. Ich hatte einmal einen solchen Fall in einem meiner Seminare. Da war ein Herr, der sagte, er habe sein Leben lang schlechte Erfahrungen mit Frauen gemacht und würde sich jetzt gerne an der Frauenwelt rächen, indem er sie quält.

Ich habe diesen Mann höflich gebeten mein Seminar zu verlassen und ihm später unter vier Augen erklärt, dass ich solche Tendenzen nicht dulde und das absolut nichts mit BDSM zu tun hat. So jemandem rate ich zu einer therapeutischen Aufarbeitung seiner Beziehungserfahrungen, aber definitiv nicht dazu sich beim BDSM auszutoben.

Das ist übrigens auch der Grund, warum ich "Fifty Shades of Grey“ nicht wirklich viel abgewinnen kann, obwohl das Buch etliche Menschen erst an BDSM herangeführt hat. Allerdings krankt die Geschichte schon im Kern: Christian Grey ist ein traumatisierter Mann, weil er als Kind Gewalt erfahren hat und darin liegt sein Hang zum BDSM begründet. BDSM sollte nie Ventil für ein ernsthaftes Trauma oder eine krankhafte Neigung sein.

Woher weiß man, ob es sich um krankhaften Sadismus handelt oder nicht?

Beim BDSM treffen im Idealfall zwei Menschen aufeinander, deren Lust sich am Spiel von Dominanz und Unterwerfung gegenseitig bedingt. Heißt: Die Domina hat nur dann Gefallen an dem Rollenspiel, wenn sie einen Sklaven zur Verfügung hat, der sich gerne von ihr führen lässt und daraus seine Befriedigung zieht. Würde der Sklave ausschließlich unter Zwang oder in einer negativen Emotion handeln, wäre das kein Genuss für die Domina.

Genauso geht es dem devoten Part, dem sogenannten Sub: Nur, wenn er oder sie das Gefühl hat, dass der Dom ihn mit Respekt und Würde führt, kann er in seiner Rolle aufgehen und wiederum Lust empfinden. Auch wenn wir es hier mit einem Machtgefälle zu tun haben – letztlich ist auch das nichts weiter als ein Spiel unserer Seele, bei dem sich beide Partner mit Achtung und Wertschätzung begegnen.

Hat ein dominanter Part nicht trotzdem mal ein schlechtes Gewissen?

Schuldgefühle gehören – gerade am Anfang – häufig dazu. Das geht so weit, dass Menschen danach in Tränen ausbrechen, weil sie nicht verstehen können, warum es ihnen mehr Lust bereitet jemanden zu schlagen statt zu streicheln, obwohl sie denjenigen doch lieben.

So etwas geht nicht spurlos an einem vorbei und ich würde mir eher Sorgen machen, wenn mich das zu Beginn gänzlich kalt gelassen hätte. Wir sind schließlich so erzogen worden, dass es böse ist, jemandem Schmerzen zuzufügen. Diesen Zwiespalt kann man überwinden, indem man zum einen weiß, was man tut und nicht sinnlos drauflos prügelt und zum anderen sein Schwarz-weiß-Denken ablegt und sich sagt, dass der andere ebenso Lust in seiner Rolle empfindet.

Wie findet man heraus, ob man eher devot oder dominant ist?

Indem man es ausprobiert. Gelüste rein gedanklich zu erfassen – das funktioniert nicht. Hinzu kommt, dass sexuelle Vorlieben oft von dem überlagert werden, wie wir uns selbst sehen oder gerne sehen würden. Es gibt Menschen, die sagen von Vornherein, dass sie zu stolz sind, um vor jemand anderem niederzuknien. Trotzdem können diese Menschen eine ausgeprägte Sehnsucht danach haben, beim Sex die devote Rolle zu übernehmen und bringen sich mit ihrer starren Haltung letztlich selbst um diese Erfahrung.

Gerade beim BDSM ist es wichtig, sich physisch wie psychisch intensiv damit zu beschäftigen. Macht mir die Erfahrung von Schmerz auch in der Realität Spaß oder nur dann, wenn ich es mir im Porno anschaue? Was macht das mit meinem Gefühlsleben, wenn ich mich erniedrigen lasse? Kann meine Psyche dem standhalten? Mitunter wird man überrascht sein, welche Tendenzen bei einer solchen Analyse zutage treten. Und man sollte sich erlauben ganz unterschiedliche Vorlieben zu haben; auch wenn es sich um totale Gegensätze handeln sollte.

Die Vielfalt und die unterschiedlichsten Stimmungen machen uns Menschen nun einmal aus. Ich glaube fest, dass fast jeder Mensch einen gewissen Hang zu BDSM hegt, sich aber nicht traut dem nachzugehen.

Fast jeder hat schon mal beim Sex Schläge auf den Po verteilt oder wollte die Augen verbunden bekommen. Das ist vielleicht ein Zeichen, dass man hier eine Neigung hat. Es kommt lediglich darauf an, ob du dir diese Neigung erlaubst, sie erforschst und bestenfalls auch lustvoll umsetzt.

privat
Seit über einem Jahrzehnt veranstaltet unsere Expertin Madame Lisa als Dozentin BDSM-Seminare, Workshops und Personal Coachings rund ums Thema BDSM in Stuttgart.

www.bdsm-manufaktur.de

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