Antibiotika Die 9 wichtigsten Fragen zu Antibiotika

Pille einwerfen und im Handumdrehen wieder gesund? Ganz so einfach ist es dann auch nicht. Wir klären die gängigsten Fragen rund um Antibiotika

Antibiotika - ja oder nein? Sind Antibiotika immer die beste Lösung?

Milchprodukte meiden, auf keinen Fall Alkohol trinken und hinterher unbedingt neue Bakterienkulturen ansiedeln – wenn es um die Einnahme von Antibiotika geht, kursieren viele Mythen und Halbwahrheiten. Wir haben die gängigsten Thesen zusammen mit einem Experten kritisch unter die Lupe genommen: Was stimmt, was nicht wahr oder sogar gefährlich ist im Umgang mit Antibiotika, lesen Sie in unserer Mediagalerie. Zunächst aber die Basics, die jede Frau kennen sollte:

Was sind Antibiotika?

Antibiotika werden zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten eingesetzt. Je nach Krankheit gibt es verschiedene Wirkstoffgruppen, beispielsweise Penicilline, Tetrazykline oder Makrolid-Antibiotika. Außerdem wird je nach Wirkungsweise zwischen Breitband- und Schmalspektrum-Antibiotika unterteilt. Vereinfacht gesagt töten Antibiotika die krankheitserregenden Bakterien ab oder hemmen diese. Viren gegenüber sind Antibiotika allerdings wirkungslos.

Antibiotika sind starke Medikamente und sollten nicht die erste Wahl sein. Häufig ist der Körper stark genug, um es auch ohne Antibiotikum mit dem Infekt aufzunehmen. Bei vielen Krankheiten, beispielsweise Blasenentzündungen, gibt es auch wirkungsvolle Arzneimittel auf pflanzlicher Grundlage. Sie sollten also immer mit Ihrem Arzt sprechen, ob ein Antibiotikum wirklich die beste Lösung ist, sagt auch unser Experte Professor Dr. med. Uwe Frank, Mikrobiologe an der Universität Heidelberg: "Wenn Ihr Arzt merkt, dass Sie von ihm nicht gleich die chemische Keule erwarten, wird er Ihnen sicher entgegenkommen – sofern es aus medizinischer Sicht vertretbar ist.“

Absolute Sicherheit, ob Sie ein Antibiotikum brauchen, bringt nur ein Abstrich – der liefert aber leider erst nach einigen Tagen zuverlässige Ergebnisse. Bei Atemwegsinfekten, Nasennebenhöhlen- und Mandelentzündungen ist es aber sehr wahrscheinlich, dass überhaupt keine Bak­terien im Spiel sind: "9 von 10 dieser Erkrankungen werden durch Viren verursacht", sagt Mikrobiologe Frank. Und wenn Viren die Übeltäter sind, bringt ein Antibiotikum überhaupt nichts! Anders sieht es aus, wenn Sie länger als 3 Tage über 38,5 Grad Fieber haben. "Dann könnte es sein, dass sich eine Bakterie obendrauf gesetzt hat und eine Lungen­entzündung entstanden ist, gegen die nur ein Antibiotikum hilft."

Einnahmedauer von Antibiotika Wieso muss man einige Antibiotika 10, andere nur 3 Tage lang einnehmen?

Das liegt daran, dass manche Arzneien sehr langsam abgebaut werden. Heißt: Es reicht vollkommen, sie nur 3 Tage zu schlucken, weil die Substanz sich deutlich länger im Gewebe hält. Und das hängt davon ab, wo genau sich die Entzündung befindet: Es gibt Bereiche im Körper, zum Beispiel Knochen oder Zähne, in die viele Mittel nur schlecht gelangen. Da nur niedrige Konzentrationen erreicht werden, dauert es länger, bis auch der letzte Erreger erwischt wird.

Antibiotika & Pille Stimmt es, dass Antibiotika die Wirkung der Pille hemmen?

Ja. Das trifft zumindest für alle üblichen Breitbandantibiotika zu, die gleich gegen eine Vielzahl von Keimen wirken. Denn solche Mittel machen auch den "guten“ Bakterien zu schaffen, die im Darm unsere Verdauung unterstützen. Folge: Man bekommt schneller Durchfall – und das wiederum macht die Pille unzuverlässig. Aber auch ohne Durchfall ist die Wirkung des Verhütungsmittels eingeschränkt, da Östrogene und Gestagene ohne Darmbakterien gar nicht erst ins Blut aufgenommen werden können. Es gibt sogar Antibiotika, die den Abbau der Pillenwirkstoffe fördern. Also sollten Sie bis zum Beginn des nächsten Zyklus unbedingt zusätzlich verhüten!

Sport, Sauna, Solarium Was darf man während der Antibiotika-Einnahme unternehmen?

Sollten Sie sich unsicher sein, was Sie bei der Einnahme von Antibiotika beachten müssen, fragen Sie auch bei solchen Fragen immer Ihren Arzt oder Apotheker. Auch hier unterscheiden sich die unterschiedlichen Medikamente: Manche Antibiotikum-Arten sind dafür bekannt, die Haut lichtempfindlicher zu machen, weshalb Solarium und Sonnen in dieser Zeit keine gute Idee sind. Da Bakterien sich bei feuchter Wärme besonders wohlfühlen, ist Saunieren während und kurz nach einer Antibiotikum-Einnahme nicht ratsam. Auch das Thema Sport ist heikel – der Arzt hat Ihnen das Antibiotikum ja nicht aus Spaß verschrieben! Da Ihr Immunsystem geschwächt ist, sollten Sie zunächst auf Sport verzichten und sich auch nach der Krankheit erst langsam wieder heran tasten, um nichts zu verschleppen.

Antibiotika & Alkohol Darf man wirklich gar keinen Alkohol trinken, wenn man Antibiotika nimmt?

Wenn Sie schnell wieder gesund werden wollen, sollten Sie es lassen. "Alkohol schwächt das Immunsystem, wodurch der Infekt gefördert wird", so Krankenhaushygieniker Prof. Frank. Zudem sind einige Mittel wie Penicillin oder sogenannte Beta-Lactam-Antibiotika in der Kombination mit Alkohol weniger wirksam.

Wer auf Promille zur Pille immer noch nicht verzichten will, den schreckt vielleicht das Antabus-Phänomen ab: Bei manchen Menschen sorgen einige Antibiotika-Wirkstoffe dafür, dass Alkohol überhaupt nicht mehr vertragen wird. Wen's trifft, ist genetisch festgelegt, die Folgen jedenfalls sind unangenehm: Denn schon ein Glas Wein kann sich wie ein Vollrausch anfühlen – inklusive Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen.

Hautausschlag durch Antibiotika? Hilfe, ich bekomme Ausschlag von Antibiotika. Soll ich es lieber sofort absetzen?

Nein, zumindest nicht in Eigenregie. Fragen Sie Ihren Arzt nach Alternativpräparaten, und behalten Sie die Sache im Auge. Denn der Hautausschlag kann auch Symptom einer ernsten Allergie sein, wie sie etwa bei Penicillinen relativ weit verbreitet ist. Und solche Allergien können sich steigern, falls Sie das Mittel noch einmal nehmen: Der Hals schwillt zu, im schlimmsten Fall bekommen Sie sogar einen echten Schock. Ein Hauttest beim Allergologen kann das klären.

Der richtige Zeitpunkt für die Antibiotika-Einnahmen Vorm Essen oder danach – was gilt bei der Einnahme von Antibiotika?

Wann Sie am besten Ihr Antibiotikum einnehmen, hängt vom Wirkstoff ab. Deshalb sollten Sie darauf hören, was der Arzt zur Einnahme rät. Eines gilt aber für alle: Die Abstände zwischen den Einzeldosen sollten möglichst gleich sein. Bei 3 Tabletten täglich ist alle 8 Stunden ideal. Anders als eine Schmerztablette ist ein Antibiotikum nämlich nur effektiv, wenn über längere Zeit eine bestimmte Konzentration am Entzündungsort ankommt. Werfen Sie die Pillen unregelmäßig ein, geht der Wirkstoffspiegel rauf und runter.

Übrigens: Besondere Achtsamkeit ist bei gleichzeitiger Einnahme von Antibiotika und Milchprodukten gefragt. Bestimmte Tetrazykline und Gyrasehemmer können im Magen-Darm-Trakt mit Calcium eine Verbindungen eingehen, mit der Folge, dass sie nicht in den Blutkreislauf gelangen können. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie diese Tabletten 1 bis 2 Stunden vor der Milch oder 4 Stunden danach einnehmen.

Bakterien aufbauen nach Antibiotika Braucht man nach der Einnahme von Antibiotika eine Aufbaukur mit Darmbakterien?

Eines vorab: Es geht nicht nur um den Darm. Auch der Säureschutzmantel der Haut und die Vaginalflora werden von Bakterien reguliert. "Nach einer Therapie mit Antibiotika sind diese ebenfalls geschwächt, was einen Pilzbefall begünstigen kann", erklärt Experte Frank. Vorbeugen ist daher durchaus sinnvoll, geht aber auch gut mit Joghurt dank der enthaltenen probiotischen Kulturen.

Antibiotika-Resistenzen Stimmt es, dass viele Antibiotika nicht mehr helfen?

Antibiotika als allwirksames Wundermittel – diese Zeiten sind vorbei! Denn immer mehr Resistenzen erschweren die Behandlung: "Die Liste der Erreger, gegen die wir nichts mehr ausrichten können, wird immer länger, aber wir entwickeln nicht im selben Tempo neue Medikamente", sagt Mikrobiologe Frank. Einer der Gründe: Für Pharmafirmen lohnt es sich kaum noch, Geld in die Entwicklung von Präparaten zu stecken, die nur vorübergehend genommen werden. Langzeitmittel gegen Bluthochdruck etwa sind viel lukrativer.

Sie selbst können aber aktiv etwas tun: Um Resistenzen zu vermeiden, sollten Sie Antibiotika wirklich nur dann nehmen, wenn es sinnvoll ist. Und auch genau so lange, wie es in der Packungsbeilage steht – selbst wenn Sie sich schon vor Ablauf dieser Zeitspanne besser fühlen.

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22.02.2018| Juliane Funke, Diana Helfrich © womenshealth.de
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