Selbstwert: Jessamyn Stanley im Interview

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Jessamyn Stanley - Formotion © Adidas

Selbstwertgefühl Nicht nur am Weltfrauentag: So wichtig ist Selbstwert

Frauen sollten nicht nur auf Frauenrechte aufmerksam machen, und sich einander unterstützen, sondern auch viel (Selbst-) Liebe verteilen! Jessamyn Stanley sagt im Interview, wie es klappt

Die lange Zeit der Benachteiligung und Unterdrückung hat sich tief eingebrannt und machen es vielen Frauen bis heute noch schwer, sich selbst so anzunehmen und zu lieben, wie sie sind.

Doch um dich im Leben zu behaupten und für deine Rechte einzustehen, braucht es nicht nur Kraft und Talent. Es bedarf auch eines gesunden Selbstwertes und viel (Selbst-)liebe. Und das nicht nur am Weltfrauentag, sondern an jedem Tag des Jahres.

Warum ist Selbstwert so wichtig für Veränderung?

Ob es um Körper, Charakter oder Meinungen geht, um für Frauenrechte zu kämpfen, muss sich jede Frau auch erst einmal darüber bewusst sein, dass sie es auch wert ist, diese Rechte besitzen zu dürfen. Sonst kämpft sie gar nicht erst.

Dabei geht es nicht nur um große Veränderungen wie Wahlrecht oder eine Frauenquote, sondern auch um kleinere – aber deswegen nicht weniger wichtige – Situationen im Alltag, in denen jede Frau es einfach verdient hat mit demselben Respekt behandelt zu werden, wie ein Mann. Sich selbst so anzunehmen und zu respektieren wie man ist und den eigenen Wert zu erkennen, ist also das A und O von Veränderung. Jedoch fällt das nicht immer leicht.

Jessamyn Stanley über Selbstliebe und Veränderung

Wir haben mit der Trainerin Jessamyn Stanley gesprochen, die dir ein paar Tipps verrät, wie du dein Selbstwertgefühl stärkst. Die 33-jährige Amerikanerin ist leidenschaftliche Yoga-Lehrerin.

Sie kämpft für Body Positivity und inspiriert mit dem #everybodyyoga ihre rund 450 Tausend Follower*innen dazu mutig zu sein und unabhängig von Körperform und Gewicht, aber auch von Herkunft und Aussehen im allgemeinen, einfach das zu tun, was glücklich macht.

Jessamyn, warum kommt es nicht darauf an, wie man aussieht oder wie viel man wiegt, wenn es um den eigenen Wert geht?

Wir haben alle eine bestimmte Vorstellung davon, wer wir sind und vor allem wer wir sein sollten. Und der Fokus liegt hier viel zu sehr auf unserem Äußeren. Denn eine bestimmte Körperform, ein bestimmtes Aussehen oder eben unser Geschlecht hält uns nicht davon ab, ob wir eine bestimmte Sportart umsetzen, eine bestimmte Meinung vertreten oder irgendeine spezifische Aufgabe umsetzen können.

Was uns abhält sind unsere eigenen Gedanken und die Grenzen, von denen wir glauben, dass sie existieren. Wenn wir zu diesen Wurzeln vordringen, damit aufhören, uns von der Meinung anderer abhängig zu machen und einfach anfangen uns so zu akzeptieren, wie wir sind, werden wir auch unseren Wert erkennen. Und das wird zu Veränderung führen. In uns, aber auch in der Gesellschaft.

Fällt es dir selbst einfach deinen Wert zu erkennen und dich so zu akzeptieren und zu lieben, wie du bist?

Nein (lacht)! Ich finde es nicht einfach, aber ich finde es notwendig! Und klar, ganz oft gehen wir lieber den einfachen Weg und denken uns bei so vielen Dingen „Das kann ich nicht“ oder „Dafür bin ich nicht gut genug“ und lassen es deswegen sein. Aber wenn wir dem Ganzen eine Chance geben und uns dazu ermutigen es zumindest zu probieren, dann entsteht so viel Raum für all das Wunderbare da draußen.

Beim Yoga kann das bedeuten, anzunehmen, dass es hart ist, dass man schwitzt und dass man eventuell versagt, aber dadurch lernt man eben viel über sich selbst und kann über sich hinauswachsen. Das geht nicht, wenn wir es gleich von Anfang an bleiben lassen.

Hast du noch weitere Tipps, wie Selbstakzeptanz leichter fallen kann?

Jessamyn Stanley Adidas - Formotion
Die richtige Kleidung hilft, sich wohlzufühlen und trägt so zum positiven Selbstwert bei.
© Adidas

Es ist ganz wichtig, dich mit Menschen zu umgeben, die dich wertschätzen. Wir unterschätzen so oft die Auswirkungen, die unser direktes Umfeld auf unsere Selbstwahrnehmung hat. Wenn wir respektvoll und liebevoll behandelt werden, dann fällt es uns auch viel leichter, uns selbst so zu behandeln.

Außerdem ist es wichtig sich Aufgaben, Hobbies oder Herausforderungen zu widmen, mit denen wir uns wohlfühlen. Das gilt genauso auch für unsere Kleidung! Sich in Outfits zu zwängen, die uns einengen und die unbequem sind, macht uns kleiner als wir sind und nimmt uns viel Selbstvertrauen. Die neue Adidas Kollektion Formotion wurde nach den verschiedensten Ansprüchen unterschiedlichster Frauen gestaltet. Sie unterstützt jeden Körper perfekt und macht es dabei möglich sich ganz frei, ohne Einschränkungen zu bewegen.

Es ist einfach so wichtig, sich selbst wohl in der eigenen Haut zu fühlen! Das geht nur mit Kleidung, die ganz individuell passt und eben nicht nur auf einen Standardkörper zugeschnitten ist. Schließlich sind wir alle so verschieden!

In der Gesellschaft wird immer mehr Platz für Diversität geschaffen. Was wünschst du dir noch für die Zukunft?

Ich würde gerne noch mehr marginalisierte Körper in der Öffentlichkeit repräsentiert sehen. Einfach, dass eine Selbstverständlichkeit dafür entsteht, dass jeder Körper unterschiedlich ist und dass es nicht nur „den einen“ Körper gibt, der es ermöglicht gesund zu sein, sondern, dass dies in jeder Form möglich ist. Dass wir uns alle bewegen können, dass wir alle gesund sein können, unabhängig unseres Aussehens.

Und je mehr wir selbst dafür bereit sind solche Vielfalt zu sehen, je mehr kann sich auch ändern. Das lässt sich natürlich auf alle Dinge in der Gesellschaft übertragen. Um zu verändern, müssen wir auch bereit für Veränderung sein.

Was liebst du an dir selbst am meisten?

Das was ich am meisten an mir liebe, ist, dass ich, egal was passiert, immer weitermache. Dass ich, selbst wenn ich niedergeschlagen bin, weitermache. Und es gab Zeiten – und ich weiß, es werden wieder welche kommen – in denen ich nicht weitermachen wollte. Aber ich habe trotzdem weitergemacht!

Es liegt so viel Power darin zu sagen „Es wird verdammt hart und es werden Tränen und Blut fließen und vielleicht werde ich richtig auf die Nase fallen, aber ich werde es trotzdem tun. Ich gebe nicht auf!“

Genau diesen Mut und diese Willensstärke brauchen wir am Weltfrauentag und darüber hinaus, an jedem anderen Tag im Jahr. Veränderung beginnt immer bei uns selbst. Wir Frauen müssen uns in erster Linie selbst so akzeptieren und lieben wie wir sind, um unseren eigenen Wert zu erkennen und dann auch für ihn zu kämpfen.

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