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© Julia Stübner für Peppermynta.de
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Oh, woher ist denn der tolle Rock?!

Gute Frage! Nur leider können große Modemarken sie oft nicht beantworten. Die Lieferketten sind lang – und selten nachhaltig. Wie es besser geht, zeigt dieser Beitrag, den wir gemeinsam mit den Kolleginnen vom Magazin peppermynta.de präsentieren

Geschnitten in China, gefärbt in Osteuropa, genäht in Bangladesh – die Reise eines T-Shirts kann schon mal rund um den Globus gehen, noch bevor es bei dir im Kleiderschrank ankommt. Dass große Modeunternehmen da schnell den Überblick verlieren, bestätigen die (erschreckenden) Zahlen von Fashion Revolution: 2015 kannte jede zweite Modemarke die Fabriken nicht, in denen sie fertigen lässt. Drei von vier Labels wussten nicht einmal, woher ihre Stoffe stammen und rund 90 Prozent der Befragten konnten nicht beantworten, woher die Rohstoffe für ihre Kleidungsstücke kamen.

Für den Fashion Transparency Index 2017 veröffentlichten zumindest 32 von 100 befragten Modemarken eine Liste ihrer Zulieferer. Allerdings nannten diese „nur“ die Fabriken, in denen die Kleidungsstücke genäht wurden. Keine einzige Marke konnte oder wollte jedoch Auskunft über ihre Rohstofflieferanten geben.

Seit bekannt ist, dass es in der Modewelt jenseits der Laufstege alles andere als glamourös aussieht, fluten Begriffe wie "Fair Fashion" und "Slow Fashion" nicht nur unsere Instagram-Feeds, sondern sorgen auch in der realen Welt für ordentlich Gesprächsstoff.

"Ich kaufe meist Second Hand und nur selten Neues und wenn, möchte ich wissen, woher die Teile kommen", sagt Instagrammerin Jil Zeletzki. "Die Entwicklungen in den letzten paar Jahren zeigen klar, wie sehr wir den Markt mit beeinflussen können und ich freu mich, dass auch größere Brands nachziehen (müssen) und für mehr Transparenz in der Industrie gesorgt wird."

Ein wichtiger Teil des Diskurses um faire Mode sind die Veranstalter der Fashion Revolution Week. Eine Gruppe von UnternehmerInnen, AktivistInnen, PressevertreterInnen und AkademikerInnen mit dem Ziel, nicht nur über die Missstände in der Modeindustrie aufzuklären, sondern vor allem tragbarere Alternativen aufzuzeigen. Die Fashion Revolution Week findet vom 23.-28. April unter anderem in München, Köln, Hamburg und Berlin statt. Im Zuge der etwas anderen Fashion Week gibt es zahlreiche Aktionen, unter anderem den Hashtag #whomademyclothes.

In einer neuen Produktion von peppermynta.de zeigen Influencerinnen, Eco-Fashion-Bloggerinnen und Modemacherinnen tolle Fair Fashion Looks und verraten, woher die Teile kommen:

Jil Zeletzki © Julia Stübner für Peppermynta.de
  • Hellgrauer, handgewebter Jumpsuit »Jalina« mit Knopfleiste am Rücken von Jyoti, 129 Euro
  • Leichter Kimono-Mantel mit sommerlichen Streifen aus Tencel, nach GOTS Standard zertifiziert und in der eigenen Herstellungsstätte in Süddeutschland produziert von Lovjoi, 139 Euro über thokkthokkmarket.com
  • Armreif »Croma Bangle« in Regenbogenfarben, aus ethisch einwandfreiem Holz aus nachhaltigen Wäldern, handgemacht in Indien von Teekri um 40 Euro.
  • Bunte schmale Armreife aus recycelten Flip Flops, handgefertigt in Mali über Etsy

Was ist die Fashion Revolution Week?

Die Fashion Revolution setzt sich mit Teams in über 100 Ländern der Welt für eine systemische Reform der Modebranche ein und erinnert mit der Fashion Revolution Week jedes Jahr an das Unglück des Zusammensturzes des Rana-Plaza Gebäudes in Bangladesch im Jahr 2013. Ihr Ziel: mehr Transparenz und Gerechtigkeit in der Modeindustrie. Es soll grundsätzlich nachvollziehbarer sein, woher Kleidung stammt und unter welchen Bedingungen sie produziert wird.

Dieses Jahr rückt die Fashion Revolution Week die Themen Faire Arbeit, Umweltschutz und Gender Equality in den Fokus. Mehr als sinnvoll, denn laut einer Studie der Ellen McArthur Foundation wird die momentane Kleiderproduktion zu noch katastrophaleren Umweltschäden führen. Die Löhne der Textilarbeiter liegen oft unterhalb der Armutsgrenze und die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken sind katastrophal.

"Die Fast Fashion Industrie basiert vor allem auf einem: Der Ausbeutung von Menschen – und leider von sehr vielen Frauen, weil sie meistens in den Fabriken als Näherinnen arbeiten. Aber auch in der Landwirtschaft gibt es viele Frauen, die ausgebeutet werden", kritisiert Lara Keuthen, Redaktionsleiterin von Peppermynta.de. "Ich bezeichne mich selbst als Feministin und sehe in meinem konsequenten Tragen und Konsumieren von Fair Fashion einen feministischen Akt. Jede Feministin sollte Fair Fashion kaufen! Denn durch faire Löhne können auch faire Arbeitsbedingungen geschaffen werden. So, dass keine Frau auf dieser Welt durch die Modeindustrie in Sklaverei leben und arbeiten muss."

Trotzdem geht es bei der Fashion Revolution Week nicht darum, große Modeketten zu verteufeln, sondern diese auf Defizite hinzuweisen und zum Umdenken anzuregen.

Lara Keuthen, Redaktionsleiterin peppermynta.de © Julia Stübner für Peppermynta.de
  • Jeans-Culotte mit Bindegürtel aus reiner Bio-Baumwolle, in einem dunklen Blau, ökologisch vorgewaschen und nachhaltig in Mazedonien hergestellt, 119 Euro
  • Das hibiskusfarbene Sweatshirt besteht außen aus Leinen und innen aus Bio-Baumwolle, es hat 3/4-Ärmel mit Faltendetails und wurde nachhaltig in Litauen produziert, 69,95 Euro
  • Kleine himmelblaue Tasche in Trapezform aus chromfrei gegerbtem Leder, um 179 Euro
  • Lange und filigrane »Yasuri« Ohrringe in hübscher Augen-Form aus vergoldetem Silber und Messing, in Peru handwerklich gefertigt, von Folkdays um 109 Euro

Was bedeutet Fair Fashion?

Eine saubere Umwelt, anständige Arbeitsbedingungen, faire Löhne – es gibt viele Gründe, warum fair produzierte Kleidung einfach besser ist. Doch was ist Fair Fashion überhaupt?

Bei fairer Mode geht es darum, Kleidung auf gerechte Weise herzustellen. Hierzu zählen angenehme Arbeitsbedingungen, ein angemessener Lohn und vor allem ein sicheres Arbeitsumfeld.

Es kommt immer wieder vor, dass faire Mode auch als „Green Fashion“, „Eco-Fashion“ oder „Bio-Mode“ bezeichnet wird. In diesen Fällen geht es neben fairen Arbeitsbedingungen auch um gesundheitsfreundliche Rohstoffe. Das heißt, dass bei der Produktion der Kleidung keine synthetischen oder toxisch gefärbten Fasern verwendet wurden, sondern zum Beispiel natürlich behandelte Bio-Baumwolle.

Ist Fair Fashion teurer als Fast Fashion?

Das mag auf den ersten Blick so wirken, doch wer sich an Schnäppchen-Preise wie 3,99 Euro gewöhnt hat, vergisst, dass den wahren Preis in diesem Fall Umwelt und Arbeiter zahlen.

Tatsächlich ist faire Mode nicht wirklich teurer. Zumindest nicht im Vergleich mit gehobenen Marken wie Adidas oder Tommy Hilfiger. Wer Wert auf die Qualität seiner Kleidung legt, wird preislich kaum einen Unterschied merken. Das Motto lautet daher: Klasse statt Masse. "Ich kaufe schon lange nur noch ausgewählte Kleidungsstücke von hoher Qualität. Außerdem investiere ich eher in Basics als in ausgefallene Stücke. Eine Ausnahme sind Kleider – da darf es schon mal etwas bunter und auch ein Kleid mehr sein", sagt Bloggerin Lynn Hoefer.

Lynn Hoefer © Julia Stübner für Peppermynta.de
  • Rosa Culotte mit Wickeleffekt aus Bio-Baumwolle von Lanius, 159,90 Euro
  • Schwarzes, breitgeripptes Top aus Bio-Baumwolle, in Deutschland produziert, von Lovjoi, 55 Euro über thokkthokkmarket.com
  • Multicolour-Sneaker mit Mesh, fair und nachhaltig in einer spanischen Manufaktur produziert von Maison Mangostan, 163 Euro
  • Handgestrickter XXL-Sweater in Hellgrau, aus recyceltem Kaschmir von Natascha von Hirschhausen, 589 Euro

Wie kann man sich für Fair Fashion engagieren?

"Wenn alle Menschen aufhören, jeden Monat Ware bei Zara und Co. zu kaufen, würde es Zara nicht mehr gut gehen und entweder würden sie dann ihre Arbeitsbedingungen und Co. überdenken oder die Geschäfte würden schließen. Je mehr Menschen Second Hand und faire Labels unterstützen, desto mehr wird es davon geben und den Näher*innen geht es somit besser und auch der Umwelt", fasst es Influencerin Charlotte Weise treffend zusammen. Wir können mit unserem Kaufverhalten Einfluss auf den Mode- und Textilwirtschaft ausüben. Es hilft daher schon viel, sein eigenes Konsumverhalten einmal zu überdenken und dann bestenfalls zu ändern.

Das ist dir noch zu wenig? Kein Problem! Hier findest du 2 Möglichkeiten um Teil der Fair Fashion Revolution zu werden:

1. Raise Your Voice!

Punk-und Mode-Ikone Vivienne Westwood sagte: "Die größte Waffe, die wir haben, ist die öffentliche Meinung: Starte damit, die Welt zu verstehen, in der Du lebst. Du wirst zur Freiheitskämpferin, sobald Du damit beginnst."

Du kannst dich im Internet bei Kampagnen beteiligen, an Aufrufen an die Politik beteiligen, an Demonstrationen oder Flashmobs teilnehmen oder aber Abgeordnete per Mail oder Brief auffordern sich für fair Fashion stark zu machen. Letztlich zählt einfach jede Stimme.

2. Mitglied werden

Mittlerweile gibt es einige Initiative oder gemeinnützige Vereine, die sich für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit engagieren. So auch der Future Fashion Forward Verein. Wie genau du Teil dieses Vereins werden kannst siehst du hier.

Wiebke Kaiser © Julia Stübner für Peppermynta.de
  • Kurzer Tencel-Rock aus Eukalyptusfasern mit Gürtelband in Navyblau von Recolution, um 89,90 Euro
  • Nachhaltiges und lässiges T-Shirt aus 100% Bio-Baumwolle, leicht tailliert und mit »Find Your Soul«-Schriftzug von Merijula x Soul Sister, 14,98 Euro
  • Rostfarbener, klassischer Trenchcoat aus Bio-Baumwolle und mit Knöpfen aus recyceltem Papier von Lana Organics um 259,90 Euro
  • Leichte, handgefertigte Halbmond-Tasche aus Rattan von Vanilla Sand, 82 Euro. Weiches maritim-gestreiftes Halbarm-Shirt aus nachhaltigem Tencel von King Louie, um 50 Euro

3 Tipps für einen fairen Kleiderkonsum

Ob Modemuffel oder Fashionista, wir alle tragen Kleidung und somit auch Verantwortung. Möchtest du deinen Kleiderschrank zukunftstauglicher machen? Mit diesen 3 Tipps revolutionierst du deinen Kleiderschrank.

1. Die wichtigsten Siegel

Damit du dir sicher sein kannst, dass deine Kleidung nachhaltig produziert und frei von Schadstoffen ist, lohnt es sich, auf folgende vier Siegel zu achten:

  • Der Blaue Engel bedeutet eine ressourcenschonende Produktion und die Verwendung von 100 % Bio-Baumwolle.
  • Ecocert kennzeichnet Kleidung, die sowohl umweltverträglich hergestellt als auch unter sozial gerechten Bedingungen produziert wurden.
  • Das Fairtrade-Siegel markiert Produkte, die zu fairen Preisen gehandelt werden und so menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen unterstützen.
  • Der GOTS (Global Organic Textile Standard) ist das Standardsiegel für eine sozial verantwortliche und ökologische Textilproduktion.

2. Kleidung tauschen oder mieten

Neue Kleidung muss nicht immer neu sein. Plattformen wie kleiderkreisel.de bieten ihren Nutzern die Möglichkeit, Kleidung nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu tauschen. "Mein aktuelles Lieblings-Fair-Fashion-Teil ist ein rotes langes Vintagekleid von Kleiderkreisel. Es sitzt perfekt, ist super bequem und ich werde andauernd gefragt woher ich es habe. Es hat nur 28 Euro gekostet", erzählt Charlotte.

Kleidung zu mieten lohnt sich vor allem bei besonderen Anlässen. Mittlerweile gibt es in fast jeder größeren Stadt die Möglichkeit (bestimmte) Kleidung zu mieten. Sei es ein extravagantes Abendkleid oder aber die passende Montur für den nächsten Ski-Urlaub, Kleidung zu mieten schont nicht nur deinen Geldbeutel, sondern auch die Umwelt.

3. Lieblingsteile häufig tragen

Das häufige Tragen jedes Kleidungsstücks fördert die Nachhaltigkeit ausgesprochen. In unserem Konsumzeitalter gerät der funktionelle Aspekt von Kleidung schnell mal in den Hintergrund. Man muss nicht jedem Modetrend hinterherjagen, um modisch zu sein. Trends kommen und gehen. Und kommen dann ein paar Jahre später wieder zurück. Mit wenigen und dafür zeitlosen Kleidungsstücken bist du daher besser ausgestattet, als mit einem ständig wechselnden Kleiderschrank voll "Nichts-zum-Anziehen". Der Grundgedanke: Erst wenn du dir sicher bist, dass du ein Kleidungsstück 30 Mal tragen wirst, solltest du es kaufen.

Sarah Runge betreibt in Hamburg das junge Fair Fashion Label merijula. Sie beobachtet wie sich das Kaufverhalten der jungen Großstädter wandelt und sich immer mehr Menschen für nachhaltige Mode sensibilisieren: "Da sind einerseits die krass Nachhaltigen, die sich jeden Schnipsel durchlesen und jede Naht kontrollieren, aber auch die Fashionistas und freiheitsliebenden Backpacker und Surfer, die bei uns einkaufen. Denn es gibt wenig Labels im nachhaltigen Segment, die auch wirklich tragbare, coole Mode machen."

Sarah Runge, merijula.de © Julia Stübner für Peppermynta.de
  • Hoodie in Kamel aus Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester, Aufdruck in Handarbeit aufgetragen und mit ökologischer Wasserfarbe von Merijula, aktuell im Sale für 48 Euro
  • Schwarze Culotte aus weichem, strapazierfähigem Tencel von Lovjoi, 129 Euro über thokkthokkmarket.com

Faire Mode mit reinem Gewissen liegt also voll im Trend und nützt allen. Außerdem ist es wirklich toll auf die Frage "Woher ist denn das schöne Shirt?" sagen zu können: "Das hat Sarah in Hamburg gemacht."

Produktion: peppermynta.de

Fotos: Julia Stübner

Fotoassistenz: Jana Rothe

Styling: Nina Nestler

Text: Alexa Heyn

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