So gelingt dir Achtsamkeit an Weihnachten

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Frau vor Weihnachtsbaum © Taisiia Stupak / unsplash.com

Achtsame Weihnachten Achtsamkeit: 5 Tipps für ein Weihnachtsfest ohne Stress

Alle Jahre wieder: Eine Zeit voller Harmonie und Liebe – oder doch eher Stress? Wie es dir gelingt dieses Weihnachten trotz der Umstände besinnlich zu genießen.

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Zumindest sollte es das sein. Viel öfter ist die Zeit aber geprägt von Stress und Hektik. Der Trubel rund um Geschenke besorgen, Reisen planen und Plätzchen backen, wurde in den vergangenen zwei Jahren zudem auf ein ganz neues Level gehoben.

Die durch Corona verursachte stetige Ungewissheit und das andauernde Bangen um unsere Liebsten sowie die Angst davor, an Weihnachten womöglich allein zu sein, lässt wenig Zeit, um auch noch besinnlich auf Heiligabend hinzufiebern.

Dabei sind Gemütlichkeit, Wärme und ganz viel Magie doch die eigentlichen Vorboten des Festes. Wäre schön dafür zumindest ein bisschen Raum schaffen zu können. Dabei wollen wir dir helfen.

Warum stresst Weihnachten so?

Weihnachten löst etwas in den Menschen aus, das ist sicher. Einerseits ist die Vorfreude auf das Fest groß, andererseits verursacht die Zeit aber auch Stress und Unmut. Doch woher kommt dieser Zwiespalt? Arbeitsmedizinerin und Achtsamkeitscoach Dr. Martina Aßmann erklärt: „An Weihnachten kehren die Menschen an Orte ihrer Kindheit zurück. Dadurch werden Grundverhaltensmuster in ihnen geweckt von denen sie schon lange glaubten sie abgelegt zu haben. Das stresst."

Hinzu kommt eine große Erwartungshaltung: Alles muss perfekt sein. Die Folge: ein großer innerer Zwiespalt. Das Bewusstsein über den unnötigen Konsum und das Maß an Übertreibung ist zwar vorhanden, steht aber im Gegensatz zum tief verankerten Wunsch nach einem perfekten Weihnachtsfest.

Was sorgt für mehr Achtsamkeit an Weihnachten? 5 Tipps

Die Frage: Was hilft dabei, sich von dieser inneren Uneinigkeit zu lösen und ein besinnliches Weihnachten (auch mit Corona) zu erleben? Aßmann sagt: „Achtsamkeit! Sich ganz bewusst auf das Wesentliche konzentrieren.“

Also einfach einmal Unnötiges abschütteln und Lästiges hinten anstellen. Doch wie? Wir haben 5 Tipps, die dir dabei helfen dieses Weihnachten achtsamer zu erleben und mehr genießen zu können.

1. Übe dich in Dankbarkeit

Dankbarkeit macht gesünder. Das belegen Studien der beiden Dankbarkeitsforscher und Psychologen Prof. Dr. Robert Emmons und Prof. Dr. Michael McCullough. Sie wiesen nach, dass Dankbarkeit zu einer erhöhten Zufriedenheit sowie einem Rückgang von psychischen Beschwerden führt.

Das bedeutet nicht, dass du krampfhaft alles positiv sehen und für jeden Moment dankbar sein musst. Aber ein anderer Blickwinkel kann dabei helfen, gelassener zu sein und somit auch Kapazität für das Wesentliche zu haben. „Natürlich ist das Glas nicht immer halb voll, aber indem den schlechten Dingen etwas Gutes abgewonnen wird, fällt es leichter einen Umgang mit dem Negativen zu finden. Es ist wichtig, dass das eigene Herz für Positives offensteht. So beruhigt man seine innere Alarmanlage,“ so Aßmann.

Danke-Notiz auf Teller
Dankbarkeit hilft zu erkennen, was wirklich zählt.
© Debby Hudson / unsplash.com

Durch das Üben dieser Dankbarkeit findet also eine Verschiebung deiner Wahrnehmung statt. Besonders in einer Pandemie, wie sie gerade stattfindet, kann es helfen, sich auf kleine Dinge zu fokussieren, die vergleichsweise gut laufen. Vielleicht kannst du dankbar dafür sein, dass es dir oder deiner Familie gut geht. Vielleicht freust du dich darüber, im kleinen Kreis zu feiern und nicht alle Tanten und Onkel besuchen zu müssen. Vielleicht genießt du es, den Tag ruhiger zu starten, weil du nicht ins Büro hetzen musst, sondern gemütlich im Home Office in Weihnachtspyjamas arbeiten kannst. Das mag bescheidenes Glück sein, aber es ist noch immer Glück.

Und dann können eine*n auch ein verkohlter Weihnachtsbraten, missglückte Geschenke oder ein Bildschirm als einziges Kommunikationsmittel nicht unterkriegen. Es fällt viel einfacher die Unvollkommenheit dieser Zeit zu akzeptieren und sich trotzdem über all das freuen zu können, was gut läuft, wenn der Blickwinkel ein klein bisschen geändert wird.

2. Verschenke Zeit statt Zeug

Wer ehrlich zu sich ist, muss zugeben, dass übertriebener Konsum sich letzten Endes nicht sonderlich gut anfühlt. Doch der Gedanke an das perfekte Geschenk lässt dich oft nicht los, weswegen die Qualen im Kaufhaustrubel und beim Online-Shopping ohne großes Murren auf sich genommen werden. Und so ganz ohne Geschenke wäre es ja schließlich auch doof. Muss aber ja auch nicht, nur die Art des Geschenkes kannst du mal überdenken.

Sondermoment Spiel
Das Spiel "Sondermoment" liefert Fragen für tiefgründige Gespräche.
© Stilgeflüster

Warum nicht lieber Geschenke machen, die nachhaltig sind (und nachhaltig bleiben)? Wie zum Beispiel Zeit und Aufmerksamkeit verschenken? Aßmann: „Mit dem Herzen zuhören, aber auch mit dem Herzen sprechen, das ist ein wundervolles Geschenk, das wir einander machen können und das viel zu oft auf der Strecke bleibt.“

Umsetzen lässt sich das zum Beispiel bestens mit einem gemeinsamen Film- oder Kochabend. Dabei kannst du dich mit deinen Liebsten über alles austauschen, was wichtig ist. Aber auch ein gemeinsamer Spiele-Abend bringt Freude und lässt vielleicht die ein oder andere Kindheitserinnerung wieder aufleben. Wenn du doch ein "richtiges" Geschenk unter den Weihnachtsbaum legen möchtest, dann mach das doch mit dem Kartenspiel „Sondermoment“ (ab 25 Euro). Die beiden Macher*innen plädieren auf „Mehr Deep Talk statt Small Talk“ und kreierten ein Spiel mit Fragen für tiefgehende Gespräche. Denn mittlerweile geschieht es viel zu oft, dass in gemütlicher Runde der Fokus mehr auf dem eigenen Smartphone liegt als auf den Gesprächen miteinander. Inzwischen gibt es 6 Varianten des Spiels mit je rund 60 Fragen und Aufgaben. Gruppenfragen und Challenges bieten zusätzlich soziale Verknüpfungspunkte und geben kreative Denkanstöße.

So gelingt es dir Fragen zu stellen, die dich schon immer einmal interessiert haben und dabei Sondermomente zu schaffen, die bleiben… und ein kleines Päckchen landet trotzdem unter dem Weihnachtsbaum.

3. Achte auf deine Umwelt

Apropos Weihnachtsbaum! Achtsamkeit bedeutet nicht nur, sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden und den Moment besonders auszukosten, sondern auch mit besonderem Blick auf das zu sehen, was in der unmittelbaren Umwelt passiert. Auch in der Natur. Allein in Deutschland werden jährlich rund 28 Millionen Weihnachtsbäume verkauft, diese schmücken dann für ein paar Wochen die Wohnzimmer. Bis Silvester haben sie jedoch ausgedient. Leider. Der Großteil dieser Bäume wird ohne besondere Bestimmungen gezüchtet. Pestizide, Kahlschlag und enorme Eingriffe in die natürlichen Entwicklungsmaßnahmen sind keine Seltenheit.

Nachhaltiger Weihnachtsbaum
Auf die Umwelt achten, gehört ebenso zu Achtsamkeit. Und so ein Weihnachtsbaum macht doch viel glücklicher, wenn er nach zwei Wochen noch all seine Nadeln hat.
© Karolina Grabowska / pexels.com

Aber Weihnachten so ganz ohne Weihnachtsbaum? Schwer vorstellbar. Zum Glück gibt es mittlerweile schöne Alternativen. Wer auf den traditionellen Baum verzichten kann, findet vielleicht Freude daran, künstlerisch aktiv zu werden und sich nach Do-It-Yourself Anleitung selbst ein Bäumchen aus altem Holz, Lichterketten oder Stoff zu basteln.

Für alle anderen gibt es Bio-Bäume mit zertifizierten Auflagen oder noch besser: Bäume zum Leihen, in großem Blumentopf, sodass das Wegschmeißen am Ende des Jahres passé ist. Online findest du ein tolles Angebot und im besten Fall bekommst du den Baum auch noch ganz stressfrei vor die Haustür geliefert. So bleibt genug Zeit, um Weihnachten in aller Ruhe, aber vor allem mit bestem Gewissen zu genießen.

4. Meditiere bei Kerzenschein

Schöne Weihnachtsdekoration, leckere Düfte und ganz viel Kerzenlicht. Das gehört zu Weihnachten wie der Weihnachtsbaum. Deswegen solltest du auch das ganz bewusst wahrnehmen. Wie wäre es also mit einer achtsamen Meditation in weihnachtlicher Stimmung? Auch Dr. Aßmann sagt: „Meditation ist die beste Übung, um den eigenen Geist zu beruhigen und sich vom Stress zu lösen. Vielleicht regt solch eine Meditation auch dazu an wieder Kontakt zu den eigenen humanitären Werten herzustellen und sich zu fragen: Worum geht es hier überhaupt?“ Schließlich fällt es im Trubel ganz leicht, zu vergessen, weshalb dieses Fest überhaupt gefeiert wird.

Weihnachtslichter
Nutze die schöne Weihnachtsatmosphäre für eine besinnliche Meditation.
© Joanna Kosinska / unsplash.com

In den letzten beiden Jahren, in denen die Selbstverständlichkeit von Weihnachten auf einmal auf der Kippe stand, tut sich jedoch einiges in den Köpfen der Menschen. Klar, Geschenke und gutes Essen gehören mittlerweile irgendwie dazu, aber viel mehr zählt doch die gemeinsame Zeit mit den Liebsten und vor allem das Gefühl der Verbundenheit. Dr. Aßmann sagt weiter: „Die Frage nach der Zugehörigkeit kann Momente der Zufriedenheit und Freude wecken. Augenblicke zu verinnerlichen, in denen man sich aufgehoben und verbunden gefühlt hat, unterstreichen den eigentlichen Kern von Weihnachten.“

Es geht um Nächstenliebe, um Gesundheit und Beisammensein und einander Freude bereiten. Halte an den Erkenntnissen aus deinen Meditationen fest und rufe sie dir in besonders schwierigen Momenten immer wieder hervor, denn dann kannst du leichter erkennen, um was es gerade wirklich geht und was vielleicht weniger wichtig ist.

5. Gönne dir Auszeiten

Gemütliche Weihnachten
Ein gutes Buch am Abend kann die nötige Auszeit von all dem Trubel schaffen.
© Olia Danielevich/ pexels.com

Wie du das Fest der Liebe gemeinsam mit anderen ganz bewusst verbringst, weißt du nun? Gut. Doch auch du selbst sollst an Weihnachten nicht zu kurz kommen. Denn die Zeit mit der Familie kann – auch mit dem richtigen Blick auf die Dinge und der nötigen Achtsamkeit – durchaus anstrengend werden.

Die Lösung: Gönne dir immer wieder kleine Auszeiten, in denen du Momente mit dir allein verbringst. Zum Beispiel bei einem kurzen Winter-Spaziergang oder einem Abend mit einem guten Buch oder Film im Bett. "Kunst und Kultur haben eine enorme Wirkung. Am Abend das Handy weglegen und vor dem Einschlafen noch eine Geschichte lesen, hilft dabei wieder näher zu sich selbst zu finden und auch einfach einmal abzuschalten", so Dr. Aßmann.

Vielleicht kann daraus ein kleines Ritual werden, das dich bis Weihnachten begleitet oder vielleicht sogar über die Weihnachtszeit hinaus ins neue Jahr hineinträgt. Denn all die gelernte Achtsamkeit direkt nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag abzulegen, das wäre doch ziemlich schade.

Konzentriere dich dieses Jahr auf das Wesentliche und du wirst merken, dass das Fest der Liebe vollkommen unperfekt sein darf, solange du schöne Momente mit deinen Liebsten möglich machst und mit dir selbst im Reinen bist.

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