Follow your heart
Ballons © Hybrid / unsplash.com

Kritik äußern So äußerst du konstruktiv und fair Kritik

Auf angemessene Weise Kritik zu äußern fällt niemandem leicht. Unsere 5 Tipps zeigen, wie du zielführend kritisierst, ohne anzugreifen

Jeder Mensch tickt anders. Da ist es völlig normal, dass es auch mal zu Unstimmigkeiten kommt und du gewisse Verhaltensweisen kritisieren möchtest. Aber wie bringst du deine Kritik angemessen rüber, ohne verbrannte Erde zu hinterlassen?

Denn egal in welcher Position du steckst, kritisieren und kritisiert werden ist nicht einfach. Es gilt, die richtige Balance zwischen freundlichem Ton und kritischem Inhalt zu finden.

Mit unseren Tipps kannst du souverän mit der Situation umgehen, anstatt auszuweichen und den Ärger in dich hineinzufressen.

Warum ist konstruktive Kritik etwas Gutes?

Kritik kann dir und anderen helfen, besser zu werden. Wenn du das noch nicht so siehst, ist es höchste Zeit umzudenken und Kritik nicht nur als etwas Negatives wahrzunehmen. Denn Wachstum und Entwicklung können nur stattfinden, wenn du Feedback bekommst. In diesem Fall ist Kritik nichts Schlechtes, sondern eine Bereicherung.

Natürlich gilt wie immer: Der Ton macht die Musik. Und: Nicht jede Kritik ist berechtigt, oft wird sie nicht als fair empfunden. Darüber muss ein Gespräch immer möglich sein. Dann muss das Feedback oder die Kritik präzisiert werden, es braucht konkrete Beispiele oder Verbesserungsvorschläge.

Good News Sticker
Am meisten lernen Menschen aus ihren Fehlern. Gute Kritik weist darauf hin.
© Jon Tyson / unsplash.com

Wie äußert man faire Kritik, ohne zu verletzen?

Wie kannst du Kritik richtig anbringen, so dass dein Gegenüber nicht eingeschnappt ist, die Botschaft aber doch ankommt? Es scheint ein schmaler Grat zu sein, von verletzend zu schwammig und unklar. Allgemein sollte deine Kritik oder dein Feedback auf wohlwollende und respektvolle Weise ausgesprochen werden.

Inzwischen ist wahrscheinlich auch allen bekannt, das Ich-Botschaften besser sind als "Du, du, du"-Vorwürfe. Vielleicht ertappst du dich auch noch ab und zu bei Du-Zuweisungen? Wichtig: Du solltest Kritik persönlich äußern und nicht hintenrum über Dritte – so gibst du deinem Gegenüber die Chance, auch ihre oder seine Sichtweise darzulegen.

Außerdem ist es wichtig, den geeigneten Zeitpunkt auswählen: hast du einen schlechten Tag, wirst du schneller unsachlich und gereizt. Auch wenn man hungrig, frustriert oder in Rage ist, ist dies nicht der beste Zeitpunkt, um konstruktives Feedback zu geben. Achte auch auf deine Körpersprache und vermeide Augenrollen, hochgezogene Augenbrauen, genervte Seufzer oder ähnliches.

Wie übst du Kritik und Feedback richtig? 5 Tipps

Wie gesagt: Konkrete Beispiele sind wichtig. Darum nennen wir die hier 5 Punkte, die aus deinem Feedback eine richtig konstruktive Kritik machen können (vorausgesetzt natürlich, sie ist inhaltlich fundiert):

1) Nutze das Mikro-Ja

Stelle am Anfang eine kurze, aber wichtige Ja-/Nein- Frage. Zum Beispiel: „Hast du 5 Minuten Zeit, um über das letzte Gespräch zu reden?“ Oder „Ich habe ein paar Ideen, wie wir unser Problem lösen können, darf ich sie dir vorstellen?“ Nach der Zustimmung deines Gegenübers, dem sogenannten Mikro-Ja, kannst du deine Kritik vorbringen und stößt auf offenere Ohren.

In ihrem TedTalk über Kritik erklärt Psychologin und Autorin LeeAnn Renninger (Surprise: Embrace the Unpredictable and Engineer the Unexpected) diesen Effekt so: „Das Mikro-Ja hat zwei Funktionen: Zum einen weiß dein Gegenüber jetzt, dass ein Feedback kommt und ist darauf vorbereitet. Zum anderen kann dein Gegenüber zustimmen oder verneinen, und fühlt sich so eigenverantwortlich und einbezogen.“

Besprechung
Arbeitet ihr gemeinsam an einem Projekt, ist Kritik oft unumgänglich.
© Brooke Cagle / unsplash.com

2) Beschreibe deine eigene Wahrnehmung

Du solltest konkret sagen, was du wahrnimmst. Psychologen der University of Adelaide empfehlen, möglichst eine explizite Situation zu nennen und dein persönliches Erlebnis zu schildern.

Vermeide einen vorwurfsvollen Tonfall und Übertreibungen. Ebenso solltest du keine schwammigen Aussagen machen wie: „Du bist unzuverlässig.“ Hier könnte jeder etwas anderes hineininterpretieren, dadurch kann Fehlkommunikation entstehen.

Stattdessen könntest du konkreter sagen: „Du hast versprochen, mir die Information um 11 Uhr zu schicken, aber ich habe sie immer noch nicht bekommen.“ Auch bei positivem Feedback ist es wichtig, konkrete Anhaltspunkte zu geben, um die andere Person genau wissen zu lassen, was sie weiterhin tun soll.

3) Erläutere die Konsequenzen

Nachdem du geschildert hast, was genau sich ereignet hat, erklärst du jetzt am besten die Konsequenzen. „Da du mir die Sachen nicht gechickt hast, musste ich nun vor dem Chef improvisieren.“

Auch im Positiven kannst du die Folgen verdeutlichen: „Deine gelieferten Beispiele waren toll, weil ich so das Prinzip schneller verstehen konnte.“ Renninger erklärt: „Wenn man die Zusammenhänge und Logik hinter einer Kritik versteht, dann kann man das Feedback besser verarbeiten und leichter umsetzen.“

4) Äußere deine Erwartungen

Zum Schluss kannst du noch sagen, was du dir in Zukunft wünschst oder erwartest. Business-Coach Beate Munding vom Zukunftsinstitut weist darauf hin, allerdings nur Dinge anzusprechen, auf die dein Gegenüber auch wirklich Einfluss hat. Zeige dabei auch Alternativmöglichkeiten und deren Implikationen und Konsequenzen auf.

Du könntest sagen: „Anstatt mich auf dich warten zu lassen, könntest du mir Bescheid geben, wann du genau kommst. Wenn dich etwas unterwegs aufhält, dann kannst du mir gerne nochmal eine Nachricht schicken. Dann kann ich die Zeit noch sinnvoll nutzen."

Berücksichtige dabei aber auch unbedingt die Bedürfnisse und Herausforderungen deines Gegenübers angemessen, sonst könnte er oder sie das Vertrauen in dich verlieren, erklärt Munding.

Hände Kaffebecher
Kein Monolog, sondern Zusammenarbeit.
© Joshua Ness / unsplash.com

5) Finde einen guten Abschluss

Beende dein Feedback mit einer Frage: „Wie siehst du das?“ oder „Das ist mein Vorschlag, aber was denkst du darüber?“ So fühlt sich dein Gegenüber miteinbezogen und wird motiviert, sich in Zukunft mehr zu engagieren. Außerdem könntest du hier auch deine Unterstützung anbieten und ermutigen. So fühlt sich niemand im Regen stehen gelassen und deine Kritik wird nicht zum Monolog, sondern zu einem gemeinschaftlichen Problemlösen.

Und nicht vergessen: Oft kritisieren wir nur negatives Verhalten, aber loben Positives nicht. Dabei ist Lob so wichtig! Motivationspsychologen konnten zeigen, dass Mitarbeiter sich langfristig mehr anstrengen und wertgeschätzt fühlen, wenn man sie lobt, als wenn man einen Bonus auszahlt. Und auch in Freundschaften stärken regelmäßige, anerkennende Worte das Band.

Konstruktive Kritik ist ein Geschenk, vor allem, wenn sie richtig verpackt ist. Mit diesen Tipps werden sich deine Mitmenschen in Zukunft über dein Feedback freuen und sehen Kritik nicht als Mäkeln an, sondern als Möglichkeit zur Weiterentwicklung.

Text: Anna Müller

Dieser Artikel kann Links zu Anbietern enthalten, von denen Soul Sister eine Provision erhält. Diese Links sind mit folgendem Icon gekennzeichnet:
Was dich interessieren könnte:
Besonders jetzt ist es wichtig, sich auch innerlich stark zu fühlen © Thomas Griesbeck / unsplash.com
© Kelly Sikkema / unsplash.com
Lies mich!
Soul Sister Ausgabe 3/19
Ausgabe #3 November 2020 Spür mal rein Jetzt kaufen