Zero Waste: 6 simple Regeln und Tipps

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Frau recycelt Müll © Shvets Production / pexels.com

Zero Waste Müllvermeidung: 6 Regeln, wie du weniger Abfall produzierst

Müll an jeder Straßenecke, Plastik in den Weltmeeren und Altkleiderberge in der Wüste – unsere Erde erstickt förmlich am Abfall und Konsum des Menschen. Der Ansatz dagegen? Die Zero Waste Bewegung. Wir erklären, wie sie funktioniert und wie auch du einen Beitrag leisten kannst

Einkaufsbeutel vergessen? Kein Problem: Es gibt ja Tüten an der Kasse! Der Mantel vom letzten Winter ist out? Egal, wird eben ein neuer gekauft. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, in der Dinge nicht nur eine kurze Lebensdauer haben, sondern andauernd auch durch „noch besseres“ ersetzt werden. Eigennutz und Trend stehen an erster Stelle. Doch zu welchem Preis?

Irgendwohin muss ja all das, was keine Verwendung mehr findet. Und irgendwoher muss all das, was konsumiert wird, ja auch kommen. Heißt: In jeder Sekunde werden riesige Mengen an Rohstoffen genutzt und verarbeitet und gleichzeitig fällt in jeder Sekunde eine riesige Menge an Abfall an. Beides wirkt sich negativ auf den Planeten, dessen Lebewesen und deren Lebensraum und somit auch unser Leben aus.

Insbesondere Plastik hat dramatische Folgen für Klima, Natur und Gesundheit. Der Plastikatlas, den die Heinrich-Böll-Stiftung und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in Zusammenarbeit 2019 herausgebracht haben, liefert (basierend auf weltweiten Studien, Umfragen und Recherchen) spannende und zugleich erschreckende Daten und Fakten zum Thema. Hier wird deutlich: „Die Herstellung, Verwendung und Entsorgung von Kunststoffen haben enorme Auswirkungen auf marine wie kontinentale Ökosysteme und nicht zuletzt auf die menschliche Gesundheit.“

Nun ist das Plastikproblem bereits altbekannt. Doch warum bessert es sich kaum? Zum einen liegt das daran, dass viele Abkommen auf internationaler Ebene unabhängig voneinander agieren, zum anderen wird das Problem meist auf die Entsorgung des Mülls reduziert. Doch Recycling und Entsorgung lösen die Verschmutzung des Planeten nicht, da schließlich weiterhin immer neuer Abfall nachkommt und auch Emissionen so nicht eingegrenzt werden. Vielmehr muss das Problem also an der Wurzel gepackt und Müll an sich vermieden werden. Und genau da kommt die Zero Waste Bewegung ins Spiel.

Was bedeutet Zero Waste?

Null Abfall ist die wörtliche Übersetzung von Zero Waste aus dem Englischen ins Deutsche. Und das fasst auch das Konzept der Bewegung simpel zusammen. In jedem Lebensbereich soll Müll gar nicht erst zustande beziehungsweise größtmöglich vermieden werden.

Das heißt im Kleinen: Essen nicht verderben lassen oder für Einwegprodukte wie Kaffeebecher oder Plastiktüten stets eine nachhaltige Alternative parat haben; und größer gedacht: den eigenen Konsum überdenken, grundsätzlich weniger anschaffen und Altes länger nutzen und reparieren. Es ist eine Bewegung hin zu einem achtsamen Umgang mit den Ressourcen des Planeten und eine Bewegung weg von der Wegwerfgesellschaft, der Schnelllebigkeit und der Ausbeutung.

Was bringt Zero Waste?

Kein Müll? Erst einmal schwer vorstellbar, oder? Schließlich fallen über den Tag hinweg so viele Dinge an, die wegzuwerfen sind, dass ein Leben ohne Abfalleimer gar nicht denkbar ist. Doch ein Zero-Waste-Leben lohnt sich! Laut dem Statistischen Bundesamt warf im Jahr 2020 im Schnitt jede*r Deutsche*r im Privathaushalt 476 Kilo Haushaltsmüll weg. Dazu zählen Restmüll, Bioabfälle, Wertstoffe, Sperrmüll und sonstige Abfälle wie beispielsweise Batterien und Farben. Das lässt nicht nur ein Entsorgungsproblem entstehen (nur ein Bruchteil des Mülls wird verwertet, das meiste wird verbrannt oder verschifft), sondern schadet auch den Ressourcen, die dieser Planeten zur Verfügung hat.

Frau hält Samen in der Hand
Es ist wichtig die Natur und deren Ressourcen zu schützen und verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen.
© Max Saeling / unsplash.com

Zwar sind es vor allem große Konzerne und die Politik, die hier Verantwortung übernehmen müssen, aber die Zahlen zeigen, dass auch im privaten ein Unterschied gemacht werden kann. Neben der Natur, die durch die Schonung von Ressourcen und der damit verbundenen Verringerung von Emissionen weniger belastet wird, profitierst von der Müllvermeidung auch du selbst. Deine Gesundheit wird es dir danken, wenn du den Kontakt zu Plastik meidest, Lebensmittel bewusster einkaufst oder kreativer in der Nutzung deines Besitzes wirst. Denn letztlich holt ein Zero-Waste-Lifestyle dich auch auf den Boden der Tatsachen zurück und lehrt, die Welt und deren Reichtümer wieder bewusster wahrzunehmen und mehr zu schätzen. Außerdem sorgt der dadurch gelebte Minimalismus für mehr Freiheit – im eigenen Zuhause und im Kopf!

Ist Zero Waste teurer?

Aber ist das nicht alles ganz schön teuer, fragst du dich? Jein! Natürlich wirst du mehr für Lebensmittel, Kleidung oder Gebrauchsgegenstände ausgeben müssen, die ohne Verpackungsmüll und Plastik auskommen und besonders zu Beginn, wenn du dich dazu entscheidest, dem Zero Waste Lifestyle eine Chance zu geben, fallen womöglich teurere Anschaffungen an. Aber langfristig gesehen, wirst du weniger konsumieren und sparst somit insgesamt Geld.

Denn besitzt du erst einmal den Grundstock an Dingen, die es dir im Alltag leichter machen, Müll zu sparen, pendeln sich die Ausgaben schnell ein. Beispielsweise kostet es dich in der Anschaffung mehr, von Einweg- auf wiederverwendbare Flaschen oder Metallrasierer umzustellen, langfristig musst du diese aber seltener ersetzen. Außerdem spart ein achtsamerer Umgang mit Kleidung oder Möbel- und Einrichtungsstücken und auch der Verzicht auf Luxusgüter (muss es wirklich schon wieder ein neues Smartphone sein?!) viel Geld!

Du sieht, es bedarf zwar eines finanziellen Umdenkens, um den Zero Waste Lifestyle richtig anzugehen, aber der Planet, deine Gesundheit und auch deine Seele werden es dir danken.

Wie setze ich Zero Waste um? Wo fange ich an?

Aber wo fängt man an? Gute Frage. Denn von „a lot of waste“ auf „zero waste“ zu kommen, wirkt erst einmal unmöglich, wenn man über den Tag hinweg beobachtet, was alles so im Müll landet. Aber: Niemand verlangt von dir, dass du deinen Haushalt von heute auf Morgen zu 100 Prozent müllfrei machst. Auch eine Reduzierung macht einen Unterschied.

Um allen einen Einstieg in ein Zero Waste Leben zu erleichtern, gibt es die 6 „R-Regeln“, an denen man sich immer wieder orientieren kann. Diese erläutern wir dir nun und geben dazu individuelle Tipps.

1. Refuse

Refuse heißt übersetzt ablehnen. Die erste Regel lautet demnach: grundsätzlich Produkte, die verpackt sind (hier geht es insbesondere um Plastik) nicht zu kaufen, sondern auf Alternativen auszuweichen. In Supermärkten kannst du Obst und Gemüse in mitgebrachte Obstnetze aus Jute packen, Milch und Joghurt zum Beispiel in Glasflaschen erwerben und Nudeln und Reis in Unverpacktläden besorgen, in die du deine eigenen Vorratsgläser mitbringst. Auch das Greifen zu Produkten in Papierverpackungen anstelle von Plastik macht einen Unterschied!

Frau sieht sich Kleidung an
Zero Waste bedeutet in erster Linie Müll zu vermeiden. Das heißt insgesamt auch weniger zu konsumieren.
© Liza Summer / pexels.com

Aber die erste Regel meint auch überhaupt Dinge gar nicht anzuschaffen, die überflüssig und unnötig sind. Beim Lebensmitteleinkauf ist unser Tipp: Nie ohne Einkaufliste und Vorab-Check der Lebensmittelvorräte losziehen. So vermeidest du Produkte doppelt zu haben und am Ende wegschmeißen zu müssen.

Bei Kleidung, Elektronik, Gebrauchsgegenständen und sonstigem raten wir: nichts im Affekt kaufen und die Kaufentscheidung lieber noch einmal vertagen. Oft wird spontan etwas gekauft, weil es gefällt, doch mit etwas Abstand und auch einem Blick durch die eigene Wohnung oder den Kleiderschrank, lässt kommt schnell die Frage auf „Brauche ich das wirklich?!“

2. Reduce

Die zweite Regel lautet „reduzieren“ – und baut genau auf der Regel 1 oben auf. Denn nicht nur bei neuen Dingen, auch in deinem deinem bereits vorhandenen Besitz, gibt es sicherlich einiges, das du seit Jahren nicht mehr in der Hand hattest und das woanders besser aufgehoben wären, oder? Also: Ausmisten und weitergeben ist angesagt.

Ob Deko, Tupperware oder Klamotten, wir raten dir überall 3 Haufen zu machen: Einen „das will ich behalten“, einen zweiten „das kann weg“ und einen dritten „da bin ich mir nicht sicher“. Du musst schließlich nicht sofort alles loswerden. Der dritte Haufen darf ruhig noch eine Weile bei dir verbringen. Merkst du über die Zeit hinweg, dass du davon nichts nutzt, dann kannst du dich getrost verabschieden. Aber bitte nicht in den Müll damit! Der Sinn hinter der Regel liegt darin, den Blick auf den eigenen Besitz zu ändern und gleichzeitig noch brauchbare Dinge wieder in den Umlauf zu bringen. Denn nur, weil du damit nichts mehr anfangen kannst, heißt es nicht, dass es für andere nicht Gold wert ist.

3. Reuse

Nummer 3 der Regeln heißt übersetzt „wiederverwenden“. Am bekanntesten in diesem Sinne sind wahrscheinlich „reusable cups“ – also wiederverwendbare Kaffeebecher. Aber auch die wiederbefüllbare Trinkflasche, Lunchboxen, Obst- und Gemüsenetze oder Glasstrohhalme und Bambus-Besteck haben es mittlerweile schon in viele Haushalte geschafft.

Doch die Liste an Einwegprodukten, die durch nachhaltige ersetzt werden kann, hört nicht in der Küche auf. Auch Baumwolltampons und Binden lassen sich beispielsweise durch Menstruationscups oder Periodenunterwäsche ersetzen. Einwegrasierer durch Rasierhobel, Wattepads und Taschentücher durch Produkte aus Baumwolle.

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Viele Einwegprodukte aus dem Alltag lassen sich durch wiederverwendbare Alternativen ersetzen.
© Shutterstock

Allerdings musst du nicht für alle Einwegprodukte direkt eine nachhaltige Alternative kaufen – schließlich bedeutet Zero Waste auch Konsum an sich vermeiden! Was wir raten, ist Kreativität! Aus alten, löchrigen Shirts lassen sich beispielsweise super Putzlappen zuschneiden, Einmachgläser lassen sich zu Vorrats- oder Aufbewahrungsbehältnissen umfunktionieren und Bettwäsche, die ausgedient hat, eignet sich perfekt, um Geschenke hübsch zu verpacken.

4. Repair

Auf Nummer drei baut auch direkt Regel Nummer vier auf. Repair, also reparieren, stößt dazu an, Dinge nicht gleich zu entsorgen, nur weil sie „kaputt“ sind. Löcher in Kleidung lassen sich flicken, Schuhe neu besohlen und auch gerissene Ketten oder Armbänder kannst du beim Juwelier wieder in Ordnung bringen lassen. Dasselbe gilt für Elektrogeräte oder Möbelstücke. Auch wenn hier der Aufwand größer ist, lohnt es sich auf jeden Fall es überhaupt erst einmal zu versuchen.

Da es in unserer Gesellschaft mittlerweile einen solchen Überfluss an Ware gibt und es deswegen oft viel schneller geht, etwas neues nachzukaufen anstatt das alte zu reparieren, ist es niemand mehr gewohnt das eigene Hab und Gut mit Sorgfalt zu behandeln. Wir raten: Gib Acht auf die Dinge, die dir lieb sind. Investiere beim Kauf etwas mehr, aber hab dafür sehr viel länger Freude daran. Die Natur wird es dir danken.

5. Recycle

Recycling kommt erst an fünfter Stelle des Regelbuchs, einfach weil es zwar richtig ist, Dinge zu verwerten, aber eben auch dieser Prozess Energie kostet und somit Emissionen verursacht und Ressourcen benötigt. Außerdem lassen sich viele Abfallprodukte gar nicht recyclen und landen am Ende auf Müllhalden und werden verbrannt.

Demnach steht Müllvermeidung an oberster Stelle, die richtige Entsorgung dessen, was nicht vermieden werden kann, kommt danach. Hast du also Dinge, die wirklich ausgedient haben oder keine Verwendung mehr finden, dann gib Acht darauf, dass du diese auch richtig entsorgst. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) gibt hierzu einen guten Leitfaden, an dem du dich immer orientieren kannst.

Drei Recycling Mülleimer
Die letzten Schritte von Zero Waste umfassen die richtige Entsorgung von dem Müll, der nicht zu vermeiden ist.
© Hamza Javaid / unsplash.com

Wir empfehlen zuhause mehrere Abfallbehältnisse zu nutzen und Müll direkt zu sortieren.

6. Rot

Letzter Schritt und letzte Regel: „Rot“. Nein, nicht die Farbe, es geht um das englische "to rot", zu Deutsch „verotten“ beziehungsweise „kompostieren“. Heißt einerseits Müll, der sich kompostieren lässt, selbst – am bestem im eigenen Garten oder in der Wohnung mit der Anschaffung einer Wurmbox – zu kompostieren, aber auch andererseits bereits beim Kauf von Produkten darauf zu achten, dass diese und deren Verpackungen biologisch abbaubar sind. Mittlerweile gibt es glücklicherweise viele innovative Produkte, die kompostierbar sind. Zum Beispiel Kaffeepads, Hundekotbeutel oder auch Frischhaltefolie.

Du siehst, Müll zu vermeiden ist gar nicht so schwer. Es bedarf eines Umdenkens, aber mit etwas Übung, Geduld und Wille lässt sich so nicht nur die eigene Gesundheit fördern, sondern auch die Umwelt schützen und achtsamer und bewusster leben.

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