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Minimalismus Weniger ist mehr: Wie Minimalismus dein Leben reicher macht

Der Überfluss nervt dich? Hier sind 6 tolle Tipps, wie du mit dem Verzicht auf Überflüssiges mehr Klarheit in deinen Alltag bringst

Hast du in den letzten Wochen und Monaten auch die Zeit genutzt, um auszumisten? Wenn ja, wie hast du dich danach gefühlt? Befreit, klar, ganz erleichtert? Es ist ein gutes Gefühl, wenn wieder Platz und Ordnung herrschen im Kleiderschrank, im Schlafzimmer oder auf dem Dachboden!

Doch wie geht es jetzt weiter? Stellst du die frei gewordene Ecke schnell wieder voll und füllst den Schrank prompt mit neuen Klamotten? Auch wenn du es nicht planst, nach und nach füllt sich der Lebensraum meist wieder, bis es erneut höchste Zeit zum Ausmisten ist. Eine Dauerschleife, aus der viele ausbrechen möchten. Du auch? Dann lies hier weiter!

Warum ist Minimalismus sinnvoll?

Eine Alternative zum Dauerkonsum haben Minimalistinnen für sich entdeckt: sie sind überzeugt, dass du mit sehr wenig materiellem Besitz glücklicher werden kannst.

Anhängerinnen des Minimalismus schaffen nachhaltig Freiraum in ihrem Leben und bekommen so auch Klarheit im Kopf. Frei nach dem Motto: Weniger Besitz, weniger Belastung.

Wenn du also in letzter Zeit aussortiert hast und so den ersten wichtigen Schritt in Richtung Minimalismus schon getan hast, ist jetzt der ideale Zeitpunkt, um auszuprobieren, ob ein minimalistischer Lebensstil auch langfristig etwas für dich ist!

Was ist Minimalismus überhaupt?

Oft wird Minimalismus falsch verstanden: es geht nämlich nicht darum, so wenig Dinge wie möglich zu besitzen. Es geht, wie in den gleichnamigen Konzepten der Architektur oder der Kunst, um die Reduktion auf ein Wesentliches. Du musst dich nicht von deinem ganzen Besitz trennen, um ein minimalistisches Leben zu führen. Doch fast jeder Mensch, der nicht bereits bewusst reduziert konsumiert, kann sich von einigem Ballast trennen.

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Viele schöne Dinge: Luxus oder Belastung?
© Onur Bahcivancilar / unsplash.com

Im Durchschnitt besitzen wir um die 10.000 Dinge. Klingt unglaublich, aber wenn du dir jede einzelne Sache bewusst vor Augen führst, kannst du es dir plötzlich doch gut vorstellen. Wie viele Stifte und Schreibtischutensilien besitzt du, was steht alles im Badezimmerschrank und kannst du jedes Teil aufzählen, das sich in deinem Kleiderschrank befindet?

Minimalismus ist seit einiger Zeit im Trend, doch für viele, die einmal damit begonnen haben, wird es zu einem langfristigen Wandel. Auch bei Autorin Lina Jachmann, die einen Guide für den minimalistischen Lebensstil geschrieben hat. Sie haben wir nach ihren Tipps und Beweggründen gefragt: „Mich macht es glücklich, Zeit und Kraft für die wichtigen Dinge zu schaffen. Denn wir alle wissen: die wichtigen Dinge im Leben sind keine Dinge.“

6 Gründe, warum Minimalismus etwas für dich sein könnte

Was sind die konkreten Vorteile eines minimalistischen Lebensstils, mal abgesehen davon, dass du mehr Platz im Schrank hast? Wir haben hier die wichtigsten Punkte gesammelt:

1. Mehr Zeit

Sich alles kaufen zu können und im Überfluss zu leben ist zwar ein Luxus, aber je mehr du besitzt, desto mehr Pflege und Aufmerksamkeit musst du deinem Besitz auch zukommen lassen.

Mit einem kleineren Hausstand wirst du weniger Zeit mit Putzen und Aufräumen verbringen. Auch Jachmann weiß: „Zu viel Besitz belastet. Mit jedem überflüssigen Teil, das wir nicht mehr verwalten und putzen müssen, fühlen wir uns leichter und unabhängiger.“

Minimal_Kleidung
Viele Minimalisten beginnen damit, ihren Kleiderschrank zu leeren.
© Alyssa Strohmann / unsplash.com

2. Mehr Qualität

Auch unsere Großeltern wussten schon: „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ Heutzutage besteht ein großer Teil der Modeindustrie jedoch aus Fast Fashion: Klamotten, die nicht lange halten und schnell aus der Mode sind.

Minimalistinnen dagegen konsumieren bewusst. Sie kaufen unabhängiger von Trends und Angeboten. So wirst du dir mit einem Mal Dinge leisten, die eine viel bessere Qualität haben und dir lange erhalten bleiben und sparst dennoch Geld.

3. Mehr Nachhaltigkeit

Es überrascht nicht, dass vielen Minimalistinnen auch Nachhaltigkeit wichtig ist. Jachmann kann erklären, wieso: „Wenn man weniger und kritischer konsumiert, ist es oft eine Konsequenz sich genauer mit Dingen auseinander zu setzen und wissen zu wollen was und wer hinter den Produkten und Firmen steht. Mit jedem Einkauf entscheiden wir, welche Produkte und Firmen es geben soll und gestalten aktiv die Zukunft. Eine gute Alternative zum Kaufen bietet zudem die ständig wachsende Sharing-Economy.“

Minimal Wohnzimmer
Nach einem hektischen Tag kann uns eine reizarme Umgebung helfen, zu entspannen.
© Minh Pham / unsplash.com

4. Mehr Ruhe

Den ganzen Tag wirst du mit Reizen überflutet, die dein Gehirn ständig filtert, um alle irrelevanten Eindrücke auszublenden. Das ist sehr anstrengend. Besonders für sehr sensible Menschen kann es schön sein, sich Zuhause eine Ruhe-Oase zu schaffen, in der nur wenige Reize das Bewusstsein stimulieren.

5. Mehr Flexibilität

Auch Menschen, die sehr viel unterwegs sind oder für ihren Beruf regelmäßig reisen, können Energie sparen. Jedes Mal aufs Neue zu entscheiden, was man einpackt, wird einfacher, wenn man generell weniger besitzt. Das leuchtet ein, oder?

6. Mehr Wertschätzung

Minimalistinnen halten in der Regel nur an Dingen fest, die sie wirklich benötigen und die ihnen Freude bereiten. Dann stehst du nicht mehr vor dem vollen Kleiderschrank mit mehr oder weniger geliebten Klamotten.

Nein, du nimmst einfach etwas aus deinem minimalistischen Kleiderschrank, dann ist das immer ein Kleidungsstück, das dir Freude macht, denn es sitzt gut, es ist bequem und sieht schön aus. Das schafft Dankbarkeit und Wertschätzung, jeden Tag.

Jachmann, die sich für ihr Buch mit vielen Minimalistinnen getroffen hat, erklärt noch weitere Vorteilen dieses Lebensstils: „Durch das Reduzieren und Kuratieren des eigenen Besitzes entsteht in der Konsequenz oft ein bewusster und kritischer Umgang mit Konsum. An die Stelle von Konsum rücken andere Wünsche und Werte. Zu wissen was man wirklich braucht, schafft Klarheit und Kontrolle über das eigene Leben. Viele Minimalisten empfinden zudem ein starkes Freiheitsgefühl und eine tiefe Zufriedenheit.“

Falls du Minimalismus jetzt auch ausprobieren möchtest, denk daran, dass es nicht nur den einen richtigen Weg gibt. Du kannst ganz individuell austesten, in welcher Form Minimalismus in dein Leben passt. „Minimalismus ist ein Prozess, eine Reise“, weiß Expertin Jachmann aus Erfahrung.

Minimal Tuere
Wie viel Minimalismus sich gut anfühlt, musst du für dich selbst herausfinden.
© Inside Weather / unsplash.com

So kannst du minimalistischer leben

Das Warum haben wir geklärt, fehlt noch das Wie: Hier sind unsere Tipps fürs aktive Weglassen und für die Konzentration aufs Wesentliche:

Ziele formulieren

Überlege dir, was du erreichen willst. In welchem Lebensbereich möchtest du beginnen? Was gefällt dir am besten am Minimalismus? Ist es die Ruhe und Ordnung, die du so in dein Leben bringst? Oder, dass du mehr Wertschätzung spürst und nur noch schöne Dinge besitzt? Indem du dir dein Ziel aufschreibst und klare Regeln formulierst, kannst du daraus immer wieder Motivation ziehen.

Unnützes aussortieren

Dann solltest du damit anfangen auszumisten. Autorin Lina Jachmann erzählt von den verschiedenen Möglichkeiten dies anzupacken: „Viele beginnen mit dem Kleiderschrank und reduzieren erst einmal die Garderobe, bis nur noch die absoluten Lieblingsstücke übrig bleiben. Andere sortieren konsequent alles aus, was sie ein Jahr nicht benutzt haben."

Manche mögen es ganz radikal und veranstalten eine „Packing Party“. Dazu werden alle Besitztümer in Kartons verpackt, als würde man umziehen. Einen Monat lang dürfen beliebig viele Dinge wieder herausgeholt werden, die gebraucht oder vermisst werden. Nach Ablauf der vier Wochen werden alle übrigen Kartons mit dem kompletten Inhalt entsorgt beziehungsweise gespendet.

Ebenfalls kann es helfen, sich eine Kategorie auszusuchen - zum Beispiel Kleidung - und alles zusammenzutragen. Leg es so hin, dass du einen Überblick bekommst, was du überhaupt besitzt und schau dir besonders auch die Vielzahl an Dingen an. Dann entscheide dich bewusst für die Sachen, die du gerne magst und häufig trägst. Oft tragen wir nur 20 Prozent unserer Kleidung zu 80 Prozent der Zeit.

Viele Minimalisten setzen auch auf die 20-20 Regel: Alles, was du im Moment nicht benötigst und was du in 20 Minuten für unter 20 Euro wiederbeschaffen kannst, kannst du wegwerfen oder verschenken.

SItzende Frau
Nur die essentiellen Dinge und Lieblingsteile dürfen bleiben.
© Feli Ramsanjami / unsplash.com

Doch sei nicht zu radikal. Manchmal gibt es schließlich Tage, an dem du gerne alles wegwerfen würdest. Du musst dich nicht von einem Tag auf den anderen schon ganz dem Minimalismus verschreiben. So verhinderst du Enttäuschung und Fehlentscheidungen. Überfordert? Alles auf einmal umzukrempeln kann überwältigen. Arbeite dich, wenn du dich blockiert fühlst, Schublade für Schublade und Stück für Stück vorwärts.

Minimalistisch konsumieren

Hast du bewusst und achtsam ausgemistet, dann ist dir hinterher bestimmt klarer, was für dich wichtig ist und welche Dinge in deinem Leben überflüssig sind. So kannst du dein Auge schulen und in Zukunft ausgewählter konsumieren. Auch hier können dir klare Regeln wieder helfen.

Für viele ist es wichtig, Klamotten bewusster zu konsumieren. Es kann helfen, sich jeden Kauf vor Augen zu führen, in dem du aufschreibst, was und wann du es gekauft hast. Dann lege für dich eine Regel fest, wie viel du in Zukunft konsumieren möchtest und inwiefern du deinen Konsum reduzieren kannst. Nur ein Kleidungsstück jeden Monat? Vielleicht nur jeden zweiten Monat? Oder vielleicht sogar ein ganzes Jahr ohne neue Klamotten?

Nicht zu streng sein

So oder so gilt: Gib nicht zu schnell auf! Anfangs fühlst du dich vielleicht eingeschränkt und enttäuscht, weil es ja so viel Schönes in den Läden gibt. Doch meistens merkst du später, dass du richtig gehandelt hast. Du findest zuhause etwas Ähnliches, das du schon vergessen hattest oder merkst, dass du die Sache gar nicht so dringend möchtest, wie du im Laden dachtest.

Und wenn du noch eine Woche oder einen Monat danach voller Sehnsucht daran denkst, kannst du es dann immer noch guten Gewissens kaufen. Dann hast du mit Sicherheit dein neues Lieblingsteil!

Frau am Laptop
Minimalismus kann dir auch bei der Arbeit helfen.
© thought catalog / unsplash.com

Sinnvoller arbeiten

Und wenn das alles erfolgreich geklappt hat und dir guttut, dann muss dein Minimalismus nicht im Kleiderschrank oder im Wohnzimmer enden. Auch am Arbeitsplatz ist Minimalismus möglich und kann sich hier ebenso positiv auswirken, erzählt Jachmann: „Ein ruhiges, aufgeräumtes Arbeitsumfeld kann dazu beitragen die Konzentration und damit die Produktivität zu steigern. Zudem hilft auch ein klarer, aufgeräumter Kopf, die gesteckten Ziele und Prioritäten fokussiert zu verfolgen."

Der ultimative Minimalismus-Tipp für das Büro ist „Single-Tasking“. Denn es ist mittlerweile sogar wissenschaftlich erwiesen, dass Multitasking nur ein Mythos ist. Besser ist es, eine Aufgabe nach der anderen ganz ruhig und konzentriert zu erledigen. Ebenso muss Minimalismus nicht beim Entrümpeln von Gegenständen enden: „Wenn man damit beginnt das Leben zu vereinfachen, lohnt es sich, alle Bereiche einmal in Ruhe zu betrachten. Einfach zu leben bedeutet für mich auch Müll, Mikroplastik, CO2, Energie, Kristallzucker, Stress, belastende Beziehungen, schlechte Angewohnheiten und destruktive Denkmuster zu reduzieren“, erklärt Jachmann.

Wo gibt es Inspiration und Tipps für mehr Minimalismus?

Du willst dich noch mehr informieren und ins Thema einlesen? Hier sind ein paar spannende Lese- und Anseh-Empfehlungen für dich:

"Einfach leben: Der Guide für einen minimalistischen Lebensstil" von Lina Jachmann (hier bestellen): Auf ihrem Weg zum Minimalismus hat sie nach einem Guide gesucht, der inspiriert und alle Aspekte und Facetten von Minimalismus vorstellt. Nicht fündig geworden, hat sie ihr eigenes Buch herausgebracht: neben konkreten Anleitungen, Tipps und Adressen werden auch verschiedene Minimalisten vorgestellt, die Einblicke in ihr Leben geben. Inspirierende Homestorys, Porträts, Interviews, DIYs, Rezepte, motivierende Zitate, viele Tipps, Adressen und Empfehlungen finden sich hier.

"100 Dinge" Film von Florian David Fitz (hier bestellen): Die beiden Freunde Paul und Toni gehen eine Wette ein: 100 Tage Konsumverzicht. Schnell sehen sie sich mit der Frage konfrontiert, was im Leben wirklich wichtig ist.

"Minimalism: A Documentary About the Important Things" von Matt D’Avella: Diese Dokumentation erzählt von dem Ausstieg aus dem Materialismus von Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus und zeigt die inspirierenden Geschichten und Erlebnisse vieler Minimalisten. Die Dokumentation ist unter anderem auf Netflix verfügbar.

"Walden" von Henry David Thoreau (hier bestellen): Autor Thoreau erzählt von seinem Leben in einer einsamen Blockhütte im Wald, in die er sich zurückzog, um Abstand von der industrialisierten Massengesellschaft zu bekommen und einen alternativen, ausgewogenen Lebensstil zu verwirklichen. Ein Klassiker.

Minimalismus ist die gelebte Form von "Weniger ist mehr" und kann zu mehr Klarheit im Kopf führen. Wir wünschen dir viel Erfolg beim Ausmisten und viel Glück mit deinem reduzierten und bereichterten Leben!

Text: Anna Müller

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