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Reframing
© Pine Watt / Unsplash.com
  • Reframing

"Es mal positiv sehen" ist mehr als ein Spruch

Das Gute im Schlechten erkennen – mit dem einfachen Grundgedanken verhilft dir die Technik des Reframings zu einer positiveren Lebenseinstellung

Stell dir vor, draußen regnet es heftig. Du ärgerst dich, denn dein geplanter Spaziergang fällt nun buchstäblich ins Wasser. Dann fällt dir ein, dass du seit Wochen auf eine Gelegenheit wartest, um deine schöne, neue Regenjacke auszuführen. Auf einmal ist der Regen gar nicht mehr so schlimm, oder?

Ob wir etwas gut oder schlecht finden, ist immer eine Frage der Wahrnehmung. Mit einer einfachen Strategie kannst du diese ganz leicht austricksen. Hier erfährst du, wie du mit Reframing dein Leben ganz neu entdecken kannst.

Was ist Reframing?

Der Begriff Reframing leitet sich von dem englischen Wort „frame“ ab und bedeutet wörtlich, den Dingen einen neuen Rahmen zu geben. Das mag zwar erst einmal etwas seltsam klingen, doch dahinter steckt eine ganz einfache, schlüssige Metapher.

Ein Bilderrahmen kann nämlich entscheidend dafür sein, ob der Betrachter ein Kunstwerk schön oder unscheinbar findet. In einem neuen Rahmen kann ein Bild gleich eine ganz andere Wirkung haben.

Reframing
Wie wir Dinge betrachten, hängt oft von mehreren Kleinigkeiten ab – zum Beispiel von unserer Tagesform. © Roberto Nickson / Unsplash.com

Reframing kommt eigentlich aus der Psychologie, genauer gesagt aus dem Neurolinguistischen Programmieren. Dahinter stehen drei einfache Grundannahmen:

  1. Jedes Verhalten ist in irgendeinem Kontext sinnvoll.
  2. Jedem Verhalten wird eine Bedeutung zugeschrieben.
  3. Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht.

Was bringt Reframing?

Reframing hilft dir dabei, deine Wahrnehmung gewisser Dinge zu verändern – sprich, sie in einen neuen Rahmen zu packen. Die Bedeutung eines Ereignisses, einer Aussage oder eines Verhaltens, hängt von dem Rahmen ab, den du ihm gibst. Gleichzeitig schränkt dieser deine Sicht auf die Dinge auch ein.

Menschliche Glaubensgrundsätze und Erwartungshaltungen weisen in der Regel bestimmte feste Deutungsmuster auf. Deshalb nehmen die einen Menschen einige Ereignisse positiver wahr als andere. Mit dem Reframing brichst du aus deinen üblichen Mustern aus und suchst nach neuen, die sonst vielleicht eine eher untergeordnete Rolle spielen.

So kannst du dich selbst, anderen Personen, Begebenheiten oder Ereignissen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und ihnen dadurch eine andere weniger negative oder sogar positive Bedeutung geben. Da so nicht die Probleme an sich gelöst werden, sondern sich nur die Sicht darauf ändert, wird Reframing auch als Problemlösung zweiter Ordnung bezeichnet. Es kann aber dabei unterstützen, deine Ziele zu erreichen, dein Potenzial zu entfalten und glücklicher zu leben.

Reframing
Wenn deine Welt Kopf steht und alles schief läuft, lohnt es sich manchmal, die Perspektive zu wechseln. © Anika Huizinga / Unsplash.com

Wie funktioniert Reframing?

Wie du Dinge betrachtest, hängt oft von mehreren Kleinigkeiten ab – zum Beispiel von deiner Tagesform. Bist du morgens schon mit dem falschen Fuß aufgestanden, verbringst du den ganzen Tag mit einer Negativbrille auf der Nase. Oft neigst du dann dazu, dich nur auf das Schlechte zu fokussieren: Dein Bus fährt dir vor der Nase weg und nun kommst du zu spät zur Arbeit.

Kleine, positivere Dinge geraten so schnell in Vergessenheit. Doch je nach Perspektive erscheint eine Situation oder ein Gegenstand in einem anderen Licht. Ist der verpasste Bus nicht eine gute Gelegenheit, mal wieder mit dem Rad zur Arbeit zu fahren?

Was muss ich tun, damit Reframing klappt?

Damit der Perspektivwechsel auch für dich funktioniert, kannst du verschiedene Strategien anwenden. Welche Bedeutung du einer Situation geben möchtest, kannst du mit Hilfe des Bedeutungs-Reframings bewusst entscheiden, ohne dabei den Kontext komplett zu verändern. Ganz klassisches Beispiel: Stell dir das berühmte Glas vor, das zur Hälfte mit Wasser gefüllt ist. Dann wäre „das Glas ist halbvoll“ eine optimistische Haltung. „Das Glas ist halbleer“ eher eine pessimistischere. Beide beschreiben den Wasserstand im Glas, aber geben ihm eine unterschiedliche Bedeutung.

Beim Kontext-Reframing stellst du eine ungeliebte Eigenschaft in einen Zusammenhang, in dem sie nicht mehr als Schwäche, sondern als Stärke erscheint. Du denkst darüber nach, was dich in einem bestimmten Moment gestört hat, aber in einer anderen Situation vielleicht hilfreich gewesen wäre. Mit deiner Starrköpfigkeit, alles nach deinen Wünschen umzusetzen, magst du zwar bei einer Teamarbeit anecken, wenn aber etwas stellvertretend für das Team zu verhandeln gibt, fällt die Wahl als erstes auf dich. Denn du hältst unbeirrbar an der eigentlichen Idee fest. Ein vermeintlicher Nachteil kann so zum Vorteil werden.

Was ist Reframing?
Ein Bilderrahmen kann entscheidend dafür sein, ob der Betrachter ein Kunstwerk schön oder unscheinbar findet. © Meric Tuna / Unsplash.com

Wann bringt Reframing mir etwas?

Reframing kannst du in jedem Bereich deines Lebens nutzen. Sei es, um dich zum Fitnesstraining zu motivieren oder um deine kleinliche Kollegin besser zu verstehen. Fange beim Reframing erst einmal klein an und lass dir Zeit. Ärgere dich nicht, wenn der Perspektivwechsel nicht sofort funktioniert. Es kann eine Weile dauern, bis du den richtigen Dreh raushast.

Fällt es dir schwer, Dingen sofort einen neuen Rahmen zu geben, dann sammele Beispiele und überlege dir in einer ruhigen Minute, wie du sie anders betrachten könntest. Erst nach dem Wofür statt dem Warum zu fragen, kann auch schon einen neuen Blickwinkel erzeugen.

Angenommen, du hast eine Absage für einen echten Traumjob bekommen. Nun würdest du normalerweise als erstes nach Gründen suchen, warum du die Stelle nicht bekommen hast. Hat deine Qualifikation nicht ausgereicht? War dein Anschreiben nicht überzeugend genug?

Eine dich zufriedenstellende Antwort wirst du nicht bekommen, denn deine Aufmerksamkeit bleibt beim eigentlichen Problem hängen. Wenn du genug Selbstkritk geübt hast, könntest du dich stattdessen fragen, wofür es gut war, den Job nicht zu bekommen. Zum Beispiel: Du musst nicht in eine andere Stadt ziehen und kannst deine Erfahrungen für die nächste Bewerbung nutzen. Um ungewollte negative Folgen zu vermeiden, ist es wichtig immer auch mit Blick auf deine Mitmenschen zu handeln.

Was ist Reframing?
Den Kopf in den Sand stecken? Nein! Verändere lieber deinen Blick auf die Dinge. © Abigail Keenan / Unsplash.com

Was gibt es für Kritik am Reframing?

Manche sehen beim Reframing die Gefahr, dass Menschen die Welt nur noch durch eine rosarote Brille betrachten. Wie du sicher weißt, verschwinden deine Probleme nicht von selbst, wenn du sie dir schöndenkst, du musst immer noch an ihnen arbeiten. Natürlich hat auch das Reframing seine Grenzen. Einen Autounfall als Anlass zu sehen, öfter zu Fuß zu gehen, entspricht nicht dem Sinn des Reframings. Mit der Umdeutung soll nichts beschönigt werden, sondern Dinge von einer anderen, positiveren Seite betrachten.

Mit Krisen fertig zu werden, ist ein wichtiger Teil des Lebens. Wenn du mit Problemen besser umgehen kannst, entwickelst du aber intuitiv ein besseres Selbstwertgefühl. Allein das Suchen nach alternativen Antworten regt deinen Geist an und erweitert deinen Horizont. Fragen, Dadurch wird nicht nur dein Kopf spürbar lockerer, auch dein ganzer Körper wird entspannter.

Du kreist nicht mehr verkrampft und verbissen um ein Problem, sondern kannst angenehmer und zielführender nach einer Lösung suchen. Es geht darum, achtsam die Perspektive zu wechseln und dir klar zu machen, dass manche Schlussfolgerungen in einem viel optimistischeren Licht erscheinen können, als es auf den ersten Blick scheint.

Reframing kann dir helfen, im Alltag gelassener zu werden. In einem neuen Licht betrachtet, verschwinden unangenehme Dinge oft wie von selbst. Die bewusste Kontrolle deiner Gedanken hilft dir dein Leben positiver zu gestalten. Denn dein Glück hängt oft nicht von einzelnen Ereignissen ab, sondern von deiner Einstellung dazu.

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