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So hat Ölziehen meine Morgenroutine verändert

Zwischen Insta-Trend, Ayurveda-Tradition und Mund-Hygiene – unsere Autorin hat einen Monat lang Ölziehen ausprobiert

Wenn du dich fragst, wie du mehr Ayurveda in den Alltag integrierst, ist Ölziehen eine sehr einfache Methode. Wir erklären dir, worum es dabei geht und was es bringt.

Was ist Ölziehen?

Ölziehen ist ein Entgiftungs-Ritual aus dem Ayurveda. Dabei wird der Mund für 5 bis 20 Minuten mit einem pflanzlichen Öl gespült, ähnlich wie mit einem Mundwasser, um den Mundraum von Giftstoffen zu reinigen. Die ayurvedische Detox-Methode liegt gerade wieder voll im Trend und soll die Gesundheit in vielerlei Hinsicht positiv beeinflussen.

Was soll Ölziehen im Körper bewirken?

In der indischen Alternativmedizin wird Ölziehen (Gandusha oder Oil Pulling) seit Tausenden von Jahren bei vielerlei Beschwerden angewendet und ist ein fester Bestandteil der morgendlichen Reinigungsrituale. Laut dem Journal of Ayurveda and Interactive Medicine soll das Ritual mit Öl rund 30 verschiedene Krankheiten von Kopfschmerzen und Migräne über Diabetes bis Asthma lindern.

Repräsentative Studien, die diese Wirkung belegen gibt es allerdings bisher nicht. Kritiker meinen deshalb, der ganze Hype um Ölziehen sei Humbug. Vereinzelt konnten medizinische Studien allerdings positive Effekte auf Mund- und Zahngesundheit belegen: Einige Studien zeigen, dass beim Ölziehen schädliche Bakterien aus dem Mund gespült werden. Allerdings zeigte sich dieser Effekt erst nach mindestens 2 Wochen täglichem Ölziehen.

Zu den Bakterien, die du beim Ölziehen loswerden sollst, gehört auch Steptococcus mutans, ein Bakterium, von dem angenommen wird, dass es für die Enstehung von Karies verantwortlich ist, oder seine Entstehung zumindest beschleunigt. Damit könnte Ölziehen als eine Präventiv-Maßnahme gegen Karies, Zahnbelag und Parodontose gelten. Da Bakterien häufig auch Mundgeruch verursachen, lässt sich auch dieses Problem durch die morgendliche Mundspülung mit Öl beseitigen.

Was bisher nicht wissenschaftlich bestätigt werden konnte, ist die entgiftende Wirkung des Ölziehens. Das liegt unter anderem daran, dass nicht ganz klar ist, was mit Entgiftung gemeint ist und wovon der Körper entschlackt werden soll. Die Theorie der Alternativmedizin ist, dass sich durch das Ölziehen der Blutfluss in den Drüsen erhöht und das Gewebe im Mund durch die bessere Durchblutung angeregt wird, toxische Stoffe zu entschlacken.

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Welches Öl ist zum Ölziehen geeignet?

In der ayurvedischen Tradition wird Sesamöl für das Ritual verwendet. Heute sind auch Sonnenblumenöl und Kokosöl beliebt. Letzteres vor allem wegen der enthaltenden Antioxidanzien und seiner entzündungshemmenden Wirkung. Welches Öl du benutzt, ist aber Geschmackssache. Achte nur darauf hochwertige, kaltgepresste Bio-Öle zu verwenden. Wer mag, kann das Basis-Öl noch durch ein ätherisches Öl als Geschmackskomponente ergänzen oder eine zum Ölziehen geeignete Öl-Mischung Mischung (zum Beispiel » Ölzieh-Kur Minze Grapefruit von Elixir) verwenden.

Schritt für Schritt Anleitung: Ölziehen

1. Reinige deine Zunge mit einem Zungenschaber oder einem Teelöffel.

2. Nimm einen Teelöffel Öl in den Mund und beginne es im Mundraum und zwischen deinen Zähnen hin und her zu ziehen. Achtung, nicht verschlucken und ganz normal durch die Nase weiteratmen.

3. Das machst du so lange, wie du magst. Anfangs behältst du das Öl vielleicht nur 5 Minuten im Mund, mit der Zeit gewöhnst du dich daran und spülst deinen Mundraum bis zu 20 Minuten mit dem Öl. Dabei musst du nicht still rumsitzen, sondern kannst nebenbei deine Morgenroutine fortführen, solange du dich nicht verschluckst und das Öl dabei im Mund bewegen kannst.

4. Nach dem Ölziehen spuckst du das Öl in einen Becher oder direkt in den Mülleimer und spülst deinen Mund gut mit lauwarmem Wasser aus. Übrigens: Ölziehen ist natürlich kein Ersatz fürs Zähneputzen!

Erfahrungsbericht: Wie sich mein Morgen durch Ölziehen verändert

"Skeptisch schiebe ich den Löffel mit Sesamöl in den Mund. Lecker ist das nicht. Na gut, ich soll’s ja auch nicht essen. Langsam versuche ich das Öl durch meinen Mund zu ziehen – und mich dabei nicht zu verschlucken. Es schäumt ein wenig und nach ein paar Minuten landet eine milchige Flüssigkeit im Mülleimer. Das war in meinem Mund? Na, guten Morgen!

Nach ein paar Tagen ist die Mundspülung mit Öl schon fester Bestandteil meiner Morgenroutine. Mit dem Öl im Mund springe ich unter die Dusche, tanze durch die Wohnung und bereite mein Frühstück zu. Inzwischen bleibt das Öl mindestens 15 Minuten im Mund – gar kein Problem. Ich habe das Gefühl, dass das Ölziehen meinen Kopf aufweckt. Mein Gesicht sieht danach viel wacher aus und auch mein Geist ist hellwach. Die geistige Entgiftung scheint also zumindest zu funktionieren.

Schöner Nebeneffekt: Während ich das Öl in meinem Mund hin und her ziehe, lockert sich mein Kiefer. Ich kann also ganz nebenbei noch etwas unnötige Anspannung loswerden. Auch wenn es mir vorher nie negativ aufgefallen ist, fühlen sich nach einem Monat meine Zähne glatter und mein Zahnfleisch gesünder an. Ich habe das Gefühl meinem Körper mit diesem Ritual etwas Gutes zu tun und die Rosmarin-Note in meinem Sesamöl scheint meinem Körper und Geist einen Energie-Kick zu verpassen – genau das, was ich zum Wachwerden brauche."

Ölziehen ist sicher kein Allheilmittel gegen jede Krankheit und der Detox-Effekt ist – wenn er nicht stichhaltig belegt wird – Glaubenssache. Aber: Positive Auswirkungen auf Mundhygiene und Zahngesundheit sind nachgewiesen und ein morgendliches Ritual kann dabei helfen, sich auf den Tag einzustimmen und die Gedanken zu ordnen. Es einfach mal auszuprobieren, kann also nicht schaden.

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