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Bei sich selbst ankommen macht glücklich © Ivana Cajina / unsplash.com

Rituale 5 Rituale, um dich mit dir selbst zu verbinden

Spür mal: Bist du noch ganz bei dir? Wenn nicht, kommst du mit diesen Mini-Ritualen wieder bei dir selbst an

Kennst du dieses Gefühl, dich im Alltags-Wirrwarr selbst zu verlieren? Zwischen Job-Meetings, Verabredungen, Erledigungen und Co. passiert es schnell, dass du an alles mögliche denkst – nur nicht an dich selbst.

Klar, solche Phasen haben alle mal, und natürlich ist das auch nicht immer schlimm. Aber irgendwann merkst du, dass du dich eigentlich ständig verstellst und anpasst und dabei vieles tust, das dir eigentlich nicht entspricht. Dann wird es höchste Zeit, wieder zu dir zurück zu finden – mit der Kraft der Rituale.

Warum sind Rituale so wichtig?

Rituale sind feste, wiederholte Handlungsabläufe. Sie laufen immer nach festen Regeln ab und geben dir so ein sicheres Gefühl. Ob kleine Rituale wie das Zähneputzen am Morgen oder große, die du gemeinsam mit anderen zelebrierst, wie Feiertage oder Hochzeiten – Rituale geben dem Leben Struktur.

Oftmals sind es Momente der Einkehr, in denen du deine Gedanken schweifen lässt. In unsicheren und hektischen Zeiten werden Rituale wichtiger, weil Menschen sich an ihnen festhalten. Das kann die morgendliche Konferenz im Büro oder der Anruf der besten Freundin sein, der eine Konstante im hektischen Alltag bildet.

Deine täglichen Rituale können zu stillen Inseln der Achtsamkeit werden, die du nutzen kannst, um dich wieder mit deinem Wesenskern zu verbinden und tief in dich hinein zu spüren. Wir haben einen Tag mit der Budokon-Mixed-Movement-Athletin Melayne Shayne verbracht und von ihr 5 Rituale für Körper, Geist und Seele gelernt.

1. Starte den Tag in Stille

Nie war die Möglichkeit, ständig zu kommunizieren, größer aus heute. Dabei tut es auch mal ganz gut, eine Weile den Mund zu halten und den eigenen Gedanken zu lauschen. In spirituellen Kreisen – ob im Kloster oder unter Yogis – wird oft die sogenannte “noble silence” oder auch “Mauna” praktiziert.

Nimm dir Zeit, um deine innere Mitte wiederzufinden
Nimm dir Zeit, um deine innere Mitte wiederzufinden
© Jared Rice / unsplash.com

Von Tagesanbruch bis nach der Meditation wird geschwiegen. Das Gute daran: Wenn du äußerlich still wirst, erhöht sich der Fokus auf deine Wahrnehmung und du kommst ins Spüren. So hast du morgens erstmal ein bisschen Zeit (und Ruhe), um zu erforschen wie es dir heute eigentlich geht und welche Gedanken dich beschäftigen, bevor du von der Informationsflut der Welt begegnest. Der Ablenkungseffekt geht somit gleich null.

Zusätzlicher Benefit: Tägliches Meditieren in Stille lässt das Gehirn wachsen – wirklich wahr! Studien haben belegt, dass sich dabei neue Zellen im Hippocampus bilden.

2. Ersetze den Coffee-to-go durch eine morgendliche (Tee-)Zeremonie

Beim Weckerklingeln springst du aus dem Bett unter die Dusche, ziehst dich schnell an und bist schon aus dem Haus. Unterwegs holst du noch schnell irgendwo einen Kaffee – klingt nach einem ganz normalen Morgen? Dann brauchst du Chado.

Chado, der Weg des Tees, ist eine Alltagsmeditationspraxis aus dem Zen-Buddhismus. Dabei wird Tee nach ganz bestimmten Regeln zubereitet und genossen. In einer morgendlichen Matcha-Zeremonie hat uns Melayne erklärt, wie sie ihren Matcha zubereitet:

Eine morgendliche Matcha-Zermonie hilft dabei, zu entschleunigen
Eine morgendliche Matcha-Zermonie hilft dabei, zu entschleunigen
© Monika Grabkowska / unsplash.com
  1. Zuerst bringst du etwa 100 ml Wasser zum Kochen und lässt es für 2-4 Minuten abkühlen.
  2. Gib einen Esslöffel Matchapulver und 2 Esslöffel heißes Wasser in deine Schale. „Achte darauf, dass du hochwertigen, ‚ceremonial grade‘ Matcha verwendest. Dieser ist weniger bitter und schmeckt einfach am besten“, erklärt Melayne.
  3. Verrühre Pulver und Wasser nun mit einem Bambusbesen mit kreisenden Bewegungen zu einer cremigen Paste.
  4. Erst dann fügst du das restliche Wasser hinzu und schäumst den Matcha mit schnellen w-förmigen Bewegungen auf.
  5. Als letztes gibst du rund 250 ml einer warmen Milchsorte deiner Wahl hinzu. Melayne empfiehlt Hafermilch oder eine selbst hergestellte Nussmilch aus einer Handvoll Cashews, einer Handvoll Paranüsse, 2 Datteln und 2 Esslöffeln Hanfsamen, die sie über Nacht in Wasser einweicht und morgens frisch im Mixer herstellt.

Ein weiterer Vorteil von Matcha gegenüber Kaffee ist, dass das Koffein aus Tee an Polyphenole gebunden ist und erst im Darm freigesetzt wird. Dadurch tritt die wachmachende, konzentrationsfördernde Wirkung von Matcha im Vergleich zu Kaffee später ein und hält länger an.

3. Tausche Sport gegen Bewegung

„Und dann muss ich schnell noch zu Sport“ – hast du dich auch schon mal bei diesem Satz erwischt? Dabei ist die Joggingrunde im Park, die Yogastunde oder das Workout in deinem Lieblingstudio doch Teil deiner Selfcare-Routine – oder etwa nicht?! Wenn wir unachtsam sind und durchs Leben eilen, wird auch die Trainingseinheit schnell zu einem weiteren Punkt auf der To-do-Liste, statt zu der sehnlich erwünschten Auszeit.

Melayne Shayne teilt ihre Tipps für innere Ausgeglichenheit
Melayne Shayne teilt ihre Tipps für innere Ausgeglichenheit
© Adidas x Zalando

Für Melayne ist „Sport“ ein leeres Wort. „Bewegung ist der passendere Begriff. Denn es geht darum, sich und seinen Körper bewusst zu spüren und so in jeder Bewegung seine Essenz durchscheinen zu lassen.“ In einer Gesellschaft in der alles auf Leistung und Ziele ausgerichtet ist, betrachten wir den Körper oft rein funktional, ohne jede Beziehung zu unserer Körperlichkeit und die feine Verbindung zwischen Körper und Geist.

“Ich betrachte Bewegung eher wie ein Experiment, bei dem ich die internen Prozesse ganz feinfühlig beobachte: Wie fühle ich mich heute? Bin ich heute eine Kriegerin und stehe voll in meiner Kraft? Oder brauchen Körper und Geist heute eher sanftere Bewegungen?” Erst nach diesem Check-in mit sich selbst entscheidet die Mixed-Movement-Athletin, ob sie heute Brazilian Jiu-Jitsu, Yoga, Animal Locomotion, Calistentics oder vielleicht Pole Dance übt.

"Wenn die Bewegung aus mir heraus entsteht, wenn es mich bewegt – dann wird Bewegung zu einer Kunstform und echtem Ausdruck.” Statt dir einen strengen Plan aufzuerlegen, was es beim „Sport“ alles zu erreichen gilt, spüre mal wirklich in deinen Körper hinein, welche Bewegungen dieser gerade braucht.

4. Schöpfe Kraft aus der Gemeinschaft

“Eine meiner wichtigsten Intentionen ist es, einen Sinn für Gemeinschaft unter Frauen vorzuleben – den Warrior Women Tribe.” Während sich Männer oft schnell untereinander verbrüdern, herrschten zwischen Frauen häufig Konkurrenzgedanke vor – ein erlerntes Muster unserer Leistungsgesellschaft, in der wir ständig miteinander verglichen werden und uns beweisen müssen.

Diesen Kreislauf können wir selbst durchbrechen, indem wir uns bei aufkommenden Gefühlen von Neid, Missgunst und kritischem Bewerten selbst hinterfragen und stattdessen bewusst entscheiden uns einander zu öffnen, die kleinen und großen Erfolge anderer Frauen zu feiern, ohne gleichzeitig unseren eigenen Wert in Frage zu stellen. “Statt für die Eifersucht entscheide ich mich jedes mal bewusst für Liebe.” So entsteht eine weibliche Gemeinschaft, geprägt von Achtsamkeit und gegenseitiger Unterstützung. We are in this together!

Eine gute Freundin kann dir dabei helfen, neue Kraft zu schöpfen
Eine gute Freundin kann dir dabei helfen, neue Kraft zu schöpfen
© Hian Oliveira / unsplash.com

5. Lass los, was du nicht mehr brauchst

Wenn du mit diesen Ritualen mehr Achtsamkeit in dein Leben bringst und deinen eigenen Gedanken in stillen Momenten genau zuhörst, kann es vorkommen, dass du dabei auf Gedanken stößt, die dir nicht gefallen oder dich hindern. Diese regelmäßig zu reflektieren, ist ein schönes Ritual um Muster und Prägungen zu erkennen – und durch diese bewusste Wahrnehmung irgendwann vielleicht aufzulösen.

“Frag dich selbst mal: Was möchte ich loslassen?”, sagt Melayne. Vielleicht willst du es sogar aufschreiben und das Papier symbolisch verbrennen. „Der Blick in eine Kerze oder ein loderndes Lagerfeuer hat auch etwas sehr Beruhigendes.“

All diese Tipps und Rituale können eine große Stütze dabei sein, dass du dich in Zukunft nicht so schnell verlierst. Und selbst wenn du dir einmal abhanden kommen solltest, dass du zumindest immer wieder bei dir ankommst.

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