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Hilfe beim Wandern © Dane Deaner / unsplash.com

Coaching So findest du einen guten Coach für alle deine Probleme

Ab und zu brauchen wir alle mal Rat. Aber wer hilft bei den ganz wichtigen Fragen des Lebens? Hier liest du, wie ein Coaching dich weiterbringen kann

Früher war der "Coach" immer der alte Trainer des Baseball-Teams in Fernsehserien. Heutzutage hat der Begriff eine ganz neue Bedeutung. Heute kannst du dich beinahe in jedem Lebensbereich coachen lassen. Und das kann sehr nützlich sein.

Es gibt Ernährungscoaching, Karrierecoaching, Achtsamkeitscoaching, Führungskräftecoaching... die Liste ist endlos. Aber was brauchst du, und wann? Wir haben uns mit Expertinnen darüber unterhalten, wann der richtige Zeitpunkt für ein Coaching ist und wie du den richtigen Coach für dich findest.

Was versteht man unter Coaching?

Ein Coach kann dir in den unterschiedlichsten Lebenslagen helfen. Wenn du vor einem beruflichen oder privaten Wandel stehst, dir Veränderung oder mehr Klarheit in deinem Leben wünschst, könnte ein Coach auch etwas für dich sein! Als Coachee, also als zu coachende Person, bist du mit deinem Problem nicht mehr allein.

Pflanzenkeim
Ein Coaching kann ein großer Schritt in Richtung Wachstum und persönliche Entfaltung sein.
© Stanislav Kondratiev / unsplash.com

Vielleicht überlegst du dir, ob du einen Neuanfang wagen solltest, bist unzufrieden mit deinem aktuellen Leben. „Oft ist es das Wissen, dass etwas nicht stimmt. Meist haben die Coachees das Gefühl, schon lang auf einer Stelle zu treten und allein nicht mehr weiterzukommen“, erklärt Life- und Karrierecoach Janina Grüger.

Ein weiterer Grund für ein Coaching könnte sein, dass du zwar grundsätzlich zufrieden bist, aber dein Potenzial noch nicht voll entfaltet hast und deshalb neue Ideen und Ansätze verfolgen möchtest. Doch nicht nur äußere Veränderungen könnten ein Coaching-Thema sein, sondern auch Persönlichkeitsentwicklung: „Häufig geht es auch um den Wunsch zufriedener und gelassener zu werden,“ sagt Grüger.

Ist ein Coaching etwas Spirituelles?

Meistens nicht, aber wichtiger Punkt. Ein Grund, warum Coaching für viele nicht in Frage kommt, sind falsche Vorstellungen. Vanessa Jobst-Jürgens, Systemischer Coach und Mitbegründerin des Female Coach Empowerment Circle erzählt von einem häufigen Vorurteil: „Für viele ist Coaching sehr spirituell angehaucht, sie denken dabei an bunte Räume mit Klangschalen und Räucherstäbchen." So eine Art Coaching gibt es natürlich und hat auch seine Vorzüge – wenn es passt.

"Tatsächlich gibt es aber viele Arten von Coachings, die sich mit den verschiedensten Aspekten des Lebens auseinandersetzen", sagt Vanessa. "Meine Kollegin Cornelia Paul beispielsweise coacht leidenschaftlich gerne Frauen, die ihr eigenes Business aufbauen. Ich hingegen coache im Bereich ,New Work'. Andere fokussieren sich auf das Thema Achtsamkeit." Für jedes Anliegen und jeden Typ Mensch gibt es dadurch Möglichkeiten, so ein Coaching gewinnbringend und bereichernd für sich nutzen zu können.

Wozu braucht man ein Coaching?

Isabell Schumann, Gründerin der Plattform Fair Coachings, erklärt, was die Aufgabe eines Coaches ist: „Ein Coach hilft dir, einen neutralen Blick auf deine Situation einzunehmen und dich, dein Denken, Fühlen und Handeln zu reflektieren. Dafür nehmen wir uns im temporeichen Alltag häufig wenig Zeit. Oder wir blicken mit Wut, Trauer oder Verzweiflung auf unsere aktuelle Situation und sehen dadurch weniger die Lösungen, als vielmehr das scheinbar unlösbare Problem. Dann neigen wir dazu, uns gelähmt zu fühlen, passiv zu werden und bleiben in der Situation stecken, anstatt etwas zu verändern.“

Am I Good Enough?
Zweifel und negative Glaubenssätze können sehr belastend sein.
© Hello I´m Nik / unsplash.com

„Ein Coaching ist ein guter Schritt, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu beginnen sich selbst ein erfülltes Leben zu erschaffen, das möglichst gut zu den eigenen Vorstellungen passt", erläutert Janina Grüger. "Dazu müssen nicht selten erst mal ein paar Schichten abgepellt werden, die wir uns im Laufe des Lebens angeeignet haben. Das könnten zum Beispiel Glaubenssätze sein, die sich durch unsere Familien oder die Gesellschaft eingeprägt haben. Die Überzeugung, nicht gut genug, sitzt bei vielen tief.“

„Sich Hilfe von einem Coach zu holen, ist auch kein Zeichen von Schwäche, sondern zeigt, dass du bereit und offen für Veränderung bist“, erklärt Schumann ergänzend. „Doch manchmal halten die inneren Überzeugungen wie ,Ich schaffe das alleine!' und ,Ich brauche keine Hilfe!' davon ab, ein Coaching zu machen.“

Coach, Mentor, Trainer, Psychotherapeut – wer ist die richtige Anlaufstelle?

Wegschilder
Unterstützung findet man an verschiedenen Orten. Doch welche Art der Unterstützung passt für dich?
© Javier Allegue Barros / unsplash.com

Doch helfen kann einem im Zweifelsfall nicht nur ein Coach, auch Therapeuten und Trainer können in Situationen des Wandels beistehen und unterstützen. Wann also ist ein Coach die richtige Anlaufstelle und wann nicht? Barbara Bardos, Wirtschaftspsychologin und tiefenpsychologische Beraterin, hat dazu einen Einschätzungstest erstellt mit dem du herausfinden kannst, welche Maßnahme die Richtige ist.

Im Bereich der Psychologie besteht leider nach wie vor ein großer Mangel an Aufklärung und auch Therapieplätzen. Das brachte sie dazu den Test zu entwickeln. „Mich frustriert es zu sehen, wie lange Menschen auf Therapieplätze warten müssen und wie spät psychische Erkrankungen oft erkannt werden. Ich bin außerdem unzufrieden damit, wenn Hilfesuchende bei Anbietern landen, die für ihr Anliegen gar nicht die Richtigen sind oder sogar mehr Schaden anrichten als helfen."

This Way
Bei manchen Anzeichen ist es ganz klar, wer die richtige Anlaufstelle ist.
© Jamie Templeton / unsplash.com

Bardos erklärt: „Zwei Kriterien sollten für ein Coaching in jedem Fall erfüllt sein: erstens sollte der Alltag, also Arbeit, Gesundheit, Haushalt und soziale Kontakte, funktionieren. Zweitens darf der Anspruch nicht zu komplex sein – die Verarbeitung der Kindheit oder von traumatischen Erlebnissen sowie tiefgreifende Selbstwert-Thematiken sind keine sinnvollen Themen für ein Coaching. Zur Verbesserung von Kompetenzen, zum Beispiel Stressmanagement oder Kommunikation, sowie zur Persönlichkeitsentwickung und als Reflexionshilfe eignet sich Coaching wiederum sehr gut."

Der Test wurde mithilfe von über 20 TherapeutInnen, BeraterInnen und Coaches entwickelt und über zwei Monate hinweg von 40 ProbandInnen getestet. Er unterscheidet zwischen den Maßnahmen Mentoring und Training, Coaching, psychologische Beratung, Supervision und Psychotherapie. Am Ende erhält man eine Übersicht wie alle Maßnahmen abgeschnitten haben, eine Empfehlung und Alternativmöglichkeiten, sowie eine Gegenüberstellung der verschiedenen Maßnahmen mit vielen Informationen.

Was passiert bei einem Coaching oder einer Therapie?

Für alle, die zunächst eine generelle Übersicht haben möchten, beschreibt hier Isabell Schumann zudem, wie man die einzelnen Berufe voneinander abgrenzen kann:

Mentoring und Training

„Wer ein konkretes Ziel verfolgt und Unterstützung braucht, wählt ein Mentoring oder Training. Dein Mentor oder Trainer hat das bereits erreicht, wovon du träumst. Er oder sie motiviert dich und gibt dir individuelle Anleitung, damit du dein Ziel erreichst. Wenn du zum Beispiel deine Ernährung umstellen möchtest oder rhetorisch gewandter werden möchtest, kann dir ein Trainer oder Mentor dabei helfen.“

Coaching

„Im Coaching geht es erstmal darum, dich selbst zu reflektieren, warum gewisse Dinge aktuell noch nicht funktionieren, was dich blockiert oder zurückhält. Es geht auch darum, Denk- und Verhaltensmuster zu reflektieren und zu verändern. Ein Coach hilft dir zur Selbsterkenntnis und zum inneren Wandel, der sich dann auch nach außen zeigt – zum Beispiel dadurch, dass du deine Ziele kennst, verfolgst und verwirklichst.“

Psychotherapie

„Eine Psychotherapie ist dann sinnvoll, wenn belastende Zustände wie Angst, Niedergeschlagenheit oder Panik wiederkehren und im Alltag so belasten, dass es schwerfällt, Verpflichtungen nachzugehen, wie täglich zur Arbeit zu gehen. Körperliche Symptome wie Bauchschmerzen oder Müdigkeit kommen häufig dazu. In diesen Fällen solltest du also nicht mit einem Coach sprechen, sondern lieber mit deinem Hausarzt, der dich an eine*n Psychologin*en überweisen kann.“

Wie wähle ich den richtigen Coach aus? 3 Tipps

Wenn du dann entschieden hast, dass ein Coaching die richtige Wahl für dich ist, stehst du vor einer weiteren Entscheidung: Welcher Coach soll es sein? Dazu gibt es diese 3 wichtigen Orientierungspunkte:

1. Der richtige Schwerpunkt

Am offensichtlichsten ist, dass der Coaching-Schwerpunkt stimmen muss. Niemand würde mit seinen Eheproblemen zur Berufsberatung gehen. Die Erfahrungen und Schwerpunkte des Coaches spielen eine Rolle. Außerdem kann man sich informieren: Welche Weiterbildungen hat sie oder er?

2. Dein persönlicher Wohlfühlort

Zusammenarbeit
Für eine gute Zusammenarbeit ist es wichtig, dass sich Coach und Coachee miteinander wohlfühlen.
© Christin Hume / unsplash.com

Wichtig bei der Auswahl ist auch dein Bauchgefühl! Janina Grüger sagt: „Die Chemie muss stimmen. Denn in Coachings geht es oft um sehr persönliche Themen, da muss einfach das gegenseitige Vertrauen da sein. Oftmals bekommt man schon durch den Auftritt auf der Website einen ersten Eindruck von dem Coach.“

Zusätzlich bietet Grüger auch noch eine sogenannte Discovery-Session an: per Mail und Telefon lernt man sich zunächst kennen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob man sich auch vorstellen kann zusammen zu arbeiten. Auch bei Fair Coachings ist das möglich: „Bei jedem Coach ist ein kostenfreies Vorgespräch möglich, das häufig telefonisch stattfindet und dem Coachee sowie dem Coach ermöglicht, einander kennenzulernen und einzuschätzen, ob eine weitere Zusammenarbeit sinnvoll und gewünscht ist.“

3. Ausreichende Qualifikationen

Vorsicht ist bei der Auswahl geboten, da sich jeder als Coach bezeichnen kann. Es ist kein geschützter Titel wie Doktor oder Therapeut. Das heißt: Coach ist nicht gleich Coach! Informiere dich genau, welche Ausbildung dein Coach hat und welche Qualifikationen.

Voraussetzung sollte eine abgeschlossene Ausbildung sein, beispielsweise eine psychologische, oder im Systemischem Coaching, Life Coaching oder Business Coaching. Das zeigt, dass der Coach Expertise in seinem oder ihrem Bereich besitzt und auch seine oder ihre eigenen Kompetenzen und Zuständigkeitsbereiche kennt. Denn ein professioneller Coach erkennt beispielsweise Anzeichen einer psychischen Störung und kann somit ein Coaching vorzeitig beenden und empfehlen, stattdessen einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen.

Wie viel kostet eine Coachingstunde?

Oft ein entscheidender Punkt: Nicht alle können sich ein Coaching leisten. Normalerweise zahlt man für eine Coaching-Stunde zwischen 50 und 150 Euro. Online-Sessions sind oftmals etwas günstiger.

Häufiges Problem: Auch Studierende oder Arbeitslose brauchen Unterstützung, um den richtigen Berufsweg zu finden, doch da sie den richtigen Job noch nicht haben, hält eine knappe Kasse sie oft davon ab, sich coachen zu lassen. Auch das war ein Grund für Isabell Schumann, Fair Coachings zu gründen:

„Wie toll wäre eine Plattform, auf der Menschen mit geringem Einkommen sich aus vielfältigen Angeboten passende Coachings aussuchen können? Ohne Angst, die Kosten nicht bezahlen zu können oder sich überwinden zu müssen, nach Rabatt zu fragen. Sondern mit der Vorfreude, dass sie bezahlbare Unterstützung erhalten werden.“ Die Angebote der Fair Coaches sind deshalb gegenüber dem Originalpreis um mindestens 30 Prozent reduziert.

Worauf muss ich bei einem Coach achten?

Super Helpful Schild
Ein guter Coach hilft dir durch die richtige Fragestellungen und Übungen.
© Jonas Jacobsson / unsplash.com

Was einen guten Coach außerdem ausmacht, definiert Isabell Schumann: „Wichtig ist, dass du das Gefühl hast, dein Gegenüber hört dir aufmerksam zu und zeigt Verständnis. Ein Coach sollte ein guter Zuhörer sein. Er oder sie ergreift nicht Partei, sondern bleibt neutral. Ein guter Coach gibt dir nicht eine Erkenntnis oder Klarheit, sondern ist nur dein Helfer dabei, dass du selbst die Erkenntnis in dir findest. So ein Coach begegnet dir auf Augenhöhe und verurteilt dein Denken, Fühlen oder Handeln nicht.“

Janina Grüger fügt hinzu: „Der Coach sollte die richtigen Fragen stellen, damit der Coachee einen klaren Blick auf die eigenen Themen bekommt. Er sollte sowohl empathisch sein als auch die nötige Distanz wahren können, um den Blick von außen zu bewahren. Denn der Coachee ist der Experte für sein eigenes Leben!“

Kompass
Ein Coaching kann dir Orientierung geben und den Weg weisen.
© Jamie Street / unsplash.com

Wie lange dauert ein Coaching?

Die Länge und Dauer der Sessions variiert. „Eine Coaching Session bei mir dauert 60 Minuten", so Grüger. „Im ersten Treffen legen wir Coaching-Ziele fest, die wir innerhalb des Coachings erreichen möchten. Diese dienen sozusagen als Kompass, an dem wir uns orientieren können. Wir checken auf der Reise immer wieder da ein, wo sich die Coachees auf dem Weg zu ihren Zielen befinden. Aber auch zwischen den Sessions passiert eine Menge. Die Coachees nehmen aus den Sitzungen Ideen und gemeinsam festgelegte Aufgaben mit, die sie näher an ihre persönlichen Ziele bringen sollen. So entwickeln wir ganz natürlich und Schritt für Schritt einen gemeinsamen Plan."

Glühbirne
Eine erste wichtige Hürde ist genommen, wenn der Coachee einen Aha-Moment erlebt.
© Riccardo Annandale / unsplash.com

Üblicherweise ist ein Coaching eine längere Reise. Schumann erklärt wieso: „In der Regel braucht Veränderung Zeit. Durch ein Coaching wird ein innerer Prozess angestoßen. Deshalb empfehle ich, mindestens zwei Sitzungen – und im besten Fall mehr – zu buchen. Mit einer Sitzung lernen sich Coachee und Coach kennen und der Coachee erlebt einen ersten Aha-Moment, in dem eine Erkenntnis und plötzliche Klarheit kommen kann. Um damit dann weiterzuarbeiten, aufkommende Fragen zu beantworten und erste Unsicherheiten, die sich häufig ergeben, aus dem Weg zu räumen, braucht es weitere Sitzungen."

Du siehst, du musst nicht alles alleine bewältigen. Ein guter Coach kann dich unterstützen. Und du musst auch noch nicht jetzt für alles eine Lösung sehen. Um es mit dem Spruch auszudrücken, der bei Janina Grüger an die Wand gepinnt ist: „Gehe so weit du sehen kannst. Wenn du dort angekommen bist, wirst du sehen, wie es weitergeht.”

Egal welches Problem du hast oder in welche Richtung du dich entwickeln möchtest: es gibt immer jemanden, der dich dabei unterstützen kann. Und es wird sich lohnen!

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