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  • #Selbstliebe

6 Tipps für mehr Selbstliebe

Alle sagen, du sollst dich so annehmen, wie du bist. Aber so einfach ist das ja gar nicht. Außerdem stellt sich die Frage: Brauchen wir wirklich noch mehr Selbstliebe in einer Gesellschaft voller Selbstdarsteller?

Liebe dich selbst! Akzeptiere deine Schwächen! Umarme dein inneres Kind! All das steht heute in vielen Ratgebern. Selbstliebe lautet das Wort der Stunde – und zugegeben, das klingt toll und nach „Will ich auch“. Aber wie um alles in der Welt sollen wir uns selbst lieben, während wir im Netz ständig über tolle Menschen mit traumhaft schönen Leben stolpern? Leute, die uns suggerieren, dass so ein normales Durchschnittsdasein etwas sei, wofür wir uns schämen müssten? Ist bedingungslose Selbstliebe da nicht ein bisschen viel verlangt?

Heul doch, inneres Kind!

Ehrlicherweise ist der Großteil von uns doch weit, weit entfernt von all der künstlichen Makellosigkeit, von der einige uns weismachen wollen, sie existiere wirklich. Die behaupten, wir müssten nur ein klitzekleines bisschen in unsere Selbstoptimierung investieren und – schwups – könnten wir dazugehören. Zum erlesenen Kreis der Schönen und Begehrenswerten mit den straffen Schenkeln und den faltenfreien Gesichtern. Schön und sexy zu sein, das liege immerhin in den eigenen Händen, und wer da nicht mitmache, der sei halt selbst schuld. „Heul doch, inneres Kind, und suhl dich in Selbstmitleid und deinem schlechten Bindegewebe! Und jetzt viel Erfolg bei der Selbstliebe.“ Na danke!

Vergleichen macht unglücklich. Besonders im Netz

Fakt ist, dass es inzwischen etliche Studien gibt, die belegen, dass der permanente Vergleich mit anderen unglücklich macht und unser Selbstbild in Mitleidenschaft zieht. Wissenschaftler des dänischen Happiness Research Institute beispielsweise sagen: Wer sich Tag für Tag durch die Postings von Freunden, Kollegen und Celebrities in sozialen Netzwerken scrolle, sei am Ende neidisch und fühle sich unzulänglich. Frei nach dem Motto „Hey Loser-Ich, warum sitzt du nicht am Strand und schlürfst Cocktails wie deine Nachbarin mit der tollen Wohnzimmereinrichtung?“ Am Ende der Timeline stünde die ernüchternde Erkenntnis, dass alle ein cooles, aufregendes Leben hätten, nur man selbst eben leider nicht.

Wo aber liegt der Unterschied zwischen gesunder Selbstliebe und dem völlig übersteigerten Glorifizieren der eigenen Person? Immerhin sprechen nicht wenige Wissenschaftler inzwischen von einem „Zeitalter der Narzissten“, in dem sich bereits Heranwachsende grenzenlos selbst feiern und in Szene setzen.

Wie man lernt sich selbst zu lieben
Wer lernt, auch seine Schwächen und Fehler anzunehmen, hat nicht mehr das Bedürfnis sich zu verstecken © Stefaniya Gutovska / Shutterstock.com

„Narzissmus ist eine auffällige Selbstverliebtheit und übertriebene Selbstbezogenheit“, erklärt Anne Heintze, Therapeutin und Gründerin der Open Mind Akademie. „Narzisstische Menschen befassen sich vor allem mit sich selbst und interessieren sich nicht für andere. Sie überschätzen sich maßlos und haben eine überzogene Anspruchshaltung.“ Selbstliebe hingegen sei das Annehmen der eigenen Persönlichkeit, die Akzeptanz dessen, was und wie wir sind. „Selbstliebe bedeutet, sich selbst zu vertrauen, sich selbst zu achten und den eigenen Wert schätzen zu lernen. Selbstakzeptanz spielt dabei eine entscheidende Rolle“, so Heintze.

Über sich selbst zu lachen kann auch klein machen

Die genaue Definition der Gratwanderung zwischen Selbstliebe und Selbstkritik ist auch aus einem anderen Grund wichtig: Offenbar teilen heutzutage sehr viele Frauen die Sorge, selbstverliebt rüberzukommen oder gar als narzisstisch abgestempelt zu werden. Ein Beispiel: Die britische Linguistikexpertin Judith Baxter von der Aston University in Birmingham fand in einer Studie heraus, dass Männer in 90 Prozent der Fälle Witze auf Kosten anderer machen. 70 Prozent der Frauen ziehen dagegen immer nur sich selbst durch den Kakao. „So absurd es klingt, dieser Negativ- Talk soll eigentlich positiv wirken“, erklärt Persönlichkeitscoach Kim Fleckenstein. Hört sich im ersten Moment vielleicht paradox an, ist aber evolutionär in uns verankert. Im Laufe der menschlichen Entwicklung waren Männer lange Zeit auf den Wettbewerb mit anderen gepolt, Frauen hingegen hatten schon immer einen stärker ausgeprägten Gemeinschaftssinn. Für sie ist es – offensichtlich bis heute – wichtig, wenig bedrohlich auf andere zu wirken und eine möglichst große Community um sich herum aufbauen zu können. Wer andere hinter die Fassade schauen lässt („Ich war wirklich noch nie gut darin, eine Präsentation zu halten“), reißt damit Mauern ein und wirkt liebenswert.

Ganz schön blöd manchmal, die Evolution. Denn in diesem Punkt macht sie uns das Leben leider unnötig schwer. Wenn wir uns die Ergebnisse einer Selbstliebe-Umfrage (Women’s Health International) anschauen, glauben nämlich 67 Prozent der befragten Frauen, dass Menschen, die sich selbst lieben, auch von anderen positiver wahrgenommen werden. Gerade einmal 3 Prozent finden, dass Menschen, die sich selbst annehmen und lieben, arrogant wirken. Und 77 Prozent gaben an, noch nie von anderen Menschen selbstverliebt genannt worden zu sein. Ergo: Sich selbst zu lieben ist kein Verbrechen, sondern macht obendrein auch noch sympathisch.

Sich selbst lieben – wie geht das denn jetzt eigentlich?

Zugegeben, es gibt kein Patentrezept, das es ganz easy macht, sofort tief in sich zu ruhen und Liebe aus jeder Pore zu verströmen. Aber es gibt ein paar kluge Tipps, die all denjenigen den Weg ebnen können, deren Selbstliebe-Level noch einen kleinen Schubs nach oben vertragen könnte. Also: Nur Mut – du bist toll!

1. Hör auf, dich zu vergleichen

Diese ganze Selbstinszenierung auf Instagram & Co. wird dir manchmal zu viel? Dann entfolge einfach den Personen, die dir ein ungutes Gefühl vermitteln. Sei es, weil du spürst, wie Neid in dir aufkommt oder Wut auf dich selbst, weil du vielleicht nicht so einen tollen trainierten Körper hast. Vergleiche mit Promis hinken, da das Bild, das sie im Netz vermitteln a) oft nicht ganz echt ist und b) nicht automatisch erstrebenswerte Ziele darstellt.

Wie man lernt sich selbst zu lieben
Selbstliebe bedeutet, sich selbst zu vertrauen, sich selbst zu achten und den eigenen Wert schätzen zu wissen © Stefaniya Gutovska / Shutterstock.com

2. Strebe nicht nach Perfektion

Du musst nicht perfekt sein. Weder für dich noch für andere. Oder erwartest du von deinem Umfeld immer 100 Prozent? Wahrscheinlich nicht, weil du weißt, dass es das nicht gibt. Warum bist du dann so streng mit dir selbst? Lieber locker lassen getreu dem Motto: „Perfect is boring, human is beautiful!“

3. Trau dich mal etwas

Was wolltest du schon immer tun, hast es aber bislang auf die lange Bank geschoben? Egal, um welche Herausforderung es sich letztlich handelt – geh es an, stecke all deine Kraft und dein Herzblut hinein und koste am Ende das nicht zu unterschätzende Gefühl aus, dein Ziel erreicht zu haben!

4. Stapel nicht so tief

Egal ob im Lebenslauf oder beim Onlinedating-Profil: Stell dein Licht nicht unter den Scheffel. Du bist jemand, du kannst was, und das darf ruhig jeder wissen. Und hör bitte sofort auf, dich selbst runterzuputzen. Sätze wie „Nie mache ich was richtig“ streichst du am besten sofort aus deinem Repertoire. Push dich stattdessen lieber, und lob dich häufiger mal.

5. Kümmer dich um dich selbst

Dazu zählt, dass du häufiger mal Nein sagst, ohne eine Erklärung hinterherzuschieben. Du fühlst dich nicht gut und brauchst Zeit für dich? Dann sag es, und erfinde keine Ausreden. Hör auf dich und deinen Körper. Auch das ist Selbstliebe.

Selbstliebe lernen
67 Prozent glauben, dass Menschen, die sich selbst lieben, auch von anderen positiver wahrgenommen werden © Stefaniya Gutovska / Shutterstock.com

6. Sei die, die du sein willst

Manchmal können wir uns auch deshalb nicht besonders leiden, weil wir einen Lebensweg eingeschlagen haben, der nicht unserer ist. Dann stellen wir plötzlich fest, dass wir im falschen Job sind oder mit dem falschen Mann leben. Und jetzt? Alles umwerfen, alles neu machen? Die unbequeme Antwort lautet: Wahrscheinlich ja. Geh in dich und frage dich, was du wirklich vom Leben erwartest und in welchem Leben du dich wirklich wohlfühlen würdest. Das funktioniert nicht beim fünfminütigen Brainstorming, sondern dauert ein paar Wochen oder Monate – und es ist schmerzhaft. Aber es lohnt sich!

Nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben – stimmt das?

Ein Satz, der immer wieder fällt, besonders dann, wenn es mit der großen Liebe irgendwie nicht klappen will. „Lerne erst mal, dich selbst zu lieben. Dann bist du auch bereit, Liebe zu geben und zu bekommen.“ Klingt nach einer Weisheit von Oma und irgendwie eine Spur spirituell. Ist da wirklich was dran? „Das ist tatsächlich so“, weiß Therapeutin Anne Heintze, „Die Akzeptanz der eigenen Person ist der erste Schritt, Akzeptanz durch andere zu erlangen.“

Umso drastischer erscheint daher, dass sich laut der oben genannten Umfrage ganze 60 Prozent der Teilnehmerinnen schon einmal die Frage gestellt haben, wie es sein kann, dass ihr Partner sie liebt, und warum er überhaupt mit ihnen zusammen sein möchte. Knapp 20 Prozent sagten, sie hätten diese Gedanken andauernd. „Du musst anderen keinen Gefallen tun, damit sie dich achten. Sie sollen dich lieben, weil du bist, wie du bist, und nicht, obwohl du so bist, wie du bist“, sagt die Expertin. Goldrichtig!

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