Nahrungsmittelunverträglichkeit Leiden Sie an einer Histaminintoleranz?

27.07.2016 , Autor:Kathleen Schmidt-Prange
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Ein Gläschen Rotwein oder Mousse au Chocolat: Für Menschen mit Histaminintoleranz bedeuten diese Leckereien leider oftmals Atemnot, Migräne oder Bauchgrummeln. Hier die wichtigsten Fakten zur Nahrungsmittelunverträglichkeit

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Histaminintoleranz: Woran kann ich erkennen, dass ich an einer Histaminintoleranz leide? Wir sagen's Ihnen
Schon wieder Migräne? Dabei haben Sie doch nur kurz am Rotwein genippt. Könnte vielleicht eine Histaminintoleranz dahinterstecken? © Roobcio / Shutterstock.com
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Ernährungstipps, Gesund kochen, Gesunde Ernährung

HISTAMININTOLERANZ – WAS IST DAS ÜBERHAUPT?

Histamin ist ein körpereigener Stoff – ein so genanntes biogenes Amin – welcher als Botenstoff im Körper vielfältige Funktionen erfüllt und zum Beispiel eine wichtige Rolle bei Allergien spielt. Histamin steckt zudem in allerlei Lebensmitteln, wodurch man täglich zusätzliches Histamin aufnimmt. Ernährungsexpertin Doris Paas kennt die Details: "Das Enzym Diaminoxidase – oder kurz DAO – baut überschüssiges Histamin normalerweise im Körper ab. Bei einer Histaminunverträglichkeit ist die DAO-Aktivität allerdings eingeschränkt oder zu wenig davon vorhanden." Histaminhaltige Lebensmittel wie Salami, Wein oder Kakao können dann zu einer pseudoallergischen Reaktion führen. "Da Histamin eine entscheidende Rolle bei allergischen Beschwerden spielt, gleichen die auftretenden Symptome denen einer Allergie. Aus diesem Grund wird die Histaminintoleranz, die eigentlich zu den Nahrungsmittelunverträglichkeit zählt, auch als so genannte "Pseudoallergie" bezeichnet" erläutert Doris Paas.

WORAN KANN ICH ERKENNEN, DASS ICH AN EINER HISTAMININTOLERANZ LEIDE?

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Bauchschmerzen sind eines der Symptome der Histaminintoleranz

Bauchschmerzen sind eines der Symptome der Histaminintoleranz

© Sofi-photo / Shutterstock.com

Eine Histaminintoleranz eindeutig zu erkennen, ist ziemlich schwierig, denn die Liste möglicher Symptome ist lang. Doris Paas, die in Ihrer Praxis auch Menschen mit Histaminintoleranz berät, erklärt: "Es können neben Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall auch allergieähnliche Beschwerden wie Juckreiz, Ausschlag, geschwollene Augen und laufende Nase auftreten. Auch Atembeschwerden, Kopfschmerzen (bis hin zu Migräne), Pulsrasen und Schlafstörungen sind nicht selten." Die Beschwerden können direkt nach dem Essen eintreten oder zeigen sich (leider häufig) erst einige Stunden später. Meist braucht es einige Zeit, um den Zusammenhang zwischen den Symptomen (z.B. Pusteln im Gesicht) und dem Auslöser (z. B. ein Stück Schokolade, was Sie vor 5 Stunden gegessen haben) zu entdecken.

Symptome bei Histaminintoleranz in der Übersicht: 

A) Magen-Darm-Beschwerden
> Durchfälle
> Bauchschmerzen
> Blähungen
> Sodbrennen
> Erbrechen
> Übelkeit

B) Symptome der Haut
> Nesselsucht /-fieber
> Hautrötungen („Flush“)
> Schwellungen der Augenlider
> Ekzeme
> Quaddeln
> Juckreiz

C) Herz-/Kreislaufbeschwerden
> Herzrasen
> Herzstolpern
> Herzrhythmusstörungen
> niedriger Blutdruck (Hypotonie)

D) Weitere Symptome
> Kopfschmerzen / Migräne
> Schlafstörungen
> Gliederschmerzen
> Laufende oder verstopfte Nase
> Asthma
> Blasen-/ Harnröhrenentzündung
> Regelbeschwerden
> Heißhunger
> Seekrankheit

WIE STELLT DER ARZT DIE DIAGNOSE?

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Mit einem Ernährungstagebuch können Sie der Histaminintoleranz auf die Schliche kommen

Ein Ernährungstagebuch kann auf dem Weg zur Diagnose entscheidend sein

© Svitlana Sokolova / Shutterstock.com

Leider gibt es bislang keinen Standard-Test zum Nachweis einer Histaminintoleranz. Die Bestimmung der DAO-Aktivität im Blut oder ein spezieller Urin-Test können erste Hinweise liefern, sind allein aber nicht aussagekräftig. Die Expertin ergänzt: "Einer Histaminintoleranz auf die Schliche zu kommen, ist schwer. Die vielen und zum Teil sehr diffusen Symptomen erschweren die Diagnose. Hinzu kommt, dass es nicht nur »das« Nahrungsmittel gibt, das histaminreich oder histaminarm ist und somit ein direkter Zusammenhang hergestellt werden kann. Durch längere Lagerung oder Gärprozesse können Lebensmittel, die im frischen Zustand noch relativ histaminarm waren, vollkommen unverträglich werden und Beschwerden auslösen."

Um den Übeltätern auf die Schliche zu kommen, sollte man sich ein Ernährungs- und Symptomtagebuch anlegen "Treten bei bestimmten Nahrungsmitteln – besonders bei Rotwein, Hartkäse und Räucherwaren – wiederholt Beschwerden auf, liegt der Verdacht auf eine Histaminintoleranz schon sehr nahe" begründet die Ernährungspädagogin. "Jetzt muss vor allem mit der gründlichen Aufnahme der Anamnese (Krankenvorgeschichte) versucht werden, die Beschwerden zu benennen und verschiedene andere Ursachen auszuschließen (Ausschlussdiagnose)." Ein Ernährungstagebuch kann auf dem Weg zur Diagnose sehr entscheidend sein. Auch ein Provokationstest kann "Beweise" liefern: Versuchen Sie 2 Wochen histaminarm zu essen – werden die Beschwerden weniger, ist das ein gutes Indiz.

DIAGNOSE HISTAMININTOLERANZ: WAS NUN?

Die Expertin für Nahrungsmittelunverträglichkeiten bringt es auf den Punkt: "Um Beschwerden bei einer Histaminintoleranz vorzubeugen, sollte man sich so histaminarm wie möglich ernähren." Leider ist die Liste an histaminhaltigen Lebensmitteln ziemlich lang. Zu den "Histamin-Bomben" zählen zum Beispiel: Wein (besonders Rotwein), lange gereifte Wurst und Käse, Konserven (insbesondere Fleisch- und Fisch-Konserven), aber auch Räucherwaren und eingelegtes Gemüse (Sauerkraut). "Hülsenfrüchte (z.B. Bohnen und Soja), Ananas, Erdbeeren und Kakao enthalten selbst zwar kein Histamin, setzen es aber im Körper frei und sollten daher ebenfalls vermieden werden" warnt die Expertin.

In der unten stehenden Tabelle haben wir eine Liste von geeigneten und weniger geeigneten Lebensmitteln für Sie zusammengestellt. Nicht erschrecken: Trotz der vielen Verbote, gibt es noch genug leckere Alternativen, die Sie trotz Histaminintoleranz genießen können. Spezielle Kochbücher mit Rezeptideen und Anregungen für eigene Kreationen sind eine gute (Start-)Hilfe. Eine Ernährungs- oder Gesundheitsberaterin kann Ihnen außerdem helfen, Ihre Ernährung umzustellen und zeigt Ihnen, auf welche Details (z.B. auf Verpackungen) Sie ab sofort achten müssen.

WAS KANN ICH DENN JETZT ÜBERHAUPT NOCH ESSEN?

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Frisch zu kochen ist bei einer Histaminintoleranz das A und O

Der Frische-Faktor der Lebenbsmittel spielt bei der Verträglichkeit eine sehr große Rolle

© Maya Kruchankova / Shutterstock.com

Die Faustregel lautet: frisch auf den Tisch! Darum empfiehlt Doris Paas, vor allem frische Lebensmittel (mit Ausnahme der vorher genannten) wie Obst und Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und fangfrischen Fisch zu essen. Leider gibt es aber auch hier noch Ausnahmen von der Regel, denn einige Lebensmittel wie Bananen, Birnen, Orangen und Kiwis enthalten bereits im frischen Zustand relativ viel Histamin.

Vermeiden Sie zudem unnötigen Stress, denn der kann die Beschwerden verstärken oder sogar auslösen. "Deshalb ist ein gutes Stressmanagement erforderlich, um möglichst wenig Belastung ausgesetzt zu sein. Entspannungsübungen oder Yoga können bei der Stressbewältigung wahre Wunder bewirken" erklärt die Gesundheitsberaterin und macht Betroffenen Mut: "Die Histaminintoleranz hat viele Gesichter, man muss seine Ernährungs- und Lebensweise zum Teil komplett umkrempeln und auf viele kleine Details achten. Informieren Sie sich über Krankheit, die Hintergründe und vor allem die Zusammenhänge – das ist das A und O. Wer seinen Gegner kennt, kann ihn besiegen und auch mit einer Histaminintoleranz weitgehend beschwerdefrei leben."

WAS TUN BEI EINEM AUSRUTSCHER? (HISTAMINBOMBE GEGESSEN)

Ein Wundermittel gibt es wie so oft leider nicht. Je nach Beschwerden – Migräne, Magen-Darm-Grummeln & Co – hilft daher nur ausruhen, schlafen und/oder die Wärmflasche. Es gibt zudem ein DAO-Präparat auf dem Markt, welches vor dem Essen eingenommen werden muss. Die Wirkung ist allerdings umstritten beziehungsweise nicht eindeutig bewiesen – dennoch muss man für das Mittel ziemlich tief in die eigene Tasche greifen. Doris Paas empfiehlt statt Pillen, konsequent auf eine histaminarme Ernährung zu achten, um solche Ausrutscher möglichst zu vermeiden.

ALLE DO‘S UND DON'TS EINER HISTAMINARMEN ERNÄHRUNG

Bedenklich (meist unverträglich bei Histaminintoleranz) Unbedenklich (meist verträglich bei Histaminintoleranz)

Eiklar

Eigelb

Milchprodukte wie lang gereifter Käse (Emmentaler, Parmesan), Schmelzkäse, Cheddar

Milchprodukte wie Butter, Frischkäse, Mozzarella, Milch, Sahne

Fleisch wie Rohschinken, Salami, Trockenfleisch, Wurst, Hackfleisch (verpackt)

Frisches Fleisch wie Geflügel, Hackfleisch (frisch), Schwein, Rind, Kalb

Lange gereifter Fisch, eingelegter Fisch (Konserven), Meeresfrüchte

Fangfrischer Fisch oder tiefgekühlt

Brot- und Backwaren mit Hefe, Buchweizen, Weizenkeime, Malz

Hefefreie Brot- und Backwaren, Kartoffeln, Hafer, Hirse, Reis, Quinoa

Nüsse besonders Erdnüsse und Walnüsse

Mandeln

Gemüse wie Konserven (Sauerkraut), Bohnen, Auberginen, Avocado, Soja, Erbsen, Linsen, Spinat und Tomaten

Frisches Gemüse wie Blumenkohl, Brokkoli, Salate, Fenchel, Salatgurke, Karotte, Radieschen, Spargel, Zucchini

Früchte wie Ananas, Erdbeeren, zu lange gelagerte Banane, Zitrusfrüchte (Orangen, Grapefruit, Zitrone, Mandarine), Kiwi, Himbeeren, Birnen (plus passende  Säfte/Süßigkeiten)

Früchte wie Kirschen, Rhabarber, Pfirsich, Nektarine, Heidelbeeren, Aprikose, Apfel, Kaki (plus passende  Säfte/Süßigkeiten)

Gewürze wie Balsamico Essig, Curry, Paprika, Sojasauce, Senf, Ketchup, Würzbrühe

 

Doris Paas, Ernährungs- und Gesundheitspädagogin, führt einePraxis für ganzheitliche Gesundheit und Prävention. Ihre Schwerpunkte sind u.a. Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Darmgesundheit. Sie ist Autorin mehrerer Fachbücher zu diesen Themen.                            

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