KopfschmerzenSo entkommen Sie der Migräne-Hölle

08.01.2013 , Autor:Gerlinde Felix
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Ihr Kopf fühlt sich an, als würde er zerspringen? Gehen Sie auf Ursachenforschung, um die Symptome abzuklären und vorzubeugen

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Migräne Kopfschmerzen: Kopfschmerzen können richtig fies sein, deshalb sollten Sie richtig vorbeugen und behandeln
Wer unter Kopfschmerzen oder Migräne leidet, sollte nach den Ursachen forschen und sich richtig behandeln lassen © Shutterstock
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Was in Männerkreisen als running Gag zur Ausrede bei Sexunlust gilt, macht vielen Frauen höllisch zu schaffen. Kopfschmerzen können das Leben für Tage lahmlegen. Die häufigsten Kopfschmerztypen sind Migräne und Spannungskopfschmerz. Sowohl bei Spannungskopfschmerz als auch bei Migräne kann Stress eine Rolle spielen. Doch während der Spannungskopfschmerz einsetzt solange der Stress andauert, tritt die Migräneattacke erst nach dem "Stressende" in der Entspannungsphase auf.

Keine Exzesse bei Migräne
Der Migräneschmerz ist entweder bohrend, hämmernd oder pulsierend. Er beginnt meist einseitig in Ihrem Nacken oder im Schläfenbereich und breitet sich über die ganze Kopfhälfte aus. Manchmal betrifft er Ihren ganzen Kopf. Typische Begleiter sind Übelkeit bis zum Erbrechen, Schweiß oder Kälteausbrüche. Migräne ist eine genetisch bedingte Erkrankung. Auf der Basis dieser genetischen Veranlagung kommt es dann durch Auslöser zu Attacken. Mögliche Auslöser sind emotionale Belastungen, Lebensmittelallergien, Überlastung, Stresssituationen,  zu wenig oder sogar zu viel Schlaf, Schokolade, bestimmte Wein- und Käsesorten, Kaffee oder Medikamente sowie Veränderungen im Menstruationszyklus (Schwangerschaft und Wechseljahre).

Bei Frauen treten die Beschwerden besonders vor und nach der Periode auf. Mediziner vermuten mittlerweile, dass es sich bei Migräne um eine Reizverarbeitungsstörung im Gehirn handelt. Die Migräneattacke könnte der Versuch Ihres Gehirns sein, eine Deaktivierung herbeizuführen, wenn die Reizflut irgendwann zu groß wird.

Wie sieht die optimale Therapie aus?

In der Kopfschmerzambulanz wird für Sie der Diagnose entsprechend ein individuelles Konzept erstellt. Neben der medikamentösen Behandlung werden auch nicht-medikamentöse Therapien wie z.B. eine Beratung zur Lebensführung bei Migräne berücksichtigt. Bei leichter bis mittelgradiger Migräne wird der Arzt Ihnen zu nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) raten. Etwa 10 Minuten vor der Einnahme sollten Sie ein so genanntes Antiemetika (z.B. Domperidon) einnehmen, um die Übelkeit zu bekämpfen und die Aufnahmefähigkeit zu steigern.

Für stärkere Beschwerden gibt es mehrere so genannte Triptane (Arzneien gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen), die Sie allerdings auch nur an maximal 10 Tagen pro Monat einnehmen sollten. Es kann sein, dass Sie auf bestimmte Triptane nicht so gut ansprechen. Dann sollten Sie einfach ein anderes ausprobieren. Die Medikamente bringen schnelle Linderung und sind sehr wirksam. Doch auch sie sind keine Wundermittel. Wer sie im Übermaß nimmt, d.h. an mehr als zehn Tagen pro Monat, läuft auch bei ihnen innerhalb weniger Jahre Gefahr, häufigere und längere Migräneattacken zu entwickeln.

Den Migräneattacken vorbeugen
Am besten lassen Sie eine Attacke erst gar nicht entstehen. Sie können ihr mit Medikamenten vorbeugen, z.B. mit Betablockern, Flunarizin oder Valproat. Bei menstruellen Migränettacken rät Ihnen die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zu NSAR oder Naproxen mit Beginn ab dem 4. Tag vor der Menstruation bis zum dritten Tag nach Ende der Menstruation oder aber Sie versuchen es mit einem Hormonpflaster. Außerdem soll Botox (Botulinumtoxin A) bei chronischer Migräne (mehr als 15 Tage pro Monat Beschwerden) prophylaktisch Abhilfe schaffen.

Medikamente allein reichen jedoch nicht zur Behandlung von Migräne. Von Akupunktur (Ganzkörpertherapie!) ist schon länger bekannt, dass sie bei Migräne sehr positive Effekte hat. Eine aktuelle Studie aus China hat nun Hinweise geliefert, nach denen Sie mit Akupunktur Attacken sogar effektiver vorbeugen können als mit Flunarizin. Und eine zweite aktuelle Studie, die am Universitätsklinikum Kiel durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass sich Ausdauersport wie Joggen und Walken sehr positiv auf die Stärke, Häufigkeit und Dauer einzelner Migräneattacken auswirkt. Gut geeignet sind darüber hinaus die Entspannungstechnik "Progressive Muskelentspannung" (PM), die die Anfälle bei Migräne um die Hälfte reduzieren kann, und Biofeedback. Migräniker üben mit Biofeedback, die Blutgefäße im Kopf zu verengen. Ein Messgerät zeigt ihnen, ob sie erfolgreich sind. Alle genannten Methoden können nachweislich Migräneattacken vorbeugen. Natürlich muss man auch lernen, sich im Alltag nicht ständig zu überfordern. Sie müssen lernen, "nein" zu sagen und es nicht immer allen recht machen wollen. Weiterhin ist ein ausgeglichener Lebensrhythmus, vor allem ein gleichmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus (auch am Wochenende), sehr wichtig. Jede Art von Exzessen setzt dem überempfindlichen Gehirn eines Migränikers zu.

Spannungskopfschmerz ist oft durch Stress verursacht
Spannungskopfschmerz ist drückend, dumpf und tritt beidseitig auf. Die Schmerzen stellen sich immer dann ein, wenn z.B. Stress im beruflichen, schulischen oder privaten Bereich aufkommen. Aber auch geistige Überlastung, Muskelverspannungen durch Haltungsfehler, anhaltende Überanstrengung der Augen (z.B. Bildschirmarbeit), starke Lärmbelästigung, Wetterwechsel, Schlafprobleme sowie psychische Faktoren („Kopf einziehen“) spielen eine wichtige Rolle.

Spannungskopfschmerz wird als chronisch bezeichnet, wenn Sie an mindestens 15 Tagen pro Monat Beschwerden haben. Laut den evidenzbasierten Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft behandeln Sie Ihren Spannungskopfschmerz am besten mit Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol. Aber Achtung! Sie dürfen diese Medikamente nur an maximal 10 Tagen pro Monat einsetzen. Daran sollten Sie sich halten. Ansonsten kann es passieren, dass Sie einen schmerzmittelinduzierten Dauerkopfschmerz bekommen. Und da hilft nur noch der Entzug in einer Klinik!

Chronischer Spannungskopfschmerz wird mit so genannten trizyklischen Antidepressiva behandelt. Diese Medikamente beeinflussen die Schmerzverarbeitung im Gehirn und beugen dem Spannungskopfschmerz vor. Sie reagieren nicht auf Antidepressiva? Dann sollten Sie es zumindest mit einer Psychotherapie versuchen, weil letztendlich psycho-soziale Belastungsfaktoren die Kopfschmerzen massiv verstärken können. Bei Spannungskopfschmerzen können Sie natürlich auch die bei Migräne genannten nicht-medikamentösen Therapieoptionen anwenden.

Patienten mit Spannungskopfschmerz lernen z.B. mit dem bereits weiter oben geannten Biofeedback, bestimmte Kopf- und Nackenmuskeln zu lockern damit der Kopfschmerz erst gar nicht entsteht. Und die auch die bereist erwähnte Entspannungstechnik "Progressive Muskelrelaxation" reduziert die Häufigkeit von Spannungskopfschmerz um 45 Prozent. Das ist eine Menge und deshalb einen Versuch wert! Dasselbe gilt für Musiktherapie, die auf Ihre Gefühlswelt einwirken kann. Sie beeinflusst psychische und soziale Faktoren, die am Entstehen des Kopfschmerzes beteiligt sind.

Migräne Kopfschmerzen: So entkommen Sie der Migräne-Hölle

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