Gehaltsverhandlung Mehr Geld! 8 Tipps für Ihr nächstes Gehaltsgespräch

Deal! Damit mehr Geld auf Ihr Konto wandert, müssen Sie geschickt verhandeln. © Fizkes / Shutterstock.com

Frauen verdienen zu wenig Geld, vor allem immer noch weniger als Männer. Das müssen Sie ändern! Mit diesen Tipps fürs Gehaltsgespräch fangen Sie an

Die Statistik ist erschütternd: Noch immer verdienen Frauen weniger als Männer. Laut Statistischem Bundesamt besteht in Deutschland ein durchschnittlicher Lohnunterschied von 21 Prozent zwischen Männern und Frauen. Damit liegen wir europaweit auf einem der hinteren Ränge.

Das liegt zum einen daran, dass Berufe, in denen mehr Frauen arbeiten (z. B. Pflege, Erziehung) schlechter bezahlt werden und dass Frauen öfter in Teilzeit arbeiten. Zum anderen verdienen aber Frauen oft auch im gleichen Job bei gleicher Qualifikation und Arbeitszeit weniger als männliche Kollegen. Warum? "Gesellschaftliche Konventionen, Unternehmenskulturen und Geschlechterstereotype spielen hier eine große Rolle", so Elke Holst, Senior Economist und Leiterin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Es muss sich also etwas ändern – sowohl gesellschaftlich als auch ganz konkret bei Ihnen. Denn wenn es Ihnen und anderen Frauen gelingt, mehr herauszuholen, sind Sie Vorbilder für andere und treiben die Veränderung voran. Darum kommen hier 8 Tipps für Ihre nächste Gehaltsverhandlung.

1. Ein bisschen Wut aufbauen

Es ist wie beim Lotto: Um zu gewinnen, müssen Sie einen Schein ausfüllen. Beim Gehalt heißt das: Sie müssen danach fragen. Das ist die erste Grundbedingung, denn wenn Sie nie fragen, ist die Antwort immer Nein. Eine Studie der Uni Lüneburg und des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn zeigte aber 2018, dass Frauen tendenziell seltener um ein Gehaltsgespräch bitten. Der Grund laut den Studienleitern: "Frauen empfinden ihr Gehalt seltener als unfair." Und wer sich nicht ungerecht behandelt fühlt, entwickelt keinen Antrieb, sich aufzulehnen. Es IST aber ungerecht, wenn Sie zu wenig verdienen. Also: Bauen Sie ein bisschen Ärger auf, der Sie befeuert (aber nehmen Sie keine glühende Wut mit ins Gespräch, das wirkt unprofessionell).

2. Wissen, was Ihnen zusteht

Damit Sie überhaupt ärgerlich werden können, benötigen Sie Eckdaten, was Ihnen in etwa zusteht. Informieren Sie sich auf Gehaltsvergleichsseiten im Netz über das, was in Ihrem Job und in Ihrer Branche üblich ist. Fragen Sie aber auch diskret bei Kolleginnen und Kollegen nach, die gleich lang das Gleiche tun wie Sie und mit denen Sie ein entsprechend vertrauensvolles Verhältnis haben. Erwähnen Sie deren Aussagen aber nicht im Gespräch, das kann auf Vorgesetzte aufrührerisch wirken.

Immer die Balance halten zwischen freundlichem Ton und klaren Forderungen. © Fizkes / Shutterstock.com

3. Equal Pay thematisieren, ohne nach Revolution zu klingen

Je nachdem, wie modern Ihre Firma und Ihr Chef oder Ihre Chefin sind, können Sie ruhig mal sagen, dass es "in diesen Zeiten ja doch selbstverständlich sein sollte, dass Mann und Frau für die gleiche Tätigkeit das gleiche Geld bekommen". Das muss gar nicht im rebellischen Widerstandskämpfer-Ton kommen, es reicht eine gelächelte Bemerkung irgendwo im Mittelteil. Jede*r Vorgesetzte mit einem Gewissen wird diesen Satz nicht einfach beiseite wischen können.

4. Nicht die erste Zahl nennen

Ein Gehaltsgespräch kann sich schnell zu einem kleinen Psychospiel entwickeln. Sobald der oder die Vorgesetzte fragt: "An wie viel hatten Sie denn gedacht?" sind Sie in der Bredouille. Wenn Sie eine zu hohe Zahl nennen, werden Sie als zu gierig ausgelacht. Wenn Sie eine niedrigere Zahl nennen, besteht die Gefahr, dass mehr für Sie drin gewesen wäre, aber wenn Chefe Sie billiger haben kann: Prima! Also lassen Sie sich erstmal nicht auf dieses Spiel ein, sagen Sie: "Oh, ich bin sicher, Sie haben eine faire Bezahlung im Kopf. Ich möchte nur das, was jemandem mit meiner Qualifikation zusteht. Was ist Ihnen jemand wie ich wert?" Kommt darauf auch keine Antwort, rücken Sie mit einer Zahl heraus, welche die Waage hält zwischen Bescheidenheit und Anspruchsdenken (siehe nächster Punkt).

5. Nicht nur Gerechtigkeit fordern, sondern Wertschätzung

Natürlich geht es hier um Gerechtigkeit. Aber wenn Sie ehrlich sind: Sie wollen doch gar nicht bloß "gerechte" Bezahlung. Sie wollen eine, die sich gut anfühlt. Sie wollen Wertschätzung. Und was Sie wert sind, sollte sich nicht nur danach richten, was irgendwelche Tabellen sagen. Also legen Sie auf das, was Sie bescheiden als "gerecht" empfinden, ruhig noch etwas drauf. Der US-Karriereberater und Bestseller-Autor Joel Garfinkle ("Get paid what you're worth") rät dazu, etwa 20 Prozent auf das draufzuschlagen, was Ihre höchste Forderung wäre, denn: "Wenn Sie einmal eine Zahl genannt haben, können Sie nur noch nach unten verhandeln."

Beste Grundlage fürs Gehaltsgespräch: Sie sollten wissen, was Sie wert sind! © Fizkes / Shutterstock.com

6. Nicht sagen "Ich will mehr" sondern "Ich bin mehr wert"

Nicht einmal Männer können heutzutage noch in ein Gehaltsgespräch stolzieren und sagen: "Ey, Boss, gib mal mehr Kohle, weil ich so 1 geiler Typ bin!" Als Mitarbeiterin sollten Sie in einer Gehaltsverhandlung immer deutlich machen, dass Sie es verdienen, mehr zu verdienen, weil Sie und ihre Tätigkeit so wertvoll für die Firma sind. Das gilt auch und gerade für Ihr im Gehaltsgespräch gezeigtes Verhandlungsgeschick. Das trifft speziell für Frauen zu, wie eine Studie der US-Wissenschaftlerinnen Hannah Riley Bowles und Linda Babcock zeigte, die in der Fachzeitschrift Psychology of Women Quarterly erschien. Je mehr Sie klarmachen, dass es Ihnen weniger um Ihren persönlichen Ehrgeiz geht als um das gemeinsame Vorankommen, desto erfolgreicher können Sie verhandeln.

7. Nicht aufhören zu fragen

Das ist jetzt der lästige Teil. Es ist unwahrscheinlich, dass Ihnen Ihre Vorgesetzten gleich einen Koffer voll Geld hinstellen. Sie dürfen aber nicht locker lassen, wenn Ihre Wünsche nicht gleich beim ersten Mal erfüllt werden. Bitten Sie gleich um ein Folgegespräch in ein paar Monaten, vielleicht gepaart mit einer Zielvereinbarung, was Sie bis dahin erledigt haben sollen. Finden Sie möglichst immer neue Ansätze, um zu beweisen, dass Sie mehr verdienen sollten: ein neues Projekt hier, ein gelungenes Ergebnis da, Ihr Einsatz in heiklen Situationen oder bei Sonderaufgaben.

Das wird vielleicht unbequem, ja, aber das soll es für die Chefetage ja auch sein. Nicht im Sinne eines schlimmer werdenden Schmerzes, sondern eher wie ein wiederkehrendes Jucken, das sich durch ein kleines Kratzen mit dem Gehaltsschaber beseitigen lässt, um großer allseitiger Erleichterung Platz zu machen. Also: Bleiben Sie dran, Sie sind es wert!

8. Den Job wechseln

Es ist nicht direkt ein Verhandlungstipp, aber Sie sollten es wissen: Einer Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half zufolge ist der beste Weg zu mehr Gehalt ein Jobwechsel. Der häufigste Grund für eine Gehaltssteigerung war ein Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber (18 Prozent), immerhin 16 Prozent bekamen mehr Geld, nachdem sie intern die Stelle wechselten. Wenn Sie also für einen neuen Job das Gehalt verhandeln, setzen Sie Ihre Forderungen entsprechend höher an. Geht es um mehr Geld in der gleichen Firma, sollten Sie bei Aussicht auf Erfolg lieber gleich nach einer Beförderung fragen.

Bis die Gehaltsgerechtigkeit überall hergestellt ist, können Sie nur im Kleinen etwas tun, für sich selbst. In jeder Gehaltsverhandlung gilt es, mit Geschick und Hartnäckigkeit dranzubleiben – mit unseren Tipps ist da einiges für Sie drin!

18.03.2019| © womenshealth.de
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