Nachhaltige Mode Schluss mit Fast Fashion: So shoppst du fair

Fair Fashion
Fair ist trendy und sieht jetzt auch so aus: So shoppst du Mode nachhaltig. © Jeremy Bishop / unsplash.com

Nachhaltige Mode ist uncool, teuer und schwer zu finden – oder? Nö! Warum du diese Vorurteile schleunigst über Bord werfen solltest und wie du Mode nachhaltiger konsumierst

Wir alle bemühen uns um ein achtsameres Leben und Gesundheit. Wir meditieren, machen regelmäßig Sport und achten beim Essen auf Nährwerte und Inhaltsstoffe. Normalerweise. Meistens.

Aber wenn die neuen Kollektionen in die Läden kommen oder wenn Sale ist, verlieren wir die Beherrschung. Statt kurz nachzudenken, ob wir den fancy Rock oder das süße Top wirklich brauchen, kneifen wir nur die Augen zu, wenn wir schnell die Kreditkarte durch den Schlitz ziehen. Puh, tat ja gar nicht weh. Oder vielleicht doch?

Warum sollte man nachhaltige Mode kaufen?

Die Fashionindustrie gehört zu den größten Wirtschaftszweigen weltweit. Leider lagern viele Unternehmen die Produktion ihrer Textilwaren in Länder wie Indien, Kambodscha oder Bangladesch aus. Dort müssen die Arbeiter oft unter katastrophalen, sogar lebensbedrohlichen Bedingungen schuften. Darunter auch viele Kinder, die gezwungen sind ihre Familie finanziell zu unterstützen.

Laut einer Statistik der “Kampagne für saubere Kleidung“ verdient ein Textilarbeiter in Bangladesch rund 50 Dollar im Monat, während die Lebenshaltungskosten auf mindestens 260 Dollar geschätzt werden. Seit einigen Jahren hat sich deswegen in der Mode eine Gegenbewegung zu der sogenannten “Fast Fashion“ entwickelt. Wer nachhaltige Mode kauft, leistet einen wertvollen Beitrag – unter anderem, um bessere Produktionsbedingungen für Mensch und Umwelt zu fördern.

Was ist überhaupt nachhaltige Mode?

“Faire Mode“ auch bekannt als “Eco Fashion“ oder “Green Fashion“, bezeichnet Kleidung, die ökologisch und sozial verträglich hergestellt wird. Es geht dabei darum, sich jeden einzelnen Schritt des Entstehungsprozesses der Ware bewusst zu machen.

Viele denken, es ginge bei Fair Fashion “nur“ um die Materialien. Tatsächlich sind es aber eine ganze Reihe von Aspekten, die für Nachhaltige Mode eine Rolle spielen. So zum Beispiel:

  • Keine Kinderarbeit
  • Keine Zwangsarbeit
  • Keine Diskriminierung
  • Keine exzessiven Arbeitszeiten
  • Recht auf Gewerkschaft
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz
  • Existenzsichernder Lohn
  • Tierschutz
  • Festes Beschäftigungsverhältnis
  • Ökologische Nachhaltigkeit

Die Liste ist lang. Aber keine Sorge: Du musst während der Shoppingtour nicht ewig recherchieren, ob ein Kleidungsstück all diese Kriterien erfüllt. Inzwischen gibt es viele Siegel, die zertifizieren, dass Marken sich an gewisse Richtlinien halten. Allerdings ist der Dschungel aus Siegeln und Kennzeichnungen noch recht unübersichtlich.

Fairer Handel? Umweltfreundliche Produktion? Welches Siegel zeigt was genau an? Wie unterscheiden die sich? Und hält ein Siegel, was es verspricht? Bei all diesen Fragen hilft die Seite www.Siegelklarheit.de. Das Portal bietet nicht nur klare, fundierte Infos und Empfehlungen; durch den Siegel-Vergleich werden die Organisationen auch motiviert, ihre Vergabekriterien Schritt für Schritt zu verbessern. Hier werden nicht nur Siegel für Textilien erklärt, sondern auch solche für Lebensmittel, Laptops etc.

Sieht Fair Fashion uncool aus?

Auf keinen Fall! Trotzdem denken viele, nachhaltige Mode und Modebewusstsein würden sich ausschließen. Das ist aber völliger Quatsch! Neben den alteingesessenen Fair-Fashion-Größen wie Armed Angels oder Hessnatur, gibt es zahlreiche junge Labels, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und tolle Kreationen auf den Markt bringen. Die Schnitte sind zeitlos, die Stoffe hochwertig und die Qualität top.

Ist nachhaltige Kleidung teurer?

Viele denken, faire Mode sei besonders teuer. Dabei kann auch ein nachhaltiges T-Shirt nur 10 Euro kosten – es kommt schließlich ohne lange Transportwege und so weiter aus. In der Regel sind nachhaltige Kleidungsstücke aber durchaus ein bisschen teurer, schließlich werden sie nicht in Billiglohn-Ländern produziert.

Wenn du Mode allerdings wirklich nachhaltig konsumieren möchtest, solltest du ohnehin weniger Kleidung kaufen – so sparst du am Ende beim Shoppen sogar noch. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären...

Bei nachhaltiger Mode gilt: Qualität vor Quantität

“Wow, dieser Rock passt toll zu meinem neuen Top und dazu noch ein schönes Paar Ohrringe?“ Klar, wir shoppen gern, weil wir es vor allem mit positiven Emotionen verbinden. Ein neues Kleidungsstück kann einen blöden Tag schon mal retten. Aber brauchen wir das alles wirklich? Zu oft kaufen wir etwas Neues, obwohl wir gar nicht müssten.

Das belegt auch eine Studie von Greenpeace: Demnach gaben 60 Prozent der befragten Frauen zwischen 18 und 40 an, zu viel Kleidung zu besitzen. Außerdem verriet die Studie, dass fast jede zweite Frau diverse Kleidungsstücke besitzt, die sie noch nie getragen hat. Na, wer fühlt sich ertappt?

In Zukunft gilt also: Lieber ein paar gute Sachen im Schrank, die dir lange Freude bereiten, als viele Billig-Teile, die schnell kaputt gehen und auch noch Mensch und Umwelt schaden.

So kleidest du dich nachhaltig:

Mode nachhaltig konsumieren, das machen längst nicht nur Ökos und Fair-Fashion-Bloggerinnen, sondern auch viele französische It-Girls. Die sogenannte “5 Piece French Wardrobe“ hat die Grundlage, nur 5 qualitativ hochwertige Basics zu besitzen, die je nach Saison mit neuen Trendteilen kombiniert werden.

Nachhaltige Mode muss nicht teuer sein
Nachhaltige Mode muss nicht teuer sein. © AO / unsplash.com

Ganz schön radikal. Aber es geht auch weniger streng: Zum Beispiel mit dem Prinzip "Capsule Wardrobe“. Die Idee dazu entstand bereits in den 70er Jahren und orientiert sich am Minimalismus-Konzept. Sprich: Weniger ist mehr!

So geht’s: Du reduzierst deine Garderobe einfach auf mehrere ausgewählte Stücke, also richtige Kombinationswunder, anstatt unüberlegte Fehlkäufe und schwörst den “Ich hab nichts anzuziehen“- Momenten ab!

So baust du dir eine Capsule Wardrobe auf:

Eine Capsule Wardrobe besteht meistens aus ungefähr 37 Teilen pro Saison. Ausgenommen, Bade- und Sportklamotten, Unterwäsche, Schmuck, Loungewear und Taschen. Diese Tipps helfen dir dabei, dir so einen minimalistischen Kleiderschrank aufzubauen:

1. Überblick verschaffen

Stell dich mal vor deinen Kleiderschrank und geh durch, welche Schnitte und Farben du vorrangig trägst, was dir wirklich steht und vor allem: was du wirklich anziehst!

2. Ausmisten

Jetzt wird’s ernst. Mach dir 3 Stapel: Behalten, weggeben, unentschieden. Auf diese 3 Kategorien teilst du deinen gesamten Kleiderschrank auf. Wenn du dich bei einigen Sachen nicht entscheiden kannst, packst du einen Karton und stellst ihn außerhalb deiner Reichweite. Wenn du die Teile nach 3 Monaten nicht vermisst, gehören sie ebenfalls verschenkt, verkauft oder gespendet.

Capsule Wardrobe
Ab jetzt gehören nur noch Lieblingsteile in den Schrank. © Priscilla du Preez / unsplash.com

Aber Achtung: Wer alte T-Shirts, Jeans oder Sportschuhe zum Altkleidercontainer bringt, sollte wissen, dass hinter einigen der darauf zu lesenden Namen von großen Sozialverbänden oder karitativen Organisationen oft private Unternehmen stecken, die Altkleider möglichst lukrativ verkaufen oder verwerten – der soziale oder ökologische Nutzen geht dabei gegen null.

Wirklich seriöse Sammlungen erkennst du zum Beispiel am Label "FairWertung" oder dem "bvse-Qualitätssiegel" auf dem Container. In diesen Fällen kannst du einigermaßen sicher sein, dass die gesammelten Textilien und Schuhe beziehungsweise deren Verkaufserlöse tatsächlich in soziale oder karitativ Zwecke fließen.

3. Stil herausfinden

Als nächstes begutachtest und analysierst du deine Ausbeute. Welche Farben dominieren? Sind es eher Hosen, Röcke, Kleider? Zu welchem Anlass kannst du diese Kleidungsstücke tragen und wie lassen sie sich kombinieren? Nimm dir ruhig Zeit und probiere den ein oder anderen Look aus.

4. Langsam ergänzen

Geschafft? Dann hast du gerade ausschließlich Lieblingsteile vor dir! Jetzt stellt sich die Frage, ob es noch letzte Teile gibt, die dir für die perfekte Ausstattung fehlen. Schreib dir eine Liste mit diesen Dingen und ergänze nach und nach was dir fehlt. Aber: Es wird nicht mehr gekauft als die Capsule Wardrobe vorschreibt. Falls doch, weicht ein altes Teil dem neuen – aber nur, wenn es sich nicht mehr retten lässt. Denn auch das – wenn nötig professionelle – Flicken, Stopfen und sonstige Reparieren von Mode (upcycling) ist ein wichtiger Teil des nachhaltigen Konsums.

Mit bewusstem Kleiderkonsum findest du schnell deinen eignen Stil und leistest einen wertvollen Beitrag für die Umwelt. Shoppen mit gutem Gewissen macht sowieso mehr Spaß!

05.07.2019| Laura Krampe, Philipp Wehsack © womenshealth.de
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