Bindehautentzündung Das hilft, wenn Ihr Auge entzündet ist

Die Augen jucken? Jetzt bloß nicht reiben, das reizt die Bindehaut nur zusätzlich. © Pavel Ryabushkin / Shutterstock.com

Die Augen sind rot, jucken und tränen? Es könnte eine Entzündung der Bindehaut sein. Was jetzt hilft und wie Sie sie künftig vorbeugen, erklären wir hier

Hat hier gerade jemand mit Pfefferspray herumgespielt? Ihre Augen sind gerötet, brennen, jucken und tränen wie verrückt. Wenn Sie nicht gerade allergisch auf Pollen oder anderes reagieren, sind das deutliche Signale für eine Bindehautentzündung.

Speziell Schwimmerinnen, Kontaktlinsen-Trägerinnen oder Menschen, die viel mit Kindern zu tun haben, können ein Lied von dieser Augenkrankheit singen. Wie so eine Bindehautentzündung entsteht und was Sie beachten müssen, wenn die Augen plötzlich brennen und schmerzen, erklärt hier ein Augenarzt.

Wie entsteht eine Bindehautentzündung?

Die Bindehaut, auch Tunika Konjunktiva genannt, ist die Schleimhaut, die auf der Innenseite des Augenlids sitzt und es mit dem Augapfel verbindet. Sie sorgt dafür, dass das Lid sich auf dem Auge bewegen und Tränenflüssigkeit darauf verteilen kann.

Wenn nun Fremdkörper in die Schleimhaut gelangen, will der Körper sie bekämpfen, indem er die Stelle stärker durchblutet und Antikörper dorthin schickt – mögliche Folge: Die Bindehaut entzündet sich.

"Auslöser für eine Bindehautentzündung können sehr unterschiedlich sein", erklärt der Augenarzt Dr. Butenberg von der Tagesklinik München. "Am häufigsten nisten sich dabei Bakterien oder Viren in der Schleimhaut ein. Aber auch Pilze, Fremdkörper wie Staubpartikel oder eine allergische Reaktion können zu der Entzündungsreaktion führen." Man spricht dann auch von einer Konjunktivitis.

Bei einer Bindehautentzündung sollten Sie auf Augen-Make-Up verzichten. © Iuliia Diakova / Shutterstock.com

In der Regel kommt ein gesundes Immunsystem mit Keimen gut alleine klar und es entwickelt sich gar nicht erst eine fiese Entzündung. Stress, Schlafmangel oder eine andere Infektion belasten das Immunsystem allerdings, und es kann die Erreger dann schwerer bekämpfen.

Auch wenn das Auge zu trocken wird, haben die Keime ein leichteres Spiel, weil die Tränenflüssigkeit sie nicht mehr richtig abtransportiert. Wenn Sie etwa bei Bildschirmarbeiten zu selten blinzeln, im Raum Zugluft ist oder geheizt wird oder der Körper gerade eine hormonelle Umstellung mitmacht, wird das Auge nicht genug befeuchtet und die Keime können sich ausbreiten. Wenn Sie zu trockenen Augen neigen, fragen Sie am besten einen Experten, was Sie dagegen tun können, um gar nicht erst eine Bindehautentzündung zu bekommen.

Woran erkenne ich die Infektion im Auge?

Die Entzündung macht sich nach einer Inkubationszeit von etwa 2 Tagen, nachdem Sie sich damit infiziert haben, bemerkbar. "Die Symptome sind bei allen Auslösern ähnlich: Das Auge rötet sich, brennt oder juckt und tränt", sagt Augenarzt Butenberg.

Bei einer bakteriellen Entzündung verklebt das Auge morgens oft zusätzlich durch den Eiter, der dabei entsteht. Bei einer Virusinfektion wird man dagegen oft sehr empfindlich gegen helles Licht. Wenn Ihre Augen nach einem langen Tag am Schreibtisch rot sind und brennen, sollten Sie das auf jeden beobachten und Ihre Augen erst einmal schonen

Gehen die Beschwerden auch nicht weg, wenn Sie den Abend ohne helles Licht, Bildschirme und in einem Raum ohne Zugluft verbracht haben, sollten Sie damit am besten so schnell wie möglich zu einem Arzt oder einer Ärztin.

Eine Bindehautentzündung ist hoch ansteckend. Häufiges Händewaschen schützt! © Jub Job / Shutterstock.ocm

Ist eine Bindehautentzündung ansteckend?

Oh ja, wenn eine Konjunktivitis durch Bakterien oder Viren ausgelöst wurde, ist sie extrem ansteckend! Das Fiese ist, dass die Erreger fast überall lauern, besonders in der Erkältungssaison. "Die Keime, die zu einem Schnupfen oder zu einer Magen-Darm-Infektion führen, können auch im Auge die Schleimhäute angreifen", so der Augenarzt.

Wenn Sie eine Türklinke, einen U-Bahn-Sitz oder eine andere Hand anfassen, an dem beispielsweise Streptokokken-Bakterien, Herpes- oder Adenoviren sitzen, und Sie sich dann ins Gesicht fassen, haben die Erreger freie Bahn. Wenn jemand aus Ihrem Umfeld eine Bindehautentzündung hat, sollten Sie also auf jeden Fall regelmäßig die Hände waschen und die Finger möglichst aus dem Gesicht fernhalten, am besten benutzen Sie auch ein eigenes Handtuch.

Wie behandelt man eine Konjunktivitis?

Mal so und mal so. Je nach Auslöser muss eine Bindehautentzündung unterschiedlich behandelt werden, deshalb sollten Sie nach spätestens 2 Tagen damit in eine fachärztliche Praxis. "Nur ein Experte kann die genaue Ursache feststellen und entsprechend therapieren", sagt Butenberg.

Bei Bakterien ist alles halb so wild, die bekommt ein gesundes Immunsystem meist allein in den Griff, es dauert nur ein bisschen länger. Eine Augenärztin oder ein Arzt können Ihnen aber antibiotische Augentropfen oder Salben verschreiben, damit die Entzündung schon nach 5 oder 6 Tagen wieder weg ist. Wichtig ist aber, dass Sie das Antibiotikum auf jeden Fall so lang nehmen, wie es verschrieben ist und mindestens noch 2 Tage länger, als die Symptome dauern. Wenn Sie das nicht tun, können einzelne Bakterien überleben und sich danach umso leichter wieder ausbreiten.

Antibiotische Augentropfen immer so lange wie verschrieben träufeln, sonst vermehren sich Erreger wieder. © Story Time Studio / Shutterstock.com

Viren sind dagegen gefährlicher, weil die Infektion auch auf die Hornhaut übergehen kann und dort Narben hinterlässt. "Diese Narben sind wie Steinschlag oder Kratzer auf der Windschutzscheibe, sie beeinträchtigen die Sicht und Sie werden schneller geblendet", erklärt der Augenarzt. Damit das nicht passiert, sollten Sie die Bindehautentzündung unbedingt von einem Arzt untersuchen lassen.

Eine virale Infektion braucht außerdem länger zum Abheilen, etwa 2 bis 3 Wochen. Solange sollten Sie Ihre Augen auf jeden Fall schonen. Wenn doch eine Allergie dahintersteckt, können Sie versuchen, in einer hautärztlichen oder allergologischen Praxis den genauen Auslöser dafür zu finden und zu vermeiden. Ein Antiallergikum hilft dann gegen die Beschwerden.

Was muss ich bei einer Bindehautentzündung beachten?

Wenn das Auge juckt und brennt, sollten Sie es vor allem in Ruhe lassen. Das bedeutet keine Schminke, keine Kontaktlinsen und so wenig wie möglich anfassen, auch wenn es juckt. "Sport ist in Ordnung, aber Chlorwasser beim Schwimmen oder die Wärme in einer Sauna können das Auge zusätzlich belasten", warnt der Arzt.

Make-Up im Augenbereich und Kontaktlinsen sind erst dann wieder okay, wenn Ihre Augen 2 Tage lang beschwerdefrei sind. Sie können außerdem darauf achten, ein angenehmes Raumklima zu schaffen, damit die Luft die Augen nicht noch weiter reizt. Zugluft, Rauch, Heizungsluft oder viel Staub sollten Sie vermeiden. Stattdessen können Sie für eine angenehme Luftfeuchtigkeit sorgen, zum Beispiel mit einer Schüssel Wasser auf der Fensterbank oder Zimmerpflanzen, und für eine milde Raumtemperatur sorgen.

Wechseln Sie häufig Ihre Augen-Make-Up-Utensilien, um einer Entzündung der Bindehaut vorzubeugen. © Pavel Ryabushkin / Shutterstock.com

Wie verhindere ich eine Bindehautentzündung?

Damit es gar nicht erst zu einer Entzündung kommt, können Sie es den Erregern außerdem mit einer gründlichen Hygiene und einem gesunden Immunsystem schwermachen. Wenn Sie Kontaktlinsen tragen, sollten Sie sie nie über Nacht drin lassen, immer ordentlich desinfizieren und nach der empfohlenen Tragezeit auch entsorgen.

Ihr Make-Up sollten Sie regelmäßig austauschen, damit sich in der alten Mascara oder dem Concealer nicht zu viele Keime vermehren können. Ihre Hände sollten Sie immer gründlich waschen und so wenig wie möglich damit im Gesicht herumfummeln (das hilft auch gegen Pickel!).

Bei prophylaktischen Augentropfen rät der Augenarzt dagegen zur Vorsicht. "Wenn das Auge immer wieder von außen befeuchtet wird, gewöhnt sich die Tränendrüse daran und produziert selbst zu wenig Flüssigkeit", erklärt er. Wenn Sie nach einem langen Tag trockene Augen haben, ist das hin und wieder in Ordnung, es sollte aber die Ausnahme bleiben.

Eine Bindehautentzündung lässt sich leicht vermeiden. Gerade in der Erkältungssaison oder wenn jemand aus Ihrem Umfeld die roten Augen hat, sollten Sie besonders auf Hygiene achten. Wenn es Sie doch mal trifft, sollten Sie sich aber schnell professionell behandeln lassen, damit Sie keine dauerhaften Sehstörungen davontragen.

14.06.2019| Tove Hortmann © womenshealth.de
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