Mittel gegen Heuschnupfen So entkommen Sie dem Heuschnupfen

Heuschnupfen
Wir würden den Frühling ja gern genießen, wenn nur die fiesen Pollen nicht wären... © Photo Media Group /Shutterstock.com

Einfach abhauen, wenn das Kribbeln in der Nase wieder losgeht? Wo Sie den Pollen am besten entkommen und welche Mittel jetzt wirklich helfen

Laufende Nase, gerötete Augen, gereiztes Niesen: Laut Polleninformationsdienst sind in Deutschland rund 18 Millionen Menschen von Heuschnupfen betroffen. Ursache für die Niesattacken sind die wasserlöslichen Proteine der Pollen, die bei Kontakt mit den Schleimhäuten freigesetzt werden. "Im Falle einer Allergie reagiert das Immunsystem auf die eigentlich harmlosen Proteine mit der Bildung von IgE-Antikörpern“, sagt Dr. Torsten Zuberbier, Stiftungsvorsitzender der gemeinnützigen Europäischen Stiftung für Allergieforschung ECARF , "In der Folge setzt der Körper entzündungsauslösende Stoffe wie Histamin frei, was wiederum Juck- und Niesreiz sowie die Schwellung und Rötung der Schleimhäute bewirkt.“

"Viele Menschen sind während des Pollenflugs nicht voll leistungsfähig, schlafen schlecht und sind erschöpft“, sagt Zuberbier. Zudem reagieren bei einigen Allergikern nach Jahren des allergischen Schnupfens plötzlich auch die Bronchien überempfindlich. Unbehandelt kann sich daraus Asthma entwickeln.

Welche Medikamente helfen gegen Heuschnupfen?

"Als Mittel der Wahl gelten Kortison-Nasen-Sprays oder neuere Antihistaminika“, sagt Zuberbier, "Bei eher leichten Symptomen sind Cromone als Augentropfen und Nasensprays einsetzbar.“

  • Antihistaminika: Sie blockieren den Botenstoff Histamin, der bei einer allergischen Reaktion freigesetzt wird und Jucken, Rötungen, Fließschnupfen oder Niesen verursacht. Man sollte moderne Antihistaminika einsetzen, die schnell wirken und kaum müde machen. Einige Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Bei sehr leichten Beschwerden können antiallergische Augentropfen und Nasenspray ausreichend sein.
  • Kortison: Der Wirkstoff unterbricht wirkungsvoll die Entzündungsreaktion. Allerdings brauchen die Präparate ein paar Tage, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Moderne kortisonhaltige Nasensprays haben bei Erwachsenen keine Nebenwirkungen auf den gesamten Körper, können aber eine Trockenheit der Nase, Nasenbluten oder selten Kopfschmerzen auslösen.
  • Cromone: In Form von Nasensprays oder Augentropfen verhindern sie, dass der Botenstoff Histamin aus den Mastzellen ausgeschüttet wird und wirken dadurch antientzündlich. Cromone können die Histamin-Ausschüttung jedoch nur vorbeugen und nicht stoppen, so dass man bereits Tage vor dem erwarteten Pollenflug mit der Behandlung beginnen sollte.
  • Hyposensibilisierung / Immuntherapie mit Allergenen (SIT): Ist die einzige Möglichkeit, Heuschnupfen ursächlich zu behandeln und nicht nur an den Symptomen herumzudoktern. Dabei erhält der Patient das Allergen zunächst in geringer und später in steigender Dosis als Spritze, Tablette oder Tropfen. Das Immunsystem kann sich auf diese Weise langsam daran gewöhnen, sodass es immer weniger darauf reagiert. Leider ist die Prozedur relativ zeitraubend. Sie dauert drei Jahre, egal, ob die Hyposensibilisierung das ganze Jahr über durchgeführt wird oder immer nur wenige Monate vor dem Pollenflug, was man als Kurzzeitbehandlung bezeichnet. Zuberbier: „Eine Erfolgsgarantie, dass die Allergie danach ‚verschwunden‘ ist, besteht nicht.“

Welche Mittel und Tricks helfen Zuhause gegen Heuschnupfen?

Wenn Sie Ihre Nase jeden Tag mit Salzwasser duschen, spült das die Pollen von der Schleimhaut. Auch salzwasserhaltige Nasensprays sind einen Versuch wert.

"Das Wichtigste bei einer Allergie ist, den Auslöser zu meiden“, rät Zuberbier. Deshalb sollten Sie das Haare­waschen auf den Abend verlegen und Ihre Kleidung vor dem Schlafengehen im Bad liegen lassen anstatt auf einem Stuhl neben dem Bett. Hängen Sie Ihre Wäsche während der Pollenflug-Saison nicht draußen zum Trocknen auf. Lüften Sie Ihre Wohnung zwischen morgens zwischen 6 und 8 Uhr, auf dem Land abends zwischen 18 und 24 Uhr. Raumluftfilter sind keine ganz günstige Anschaffung, können in Innenräumen aber eine enorme Allergenentlastung bewirken.

Am Meer und in Höhenlagen über 2000 Metern sind Allergiker vor dem Pollenflug meist sicher © Jacob Lund / Shutterstock.com

An welchen Orten ist man vor Heuschnupfen sicher?

Wer unter Heuschnupfen leidet, würde am liebsten ganz vor den Pollen fliehen. Den Urlaub in die Pollenflug-Saison zu legen, ist deshalb eine gute Idee. In welchen Regionen Sie vor dem Pollenflug sicher sind, erklärt Dr. Raman Garcha vom Telemedizin-Portal Fernarzt.com:

  • Die Berge sind ein guter Zufluchtsort für Pollenallergiker. "Oberhalb der Waldgrenze, in den deutschen Alpen zwischen 1800 und 2500 Metern, gibt es keine Bäume mehr, die blühen“, sagt Garcha.
  • Küstenregionen und Inseln sind in der Heuschnupfenzeit zurecht beliebte Reiseziele für Pollenallergiker. Garcha: "Der Seewind hält Pollen aus dem Festland fern. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der Salzgehalt der Luft wirken zusätzlich schleimlösend auf die Atemwege.“ Aber ganz sicher vor Allergenen sind Sie auch dort nicht: Bei starkem Wind vom Landesinneren können die Pollen auch in Küstennähe oder darüber hinaus aufs Meer getragen werden.
  • Der Vorteil von Wüstenregionen liegt auf der Hand: Die Vegetation ist überschaubar und frei von Pflanzen, die hierzulande wachsen. Doch Vorsicht! Garcha: "Meiden sollten Allergiker die Wüsten rund um den Arabischen Golf. Die Schaffung künstlicher Grünflächen in den Emiraten hat nämlich mittlerweile dazu geführt, dass laut einer Studie rund ein Drittel aller Erwachsenen in der Region an Heuschnupfen leiden.“
  • In Großstädten gibt es weniger Grünflächen und daher auch weniger Pollen. Auch findet man im urbanen Umfeld einfacher allergikerfreundliche Hotels (finden Sie z.B. über ECARF). "Demgegenüber steht, dass in Großstädten die Feinstaubbelastung höher ist. Dieser heftet sich an Pollen fest und verstärkt deren Wirkung auf Allergiker“, warnt Garcha.
  • Ein anderer Kontinent wäre auch keine schlechte Idee. "Andere Länder, andere Pollen. Wer nur auf einzelne Pollen reagiert, dem reichen mitunter bereits einige Wochen weiter nördlich oder südlich zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Garcha, "Als permanente Lösung eignet sich eine neue Heimat für Allergiker allerdings nicht zwangsläufig. Nach einigen Jahren kann der Körper sich sensibilisieren, eine Allergie auf die neuen Pollen entwickeln.“

Auch wenn Heuschnupfen müde macht, sollten Sie aktiv etwas tun, um dem Pollenflug und seinen Auswirkungen zu entkommen. Ob mit Medikamenten, kleinen Alltagstricks oder einer Reise zur rechten Zeit: Es gibt genug Mittel und Weg, die Qual zu mindern – probieren Sie sie aus!

27.04.2018| © womenshealth.de
Christine  Naefeke
Christine Naefeke Health-Redakteurin
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