Heuschnupfen So behandeln Sie wirksam Ihre Pollenallergie

Heuschnupfen
Sie würden das schöne Wetter ja gern genießen, wären nur die Pollen nicht... © Vitali Michkou / Shutterstock.com

Was tun, wenn das Kribbeln in der Nase wieder losgeht? Wir sagen Ihnen, wie Sie den Pollen am besten entkommen und was wirklich hilft

Laufende Nase, gerötete Augen, ständiger Niesreiz: Willkommen in der Zeit der Pollenallergien! Es ist vielleicht kein Trost, aber doch gut zu wissen, dass Sie nicht allein sind: Schätzungen zufolge sind in Deutschland rund 18 Millionen Menschen von einer Pollenallergie betroffen. Sie alle fragen sich, wenn es wärmer wird: Was tun, wenn's brennt? (Also, in den Augen.) Wir haben die wichtigsten Fragen dazu an Experten gestellt.

Was passiert bei einer Allergie?

Ursache für die Niesattacken und andere Beschwerden sind die wasserlöslichen Proteine der Pollen, die bei Kontakt mit den Schleimhäuten freigesetzt werden. "Im Falle einer Allergie reagiert das Immunsystem auf die eigentlich harmlosen Proteine mit der Bildung von IgE-Antikörpern", sagt Dr. Torsten Zuberbier, Stiftungsvorsitzender der gemeinnützigen Europäischen Stiftung für Allergieforschung ECARF in Berlin. "In der Folge setzt der Körper entzündungsauslösende Stoffe wie Histamin frei, was wiederum Juck- und Niesreiz sowie die Schwellung und Rötung der Schleimhäute bewirkt."

Selbst mit Hypersensibilisierung sind blühende Wiesen für Allergie-Geplagte kein entspannender Ort. © Budimir Jevctic / Shutterstock.com

Welche Symptome hat Heuschnupfen?

Wie gesagt: Augenjucken oder -brennen, geschwollene Schleimhäute, laufende Nase, Niesreiz. "Viele Menschen sind während des Pollenflugs auch nicht voll leistungsfähig, schlafen schlecht und sind erschöpft", sagt Zuberbier. Zudem reagieren bei einigen Allergikern nach Jahren des allergischen Schnupfens plötzlich auch die Bronchien überempfindlich. Unbehandelt kann sich daraus Asthma entwickeln.

Was sind Kreuzallergien?

Da sich die Allergene einiger Pflanzenpollen und Lebensmittel gleichen, kann es passieren, dass das Immunsystem sie nicht unterscheiden kann. Die Folge sind Kreuzallergien. Wer beispielsweise auf Birkenpollen allergisch reagiert, kann Unverträglichkeiten zum Beispiel in Bezug auf Stein- und Kernobst oder Nüsse entwickeln. Wer auf Beifuß reagiert, verträgt manchmal keine Karotten und Tomaten.

Während der Heuschnupfen-Saison fühlen sich Allergiker häufig krank und erschöpft. © wavebreakmedia / Shutterstock.com

Welche Medikamente bekämpfen den Heuschnupfen?

"Als Mittel der Wahl gelten Kortison-Nasen-Sprays oder neuere Antihistaminika", sagt Zuberbier, "Bei eher leichten Symptomen sind Cromone als Augentropfen und Nasensprays einsetzbar." Hier die wichtigsten Wirksubstanzen:

  • Antihistaminika: Sie blockieren den Botenstoff Histamin, der bei einer allergischen Reaktion freigesetzt wird und Jucken, Rötungen, Fließschnupfen oder Niesen verursacht. Sie sollten moderne Antihistaminika einsetzen, die schnell wirken und kaum müde machen. Einige Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Bei sehr leichten Beschwerden können antiallergische Augentropfen und Nasenspray ausreichend sein.
  • Kortison: Der Wirkstoff unterbricht wirkungsvoll die Entzündungsreaktion. Allerdings brauchen die Präparate ein paar Tage, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Moderne kortisonhaltige Nasensprays haben bei Erwachsenen keine Nebenwirkungen auf den gesamten Körper, können aber eine Trockenheit der Nase, Nasenbluten oder selten Kopfschmerzen auslösen.
  • Cromone: In Form von Nasensprays oder Augentropfen verhindern sie, dass der Botenstoff Histamin aus den Mastzellen ausgeschüttet wird und wirken dadurch antientzündlich. Cromone können die Histamin-Ausschüttung jedoch nur vorbeugen und nicht stoppen, so dass Sie bereits Tage vor dem erwarteten Pollenflug mit der Behandlung beginnen sollten.
  • Hyposensibilisierung / Immuntherapie mit Allergenen (SIT): Das ist letztlich die einzige Möglichkeit, Heuschnupfen ursächlich zu behandeln und nicht nur an den Symptomen herumzudoktern. Das Ganze funktioniert ein wenig wie bei einer Impfung: Denn der Patient erhält das Allergen zunächst in geringer und später in steigender Dosis als Spritze, Tablette oder Tropfen. Das Immunsystem kann sich auf diese Weise langsam daran gewöhnen, sodass es immer weniger darauf reagiert.
    Leider ist die Prozedur relativ zeitraubend. Sie dauert drei Jahre, egal, ob die Hyposensibilisierung das ganze Jahr über durchgeführt wird oder immer nur wenige Monate vor dem Pollenflug in einer Kurzzeitbehandlung. : "Eine Erfolgsgarantie, dass die Allergie danach ‚verschwunden‘ ist, besteht nicht", sagt Zuberbier

Welche Hausmittel helfen gegen Pollenallergie?

Wenn Sie Ihre Nase jeden Tag per Nasendusche mit Salzwasser spülen, spült das die Pollen von der Schleimhaut. Auch salzwasserhaltige Nasensprays können diesen Effekt haben.

"Das Wichtigste bei einer Allergie ist, den Auslöser zu meiden", rät Zuberbier. Sprich: Bei starkem Pollenflug lieber nicht joggen gehen, möglichst zuhause die Fenster geschlossen halten. Um ruhig schlafen zu können, sollten Sie das Haare­waschen auf den Abend verlegen und Ihre Kleidung vor dem Schlafengehen im Bad liegen lassen, anstatt auf einem Stuhl neben dem Bett. So bleiben Sie wenigstens nachts einigermaßen unbelastet und schlafen ruhiger. Wenn Haus oder Wohnung eine Lüftungsanlage haben, sollten Sie darauf achten, dass die Ventilationsschächte mit Pollenfiltern ausgestattet sind. Die gibt es übrigens auch für die Autolüftung.

Hängen Sie Ihre Wäsche während der Pollenflug-Saison nicht draußen zum Trocknen auf. Lüften Sie Ihre Wohnung morgens zwischen 6 und 8 Uhr, auf dem Land abends zwischen 18 und 24 Uhr. Raumluftfilter sind keine ganz günstige Anschaffung, können in Innenräumen aber eine enorme Allergenentlastung bewirken.

Am Meer und in Höhenlagen über 2000 Metern sind Allergiker vor dem Pollenflug meist sicher. © Jacob Lund / Shutterstock.com

An welchen Orten bin ich vor Heuschnupfen sicher?

Wer unter Heuschnupfen leidet, würde am liebsten ganz vor den Pollen fliehen. Den Urlaub in die Pollenflug-Saison zu legen, ist deshalb eine gute Idee. In welchen Regionen Sie vor dem Pollenflug sicher sind, erklärt Dr. Raman Garcha vom Telemedizin-Portal Fernarzt.com:

  • Die Berge sind ein guter Zufluchtsort für Pollenallergiker. "Oberhalb der Waldgrenze, in den deutschen Alpen zwischen 1800 und 2500 Metern, gibt es keine Bäume mehr, die blühen", sagt Garcha.
  • Küstenregionen und Inseln sind in der Heuschnupfenzeit zurecht beliebte Reiseziele für Pollenallergiker. Garcha: "Der Seewind hält Pollen aus dem Festland fern. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der Salzgehalt der Luft wirken zusätzlich schleimlösend auf die Atemwege." Aber ganz sicher vor Allergenen sind Sie auch dort nicht: Bei starkem Wind vom Landesinneren können die Pollen auch in Küstennähe oder darüber hinaus aufs Meer getragen werden.
  • Der Vorteil von Wüstenregionen liegt auf der Hand: Die Vegetation ist überschaubar und frei von Pflanzen, die hierzulande wachsen. Doch Vorsicht! Garcha: "Meiden sollten Allergiker die Wüsten rund um den Arabischen Golf. Die Schaffung künstlicher Grünflächen in den Emiraten hat nämlich mittlerweile dazu geführt, dass laut einer Studie rund ein Drittel aller Erwachsenen in der Region an Heuschnupfen leiden."
  • In Großstädten gibt es weniger Grünflächen und daher auch weniger Pollen. Auch findet man im urbanen Umfeld einfacher allergikerfreundliche Hotels (finden Sie z.B. über die ECARF). "Demgegenüber steht, dass in Großstädten die Feinstaubbelastung höher ist. Dieser heftet sich an Pollen fest und verstärkt deren Wirkung auf Allergiker", warnt Garcha.
  • Ein anderer Kontinent wäre auch keine schlechte Idee. "Andere Länder, andere Pollen. Wer nur auf einzelne Pollen reagiert, dem reichen mitunter bereits einige Wochen weiter nördlich oder südlich zum richtigen Zeitpunkt", sagt Garcha, "Als permanente Lösung eignet sich eine neue Heimat für Allergiker allerdings nicht zwangsläufig. Nach einigen Jahren kann der Körper sich sensibilisieren und eine Allergie auf die neuen Pollen entwickeln."

Auch wenn Heuschnupfen müde macht, sollten Sie aktiv etwas tun, um dem Pollenflug und seinen Auswirkungen zu entkommen. Ob Medikamente, kleine Alltagstricks oder eine Reise zur richtigen Zeit: Es gibt genug Mittel und Wege, die Qual zu mindern – probieren Sie sie aus!

11.03.2019| © womenshealth.de
Aktuelles Heft
Sponsored Section