Haarsträubend: 9 Haarmythen auf der Spur

Haarmythen auf der Spur
Nicht jeder Tipp für schönes Haar ist wirklich hilfreich © Alena Ozerova / Shutterstock.com

Kopfstand gegen Haarausfall? Spitzenschneiden fürs Haarwachstum? Eiskaltes Wasser für mehr Glanz? Welche Tipps sinnvoll und welche Schwachsinn sind, klären wir hier

Die Einen schneiden ihr Haar nur zu bestimmten Mondzyklen, die Anderen wiederum glauben, dass Haare schneller wachsen, wenn man sich auf den Kopf stellt. Wir haben die zum Teil haarsträubendsten Mythen genauer unter die Lupe genommen und klären auf, was Ihrem Haar wirklich gut tut – und was totaler Mumpitz ist.

Haar-Mythos-Nr. 1:
Häufiges Haarewaschen ist ungesund

In Zeiten, in denen skurrile Trends wie Low-Poo und No-Poo gefeiert werden, fragt man sich tatsächlich, ob das ständige Schäumen der Kopfhaut nicht womöglich schadet.

Falsch.
Pustekuchen! "Wer ein mildes Shampoo verwendet, kann damit bedenkenlos täglich seine Haare waschen", sagt unser Experte, der Star-Coiffeur und Friseursalonbesitzer Manfred Kraft. Dass die Haare bei der täglichen Wäsche schneller fetten, stimmt übrigens auch nicht! "Nicht mit dem richtigen Shampoo. Meine Erfahrung ist, dass man kein Shampoo benutzen sollte, das für schnellfettende Haare ist. Wählen Sie stattdessen lieber eines, das für die tägliche Wäsche ausgelobt ist", rät Kraft, "Wenn Sie das Shampoo nicht zu heiß ausspülen und auch nicht zu heiß föhnen, dann werden die Haare auch nicht schneller fettig."

Haar-Mythos-Nr. 2:
Mehr Pflege-Produkte helfen auch automatisch mehr

"Ich hab die Haare schön" trällerte vor 10 Jahren eine Kandidatin bei DSDS. Doch sind für schöne Haare auch möglichst viele Haarprodukte notwendig?

Falsch.
"Man braucht nicht immer alles", beruhigt Haarexperte Kraft, "Es kommt ganz auf die Bedürftnisse der Haare an. Wenn die Haare trocken sind und nicht mehr so schön fallen, macht etwas mehr Pflege durchaus Sinn." Aber man kann nicht alle Haare über einen Kamm scheren. Nur Produkte, die auch wirklich zu den Bedürfnissen der eigenen Haare passen, machen auch tatsächlich schönere und gesünder Haare. Tipp: "Lieber ein gutes Shampoo und weniger Spülung verwenden, und die Haare dann eine halbe Minute länger kämmen", rät Kraft. Wer das Gefühl hat, dass seine Haare überpflegt sind, sollte mal ein Peeling-Shampoo ausprobieren. Das wäscht sämtliche Produktrückstände aus dem Haar und ist quasi die "Reset-Taste" für Kopfhaut und Haare.

via GIPHY

Haar-Mythos-Nr. 3:
Spliss kann mit den richtigen Produkten behoben werden

Wer seine Mähne oft mit Glätteisen in Zaum hält oder seine Haare oft heiß föhnt, hat häufig mit Spliss zu kämpfen. Gibt es dagegen wirklich ein Wunderprodukt?Falsch.
Pflegeprodukte können die Haare nicht wieder wie durch Zauberhand zusammenwachsen lassen. Unser Experte rät: "Jetzt hilft nur noch ein Spliss-Schnitt. Erst danach kann man die Haare mit Produkten wieder so pflegen, dass es gar nicht erst zu Spliss kommt. Aber ein Produkt, das das Haar wieder zusammenkleistert, gibt es nicht."

Haar-Mythos-Nr. 4:
Kaltes Wasser sorgt für mehr Glanz

Mal wieder zu heiß geduscht? Autsch! Das mögen Haare tatsächlich nicht. Aber lassen sich Haare wirklich durch einen Schwall kaltes Wasser wieder beruhigen?

Richtig.
"Das kann ich definitiv bestätigen. Diese Empfehlung gebe ich meinen Kunden öfter", sagt Kraft. Denn wer gerne heiß duscht und dabei die Haare wäscht, läuft Gefahr, brüchiges Haar zu bekommen. Doch woran liegt das? Kraft: "Im warmen Zustand ist das Haar am empfindlichsten. Beim Durchkämen nach der heißen Wäsche kann das Haar schneller brechen. Wenn die Mähne kalt abgewaschen wurde, ist sie nicht ganz so empfindlich. Unter dem Mikroskop sieht ein einzelnes Haar aus wie ein Tannenzapfen, bei kaltem Wasser zieht sich das Haar mehr zusammen und sieht gesünder aus". Kaltes Wasser glättet also die Haaroberfläche und sorgt deshalb für mehr Glanz.

Haar-Mythos-Nr. 5:
Haare wachsen schneller, wenn man regelmäßig die Spitzen schneidet

Immer wieder schneiden wir unsere Haarspitzen, in der Hoffnung, dass die Haare dann schneller wachsen. Ist dem wirklich so?

Falsch.
Ja, auch hierbei handelt es sich nur um einen Mythos, der an den Haaren herbeigezogen ist. Denn ein Haar wächst aus der Haarwurzel, nicht an den Haarspitzen. Sobald ein Haar die Haarwurzel verlässt, ist es nur noch ein "toter" Kreatinfaden. Das Gefühl, die Haare wüchsen dann schnell, ist rein subjektiv, denn nach dem Schneiden fallen die Haare schöner und vermitteln ein besseres Tragegefühl.

Haar-Mythos-Nr. 6:
Haare wachsen schneller, wenn man sie nach dem Mondzyklus schneidet

Man hört immer wieder, dass man bei zunehmendem Mond zum Friseur gehen sollte, um das Wachstum der Haare zu beschleunigen. Bei abnehmendem Mond hingegen würden sie langsamer wachsen.

Falsch.
"Zu mir kommen tatsächlich auch häufiger Kunden, die ihre Haare gerne nach dem Mondkalender geschnitten haben wollen. Ich sage allerdings immer, dass es viel wichtiger ist, dass der Friseur nicht gerade in einer Beziehungskrise steckt oder am Vorabend Party gemacht hat", so unser Experte. Weder Haarexperten noch Wissenschaftler können diesen Mythos bestätigen.

via GIPHY

Haar-Mythos-Nr. 7:
Wer ein graues Haar ausreißt, bekommt 2 neue zum Dank

Früher oder später kommen sie. Zuerst vereinzelt und dann immer mehr. Wer seinem natürlichen Reflex nachgeht und das Haar ausreißt, bekommt 2 weitere graue Haare, so der Mythos.

Falsch.
Kraft: "Das kann ich nicht bestätigen. Fakt ist, man verliert den Kampf gegen die grauen Haare." Das ist nun mal der Lauf der Dinge. Je älter man wird, desto mehr graue Haare bekommt man. Deshalb erscheint es vielleicht so, als würde man nach dem ersten ausgerissenen Haar viele weitere graue Haare bekommen. Apropos graue Haare: Wer sich schon einmal darüber gewundert hat, dass das graue Haar wieder in der Naturhaarfarbe nachgewachsen ist (grau in der Länge, farbig am Ansatz), hat leider keinen Grund zur Freude. Hin und wieder kommt das zwar vor, aber das Haar wird trotzdem früher oder später grau werden. Der Experte: "Haare können in ihrer Naturhaarfarbe wieder nachwachsen. Ich habe das selbst schon gesehen, aber hierbei handelt es sich um eine absolute Ausnahme", sagt Kraft. Fakt ist: Wenn ein Haar einmal grau war, entwickelt es sich meist auch wieder in diese Richtung.

Haar-Mythos-Nr. 8:
Blonde Haare wachsen schneller als braune

Wussten Sie, dass nur 2 Prozent der gesamten Weltbevölkerung von Natur aus blond sind? Doch wächst das seltene, naturblonde Haar auch schneller?

Falsch.
Manfred Kraft sagt, dass sogar das Gegenteil der Fall ist. Dunkles Haar südeuropäischer Frauen wächst tatsächlich schneller. Eine weitere Besonderheit blonder Menschen: Brünette haben weniger, dafür aber dickere Haare als Blondinen. Schwedinnen beispielsweise haben zwar sehr feine Haare, dafür aber mehr.

Haar-Mythos-Nr. 9:
Rauchen und schlechte Ernährung wirkt sich negativ auf die Haare aus

Ungesunde Ernährung mit viel Zucker und Weißmehl, aber auch einseitige Diäten sollen sich nicht nur auf unser Gewicht, sondern auch auf unsere Haare auswirken. Stimmt das?

Richtig.
"Menschen, die an Magersucht oder Bulimie leiden, haben meist auch sehr dünnes Haare", weiß Kraft, "Wenn ich ein Model eine Zeitlang nicht gesehen habe, und es beim nächsten Treffen nur noch 45 Kilo wiegt, sehe ich die Spuren davon immer auch sehr deutlich an den Haaren." Der Nährstoffmangel wirkt sich unmittelbar auf die Haarwurzel aus, die das Haar produziert. Kraft: "Gleiches gilt fürs Rauchen. Wer viel raucht, dem sieht man das schon immer an seiner gräulichen, schlecht durchbluteten Haut an. Unsere Haut und unsere Haare ähneln sich vom Aufbau und ihrer Pflegebedürftigkeit sehr."

Wer sich schönes, glänzendes Haar mit optimalen Wachstumsbedingungen wünscht, der sollte nicht auf obskure Haar-Mythen reinfallen, sondern etwas tun: Sich gesund und nährstoffreich ernähren, nicht rauchen, sein Haar achtsam und typgerecht pflegen und auch mal ein kurze, kalte Kopfdusche aushalten. Der Schönheit zuliebe.

08.03.2017| Nathalie Muggesser © womenshealth.de
Verwandte Themen
Sponsored Section
Aktuelles Heft
Personal_Trainer App