Haarmythen: 9 Haarpflege-Weisheiten im Fakten-Check

Haarmythen auf der Spur
Nicht jeder Tipp für schönes Haar ist wirklich hilfreich © Alena Ozerova / Shutterstock.com

Wachsen Haare schneller, wenn man sie regelmäßig schneidet und ist tägliches Waschen echt ungesund? Die Antworten finden Sie hier

Die Einen schneiden ihr Haar nur zu bestimmten Mondzyklen, die Anderen wiederum glauben, dass Haare schneller wachsen, wenn man sich auf den Kopf stellt. Wir haben die zum Teil haarsträubendsten Mythen genauer unter die Lupe genommen und klären auf, was Ihrem Haar wirklich gut tut – und was totaler Mumpitz ist.

1. Häufiges Haarewaschen ist ungesund

Pustekuchen! "Wer ein mildes Shampoo verwendet, kann damit bedenkenlos täglich seine Haare waschen", sagt unser Experte, der Star-Coiffeur und Friseursalonbesitzer Manfred Kraft. Dass die Haare bei der täglichen Wäsche schneller fetten, stimmt übrigens auch nicht! "Wenn Sie das Shampoo nicht zu heiß ausspülen und auch nicht zu heiß föhnen, dann werden die Haare auch nicht schneller fettig", weiß Kraft.

2. Spliss kann man wegpflegen

Vor allem lange Haare spalten sich an den Spitzen häufig. Gibt es dagegen wirklich ein Wunderprodukt? Leider nicht! Pflegeprodukte können die Haare nicht wieder zusammenwachsen lassen - höchstens bis zur nächsten Wäsche "zusammenkleben" und so dafür sorgen, dass die Strähnen gepflegter aussehen. Unser Experte rät: „Das einzige was wirklich hilft, ist ein Spliss-Schnitt. Erst danach kann man die Haare mit Produkten wieder so pflegen, dass es gar nicht erst zu Spliss kommt."

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3. Bei der Haarpflege gilt: Viel hilft viel

Nicht unbedingt! „Man braucht nicht immer alles", beruhigt Haarexperte Kraft. „Es kommt ganz auf die Bedürfnisse der Haare an. Wenn die Haare trocken sind und nicht mehr so schön fallen, macht etwas mehr Pflege durchaus Sinn." Aber man kann nicht alle Haare über einen Kamm scheren. Nur Produkte, die auch wirklich zu den Bedürfnissen der eigenen Haare passen, machen auch tatsächlich schönere und gesünder Haare. Krafts Tipp: „Lieber ein gutes Shampoo und weniger Spülung verwenden, und die Haare dann eine halbe Minute länger kämmen", rät Kraft. Wer das Gefühl hat, dass seine Haare überpflegt sind, sollte mal ein Peeling-Shampoo ausprobieren. Das wäscht sämtliche Produktrückstände aus dem Haar und ist quasi die "Reset-Taste" für Kopfhaut und Haare.

4. Kaltes Wasser sorgt für mehr Glanz

„Das kann ich definitiv bestätigen. Diese Empfehlung gebe ich meinen Kunden öfter", sagt Kraft. Der Grund: Unter dem Mikroskop sieht ein einzelnes Haar aus wie ein Tannenzapfen, bei kaltem Wasser zieht sich das Haar mehr zusammen und sieht gesünder aus. Kaltes Wasser glättet also die Haaroberfläche. Weil dadurch das Licht besser reflektiert wird, glänzen die Haare nach dem Kaltwaschgang stärker. Es gibt aber noch einen viel entscheidenderen Grund, seine Haare nicht zu heiß zu waschen: „Im warmen Zustand ist das Haar am empfindlichsten. Beim Durchkämen nach der heißen Wäsche kann das Haar schneller brechen. Wenn die Mähne kalt abgewaschen wurde, ist sie nicht ganz so empfindlich."

5. Regelmäßiges Spitzenschneiden beschleunigt das Haarwachstum

Auch hierbei handelt es sich nur um einen Mythos, der an den Haaren herbeigezogen ist. Denn ein Haar wächst aus der Haarwurzel, nicht an den Haarspitzen. Sobald ein Haar die Haarwurzel verlässt, ist es nur noch ein "toter" Kreatinfaden. Das Gefühl, die Haare wüchsen dann schnell, ist rein subjektiv, denn nach dem Schneiden fallen die Haare schöner und sehen an den Spitzen voller aus.

6. Haare wachsen schneller, wenn man sie nach dem Mondzyklus schneidet

Man hört immer wieder, dass man bei zunehmendem Mond zum Friseur gehen sollte, um das Wachstum der Haare zu beschleunigen. Bei abnehmendem Mond hingegen würden sie langsamer wachsen. Aber weder Haarexperten noch Wissenschaftler können diesen Mythos bestätigen. „Zu mir kommen tatsächlich häufig Kunden, die ihre Haare gerne nach dem Mondkalender geschnitten haben wollen. Ich sage allerdings immer, dass es viel wichtiger ist, dass der Friseur nicht gerade in einer Beziehungskrise steckt oder am Vorabend Party gemacht hat", so Manfred Kraft.

7. Wer ein graues Haar ausreißt, bekommt 2 neue zum Dank

Falsch! „Man verliert den Kampf gegen die grauen Haare," sagt Manfred Kraft. „Das ist nun mal der Lauf der Dinge. Je älter man wird, desto mehr graue Haare bekommt man. Deshalb erscheint es vielleicht so, als würde man nach dem ersten ausgerissenen Haar viele weitere graue Haare bekommen."

8. Blonde Haare wachsen schneller als braune

An den Haaren herbeigezogen! Friseur Manfred Kraft sagt, dass sogar das Gegenteil der Fall ist. Dunkles Haar, vor allem das südeuropäischer Frauen, wächst nämlich schneller. Übrigens: Brünette haben weniger, dafür aber dickere Haare als Blondinen. Schwedinnen beispielsweise haben zwar sehr feine Haare, dafür aber mehr. Hätten Sie's gewusst?

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9. Rauchen und schlechte Ernährung wirken sich negativ auf die Haare aus

Ungesunde Ernährung mit viel Zucker und Weißmehl, aber auch einseitige Diäten sollen sich nicht nur auf unser Gewicht, sondern auch auf unsere Haare auswirken. Stimmt das? Ja! „Menschen, die an Magersucht oder Bulimie leiden, haben meist auch sehr dünnes Haar", weiß Kraft, "Wenn ich ein Model eine Zeit lang nicht gesehen habe, und es beim nächsten Treffen nur noch 45 Kilo wiegt, sehe ich die Spuren davon immer auch sehr deutlich an den Haaren." Die wissenschaftliche Begründung: Der Nährstoffmangel wirkt sich unmittelbar auf die Haarwurzel aus, die das Haar produziert. Auch Rauchen kann die Nährstoffversorgung der Haarwurzeln reduzieren.

Fazit: Glauben Sie nicht alles, was man Ihnen auftischt

Wer sich schönes, glänzendes Haar wünscht, der sollte nicht auf obskure Haar-Mythen reinfallen, sondern etwas tun: Sich gesund und nährstoffreich ernähren, nicht rauchen, sein Haar achtsam und typgerecht pflegen und auch mal ein kurze, kalte Kopfdusche aushalten. Der Schönheit zuliebe.

15.11.2017| Nathalie Muggesser © womenshealth.de
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