Ohren reinigen Ohrenschmalz richtig entfernen - so geht's!

So reinigt man seine Ohren richtig
So nicht! Wattestäbchen haben nichts im Gehörgang verloren. © Oleg Panda Boev / Shutterstock.com

Finger weg von Wattestäbchen, Haarklammern & Co.! Unsere Expertin verrät, was risikolos gegen zu viel Ohrenschmalz hilft

Kennen Sie Wattestäbchen auch noch als "Ohrenstäbchen", also zum Reinigen der Gehörgänge? Ist ja auch super praktisch, könnte man meinen. Schließlich passen die Teile wunderbar ins Ohr und das Gefühl danach ist sooo gut...

Stop! Aufhören! Das Letzte, was Sie tun sollten, um überschüssigen Ohrenschmalz zu entfernen, ist, sich ein Wattestäbchen ins Ohr zu stecken! Wir haben mit HNO-Expertin Dr. Ana Kim vom New York Eye and Ear Infirmary of Mount Sinai gesprochen. Sie erklärt alle Fakten über Ohrenschmalz und den besten Weg, es ohne Risiko loszuwerden.

Wattestäbchen behindern die reinigende Funktion des Ohrschmalzes. © Fotos Duets / Shutterstock.com

Warum produzieren Sie überhaupt Ohrenschmalz?

Die Produktion von Ohrenschmalz ist nicht nur vollkommen natürlich, sondern auch absolut notwendig. Ihr Ohr verfügt über einen Selbstreinigungsmechanismus, der so funktioniert: Talgdrüsen im Gehörgang produzieres Ohrenschmalz (auch Cerumen genannt). Es hält nicht nur den Gehörgang geschmeidig, sondern transportiert auf seinem Weg zur Ohrmuschel auch Schmutz, Staubpartikel und abgestorbene Hautzellen mit nach außen.

Ist der Gehörgang ausreichend gefettet, kann das Ohrenschmalz einfach "abfließen". In der Regel genügt es dann, die Ohrmuschel mit einem sauberen Tuch oder Waschlappen zu reinigen.

Ohren reinigen – so geht's richtig!
In einem gesunden Gehörgang kann Ohrenschmalz problemlos zur Ohrmuschel hin abfließen. © Sedova Elena / Shutterstock.com

Warum sind Wattestäbchen so schädlich fürs Ohr?

Wird Ihr Gehörgang durch den Gebrauch von Wattestäbchen ausgetrocknet oder aufgeraut, kann das Ohrenschmalz nicht mehr so gut "wandern". Es kann passieren, dass es auf seinem Weg zur Ohrmuschel stecken bleibt und hier einen Pfropfen bildet. "Wenn Sie anschließend wieder Wattestäbchen ins Ohr einführen, kann dieser Pfropfen weiter nach hinten in den Gehörgang geschoben werden, so dass Sie anschließend einen Arzt aufsuchen müssen", erklärt Dr. Kim.

Finger weg von Bobby Pins!
Haarnadeln und ähnliches gehören nicht ins Ohr! Verletzungsgefahr für Gehörgang und Trommelfell! © Beth Hommel / Shutterstock.com

Haarklammern & Co. gehören nicht ins Ohr!

Ist es tatsächlich so weit gekommen und Ihr Ohr ist durch einen Propfen aus Ohrenschmalz verschlossen, sollten Sie keineswegs auf die Idee kommen, ihn mit irgendwelchen (spitzen) Gegenständen zu lösen. "Viele Patienten versuchen ihre Ohren mit Haarnadeln zu reinigen", sagt Dr. Kim. "Das ist nicht nur kontraproduktiv, sondern kann mitunter sogar richtig gefährlich werden".

Ein durchstoßenes Trommelfell ist die wohl unangenehmste Folge einer solchen Aktion. Außerdem können scharfkantige Gegenstände den Gehörgang leicht verletzen und zu unangenehmen und schmerzhaften Infektionen führen.

Finger weg ovn Ohrenkerzen
Es gibt keinerlei medizinische Belege für die Wirksamkeit von Ohrkerzen. © wavebreakmedia / Shutterstock.com

Kann ich Ohrenschmalz mit Ohrkerzen und Spritzen loswerden?

Weitere vermeintlich (!) effektive Wege zu sauberen Ohren sind so genannte Ohrkerzen oder mit Wasser gefüllte Spritzen. Auch hier gilt: Vorsicht! Ohrkerzen sind ausgehöhlte Kerzen, deren eines Ende in den Gehörgang gesteckt, während das andere Ende angezündet wird. Durch den Unterdruck, der beim Abbrennen der Kerze entsteht, soll das Ohrenschmalz aus dem Ohr herausgezogen werden (Kamineffekt).

Mediziner sagen, dass der Unterdruck, der dabei entsteht, keinesfalls ausreicht, um diesen Effekt zu erzielen. Auch sei es ein Irrglaube, dass es sich bei den Resten, die sich im unteren Teil einer abgebrannten Ohrkerze befinden, um Ohrenschmalz handelt. Dort sammeln sich lediglich die Verbrennungsrückstände der Ohrkerze selbst wie beispielsweise geschmolzenes Bienenwachs."Bei dieser Prozedur kann mehr Schaden entstehen, als dass sie nützt", sagt Dr. Kim. "Sie können sich leicht verbrennen, das Trommelfell kann Schaden nehmen und es ist möglich, das Kerzenwachs ins Ohr tropft und den Gehörgang noch schlimmer verstopft."



Die Ohren mithilfe einer wassergefüllten Spritze zu reinigen klingt da im Vergleich geradezu harmlos. Ganz ungefährlich ist diese Prozedur aber auch nicht. Es kann nämlich passieren, dass sich das Wasser hinter dem Propfen festsetzt, das Ohrenschmalz aufquillt, den Gehörgang noch mehr verschließt und Sie kurzzeitig das Gefühl haben, taub zu sein. Abgesehen davon kann ein solcher Wasserstrahl ebenfalls das Trommelfell verletzen, wenn der Wasserdruck zu groß ist.

Wann Sie besser einen Arzt aufsuchen sollten
Ohrreinigung auf Nummer Sicher: die Prozedur dem HNO-Arzt überlassen. © Photographee.eu / Shutterstock.com

Ohren reinigen: Wie geht's denn nun richtig?

Wie aber sollten Sie nun Ihre Ohren reinigen, wenn nicht mit Wattestäbchen, Wasserstrahl oder Ohrkerze? Indem Sie das Ohrenschmalz aufweichen! "Das geht am besten mit einer 3-prozentigen Wasserstoffperoxid-Lösung ", sagt Dr. Kim. Davon träufeln Sie 1 oder 2 Tropfen in Ihr Ohr (nur träufeln, nicht spülen!) und lassen es dort für etwa 10 Minuten das Ohrenschmalz einweichen und verflüssigen. Anschließend sollte das Ohrenschmalz einfach aus dem Ohr herausfließen. Hier können Sie Wasserstoffperoxid bei amazon.de bestellen.

"Wenn Sie diese Prozedur 1-mal monatlich durchführen, dürften Sie keine Probleme mehr mit verstopften Ohren haben", sagt Dr. Kim. Wenn Sie unter sehr trockenen Gehörgang leiden, produzieren Sie häufig extrem viel Ohrenschmalz. Um dem entgegen zu wirken, kann es hilfreich sein, hin und wieder einen Tropfen Babyöl ins Ohr zu träufeln.

Wann Sie lieber einen HNO-Arzt aufsuchen sollten

Für den Fall, dass Sie ein beschädigtes Trommelfell haben sollten oder irgendwelche Probleme mit den Ohren in der Vergangenheit – bitte lassen Sie direkt einen Fachmann / eine Fachfrau ran. Sollte Wasserstoffperoxid oder Öl nämlich in den Bereich hinter Ihrem Trommelfell geraten, kann das unschöne Folgen haben. Infektionen oder Schwindelgefühle treten dann häufig auf.

Bitte merken: Wattestäbchen, Haarklammern oder Kerzen gehören nicht ins Ohr. Punkt! Die Gefahr, das Innenohr zu verletzten und seine natürlichen Reinigungsvorgänge zu stören, ist einfach zu groß. Es reicht vollkommen, die Ohrmuschel mit einem feuchten Tuch sanft zu säubern.

01.03.2019| Linda Babst © womenshealth.de
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