Chlamydien Diese Geschlechtskrankheit kann unfruchtbar machen!

Auf die Geschlechtskrankheit Clamydien sollte sich jede sexuell aktive Frau regelmäßig untersuchen lassen
Auf Chlamydien sollte sich jede sexuell aktive Frau regelmäßig untersuchen lassen. © Dmytro Zinkevych / Shutterstock.com

Eine Chlamydieninfektion bleibt lange unbemerkt – oft wird sie erst entdeckt, wenn sie bereits zur Unfruchtbarkeit geführt hat. So erkennst du die Krankheit rechtzeitig

Wie lang ist eigentlich dein letzter Test auf Chlamydien her? Wenn du seitdem schonmal mit einer neuen Bekanntschaft im Bett warst oder dich gar nicht mehr so richtig an den Test erinnern kannst, ist es wahrscheinlich zu lange. Großer erhobener Zeigefinger!

Das Tückische: Eine Chlamydieninfektion bemerkst du oft lange Zeit nicht. Gerade deshalb ist sie die zweithäufigste Geschlechtskrankheit in Deutschland – und eine der Hauptursachen für eine Unfruchtbarkeit bei Frauen, die auch nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Ein Experte erklärt uns, warum Chlamydien solche Schäden anrichten können und wie du dich vor ihnen schützt.

Was sind Chlamydien?

Chlamydien sind eine spezielle Art von Bakterien, die sich in Schleimhäuten bilden und vermehren. Bekannt sind sie vor allem als Ursache für die Geschlechtskrankheit der Chlamydiose, wie eine Chlamydien-Infektion in Fachkreisen genannt wird.

Die Bakterien können aber nicht nur die bekannte Geschlechtskrankheit auslösen, sondern unter anderem auch zu Entzündungen im Auge (Trachome oder Konjunktivitis), im Rachen (Pharyngitis) oder in der Lunge (Pneumonie) führen.

Das Fiese ist, dass du oft gar nicht bemerkst, wenn du infiziert bist. Meistens hast du nämlich über lange Zeit gar keine Symptome und gibst die Bakterien derweil ahnungslos weiter. "Deshalb kann man auch weder genau sagen, wie viele Menschen Chlamydien haben, noch wie die Krankheit ab der Infektion genau verläuft", erklärt Prof. Dr. Michael Torzewski vom Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart. Wie lange Chlamydien ansteckend sind oder ohne Symptome bleiben, ist deshalb nach wie vor unklar.

Clamydien ist die zweithäufigste Geschlechtskrankheit in Deutschland
Chlamydiose ist die zweithäufigste Geschlechtskrankheit in Deutschland. © Syda Productions / Shutterstock.com

Wie viele Menschen sind von Chlamydien betroffen?

Vor allem beim ungeschützten Sex wandern die Bakterien von einem Menschen zum anderen. Wenn du öfter deine Sexpartner wechselst, ist das Risiko, dass du dich ansteckst, deshalb besonders hoch. "Man schätzt, dass unter den jungen, sexuell aktiven jungen Frauen etwa 13 Prozent mit Chlamydien infiziert sind", erklärt Torzewski.

Hoppla, das ist ganz schön viel! Und diese Menschen können die Krankheit alle übertragen. Mit steigendem Alter und einem weniger umtriebigen Sexualleben sinkt die Zahl allerdings. Trotzdem ist die Chlamydiose die zweithäufigste Geschlechtskrankheit in Deutschland und eine der wichtigsten Ursachen für eine nicht-angeborene Unfruchtbarkeit (siehe unten).

Wie kann man sich vor Chlamydien schützen?

Das effektivste Mittel gegen Chlamydien ist und bleibt das Kondom. Nur damit kannst du verhindern, dass die Bakterien beim Sex von einer Schleimhaut zur anderen übertragen werden. Übrigens gilt das nicht nur für Vaginalverkehr. "Je nach Sexualpraktik können die Bakterien auch den Rachen, den Darm oder die Bindehaut befallen", warnt der Arzt.

Egal wie wild und abwechslungsreich du es also im Bett magst: Denk an deine Sicherheit: Mach nichts ohne Kondom, wenn du nicht weißt, ob die andere Person gesund oder womöglich infiziert ist!

Was, wenn die Chlamydieninfektion nicht behandelt wird?

Schädliche Bakterien lösen im Körper eine Entzündungsreaktion aus. Bei einer Chlamydiose bedeutet das vor allem einen eitrigen Scheidenausfluss, ansonsten spürst du aber keine wirklichen Schmerzen. Die entstehen eher, wenn die Bakterien in die Harnröhre wandern, dann kann es beim Wasserlassen wehtun.

Aber obwohl die Infektion fast immer den gesamten Urogenitaltrakt (also Vagina und Harn-Organe) befällt, merken die meisten Frauen

Eine Clamydieninfektion gehört zu den Hauptursachen für Unfruchtbarkeit bei Frauen
Du willst schwanger werden? Dann lass dich auf Chlamydien untersuchen. © Prostock-Studio / Shutterstock.com

lange Zeit kaum etwas davon. In der Zeit können die Bakterien allerdings den Gebärmutterhals hochsteigen und sich in der Gebärmutter, den Eileitern oder den Eierstöcken einnisten.

Warum können Chlamydien unfruchtbar machen?

Wenn die Bakterien so weit in den Unterleib vorgedrungen sind, wird es ziemlich ernst: "Durch die permanente Entzündungsreaktion fängt das Gewebe irgendwann an, zu verkleben und zu vernarben", erklärt der Mediziner. Die Narben können dann den röhrenförmigen Eileiter blockieren, sodass keine Eizellen mehr in die Gebärmutter gelangen. "Damit steigt das Risiko für Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter, etwa der Eileiterschwangerschaft", so Torzewski.

Im schlimmsten Fall ist die Folge sogar eine komplette Unfruchtbarkeit, weil Eizelle und Spermium einander durch die Narben überhaupt nicht mehr erreichen können. Das lässt sich leider auch nicht mehr behandeln oder rückgängig machen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Krankheit frühzeitig erkannt und behandelt wird!

Wie kann man Chlamydien erkennen?

Verlass dich lieber nicht auf irgendwelche Symptome, sondern lass dich am besten beim Arzt testen. So ein Test ist total unkompliziert, denn du gibst einfach ein bisschen Urin beim Arzt ab und hast ein paar Tage später das Ergebnis. Dir muss kein Blut abgenommen oder ein Abstrich gemacht werden, und der Test kostet um die 20 oder 30 Euro. "Bei Frauen unter 25 wird so ein Urintest sogar von der Krankenkasse übernommen, weil sie besonders gefährdet sind", erklärt der Experte.

Aber egal wie alt du bist, wir empfehlen dir in jedem Fall, so einen Schnelltest zu machen. Wenn du häufiger den Partner wechselst, kannst du das sogar regelmäßig machen. Wenn du hingegen monogam lebst, reicht oft auch nur ein Screening. Im Zweifelsfall kannst du dich für so einen Test übrigens auch immer an das Gesundheitsamt in deiner Nähe wenden. Die sind nämlich verpflichtet, hierfür eine Beratung oder eine Anlaufstelle anzubieten.

Wie kann man Chlamydien behandeln?

"Das Gute ist, dass die Bakterien nicht besonders resistent gegen Antibiotika sind", beschreibt Torzewski. Die Behandlung ist daher recht simpel: Du gehst zu einem Frauenarzt, Hautarzt oder auch Allgemeinarzt, und dort wird dir ein Antibiotikum verschrieben. "Es gibt drei Gruppen an antibiotischen Medikamenten, wenn eins nicht anschlägt, kann man eine andere Gruppe probieren", erklärt der Arzt.

Die Behandlung geht bei unkomplizierten Infektionen auch recht schnell, manchmal reicht es schon, das Antibiotikum einmal zu nehmen. Nur wenn die Krankheit chronisch, also dauerhaft ist, sollte die Behandlung mindestens 2 Wochen dauern.

"Besonders wichtig ist, dass der Partner auch mitbehandelt wird", betont der Experte. Sonst schlummern die Bakterien nämlich auch in deinem Freund, und ehe du dich versiehst, hast du dich schon wieder bei ihm angesteckt.

Clamydien in der Schwangerschaft müssen unbedingt behandelt werden
Chlamydien in der Schwangerschaft? Unbedingt behandeln, die Gesundheit des Babys ist bedroht. © Syda Productions / Shutterstock.com

Was passiert, wenn Schwangere sich mit Chlamydien anstecken?

Schwangere Frauen mit Chlamydien müssen unbedingt behandelt werden! Ansonsten wird das Baby bei der Geburt mit hoher Wahrscheinlichkeit angesteckt und kann im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Lungenentzündung bekommen. "Außerdem ist das Risiko für andere Komplikationen während der Schwangerschaft erhöht", warnt Torzewski.

Auch wenn du schwanger bist, bekommst du also ein Antibiotikum gegen die Chlamydien. Welches du bekommst, hängt vom Schwangerschaftsmonat ab, außerdem solltest du jetzt noch regelmäßiger zum Frauenarzt, damit du Komplikationen vermeiden kannst.

Eine Chlamydien-Infektion ist eine ernste Sache, die leider oft zu spät erkannt wird. Lass‘ es nicht drauf ankommen: Schütz dich beim Sex, mach einen Urintest beim Arzt und informiere auch deinen Partner oder deine Partnerin!

30.10.2019| Tove Hortmann © womenshealth.de
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