Jahrelang galt: Ein gutes Bauchtraining besteht aus möglichst vielen Crunches. Heute trainieren Coaches und Physiotherapeutinnen die Körpermitte aber ganz anders – oft sogar mit deutlich weniger Bewegung.
Ein starker Core braucht mehr als Crunches
Crunches trainieren vor allem den geraden Bauchmuskel – also den klassischen Sixpack-Muskel. Genau deshalb galten sie lange als Standardübung für einen starken Bauch.
Inzwischen steht stärker im Fokus, was dein Core wirklich leisten muss: stabilisieren, Bewegungen kontrollieren und Kraft übertragen – nicht nur den Bauch "brennen" lassen.
Außerdem macht die Ausführung einen Unterschied – Crunch ist nicht gleich Crunch. Eine Studie zeigte: Werden die Füße beim Crunchen fixiert, arbeiten die Hüftbeuger stärker mit. Trainierst du mit freien Füßen und mehr aus der Kraft der Körpermitte, ist die Bauchmuskulatur aktiver.
Mehr Spannung statt mehr Wiederholungen
Neuere Core-Konzepte trainieren die Körpermitte deshalb nicht mehr nur über Bewegung, sondern über Stabilität und kontrollierte Spannung. Besonders wichtig ist dabei der tiefliegende Bauchmuskel Transversus abdominis (TrA), der den Rumpf stabilisiert und Spannung im Core aufbaut.
Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigte: Tiefe Ausatmung aktivierte diesen Muskel stärker als klassische Crunches oder Ball-Crunches. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis, dass Atmung und Core-Spannung enger zusammenhängen als lange gedacht.
Atmung ersetzt Bauchtraining also nicht – sie ergänzt es. Viele aktuelle Core-Ansätze kombinieren gezielte Atemspannung deshalb mit Stabilitätsübungen und kontrollierten Bewegungen.
Diese Übungen ergänzen klassische Crunches
Mit einem Mix aus diesen Übungen forderst du Spannung, Balance und Kontrolle gleichzeitig:
- Plank: trainiert Spannung und Ganzkörperstabilität
- Side Plank: fordert seitliche Bauchmuskeln und Beckenkontrolle
- Dead Bug: verbessert Koordination und tiefe Core-Spannung
- Pallof Press: trainiert Stabilität gegen Rotation
- Farmer’s Carry: fordert den Core unter Belastung im Stehen
Auch Planks werden dabei inzwischen gezielter eingesetzt. Eine weitere Studie von 2024 zeigte: Je instabiler die Übung – etwa mit TRX oder Gymball – desto stärker müssen Bauch- und Stabilisationsmuskeln arbeiten. Für Einsteigerinnen bleiben stabile Varianten aber meist die sinnvollere Basis.
Wann Crunches trotzdem sinnvoll sein können
Trotzdem müssen Crunches nicht komplett aus deinem Training verschwinden. Vor allem für den geraden Bauchmuskel können sie weiterhin effektiv sein – etwa als Ergänzung zu Stabilitätsübungen.
Wichtig ist vor allem die Ausführung: langsam, kontrolliert und ohne Schwung. Trainerinnen und Coaches setzen heute eher auf weniger Wiederholungen mit sauberer Spannung statt auf möglichst viele schnelle Crunches am Stück.
Besonders sinnvoll sind Crunches oft dann, wenn du gezielt Bauchmuskeln aufbauen oder die vordere Rumpfmuskulatur stärker spüren willst. Für einen wirklich starken Core reichen sie allein aber meist nicht aus.
FAQ: Crunches und modernes Core-Training
Nicht automatisch. Sauber und kontrolliert ausgeführt sind Crunches für viele Menschen unproblematisch. Bei bestehenden Rückenbeschwerden oder Schmerzen können andere Core-Übungen aber sinnvoller sein.
Das kommt aufs Ziel an. Crunches trainieren stärker den geraden Bauchmuskel, Planks eher Stabilität und Körperspannung. Viele moderne Trainingspläne kombinieren deshalb beides.
Nein. Planks sind effektiv für Stabilität und Core-Spannung, ersetzen aber kein komplettes Bauchtraining. Sinnvoll ist meist eine Mischung aus Stabilitäts-, Rotations- und Bewegungsübungen.





