Affenpocken lösen oft einen Hautausschlag aus Marina Demidiuk / shutterstock.com

Was du über Affenpocken wissen solltest

Affenpocken Was es wirklich mit dem neuen Pocken-Virus auf sich hat

Schon wieder ein neuer Virus? Nein Danke! Was Affenpocken eigentlich sind, wie sie übertragen werden und wie du dich schützt

Die Corona-Pandemie ist leider noch immer nicht wirklich vorbei und trotzdem schleicht sich aktuell ein neuer Virus in die Nachrichten: Affenpocken. Es wird immer öfter von Infektionsfällen auf fast allen Kontinenten berichtet. Durch die letzten zwei Pandemie-Jahre gehen schon jetzt viele auf dem Zahnfleisch und haben keinen Nerv für eine neue Runde Maßnahmen und Lockdown.

Doch was sind Affenpocken eigentlich und was erwartet uns wirklich? Wir haben für euch den Infektiologen und Facharzt für Innere Medizin Dr. med. Olaf Degen vom UKE in Hamburg befragt.

Was sind Affenpocken?

Affenpocken ist der Name einer Viruserkrankung, die ursprünglich in Afrika heimisch ist. Der Name ist etwas irreführend, denn der Wirt sind dort lebende Nagetiere – quasi das Zuhause des Virus, über die sich dann andere Tiere, etwa Affen, und auch Menschen infizieren.

Man spricht von einer Zoonose, da der Erreger von Tier zu Mensch übertragen werden kann. Die Erkrankung wurde zum ersten Mal beobachtet, als Laboraffen erkrankten und deswegen der Name Affenpocken entstand.

Woher kommen Affenpocken?

Auch wenn du in den aktuellen Nachrichten vermutlich zum ersten Mal von der Erkrankung hörst, ist der Virus eigentlich gar nicht so neu. Schon seit 1970 kommt es vor allem in Afrika immer wieder zu Infektionsausbrüchen.

Bislang waren solche Infektionen aber sehr lokal. Doch seit Mai 2022 werden weltweit vermehrt Fälle beschrieben. Warum sich das Virus allerdings genau jetzt ausbreitet, ist noch nicht bekannt.

Wie werden Affenpocken übertragen?

Der jetzige weltweite Ausbruch ist deswegen besonders, da das Virus hauptsächlich in der Gruppe der MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) übertragen wird, wie auch Studien zeigen. "Es handelt sich aber um keine klassische STD (Sexually Transmitted Disease)", so Dr. Degen, "Das Virus überträgt sich von Mensch zu Mensch durch enge körperliche Kontakte, und eben auch sexuell".

Der Infektiologe erklärt, dass wir es bei den Affenpocken grundsätzlich mit einem eher schwer übertragbaren Virus zu tun haben. Bisher gab es kaum Übertragungen im Gesundheitsbereich auf Arzthelfer, Krankenschwester oder Ärzte. Außerdem sei auch die Übertragungszahl in normalen Haushaltskontakten, wie Familien, WGs oder auch in Sportvereinen äußert niedrig.

Aktuell wird viel geforscht zum Thema Affenpocken. Studien zeigen, dass die Viren vermutlich auch an Bettwäsche hängen bleiben und sich so verbreiten können, wenn infizierte Person und Kontaktperson sich diese teilen. Damit solch eine Übertragung aber möglich ist, muss die Hautbarriere durch kleine Verletzungen gestört sein.

Ebenfalls wird in Studien untersucht, wie der Virus sich verbreitet, wenn Infizierte duschen und den Erreger eventuell ins Abwasser abgeben. Momentan gibt es aber keine Beweise, dass der Virus auf diese Weise seinen Weg zu weiteren Menschen findet.

Wie erkenne ich Affenpocken?

Ob du dich eventuell mit Affenpocken infiziert hast, ist nicht unbedingt auf den ersten Blick eindeutig. Denn gerade am Anfang der Infektion können allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit auftreten. Deine Lymphknoten können anschwellen, was ein Zeichen dafür ist, dass dein Immunsystem aktiv wird.

"Bis zum Symptombeginn dauert normalerweise 5 Tage bis 3 Wochen", sagt der Facharzt. Neben den Allgemeinsymptomen kommt es unter Umständen zu Pickel und Blasenbildung. Prinzipiell geschieht dies am ganzen Körper und so eben auch im Anal- und Genitalbereich nach sexuellem Kontakt, wie Studien zeigen. Es entstehen kleine rot-weißliche Pusteln, die oft jucken aber auch sehr schmerzhaft sein können.

Wie sollte ich im Verdachtsfall reagieren?

"Fieber, Kopfschmerzen und Pickel am Bein haben viele Menschen und das hat nichts mit Affenpocken zu tun", sagt Dr. Degen und erklärt weiter, "Die allermeisten Fälle sind MSM und es gibt bisher nur ganz selten Infektionen außerhalb dieser Risikopopulation".

Bei den Allgemeinsymptomen ohne Kontakt zur Risikogruppe kann meist ein Hausarzt weiterhelfen. Dr. Degen rät aber, dass alle, die Symptome haben, zu einer Risikogruppe gehören und sexuelle Risikokontakte hatten, gezielt eine infektiologische Einrichtung, wie zum Beispiel HIV-Schwerpunktpraxen, aufsuchen sollten.

Wie behandelt man Affenpocken?

Auf die Frage, ob es Medikamente gegen Affenpocken gibt, antwortet der Infektiologe mit "Jein". Es gibt zwar ein zugelassenes Medikament, allerdings in sehr geringen Mengen, sodass es limitiert und selten eingesetzt wird. Meistens ist nur eine Behandlung als Schmerz- und Lokaltherapie möglich. Aber oft ist diese Behandlung gar nicht unbedingt nötig, denn in vielen Fällen ist die Infektion in 2-4 Wochen ohne weitere Folgen überstanden.

Unabhängig davon, wie schwer die Erkrankung verläuft, gilt: Wer mit Affenpocken infiziert ist, muss sich, wie du es bereits aus der Corona-Pandemie kennst, in häusliche Isolation begeben. Für diese ist aktuell eine Dauer von 21 Tagen vorgeschrieben.

Wie gefährlich sind Affenpocken?

Das RKI stuft das Infektionsrisiko für die Bevölkerung aktuell als gering ein. Eine Infektion mit Affenpocken verläuft in den meisten Fällen mild. Dennoch kann eine Infektion vor allem für Menschen mit einer Immunschwäche oder für Schwangere gefährlich werden.

Zu den möglichen Komplikationen zählt, dass sich die Pusteln auf die Augen ausweiten können und diese eventuell so schädigen, dass Infizierte erblinden. Eine weitere Komplikation ist, dass sich unter Umständen Lungenentzündungen entwickeln, die in schweren Fällen zum Tod führen können. Solche Fälle sind aber sehr selten. Nur etwa 3-6 Prozent der gemeldeten Fälle in Afrika führten in den letzten Jahren zum Tod, berichtet die WHO.

Wie kann ich mich gegen Affenpocken schützen?

Schutzmaßnahmen und AHA-Regeln sind für uns alle kein Fremdwort mehr, aber das, was für Corona gilt, gilt nicht unbedingt auch für Affenpocken. Eine gute Hygiene und regelmäßige Händedesinfektion sind generell sinnvoll, doch spielen hier keine so große Rolle, erklärt der Experte.

Während Abstand und Atemmaske das A und O für Corona sind, helfen diese Maßnahmen bei den Affenpocken nicht weiter. Corona ist über die Luft übertragbar und Affenpocken nur durch sehr engen Kontakt. Das heißt, selbst wenn ein Infizierter im selben Raum ist, bedeutet das nicht direkt, dass du dich ansteckst. "Das Risiko, sich im Alltag zu infizieren, ist äußerst gering", sagt der Experte. Nur wer zur Risikogruppe gehört, für den ist es empfehlenswert – soweit es vertretbar ist - auf größere Sexparties zu verzichten oder deutlich zu reduzieren, rät Dr. Degen.

Sollte ich mich impfen lassen?

Die Impfung ist aktuell nur für bestimmte Personengruppen vorgesehen. Dazu zählen Menschen, die bereits infiziert sind und die, die ein erhöhtes Risiko haben, sich mit Affenpocken zu infizieren. Das sind beispielsweise Labormitarbeiter und Mitglieder der MSM-Community. Der Impfstoff ist deswegen besonders, da dieser auch noch nach bereits erfolgter Ansteckung wirkt, wie Studien bestätigen. Dadurch können sogenannte Ringimpfungen angewendet werden. Dabei werden die Kontaktpersonen, um den Infizierten herum geimpft, um so einen schweren Verlauf möglichst zu vermeiden.

Sich allerdings einfach nur pro forma impfen zu lassen, ohne konkreten Grund, ist nicht vorgesehen. "Für die Allgemeinbevölkerung besteht keine Notwendigkeit", sagt Dr. Degen.

Außerdem: Die Affenpocken sind quasi das Geschwisterchen zu den "normalen" – mittlerweile ausgerotteten – Pocken. Bis in die 80er Jahre bestand eine Impfpflicht gegen diese. Das bedeutet, dass die ältere Generation, die gegen Pocken geimpft sind, auch jetzt einen relativ sicheren Schutz vor Affenpocken haben.

Muss ich mir Sorgen machen, dass sich aus den Affenpocken eine weitere Pandemie entwickelt?

Neuer Virus? Neue Pandemie? Nein, danke! Es ist kein Geheimnis, dass sich jeder von uns wieder nach Normalität sehnt und niemand Corona 2.0 durchleben will. Aktuell wird das Infektionsgeschehen zu Affenpocken sehr genau beobachtet. Das ist gut, denn so kann schnell reagiert werden.

Da die Übertragung von Affenpocken schwer vonstatten geht, werden die Infektionsketten mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Isolation sowie Impfung Infizierter und deren Kontaktpersonen unterbrochen. "Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, eine neue breite Pandemie vor uns zu haben. Affenpocken sind weltweit nach wie vor beschränkt auf bestimmte Patientengruppen, hier fast ausschließlich MSM. Es wird in der Umgebung dieser Menschen auch einzelne andere Infektionen geben, aber eine neue Pandemie wie Corona ist nicht zu befürchten", sagt der Experte.

Viele sind nach den letzten zwei kräftezehrenden Coronajahren hochsensibel gegenüber neuen Virus-Meldungen. Es ist nie schön, krank zu werden und gute Desinfektionsmaßnahmen sind immer angebracht. Dass die Situation bei den Affenpocken genauestens beobachtet wird, sollte dich eher beruhigen als verunsichern.

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