Weltweit sind Forscher auf der Suche nach einem Medikament gegen das neuartige Coronavirus angellodeco / Shutterstock.com

Corona-Virus-Medikamente Diese Wirkstoffe gegen Covid-19 werden zur Zeit getestet

Gesund durch die Corona-Krise Weltweit suchen Forscher nach Medikamenten gegen das neue Coronavirus. Bis ein Impfstoff gefunden ist, testen sie bereits zugelassene Arzneimittel. Alles über die aktuell untersuchten Wirkstoffe

Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 wird noch eine Weile dauern. Experten rechnen erst nächstes Jahr damit. Die Entwicklung neuer Medikamente gegen eine Krankheit dauert oft viele Jahre, sogar Jahrzehnte. Besonders die klinischen Tests und Studien an Menschen sind sehr aufwändig.

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Doch während der Corona-Pandemie ist die Zeit knapp. Das Virus breitet sich mit rasender Geschwindigkeit aus. Die Zahl der Infektionen und der Toten steigt weltweit täglich rapide. Deswegen testen Wissenschaftler auf der ganzen Welt nun eine andere Vorgehensweise, um dem Virus medikamentös schnell Kontra zu geben. Sie verwenden Arzneimittel, die ursprünglich für andere Zwecke vorgesehen waren.

Alte Medikamente gegen ein neues Virus

Das Verfahren nennt sich "Drug Repurposing", also wörtlich übersetzt "Medizinneuverzweckung". Das bedeutet: Forscher prüfen, ob sich im Fundus aller bereits zugelassener Arzneimittel eine gegen Covid-19 wirksame Substanz befindet.

Bei den bereits zugelassenen Substanzen sind wesentliche Daten zur Sicherheit im menschlichen Organismus bereits vorhanden. Aus diesem Grund kann eine Zulassung bei minimaler Entwicklungszeit und überschaubaren Entwicklungskosten realisiert werden.

Der Wirkstoff wird dann für den neuen Nutzen "umgewidmet". Das heißt: Was zuvor zum Beispiel ein Medikament gegen Malaria war, darf nun als Mittel gegen Covid-19 eingesetzt werden.

Covid-19: Forscher prüfen folgende Wirkstoffe

Nie zuvor haben Forscher so schnell derart umfassende Projekte und Kooperationen auf die Beine gestellt, um schnell Wirkstoffe zu identifizieren und für die Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Bei einigen der Medikamente, die als Hoffnungsträger gegen Covid-19 gelten, handelt es sich um Wirkstoffe, die für die breite Anwendung schnell verfügbar gemacht werden könnten.

Es ist allerdings etwas unübersichtlich geworden bei der Suche nach einem Medikament gegen Covid-19. Ob die Mittel wirklich wirken, ist noch nicht wirklich bekannt und bedarf in allen Fällen weiterer Forschung. Diese Wirkstoffe stehen derzeit u.a. auf dem Prüfstand:

Wirkstoff #1: Remdesivir

Das Virostatikum wurde ursprünglich gegen Ebola-Infektionen entwickelt, verzeichnete aber im Kampf gegen die Krankheit keine guten Ergebnisse, wurde deswegen nicht zugelassen. Anders könnte es nun bei Covid-19 aussehen. Erste Laborergebnisse im Einsatz gegen Coronaviren waren vielversprechend. Deswegen wird der Wirkstoff nun unter anderem in Deutschland in zwei klinischen Studien getestet.

Wirkstoff #2: Favipiravir

Der Wirkstoff kann gegen ein sehr breites Spektrum unterschiedlicher Viren eingesetzt werden und sollte ursprünglich in Japan als Influenza-Medikament vermarktet werden. Bei Mäusen kann es allerdings Krebs auslösen.

Wissenschaftler prüfen nun, ob die Nebenwirkungen sinken, wenn die Substanz in ihrer Struktur verändert wird. Favipiravir erregte viel Aufsehen als 2014 eine Krankenschwester während einer Ebola-Epidemie wieder gesund wurde. In einer chinesischen Studie zeigte das Mittel bei COVID-19 Patienten eine gute Wirksamkeit. Europäische Virologen sehen die Ergebnisse allerdings kritisch.

Bis es einen Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 gibt, wird noch Zeit vergehen
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Bis es einen Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 gibt, wird noch Zeit vergehen.

Wirkstoff #3: Chloroquin & Hydroxychloroquin

Chloroquin und das eng verwandte Hydroxychloroquin werden zur Behandlung von Malaria und rheumatoider Arthritis eingesetzt. Studien an Zellkulturen legen nahe, dass Chloroquin auch gegen Coronaviren wie SARS wirken könne.

Professor Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité sieht allerdings kaum Potenzial der Wirkstoffe im Kampf gegen das neuartige Coronavirus. Die Mittel könnten schwere Nebenwirkungen verursachen, darunter irreversible Sehstörungen und Herzschäden. Der Virologe hält die bisher vorliegenden Studien für wenig aussagekräftig. Weitere Forschung sei nötig.

Wirkstoff #4: Kombination von Lopinavir & Ritonavir

Im Medikament Kaletra vereinen sich die Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir. Es wird schon lange zur Behandlung von HIV eingesetzt. In der Behandlung von Covid-19-Patienten erzielte das Präparat bisher keinen klinischen Nutzen.

Trotzdem wird die HIV-Kombination teilweise bei Covid-19-Patienten verwendet. Das könnte daran liegen, dass die Wirkstoffe verfügbar und die Nebenwirkungen abschätzbar sind.

Forscher prüfen, ob sich in einem bereits zugelassenen Arzneimittel eine gegen Covid-19 wirksame Substanz befindet
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Forscher prüfen, ob sich ein bereits zugelassenes Arzneimittel gegen Covid-19 als wirksam erweist.

Wirkstoff #5: Thalidomid

Es laufen zudem klinische Untersuchungen zum Wirkstoff Thalidomid. Das in den 80er-Jahren unter dem Handelsnamen Contagan für Schwangere häufig verschriebene Schlafmittel erlangte tragische Berühmtheit: Es verursachte schwere Missbildungen bei Neugeborenen.

Das Mittel wird aber seit 2008 in einigen Krebserkrankungen und auch in Lepra eingesetzt. Thalidomid wirkt nicht direkt gegen das Virus. Die Forscher gehen davon aus, dass es die schweren Folgeschäden der Lungenentzündung mildern könne, die das Virus verursacht.

Wirkstoff #6: Interferon

Auch ein Medikament aus Kuba macht derzeit von sich reden: Interferon alfa-2b. Das Präparat, das in China in Kombination mit anderen retroviralen Medikamenten im Einsatz ist, soll das Immunsystem der Infizierten stärken.

Virologe Drosten warnt allerdings davor. Es gebe bereits Daten zu seiner Wirkung gegen das alte Sars-Virus. Es sei an Menschenaffen getestet worden, zudem gab es eine kleine klinische Studie. Es hätte zwar eine Wirkung gegeben, aber nur, wenn es sehr früh verabreicht wurde. Auffällig waren die schweren Nebenwirkungen. Man fühle sich krank, wenn man es nehme. Wenn man es darüber hinaus zu spät verabreiche, gebe es deutliche Hinweise, dass man es noch schlimmer mache. Denkbar sei, Interferon Hochrisikopatienten in einer frühen Krankheitsphase zu geben.

Wirkstoff #7: Camostat Mesilate

Das Medikament ist bereits für chronische Bauchspeicheldrüsen-Entzündung zugelassen. Der Wirkstoff soll das Virus daran hindern, in die Lungen-Zelle einzudringen. Es bedarf allerdings auch bei diesem Wirkstoff weiterer Untersuchungen, um die Wirksamkeit zu prüfen.

Die Forschung arbeitet unter Hochdruck an einem Covid-19-Medikament. Von allen Wirkstoffen, die derzeit auf dem Prüfstand stehen, ist noch nicht gewiss, ob sie tatsächlich wirken. Bis ausreichend Daten vorlegen, wird es noch dauern. Aber es gibt die Hoffnung, dass demnächst ein Arzneimittel Menschen mit einer schweren Covid-19-Erkrankung helfen kann.

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