Getrennte Betten können Beziehungen mit Schlafproblemen retten. Drazen Zigic / shutterstock.com

Getrennte Betten in der Partnerschaft

Getrennte Betten Darum sollten einige Paare nicht im selben Bett schlafen

Paare, die in getrennten Betten schlafen, führen eine glücklichere Partnerschaft. Warum das so ist und wie du erkennst, ob das auch für euch eine Option ist

Manche Paare schlafen jede Nacht harmonisch in der Löffelchenstellung, einige atmen sogar synchron, und wachen morgens entspannt und erholt gemeinsam auf. Doch bei weitem nicht alle haben dieses Glück.

Das heißt aber nicht, dass Paare mit weniger harmonischen Nächten auch weniger gut zusammenpassen. Doch ihre Beziehung ist gefährdeter. Denn guter, ausreichender Schlaf ist nicht nur die Basis für körperliche Leistungsfähigkeit, ein gesundes Immunsystem und eine starke Psyche, sondern auch dafür, den Tag in ausgeglichener Stimmung zu meistern – eine Grundvoraussetzung für eine entspannte, langlebige Partnerschaft.

Also kann es sinnvoll sein, als Paar getrennt zu schlafen. Schlafcoach Christine Lenz erklärt, wann das der Fall ist, und wie es gelingt, dass Partnerschaft und Sexualität dadurch sogar gewinnen.

Was bedeutet Sleep divorce?

Wörtlich übersetzt bedeutet es "Schlaf-Scheidung" und meint, dass Paare in getrennten Betten oder Zimmern schlafen. Allerdings nicht, wie dieser Begriff nahelegt, weil sie sich nicht mehr lieben, sondern um sich gegenseitig nicht im Schlaf zu stören.

Für welche Paare sind getrennte Betten ein Vorteil?

"Paare, deren Schlaf durch den Partner bzw. die Partnerin regelmäßig gestört wird, sollten über getrennte Betten nachdenken“, rät Schlafexpertin Christine Lenz. Klar, der Begriff Sleep Divorce weckt Assoziationen wie Trennung und Ende einer Partnerschaft, bewirkt jedoch tatsächlich oft genau das Gegenteil.

Getrennte Betten oder auch getrennte Schlafzimmer können Beziehungen retten. Denn wer regelmäßig in der Nacht vom Partner geweckt wird, entwickelt nicht selten Aggressionen gegen ihn, egal wie verliebt man eigentlich ist. Und unausgeschlafen ist man am Tag dünnhäutiger, weniger tolerant und kommunikativ, was ebenfalls schnell zu Spannungen führen kann.

Wer sollte nicht mehr zusammen in einem Bett schlafen?

Jeder, dessen Schlaf vom Partner häufig unterbrochen wird. Das sind laut Lenz die häufigsten Gründe:

  • Schnarchen
  • Zähneknirschen
  • Pupsen
  • Starker Nachtschweiß
  • Schichtarbeit
  • Nächtlich notwendiges Aufstehen, z.B. wegen eines weinenden Babys / Kleinkinds oder um kranke Angehörige zu pflegen
  • Restless Leg Syndrom (krankhafte Zappelbeine)

Natürlich sollte man im ersten Schritt versuchen, die Ursache für die nächtliche Unruhe zu bekämpfen. Schließlich leidet auch der Schlaf des Verursachers. Schnarchern zum Beispiel empfiehlt Lenz mal Anti-Schnarch-Tools wie zum Beispiel einen Nasenclip auszuprobieren, Zähneknirscher eine Knirscherschiene zu benutzen, und wer unter Restless Legs leidet, sollte mehr Magnesium und eisenhaltige Lebensmittel zu sich nehmen. Wenn das alles nichts hilft, solltet ihr das Projekt getrennte Betten angehen.

Was sind die Vorteile von getrennten Betten?

Erinnere dich einmal daran, wie du dich das letzte mal fühltest, als du dich eine ganz Nacht lang ständig hin und her gewälzt hast. Wahrscheinlich warst du am Tag danach weniger ausgeglichen, schneller wütend und ungeduldig als normal.

"Eine Studie der Universität Berkeley bestätigte, das unausgeschlafene Menschen weniger in der Lage sind, sich in die Perspektive ihres Partners zu versetzen und ihre Emotionen nachzuvollziehen", berichtet die Verhaltenspsychologin Wendy Troxel, Autorin des Buches "Sharing the Covers. Evers Couple‘s Guide to better Sleep". Das kann einen Teufelskreis auslösen, von Streit mit dem Partner, sich dadurch noch gestresster fühlen und in der Folge noch schlechter schlafen. Ihr Fazit: Es lebt sich einfach besser in einer Beziehung, in der beide ausgeschlafen sind.

Aus rein schlafmedizinischer Perspektive verkürzen sich durch häufige Schlafunterbrechungen in der Nacht die Tief- bzw. Rem-Schalfphasen, die besonders wichtig sind, um den Körper zu regenerieren und das Immunsystem in Bestform zu halten. Also auch aus gesundheitlichen Gründen sollten Paare, die sich häufig gegenseitig im Schlaf stören, dringend über getrennte Betten nachdenken. Das sind die häufigsten Folgen von Schlafmangel.

Wie bringe ich meinem Partner bei, dass wir getrennte Betten haben sollten?

Am besten bringst du das Gespräch nicht dann darauf, nachdem du wütend mitten in der Nacht mit deiner Bettdecke aufs Sofa geflüchtet bist. "Starte mit Sätzen, die mit 'ich' beginnen, und den anderen nicht anklagen", rät Troxel.

Erkläre, dass es dich belastet, wie du dich in und nach einer solchen Nacht fühlst und verhältst, und dass dir das nicht egal ist. Mach deutlich, dass du getrennte Betten nicht aus Trotz vorschlägst, sondern um eure Beziehung nicht zu gefährden.

Wie gelingt eine erfolgreiche Sleep divorce?

Optimal wäre natürlich, in zwei verschiedenen Zimmern zu schlafen. Nicht jeder hat dafür die räumlichen Voraussetzungen. Ganz wichtig aber ist es, dass beide einen guten und schönen Schlafplatz haben.

Macht es zu einem gemeinsamen Projekt, die Schlafplätze schön zu gestalten. Beide sollten zudem gute Matratzen haben und mindestens einer ein breites Bett, in dem Liebesspiele wie im ehemaligen Doppelbett möglich sind. Tipp von Lenz: "Große Bettdecken anschaffen, mit Maßen von mindestens 1,55 m, besser noch eine 2 Meter breite Bettdecke." Dadurch müsst ihr euch bei gegenseitigen 'Besuchen‘ nicht unbequem unter eine schmale Decke quetschen, sondern könnt entspannt zusammen liegen.

Was passiert bei getrennten Betten mit dem Sex?

Oh, keine Sorge! "Die Umgestaltung des Schlafzimmers und das Einrichten eines zweiten Schlafplatzes bergen eine große Chance, der Liebe und Sexualität einen neuen Kick zu geben", sagt die Schlafexpertin.

Viel positive Resonanz bekam Lenz im Laufe ihrer Beratertätigkeit als Schlafcoach für den Tipp, sich bei getrennten Betten zum gemeinsamen "Date" im Bett des einen Partners zu verabreden. Oder feste "Verabredungen" zu treffen, zum Beispiel an einem festen Tag erst gemeinsam zu kochen oder baden und dann Sex zu haben. Lenz: "Neue Rituale bergen viel Potenzial, die Erotik in einer Beziehung neu zu beleben."

Gerade in Corona-Zeiten wird durch Unruhe und weniger körperlich Bewegung der Schlaf schlechter. Probiert doch getrenntes Schlafen jetzt einmal aus und nutzt die Zeit, um einen zweiten Schlafplatz einzurichten und das Schlafzimmer zu renovieren. Deine Gesundheit und deine Partnerschaft werden davon profitieren.

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