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Dickpic bekommen? Was du jetzt tun kannst

Penis-Foto Was du tun solltest, wenn dir jemand ein Dickpic schickt

Iiih, was ist das? Fast jede zweite Frau hat schon mal ein Dickpic, also ein Penisfoto, erhalten. Dass das Versenden eine Straftat ist, wissen die wenigsten. Eine Juristin erklärt, was du nun tun solltest

Es kommt eine Nachrichtenanfrage bei Instagram, du klickst –und plötzlich ist er da: Ein erigierter Penis, geschickt fotografiert, sodass er möglichst groß aussieht. Ganz kommentarlos, vielleicht aber auch mit Smiley oder ein paar herausfordernden Worten. Jedenfalls: Ohne dass du je darum gebeten hättest.

Das macht dir schon beim Lesen ein unangenehmes Gefühl? Keine Sorge, ab hier geht es nur noch darum, wie du dich gegen diesen übergriffigen Mist wehrst. Wir haben mit einer Juristin gesprochen und erklären dir, wie du nun vorgehen solltest.

Was genau ist ein Dickpic?

Das Phänomen der „Dickpics“, also Penisfotos, ist dank Social Media mittlerweile so verbreitet, dass der Begriff weltweit bekannt ist: Es handelt sich um ein unaufgefordert zugesandtes Foto eines männlichen Geschlechtsteils, mutmaßlich das des Absenders. Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass 46 Prozent der britischen Frauen zwischen 18 und 36 bereits mindestens ein Dickpic bekommen haben. Das ist fast jede Zweite.

Besonders oft werden die Fotos über Dating- oder Social-Media-Plattformen wie Snapchat oder Instagram verschickt. Auch in Deutschland ist der „Trend“ ein großes Problem. Dagegen wendet sich unter anderem die Kampagne "#DontDickAndPic" der Plattform „GoSpring“, auf der es eigentlich um Männergesundheit geht. Die Initiative will Männern begreiflich machen, dass das Versenden von ungewollten Dickpics nicht nur verstörend und belästigend sein kann, sondern sogar eine Straftat ist.

Warum verschicken Männer Dickpics?

Tja, nun. Eine pauschale Antwort auf diese Frage ist wahrscheinlich nicht möglich. Es gibt dazu allerdings eine spannende Studie aus dem Jahr 2020, die als Hauptbeweggrund den Wunsch nach Reziprozität herausgestellt, also Gegenseitigkeit. Einfacher gesagt: „I show you mine, you‘ll show me yours.“ Viele Männer hoffen demnach, als Antwort auf ihr Penisfoto ein vergleichbares Bild zu bekommen.

Eine ähnlich wichtige Motivation ist laut der Studie die Absicht, die Empfängerin oder den Empfänger mit dem Bild sexuell zu erregen. Die Münchner Rechtsanwältin Janina Lentrodt vermutet, dass das Verschicken von ungefragten Penisbildern den Tätern (in wenigen Fällen auch Täterinnen, dann spricht man von „Pussypics“) ein Gefühl von Macht verleiht: „Die Anonymisierung durch das Internet macht solche Sachen wie ungewollte Dickpics leider erst möglich. Männer, die im wahren Leben vielleicht sehr unsicher sind, bekommen auf einmal die Möglichkeit, ihr bestes Stück durch die Welt zu schicken. Das hat viel mit Macht und Dominanz zu tun – die Empfängerin oder der Empfänger wird ja quasi dazu gezwungen, das Bild zu betrachten.“

Lentrodt betreut die „#DontDickAndPic“-Kampagne in juristischen Fragen. Denn davon gibt es viele, das hat sie schnell gemerkt: „Es fängt schon bei der Strafanzeige an – da wissen die meisten gar nicht, wie sie vorgehen sollen.“ Auch Lentrodt selbst hat schon einmal ein Penisfoto bekommen: „Per Nachricht von einem Bekannten, ganz überraschend. Das habe ich geöffnet und gedacht: ‚Na, guten Morgen!‘ Das fand ich für ihn total peinlich, ich wusste ja, wer er ist, wo er arbeitet und so weiter. Ich fand’s fast lustig. Wenn ich aber an meine Tochter denke oder an andere Minderjährige, find ich das Thema gar nicht mehr zum Lachen.“ Verschiedene Studien zeigen nämlich, dass gerade jüngere Frauen von Penisfotos betroffen sind.

Ist das Versenden von Dickpics strafbar?

„Die wenigsten wissen, dass das Versenden von unaufgeforderten Dickpics tatsächlich strafrechtlich relevant ist“, sagt Janina Lentrodt. Der entsprechende Paragraf im Strafgesetzbuch ist § 184 Absatz 1 Nr. 6, das Versenden eines Penisfotos zählt demnach juristisch gesehen als unaufgefordertes Verbreiten pornografischer Inhalte. Täter oder Täterinnen können mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr rechnen, wer nachhaltig traumatisiert ist, kann Schmerzensgeld einfordern.

Aktuell ist es aber leider noch so, dass viele Verfahren wegen Geringfügigkeit oder aus anderen Gründen eingestellt werden, oft ist es auch nicht möglich, den Täter festzustellen. Trotzdem sollte man den Fall unbedingt zur Anzeige bringen: „Es fehlt einfach noch das Bewusstsein für die Schwere solcher Fälle. Ist ja logisch: Werden mehr Anzeigen gestellt, wird mehr über Dickpics und deren Konsequenzen gesprochen, ist das Thema auch zentraler. Auch bei den Ermittlungsbehörden und Gerichten: Wenn sich niemand traut, diese Fälle anzuzeigen, denken die Behörden, dass es sich nur um Einzelfälle handelt. Dabei gibt es ja genügend Studien und Umfragen, die zeigen, wie verbreitet das Problem ist“, sagt Lentrodt.

Sind Dickpics sexuelle Belästigung?

Wer ein Dickpic bekommt, empfindet oft Ekel, Scham oder fühlt sich sogar schuldig. Doch zählen die Fotos im rechtlichen Sinne als sexuelle Belästigung? „Jein“, sagt Janina Lentrodt. „Der Terminus ‚sexuelle Belästigung‘ ist juristisch klar definiert. Dafür braucht es physischen Kontakt, eine Berührung zum Beispiel – sexuelle Belästigung kann also nicht virtuell stattfinden. So wie der Begriff aber in der Gesellschaft definiert ist, trifft er natürlich zu: Von einem ungefragten Penisfoto kann man sich durchaus sexuell belästigt fühlen. Strafrechtlich relevant ist das Dickpic aber als unaufgefordertes Verbreiten pornografischer Inhalte.“

Was sollte ich tun, wenn ich ein Dickpic bekommen habe?

Ganz kurz gesagt: Beweise sichern, Kontakt blockieren, Strafanzeige stellen und dann abwarten. Der erste Punkt ist für den Erfolg der Anzeige besonders wichtig, sagt die Rechtsanwältin: „Unbedingt direkt Screenshots machen, Chatverläufe sichern, E-Mails, Telefonnummern. Das wird alles der Polizei übergeben und hilft bei der Ermittlung.“

Für die Strafanzeige gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder du begibst sich zur nächsten Polizeiwache und schilderst vor Ort den Fall. Eine andere Option bietet die Website „dickstinction.com“ an, die im Zuge eines Hackathons entstanden ist und dabei hilft, in weniger als einer Minute eine Strafanzeige zu erstellen.

Wie erstelle ich online eine Strafanzeige?

Das Ganze funktioniert ganz easy: Bei dickstinction.com Daten eingeben, alles ausdrucken und direkt an die Staatsanwaltschaft in Berlin schicken, die dank „Dickstinction“ schon Erfahrung mit dem Thema hat. Übrigens: Auch, wenn der Absender ein Fakeprofil nutzt, kann er ermittelt werden, sagt Janina Lentrodt: „Man kann immer Anzeige gegen Unbekannt stellen. Dass man den Täter nicht kennt, sollte einen nicht davon abhalten, zur Polizei zu gehen. Polizei und Staatsanwaltschaft haben technische Möglichkeiten, um entsprechende Spuren nachzuverfolgen, nach IP-Adressen zu forschen und festzustellen, woher die Fotos kommen.“

Wer zu viel Angst oder Scham empfindet, zur Polizei zu gehen, kann die Anzeige auch schriftlich einreichen. Oder sogar ganz anonym bleiben, wie Rechtsanwältin Lentrodt erklärt: „Beim Verbreiten pornografischer Inhalte handelt es sich um ein Offizialdelikt. Das bedeutet, die Polizei muss ermitteln, sobald sie davon erfährt – egal, auf welchem Wege und von wem. Wer aus irgendwelchen Gründen nicht selbst zur Polizei gehen oder seinen Namen angeben möchte, kann den Sachverhalt also auch anonym übermitteln oder eine Freundin oder einen Freund damit beauftragen.“

Was löst das Dickpic bei der Empfängerin aus?

„Das ist eine ganz unangenehme Gefühlsmischung: Wut, Empörung, aber auch Scham, obwohl ich ja weiß, dass mich keine Schuld trifft.“ So beschreibt eine Influencerin, die nicht genannt werden will, das Gefühl beim Empfangen eines Dickpics. Dass sie anonym bleiben möchte, ist bezeichnend für die Thematik: Häufig sind es die Opfer, die sich schämen – obwohl es eigentlich die Täter tun sollten.

Unsere Interviewpartnerin, die nach eigenen Angaben schon um die 100 Penisfotos bekommen hat, hat über 60 Tausend Follower auf Instagram und ist im Fitness-Bereich tätig. Die Vermutung liegt nahe, dass mit steigender Reichweite auch die pornografischen Nachrichten zunehmen. Aber: „Ich glaube, da besteht kein großer Zusammenhang. Ich habe schon mit einem kleinen Account Penisbilder bekommen, im Gegenteil habe ich jetzt das Gefühl, dass mehr Distanz herrscht. Ich habe keine Zeit, mir jede Nachricht anzuschauen, vielleicht ist das den Tätern auch klar.“

Trotzdem habe sie bei jeder Nachrichtenanfrage ein komisches Bauchgefühl, besonders, wenn es sich um Männer oder Profile ohne Foto und Inhalte handele. Wer ein öffentliches Profil hat und Instagram auch beruflich nutzt, schaut sich jede Nachricht an – es könnte sich ja um eine wichtige Anfrage handeln. Außerdem: Das eigene Profil und Postfach, ob öffentlich oder privat, sollte ein Safespace sein.

Oft kommt es bei Dickpics sogar zum "victim blaming"

Die Angst, die besonders Frauen und weiblich gelesene Personen beim Öffnen von Nachrichtenanfragen verspüren, sollte keine Normalität sein. Doch Dickpic-Versender erreichen meistens genau das, was sie wollen: Dass ihr Penis angesehen wird. „Am Anfang habe ich noch geantwortet. ‚Warum schickst du mir sowas? Das ist widerlich!‘ An den Antworten habe ich aber gemerkt, dass den Sendern diese Reaktion sogar gefallen hat. Sie haben sich gefreut, dass ich das Foto gesehen und reagiert habe.“

Die Influencerin hat selbst noch keine Anzeige gestellt. „Ich wusste lange nicht, dass das ungefragte Versenden von Dickpics eine Straftat ist. Und ich habe mich geschämt, auch wenn das Quatsch ist. Ich wusste, dass ich einen Screenshot machen müsste, fand aber allein den Gedanken unangenehm, das Foto in meiner Bildergalerie zu haben.“ Mittlerweile hat sie sich mehr mit dem Thema beschäftigt und sich fest vorgenommen, jedes nächste Dickpic zur Anzeige zu bringen. „Es muss mehr darüber gesprochen werden, es muss klar sein, dass es eine Straftat ist, und Frauen sollten sich nicht dafür schämen müssen.“

Victim Blaming, also die Verschiebung der Schuld vom Täter oder der Täterin auf das Opfer, ist bei vielen Themen ein großes Problem. Gerade im Social Media-Bereich hört man oft Sprüche wie „naja, wenn du dich im Sport-BH zeigst, bist du ja selbst schuld“ – völliger Schwachsinn. Lass dir so etwas niemals einreden!

Das Versenden von ungewünschten Dickpics kann bei den Empfängerinnen und Empfängern Ekel, Wut und Scham auslösen oder ein Trauma wieder aufleben lassen. Auch deshalb gilt für alle, die ungefragt Penisbilder bekommen: Erstattet Anzeige!

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