Leben ohne BH Das passiert, wenn Sie keinen BH tragen

Ob mit oder ohne BH, das entscheidet jede Frau ganz allein. © Leszek Glasner / Shutterstock.com

Was passiert, wenn Sie keinen BH tragen mögen? Droht Ihnen "oben ohne" ein Hängebusen? Unser Experten-Duo klären auf

Gibt es eine neue Oben-ohne-Bewegung? Hashtags wie #nobra oder #freethenipple erobern gerade das Internet, Frauen fordern: Weg mit den BHs! Was für die einen nach absoluter Freiheit und nach Akzeptanz des eigenen Körpers klingt, löst bei den anderen aber nur Angst vor Schmerzen und womöglich weniger ansehnlichen Hängebrüsten aus. Ist an dieser Befürchtung etwas dran? Was passiert wirklich, wenn Sie auf den BH verzichten? Leiern Ihre Brüste aus oder können Sie sogar fester werden? Wir haben eine Expertin und einen Experten gefragt, die für Sie Licht ins Dunkel bringen.

Viele Frauen fühlen sich ohne BH wohler - fragen sich aber, ob ihnen ein Hängebusen droht. © Ricwithe / Shutterstock.com

Wie ist die Brust aufgebaut?

Zunächst ist es vielleicht hilfreich, sich den Aufbau des Busens zu vergegenwärtigen. "In der Brust sitzen Milchdrüsen, die von Fett- und Bindegewebe umgeben werden", erklärt Carolin Fenger, Oberärztin der Frauenklinik im Marienkrankenhaus Hamburg. Hinter dem Gewebe sitzt der Brustmuskel, und es wird umgeben von einer weichen Haut. Letztlich hält der BH dieses Gewebe an Ort und Stelle. Was das bringt, ist letztlich schwierig zu erforschen, weil es bei jeder Frau anders ist.

Wie entsteht ein "Hängebusen"?

Eine der Hauptängste, wegen derer Frauen sich tagtäglich den BH umschnüren, ist die vor "Hängebrüsten". Diesen Begriff können Sie mal getrost in die Tonne kloppen. Denn das ist ein sehr hässliches Wort für einen ganz natürlichen Vorgang. Es ist ganz normal, dass bei zunehmendem Alter Bindegewebe und Haut an Elastizität verlieren und ausleiern. "Das ist ein ganz natürlicher Alterungsprozess, der etwa ab dem 35. Lebensjahr einsetzt", erklärt Professor Christian Schem vom Mammazentrum Hamburg.

Was allerdings stimmt: Dieser Effekt kann durch Belastung beschleunigt werden. Stellen Sie sich das wie ein Zopfgummi vor: Ein altes ist weniger straff als ein neues, und eines, das Sie häufig nutzen, ist ausgeleierter als ein unbenutztes. So ähnlich ist auch Ihr Gewebe. "Vor allem bei einer Schwangerschaft oder einer Gewichtsveränderung wird das Gewebe besonders beansprucht", so der Arzt. Sowohl die Haut als auch das Gewebe ziehen sich danach manchmal nicht mehr vollständig zusammen und die Brüste werden schlaffer.

Werden die Brüste durch Training fester?

Natürlich kann es nicht schaden, wenn Sie Ihre Brustmuskulatur in Form halten. Sie werden damit aber den Prozess des Erschlaffens nicht stoppen können. "Der Brustmuskel umgibt nicht die ganze Brust, sondern liegt dahinter. Fett- und Bindegewebe lassen sich nicht auf solche Weise trainieren", erklärt Schem.

Werden die Brüste ohne BH straffer?

Kann der BH sogar dafür sorgen, dass das Brustgewebe schlaffer wird? Der französische Mediziner Jean-Denis Rouillon kam in einer Langzeitstudie genau zu diesem Ergebnis. Aber es stellte sich heraus: An der Untersuchung haben vor allem junge, schlanke Frauen mit kleinen Brüsten teilgenommen, also solche, die sich vermutlich sowieso nie Gedanken um die Schwerkraft machen müssen. Rouillon räumt selbst ein, dass Schwangere, Übergewichtige oder ältere Frauen nicht auf einen BH verzichten sollten. Mit entscheidend für die Veränderung der Brüste sind immer ihre Größe und ihr Gewicht.

Wer unter 30 ist, kann der Oberweite öfter mal ein bisschen Freiheit gönnen. © George Rudy / Shutterstock.com

Können BHs schädlich sein?

BHs können mal nerven, zwicken und kneifen, aber können sie auch gefährlich sein? Steigern sie vielleicht sogar das Risiko für Brustkrebs oder Fehlhaltungen? "Ein gut sitzender BH steht in keinem Zusammenhang mit irgendeiner Krankheit", so Fenger. Dass ein BH etwa Brustkrebs befördert, ist ein Gerücht.

Die Betonung liegt aber auf "gut sitzend". Falsch sitzende BHs können nämlich durchaus dazu führen, dass Sie eine falsche Körperhaltung einnehmen, vor allem, wenn Ihre Brüste größer sind. Vor allem bei einem Sport-BH sollten Sie auf jeden Fall darauf achten, dass er trotz guter Unterstützung nicht zu eng sitzt und auch Schweiß gut abtransportiert. "Sonst kann es zu Rötungen der Haut und sogar zu Pilzinfektionen kommen", warnt die Ärztin.

In der Stillzeit rät die Ärztin in jedem Fall zu einem BH, da sich das Gewebe dort sehr stark verändert. Lassen Sie sich da am besten von Ihrem Arzt beraten, denn wenn der BH zu eng sitzt, kann das zu wunden Brustwarzen oder einem Milchstau führen.

Was sind Vorteile eines BHs?

Da Belastung des Gewebes sein Ausleiern befördern kann, ist es schon möglich, dass das Tragen eines gut sitzenden BHs da positiv wirkt. Aber da diese Prozesse, wie gesagt, sehr individuell sind und bei jeder Frau anders verlaufen, ist ein BH eben auch keine Garantie für ewig straffe Brüste. Für manche Frau ist es sicherlich auch eine Gewohnheitsfrage: Wenn Sie sich mit BH wohler fühlen, tragen Sie ihn. Und wenn Sie finden, dass ein schöner BH einfach hübsch aussieht, ist das ein guter Grund mehr.

Kann ich auf einen BH verzichten?

Eins vorweg: Wenn Sie keinen BH tragen möchten, müssen Sie das auch nicht. Keiner kann Ihnen vorschreiben, was Sie mit Ihrem Körper tun sollten. "Ob Ihre Brüste dadurch ausleiern, kann man aber schwer vorhersagen, weil jede Brust sehr unterschiedlich ist", erklärt Schem. Er nennt folgende Faktoren, die die Festigkeit der Brust beeinflussen können:

  1. Die Körbchengröße
    Größere Brüste sind schwerer als kleinere, müssen also mehr aushalten. „Durch diese starke Belastung verliert das Stützgewebe deutlich schneller an Spannkraft als bei leichteren Brüsten“, so der Arzt. Dabei ist es egal, ob Ihre Brüste von Natur aus groß sind, sie übergewichtig sind oder sie eine Brustvergrößerung haben machen lassen.
  2. Ihre Gene
    Ihre genetische Prädisposition kann ebenfalls die Festigkeit Ihres Gewebes beeinflussen. "Wenn an einem Punkt des Körpers das Gewebe weicher ist, ist es das vermutlich auch an anderen Stellen", beschreibt Schem. Kneifen Sie mal in die Haut Ihres Armes oder Ihrer Oberschenkel: Ist das Gewebe straff oder weich? Wenn es eher weich und dehnbar ist, sind Sie wahrscheinlich auch anfälliger für Hängebrüste.
  3. Ihr Lebensstil
    Wie fest Ihr Bindegewebe ist, hängt auch davon ab, wie gesund Sie leben. Wer Sport macht, sich ausgewogen ernährt und viel trinkt, tut seinem Gewebe etwas Gutes. Keine Bewegung, Rauchen oder schlechte Ernährung dagegen machen auch den straffsten Körper schwach.
  4. Ihr Alter
    Mit der Zeit verliert Ihr Körper an Spannkraft. Das ist ein ganz natürlicher Prozess, führt aber zum Beispiel zu Fältchen oder eben auch zu einer schlafferen Oberweite. Wenn Sie aber noch unter 30 sind, müssen Sie sich wenig Gedanken um die Tücken der Schwerkraft machen.
  5. Sie haben Kinder
    Eigentlich haben Sie ja nur aus dem Grund Brüste, damit Sie damit ein Kind ernähren können. Deshalb wachsen sie in der Schwangerschaft und während Sie stillen. Danach ziehen Sie sich aber manchmal nicht mehr vollständig zusammen. Während dieser Zeit sollten Sie deshalb auf jeden Fall BHs tragen, sprechen Sie sich am besten auch mit Ihrem Arzt ab.

"Letztendlich haben die Frauen meistens ein ganz gutes Gefühl dafür, ob Sie einen BH brauchen oder nicht", erklärt Schem. Wenn Sie ohne BH Schmerzen haben und sich körperlich unwohl fühlen, dann tragen Sie lieber einen. Aber gerade, wenn Sie kleinere Brüste haben und noch unter 30 sind, können Sie Ihrer Oberweite ruhig ein bisschen Freiheit gönnen.

Was gibt es für Alternativen zu BHs?

Betonharte, ungemütliche Push-Ups waren gestern. Die Mode hat heutzutage ein riesiges Angebot an verschiedensten Oberteilen hervorgebracht, sodass für jede Frau etwas dabei ist. Wenn Sie sich noch nicht trauen, den BH komplett wegzulassen, können Sie zum Beispiel auf ein bügelloses, wattiertes Modell zurückgreifen. Oder Sie holen sich ein weiches Bustier, das nur minimal stützt. Wenn es ein bisschen sinnlicher sein soll, können Sie nach Bralettes aus Spitze suchen. Oder Sie tragen im Sommer auch im Alltag Ihren Lieblings-Bikini. Probieren Sie es einfach mal aus, die Hauptsache ist, Sie fühlen sich damit wohl damit.

Auf amazon.de können Sie den Bustier-Bestseller von Schiesser kaufen.

Einen verspielten und sinnlichen Bustier gibt es ebenfalls auf amazon.de von Only.

Bügellose, weiche Bustiers stützen nur minimal, sind aber gute Alternativen zum BH. © dturphoto / Shutterstock.com

Kann ich ohne BH Sport machen?

Eher nein. Wenn Sie zu dem Schluss gekommen sind, dem Büstenhalter abzuschwören, probieren Sie's ohne – mit genau dieser einen Ausnahme: "Beim Sport werden die Brüste deutlich stärker belastet als im Alltag, selbst bei kleineren Größen", warnt Fenger. Vor allem in Sportarten, bei denen Sie joggen oder springen, sollten Sie deshalb unbedingt einen Sport-BH tragen. Sonst kann Ihre Oberweite schnell schmerzen und das Bindegewebe wird durch die Belastung stark strapaziert.

Was passiert, wenn ich den BH weglasse?

Sie spielen mit dem Gedanken, den BH einfach mal zuhause zu lassen, trauen sich aber noch nicht so ganz? Keine Sorge, das geht allen Frauen so, die damit angefangen haben. Hier sind ein paar der typischen Gedanken und wie Sie damit umgehen können:

  • "Alle werden gucken."
    Es mag Ihnen vielleicht die erste Zeit so vorkommen, als würden wirklich alle auf die ungewohnt schaukelnden Dinger starren, aber dieser Eindruck täuscht. Tatsächlich ist den meisten ziemlich egal, welche Form Ihre Brüste haben.
  • "Dann sieht man alles"
    Vor allem vor sichtbaren Nippeln haben viele Frauen Angst. Die blitzen unter weichem Stoff tatsächlich auch manchmal hervor, die anderen stört das aber meistens gar nicht. Wenn Sie sich aber nicht derartig entblößen wollen, gibt es spezielle Nippelpflaster oder wattierte Bustiers. Und unter einem dicken Pulli ist sowieso nichts mehr zu sehen.
  • "Das sieht doch nicht schön aus"
    Die individuelle Brustform ist so verschieden wie ein Fingerabdruck. Und wissen Sie was? Alle davon sind schön. Auch die spitzen, die mit großen oder kleinen Nippeln und die asymmetrischen. Sie fühlen sich trotzdem nicht wohl in Ihrer Haut? Dann tasten Sie sich mit BH-Modellen ran, die eine natürlichere Form haben, aber trotzdem alles am Platz halten.
  • "So kann ich nicht in die Arbeit"
    Das kann wiederum bei einigen Jobs tatsächlich eine berechtigte Sorge sein. Wenn das Arbeitsklima eher förmlich ist oder Sie viel Kundenkontakt haben, sollten Sie zumindest in tagsüber einen bequemen BH tragen. Nach Feierabend können Sie Ihre Mädels dann freilassen.
  • "Das tut bestimmt weh"
    Kann sein, muss aber nicht. Probieren Sie es einfach aus: Machen Sie den nächsten Wocheneinkauf ohne BH und schauen Sie, ob bei dieser leichten Bewegung Schmerzen auftreten. Wenn ja, sollten Sie sich ein BH-Modell suchen, das genug Unterstützung bietet, aber trotzdem bequem ist. Wenn die Brustwarzen aufscheuern, können Sie weiche Tops aus Baumwolle unterziehen.

Es gibt viele gute Gründe für und gegen den Büstenhalter, aber Sie sollten wissen, dass Sie keinen BH brauchen, um schöne Brüste zu haben. Probieren Sie in Ihrer Freizeit einfach mal ein paar Varianten aus, denn am Ende liegt die Entscheidung bei Ihnen, womit Sie sich wohlfühlen.

13.03.2019| Tove Hortmann © womenshealth.de
Sponsored Section
Aktuelles Heft