HIV-Symptome Das sollten Sie dringend über HIV wissen

Lange überlegen kann Leben kosten: Machen Sie im Zweifelsfall immer einen HIV-Test! © Olena Yakobchuk / Shutterstock.com

Diese 9 Symptome einer möglichen HIV-Infektion sollte jede Frau kennen. Plus: So können Sie sich auf HIV testen lassen

Hätten Sie gedacht, dass die ersten Symptome einer HIV-Infektion denen einer klassischen Erkältung gleichen? In den ersten Wochen nach einer Infektion bemerken die meisten Neu-Infizierten ein leichtes Fieber, Schwäche und Halsschmerzen. Nach dieser akuten Phase folgt in der Regel die chronische Phase, die anfangs symptomfrei verläuft. Deshalb ist es wichtig, dass Frauen diese 9 möglichen Symptome eine HIV-Neuinfektion kennen. Doch vorab ein paar Fakten.

Neue Zahlen belegen: Viele Menschen machen keinen HIV-Test

Dass HIV beim Sex ohne Kondom übertragen werden kann, das wissen heute fast alle. Und trotzdem würde jede*r Dritte nach ungeschütztem Sex keinen HIV-Test machen, so das Resultat der aktuellen Studie*.

Ein erschütterndes Ergebnis, denn immer noch infizieren sich jedes Jahr Menschen in Deutschland neu mit HIV, 2017 waren es etwa 2.700, so die Zahlen des Robert-Koch-Instituts. 1.100 Deutsche erhielten 2017 ihre Diagnose erst, nachdem sie bereits schwer erkrankt waren. Und 11.400 Menschen in Deutschland wissen nach Hochrechnungen nichts von ihrer Infektion.

Das "Red Ribbon" steht für Solidarität mit HIV-positiven Menschen. © Mikhail Kadochnikov / Shutterstock.com

Zur Erinnerung: Früh erkannt lässt sich das "Humane Immundefizienz-Virus", kurz HIV, mit Hilfe neuer Medikamenten in seiner Vermehrung stoppen. Mit ihrer Hilfe können Infizierte den Ausbruch des Immunschwäche Syndroms AIDS verhindern und ein fast normales, nahezu symptomfreies Leben führen. Auch ist HIV unter Therapie nicht übertragbar.

Je länger Infizierte das HIV-Virus jedoch unbehandelt in sich tragen, desto mehr gesundheitliche Beeinträchtigungen machen ihnen zu schaffen. Das können schwere Infekte aller Art, mit Folgen bis hin zu Hirnschäden sein. Das Dramatische: Ist AIDS erst einmal ausgebrochen, kann das Immunsystem Krankheiten nicht mehr abwehren, die Folge sind schwere, lebendsbedrohliche Erkrankungen. Zwar kann man auch dann noch mit einer Behandlung beginnen. Es bleiben aber oft massive gesundheitliche Schäden zurück. Damit es so weit nicht kommt, sollten Betroffene nach einer Infektion frühzeitig mit der Medikation beginnen. Leider meiden aus Angst vor Stigmatisierung immer noch zu viele Menschen den ersten Schritt: einen HIV-Test.

Wie kann ich mich auf HIV testen lassen?

Es ist tatsächlich der einzige sichere Weg, um herauszufinden, ob Sie infiziert sind: ein HIV-Test. Sexuell aktive Frauen, die ungeschützten Verkehr hatten, sollten sich mindestens einmal pro Jahr testen lassen wenn Sie nicht in einer festen Beziehung sind, in der beide Partner negativ getestet und zuverlässig treu sind.

Es gibt mehrere Testmöglichkeiten, sowohl Labortests beim Arzt, aber mittlerweile auch Selbsttests, die bequem zu Hause durchgeführt werden können. Diese können in der Apotheke gekauft oder sogar einfach online bestellt werden (z.B. hier über amazon.de: Autotest VHI, INSTI oder Exacto). Kosten: zwischen 20 und 50 €. Achten Sie auf das CE-Prüfzeichen der Europäischen Union.

Sicher ausschließen lässt sich eine HIV-Infektion sechs Wochen nach der Ansteckung in einem Labortest oder nach 12 Wochen mit einem Schnelltest. Einen Überblick über HIV-Test-Möglichkeiten finden Sie auf Internetseiten der Deutschen Aids-Hilfe.

HIV-Tests kann man beim Arzt, aber inzwischen auch zuhause machen. © Room's Studio / Shutterstock.com

Wann soll man sich testen lassen?

"Die meisten Menschen registrieren gar nicht, dass sie sich mit HIV infiziert haben", sagt Dr. Michael Horberg, der in den USA zur Behandlung von HIV-Patienten forscht. Anfangs gibt es bei einer HIV-Infektion wie erwähnt oft keine Symptome, und wenn, dann gleichen sie Krankheiten, die auch andere Ursachen haben können. Doch diese 9 Symptome sollten Sie wachsam machen, sie könnten auf eine HIV-Infektion hindeuten.

9 mögliche HIV-Symptome bei Frauen

1. Sie haben Fieber und Erkältungen
Eine immer wieder auftretende, leicht erhöhte Temperatur von etwa 38 Grad Celsius, begleitet von Erkältungen, gehört zu den häufigsten ersten HIV-Symptomen. "Ihr Körper bekämpft einen Fremdkörper, in diesem Fall aber ohne Erfolg", sagt Horberg. Hintergrund: Mit einer erhöhte Körpertemperatur geht der Körper normalerweise erfolgreich gegen schwächere Viren wie Erkältungsviren vor – für HIV reicht leichtes Fieber aber nicht aus. "Wenn die Chance besteht, dass Sie sich infiziert haben, sollten Sie sich bei diesem Symptom auf HIV testen lassen", rät Dr. Horberg.

2. Sie wachen nachts nassgeschwitzt auf
Wenn Sie ohne erkennbare Ursache nachts häufiger so stark schwitzen, dass Sie Pyjama und Bettlaken wechseln müssen, sollten Sie wachsam werden. "Ihr Körper versucht dann, Giftstoffe auszuscheiden", erklärt Experte Horberg.

Nachtschweiß deutet jedoch nicht nur möglicherweise auf HIV hin, sondern kann auch ein Anzeichen für die Menopause oder bestimmte Krebsarten sein. Dr. Horberg: "Nächtliches Schwitzen sollten Sie auf jeden Fall beim Arzt abklären lassen."

Kondome können vor der Übertragung des HIV-Virus schützen. © Josep Suria / Shutterstock.com

3. Sie bekommen Hautausschlag
Einige mit HIV infizierte Menschen entwickeln einen leicht rötlichen Hautausschlag am ganzen Körper, manchmal auch nur in Form von ein paar roten Punkten. Der Ausschlag hält in der Regel mindesten eine Woche an und juckt nicht. Es handelt sich um eine Entzündungsreaktion des Körpers als Antwort auf eine Infektion.

4. Sie haben Halsschmerzen
Entzündliche Reaktionen auf ernsthafte virale Infektionen können auch im Hals stattfinden und Schluckbeschwerden und Rötungen im Hals auslösen. "Viele verschiedene Viren können Halsschmerzen auslösen", sagt Dr. Horberg, "Doch wenn Sie sich Sorgen wegen einer möglichen HIV-Infektion machen, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen."

5. Sie fühlen sich müde und unwohl
"In den ersten Wochen nach einer HIV-Infektion fühlen die meisten sich einfach müde und kränklich“, erklärt Experte Horberg. Die tägliche Routine wird zur Herausforderung. Mögliche Ursache: "Der Kampf gegen das HIV-Virus erschöpft den Körper", so Horberg.

6. Sie haben geschwollene Lymphknoten
Wenn die Lymphknoten am Hals, in den Achseln und in der Leiste geschwollen sind, bedeutet das, dass dort die Produktion Infekt-abwehrender Zellen auf Hochtouren läuft. Horberg: "Mehr als ein Drittel der HIV-Neuinfizierten berichten von geschwollenen Lymphknoten." Auch andere Krankheiten gehen mit diesen Symptomen einher. Wenn Sie Knoten an verschiedenen Körperstellen spüren, sollte das immer ein Anlass sein, einen Arzt aufzusuchen.

7. Sie haben eine Pilzinfektion
Hefepilz besiedeln in der der Regel friedlich Ihren Mund und Ihre Vagina. Zum Problem werden sie nur, wenn sie unkontrolliert wachsen und eine unangenehme, juckende Pilzinfektion auslösen. Und das kann neben anderen Ursachen auch passieren, wenn Sie schon länger mit HIV infiziert sind, ohne behandelt zu werden.

Auch Krankheiten wie Diabetes können zu häufigen Pilzinfektionen führen, und manche Frauen ohne HIV-Infektion fangen sich häufiger einen Pilzbefall ein als andere. Dennoch: Wenn sich die Beschwerden häufen und Sie in letzter Zeit ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten, sollten Sie sich testen lassen.

8. Sie haben Geschwüre im Mund
"Mundgeschwüre sind weiche, runde, weißliche Punkte auf der Lippeninnenseite und können als Entzündungen in Folge der körperlichen Abwehr von HIV-Viren ausgelöst werden", sagt Horberg. Wunde Stellen im Mund können natürlich auch andere Ursachen haben, aber in Kombination mit anderen verdächtigen Symptomen sollte man sie durchaus ernst nehmen.

9. Sie verlieren scheinbar grundlos an Gewicht
"In spätere Stadien einer unbehandelten HIV-Infektion verliert der Körper an Fett- und Muskelmasse", sagt Horberg, "Das Virus verursacht dann einen Appetitverlust und verhindert, dass der Körper Nahrung richtig verwertet." Natürlich schwankt Ihr Gewicht immer mal wieder. Aber wenn Menschen in Ihrem engstem Umfeld Sie darauf ansprechen, sollten Sie wachsam werden.

Mit Medikamenten ist trotz HIV-Infektion ein fast normales Leben möglich. © Olena Yakobchuk / Shutterstock.com

Testen lassen hilft, um HIV unter Kontrolle zu bringen Das 90-90-90-Programm der Vereinten Nationen gegen HIV/AIDS hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 HIV unter Kontrolle zu bringen. Danach sollen 90 % aller Menschen mit HIV von ihrer Infektion wissen, davon 90 % eine antiretrovirale Therapie erhalten und wiederum 90 % dieser Menschen in Therapie eine Viruslast unter der Nachweisgrenze haben. Nur so lässt sich die Seuche beenden.

Keines dieser Symptome bedeutet zwingend, dass eine HIV-Infektion vorliegt. Aber um AIDS zu besiegen, individuell wie gesellschaftlich, muss eine Infektion früh erkannt werden. Sobald Sie in eine Situation gekommen sind, die eine HIV-Infektion möglich gemacht haben könnte, müssen Sie sich testen (lassen). Nur so kann es gelingen, AIDS ein für alle Mal auszurotten.

Mehr Informationen zum Thema HIV finden Sie bei der Deutschen Aids-Hilfe.

* Die im Juli 2018 vom Pharmazie-Unternehmen Gilead Science in Auftrage gegebene Studie "Is HIV sorted?" (Ist HIV unter Kontrolle?) befragte rund 25.000 HIV-negative Erwachsene in zwölf west- und osteuropäischen Ländern, 2.015 davon in Deutschland.

29.01.2019| Christine Naefeke © womenshealth.de
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