Sportkleidung aus Holzfasern und Algen? Klingt erst mal nach Öko-Kompromiss. Tatsächlich setzen immer mehr Sportmarken genau auf diese Materialien – weil sie beim Schwitzen überraschend gut funktionieren.
3 Stoffe, die Polyester den Rang ablaufen
Polyester war jahrzehntelang das Maß der Dinge in der Sportbekleidung: günstig, formstabil, schweißableitend. Doch der Preis ist hoch: Mikroplastik, Erdölabhängigkeit, Geruchsbildung. 3 Materialien fordern den Synthetik-Standard 2026 ernsthaft heraus.
1. TENCEL Lyocell: Warum Holz Polyester beim Schwitzen schlägt
TENCEL ist eine Faser aus Holzzellstoff (Lyocell) des österreichischen Herstellers Lenzing und entsteht aus dem Zellstoff schnell wachsender Bäume wie Eukalyptus. Das Produktionsverfahren läuft in einem geschlossenen Kreislauf, bei dem mehr als 99 Prozent des Lösungsmittels zurückgewonnen werden.
Entscheidend für Sportlerinnen ist die Mikrostruktur: Zwischen winzigen Zellulosefibrillen liegen feine Kanäle, die Feuchtigkeit ins Innere der Faser ziehen, statt sie auf der Oberfläche zu halten.
Was TENCEL beim Workout leistet:
- Mehr Feuchtigkeitsaufnahme: Laut Lenzing kann Lyocell rund 50 Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Baumwolle. Die Feuchtigkeit wird dabei ins Innere der Faser aufgenommen.
- Weniger Geruchsbildung: Eine peer-reviewte Studie im Fachjournal Applied and Environmental Microbiology bestätigt, dass auf wasseranziehenden Zellulosefasern wie Lyocell deutlich weniger Bakterien wachsen als auf Polyester.
- Hautfreundlich: Die glatte Faseroberfläche reduziert Reibung bei langen Lauf- oder Yogaeinheiten.
Schwachpunkt: Reine TENCEL-Stoffe sind kaum elastisch. Für Leggings oder Sport-BHs braucht es eine Stretch-Komponente.
2. SeaCell: Sportkleidung mit Algen – Hautpflege oder Marketingversprechen?
SeaCell des deutschen Herstellers smartfiber ist im Kern ebenfalls eine Lyocell-Faser. In diesem Fall sind fein vermahlene Braunalgen aus den isländischen Fjorden eingearbeitet. Geerntet wird nur der nachwachsende obere Teil der Pflanze.
Die Faser punktet mit denselben funktionalen Eigenschaften wie reines Lyocell. Das eigentliche Verkaufsargument liegt woanders: Die eingeschlossenen Algen enthalten Mineralstoffe und Aminosäuren, die laut Hersteller durch Hautfeuchtigkeit aktiviert und an die Haut abgegeben werden.
Was bei SeaCell realistisch ist:
- Performance auf Lyocell-Niveau: Der Algenanteil liegt im einstelligen Prozentbereich. Funktional verhält sich der Stoff also wie TENCEL.
- Hautpflegender Effekt: Hier lohnt sich Skepsis. Unabhängige peer-reviewte Studien zur dermatologischen Wirksamkeit beim Tragen sind rar. Der pflegende Effekt basiert vor allem auf Herstellerangaben. Als Wundermittel sollte SeaCell deshalb nicht verkauft werden.
3. Recyceltes Elastan: Der unsichtbare Knackpunkt jeder Leggings
Elastan macht in einer Sportleggings oft nur 5 bis 20 Prozent aus, verhindert aber zuverlässig deren Recycling. Klassisches Elastan ist erdölbasiertes Polyurethan und in Mischgeweben das Hauptproblem für die Kreislaufwirtschaft.
2 Innovationen verändern das Bild:
- ROICA EF des japanischen Herstellers Asahi Kasei ist ein recyceltes Elastan aus Pre-Consumer-Abfällen der Faserproduktion. Die Stretch-Performance ist mit konventionellem Elastan vergleichbar.
- ROICA V550 geht noch einen Schritt weiter: Die Faser ist so entwickelt, dass sie sich unter bestimmten Bedingungen teilweise biologisch abbauen kann. Das zeigen Tests nach dem Standard ISO 14855-1.
Wichtig: „Partiell abbaubar" ist nicht „kompostierbar". Eine Leggings mit ROICA V550 verschwindet nicht im Hinterhof-Kompost. Trotzdem unterscheidet sich der Ansatz deutlich von klassischem Elastan.
FAQ: Die häufigsten Fragen zu nachhaltigen Sportfasern
Ja, mit einem Unterschied: Polyester transportiert Feuchtigkeit nur über die Oberfläche, weshalb sich der Stoff oft klamm anfühlt. TENCEL und SeaCell funktionieren beim Schwitzen anders als Polyester: Die Zellulosefasern können Feuchtigkeit ins Faserinnere aufnehmen. Wie schnell ein Sportstoff Schweiß von der Haut wegtransportiert und trocknet, hängt allerdings auch von seiner Verarbeitung und Materialmischung ab.
Reine Zellulosefasern können bei intensiver Beanspruchung ausleiern. Deshalb kombinieren Hersteller TENCEL mit einem kleinen Anteil Elastan, idealerweise recyceltes ROICA. Diese Mischgewebe behalten ihre Passform auch nach vielen Waschgängen.
Bei 30 Grad im Schonwaschgang mit flüssigem Feinwaschmittel waschen, keinen Weichspüler verwenden und an der Luft trocknen. Dank der natürlichen Geruchshemmung reicht es oft, die Kleidung nach moderatem Training nur auszulüften.





