Bei einem Harnwegsinfekt hilft oft schon Wärme gegen die Schmerzen. Marcos Mesa Sam Wordley / Shutterstock.com

Harnwegsinfekte nach dem Sex: Das hilft!

Harnwegsinfekt behandeln und vorbeugen Oje, Blasenentzündung nach dem Sex? Das hilft!

Erst Sex, dann Schmerz – du kennst das Problem? Wie du den Après-Sex-Infekt behandelst und was du tun kannst, um Blasenentzündungen zu vermeiden

Schon beim ersten Ziehen im Unterleib sinkt die Laune ganz tief in den Keller. Kann das wirklich schon wieder der nächste Harnwegsinfekt sein? Ja, es kann. Manche Frauen haben alle 6 Wochen darunter zu leiden.

Aber selbst wer selten mit einer Zystitis zu tun hat, wie Mediziner die Blasenentzündung nennen, sollte über die neuen Therapien Bescheid wissen, denn da hat sich zuletzt sehr viel getan. Nur ist das leider noch längst nicht in allen Praxen angekommen. "Die Blasenentzündung wird viel zu oft falsch behandelt", sagt Urologe und Professor Florian Wagenlehner von der Universität Gießen.

Wie kommt es zu schmerzhaften Harnwegsinfekten?

Auslöser sind sehr oft E.-coli-Bakterien, die normalerweise friedlich im Darm leben und uns dort Gutes tun. Gelangen sie allerdings über die Genitalschleimhaut in die Harnröhre, schaffen sie es auch leicht hinauf bis in die Blase. Bei Frauen müssen sie dazu maximal 4 Zentimeter überwinden.

Dort angekommen, können sie dann mächtig Ärger machen: Im Kampf gegen die Eindringlinge schwillt die Blasenwand an und entzündet sich. Das führt zu dem typischen Ziehen und Brennen beim Wasserlassen, zum Gefühl, ständig aufs Klo zu müssen, und zu krampfartigen Schmerzen.

Wie werden Blasenentzündungen behandelt?

Häufig kommen viel zu schnell Antibiotika zum Einsatz. Das scheint ja auch erst mal sinnvoll, da Harnwegsinfekte wie gesagt sehr oft durch Bakterien bedingt sind. Und weil Blasenentzündungen wahnsinnig unangenehm ist, sind die Patientinnen schnell bereit, ein Antibiotikum zu nehmen – und das verschreiben die Ärzte gern.

Denn bisher wurde ihnen empfohlen, eines zu verordnen, und zwar in der offiziellen klinischen Leitlinie für unkomplizierte Harnwegsinfektionen. Dabei steht genau in demselben Papier, dass 25 bis 42 Prozent dieser Infekte ganz von allein wieder weggehen. Das bedeutet also, dass diese Patientinnen das Antibiotikum in vielen Fällen ganz umsonst schlucken.

Wie so etwas sein kann? Solche Leitlinien haben den Zweck, die aktuelle Datenlage und die daraus abgeleiteten Therapien zu jedem niedergelassenen Arzt zu bringen. Sie beziehen sich streng auf die vorhandenen wissenschaftlichen Untersuchungen.

Wie ist der aktuelle Stand zum Thema Antibiotika bei Harnwegsinfekten?

Bis vor wenigen Jahren gab es keinerlei Studien, die belegt hätten, wie gut Schmerzmittel wie etwa Ibuprofen im Vergleich zu Antibiotika abschneiden. Das ist jetzt anders: Aktuelle Studien zeigen, dass ein Teil der Patientinnen ohne Antibiotika behandelt werden kann.

Das ist sehr sinnvoll, denn ein ganz großes Problem beim Thema Blasenentzündung sind Antibiotikaresistenzen. Das über Jahrzehnte gängige Mittel Cotrim, das noch immer oft verordnet wird, wirkt nicht mehr zuverlässig. "Wir haben inzwischen Resistenzraten von 30 Prozent und mehr", sagt Experte Wagenlehner.

Das heißt, jeder dritte Bakterienstamm reagiert nicht mehr auf Cotrim. Gegen den Wirkstoff Ampicillin sind sogar rund 60 Prozent der Keime resistent. Selbst auf Fluorchinolone, die zu den potentesten Mitteln überhaupt zählen, reagieren inzwischen über 10 Prozent der Erreger nicht mehr ausreichend.

Gibt es Alternativen zum Antibiotikum Cotrim bei Harnwegsinfekten?

Ja, die gibt es und das ist wichtig zu wissen. Denn Resistenzen sind ein weltweites Problem – das hausgemacht ist. Über Jahrzehnte hinweg wurden zu oft zu viele Breitspektrum-Antibiotika verordnet. Solche Mittel wirken gleich gegen verschiedene Keime und ermöglichen dadurch auch mehreren die Anpassung. "Dabei sind sie gerade bei einer Blasenentzündung im Normalfall gar nicht nötig", sagt Wagenlehner. Denn es gibt bessere Alternativen. Dabei handelt es sich um die Antibiotika Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam und Fosfomycin, die ihre volle Wirkung im Urin entfalten und gegen die erst wenige Keime resistent sind.

Ein weiteres Problem: Manchmal versteckt sich hinter dem Ziehen und dem ständigen Drang, zur Toilette zu gehen, auch etwas ganz anderes, etwa eine Reizblase oder eine genitale Infektion wie eine Scheidenentzündung. Nur kommen dann mitunter weder Arzt noch Patientin drauf – einfach weil Blasenentzündungen so häufig sind, dass alles klar zu sein scheint. "Auch hier ließen sich Antibiotika einsparen", meint Wagenlehner.

Seine Arbeitsgruppe hat einen Fragebogen entwickelt, den die Patientin am besten schon im Wartezimmer ausfüllt und der dabei hilft, eine Fehldiagnose zu vermeiden. Es gibt nämlich durchaus Anzeichen, die klar auf andere Krankheiten hinweisen. "Hat die Frau zum Beispiel vaginalen Ausfluss, spricht das gegen eine bakterielle Entzündung der Harnwege", so Wagenlehner.

Welche Auswirkungen haben Antibiotika auf die Scheidenflora?

Wer auf die chemische Keule verzichten kann, tut sich und der Gesundheit nicht selten einen großen Gefallen. Bekanntermaßen machen Breitspektrum-Antibiotika nicht nur die Krankheitserreger platt, sondern auch körpereigene Bakterien. Darunter auch die Milchsäurebakterien in der Scheide. Sie halten die Vagina so sauer, dass andere Keime sich dort nicht wohlfühlen.

Eine gesunde Scheidenflora hilft erwiesenermaßen, Blaseninfekte zu verhindern. Denn wenn weniger E.-coli-Bakterien in der Scheide überleben, gelangen auch weniger von dort – zum Beispiel durch Sex – in die Harnröhre. Denn gerade Sex begünstigt das Entstehen von Blasenentzündungen. "Beim Geschlechtsverkehr werden Bakterien regelrecht in die Harnröhre massiert", erklärt Wagenlehner.

Gilt also die Formel mehr Sex = mehr Blasenentzündungen?

Nicht zwingend. "Manche Frauen können Bakterien einfach schlechter abwehren – ihnen ist die reduzierte Immunabwehr der Blase sozusagen in die Wiege gelegt", so Wagenlehner. Zudem ist bewiesen, dass Keime sich in den Zellen verstecken können, um sich erst wieder auszubreiten, wenn die Antibiotika-Attacke vorüber ist.

Wie kann ich Harnwegsinfekte vorbeugen?

Wer mehr als 3 Blasenentzündungen im Jahr hat, sollte auch zur Vorbeugung etwas tun, zum Beispiel das Immunsystem stimulieren. Dafür gibt es zum Beispiel Tabletten, die mithilfe von E.-coli-Bestandteilen für mehr Abwehrstoffe im Harn sorgen. Wie wirksam diese Mittel wirklich sind, war lange Zeit umstritten, doch inzwischen liegen Studien vor, die dafür sprechen, dass es sich lohnt, sie auszuprobieren.

Bei Cranberrys und Preiselbeeren, denen auch eine positive Wirkung zugeschrieben wird, ist es jedoch genau umgekehrt: Zwar zeigen einige kleinere Untersuchungen eine gute vorbeugende Wirkung. Jedoch kam eine große Übersichtsarbeit des renommierten Wissenschaftsnetzwerkes Cochrane Collaboration zum gegenteiligen Ergebnis.

Was hilft, wenn mich eine Blasenentzündung erwischt hat?

Versuche es erst mal nur mit Schmerzmitteln und Wärmflasche. Zusätzlich kannst du ein pflanzliches Präparat nehmen, etwa aus Liebstöckel, Rosmarin und Tausendgüldenkraut oder Kapuzinerkresse und Meerrettich: "Zu diesen Phytopräparaten gibt es inzwischen größere Studien, die deren Wirksamkeit belegen." Die beiden Letztgenannten enthalten Senföle, die das Anheften der Bakterien an die Blasenschleimhaut verhindern.

Und natürlich gilt: viel, viel trinken, um die Erreger auszuspülen. Am besten sind Wasser oder Tees für Blase und Nieren aus Heilpflanzen wie Brennnessel, Birke, Schachtelhalm oder Wacholder, die die Harnproduktion anregen. Auch gut sind Bärentraubenblätter als Tee oder Kapsel, sie bekämpfen Bakterien.

Ansonsten hatte Mutti recht, als sie dir früher die Hotpants im April verbot und herumnervte, dass du die Bikinihose nach dem Baden wechseln sollest. Kälte zieht nämlich die Blutgefäße zusammen, und eine schlechte Durchblutung bedeutet automatisch auch eine schlechtere Immunabwehr. Abwehr und Ausspülen sind die wichtigsten Abwehrfaktoren beim Harnwegsinfekt. Die Erreger sind ja ständig da, wir tragen sie im Körper immer mit uns herum, und vom Darmausgang zur Harnröhre ist es eben nur ein verdammt kurzer Weg.

Wann muss ich mit der Blasenentzündung zum Arzt?

Wenn alles Genannte nichts bringt, wenn die Beschwerden wiederkommen oder Fieber hinzukommt, solltest du eine Praxis aufsuchen. Ganz wichtig: Gib dort an, welche Antibiotika du in den letzten Jahren genommen hast. Es ist absolut nicht übertrieben, jeden dieser Beipackzettel als Gedächtnisstütze aufzuheben oder die Packungen abzufotografieren.

Denn der Kontakt mit einem bestimmten Wirkstoff macht es sehr viel wahrscheinlicher, dass sich in körpereigenen Bakterien Resistenzen entwickelt haben. "Die Antibiotika-Anamnese gehört heutzutage immer dazu", so Wagenlehner. "Der Arzt sollte von sich aus danach fragen."

Wie beugt man Harnwegsinfekte nach dem Sex vor?

Die Lust auf Sex vergeht, wenn du als Folge fast immer einen Harnwegsinfekt bekommst. Aber dagegen lässt sich vorbeugen. So funktioniert die Prävention:

    • Richtig cremen: Verzichte auf normale Gleitcremes und benutze stattdessen ein Produkt, das die Vaginalflora gleichzeitig stärkt, etwa eins mit Milchsäurebakterien.
    • Sauer sein: Nimm direkt nach dem Sex ein Vaginalzäpfchen, das die Scheide ansäuert und so den pH-Wert senkt.
    • Leer machen: Gehe nach dem Sex direkt aufs Klo und entleere die Blase vollständig.
    • Wieder auffüllen: Am besten gleich jetzt möglichst viel Wasser trinken.
    • Besser verhüten: Spermizide Zäpfchen und beschichtete Kondome bringen die Vaginalflora durcheinander. Auch hormonelle Verhütungsmittel können die Vaginalflora beeinflussen und damit Blasenentzündungen begünstigen. Besprich mit der Gynäkologin, welche Methode für dich am besten ist. Diese hormonfreien Verhütungsmethoden solltest du kennen.

Die auch "Honeymoon"-Krankheit genannte Blasenentzündung nach dem Geschlechtsverkehr lässt sich durch die Vaginalzäpfchen und kluge Verhütung verhindern. Und wenn dich doch ein Harnwegsinfekt trifft, lass dir nicht gleich Antibiotika verschreiben, sondern probiere es mit unseren Tipps. Du wirst sehen, sie helfen in den allermeisten Fällen.

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