Emotionaler Stress kann das Herz ernsthaft gefährden, man spricht dann vom Broken-Heart-Syndrom. fizkes / Shutterstock.com

Broken-Heart-Syndrom Gebrochenes Herz: So gefährlich ist Liebeskummer

Starker emotionaler Stress kann tatsächlich den Herzmuskel schwer schädigen, auch bei jungen Menschen. Das musst du wissen

Wenn eine große Liebe abrupt endet oder ein geliebter Mensch plötzlich stirbt, heißt es schnell: "Es hat mir das Herz gebrochen". Eine Formulierung, die nicht nur im übertragenen Sinn stimmen kann. Denn starker emotionaler Stress kann tatsächlich deinen Herzmuskel schwerwiegend schädigen. Mediziner sprechen dann von einem Broken-Heart-Syndrom oder der Tako-Tsubo-Kardiomyopathie.

In diesem Artikel:

Mit dieser Diagnose ist nicht zu spaßen. Wir sagen dir, auf welche Symptome du achten musst und wie du die schlimmste Gefahr überstehst.

Was ist das Broken-Heart-Syndrom?

Beim Broken-Heart-Syndrom bricht das Herz nicht, wie das Wort auf verwirrende Weise vermuten lässt. Es handelt sich dabei vielmehr um eine akut auftretende Herzmuskelerkrankung. Im Gegensatz zum Herzinfarkt, bei dem die Herzkranzgefäße betroffen sind, wirkt sich das durch emotionalen Stress verursachte Syndrom auf den linken Herzmuskel bzw. die Pumpleistung des Herzens aus und kann zu Herzrhythmusstörungen und plötzlichem Herztod führen.

Emotionaler Stress kann das Herz ernsthaft gefährden, man spricht dann vom Broken-Heart-Syndrom.
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Der Herzmuskel kann durch Kummer erkranken, brechen kann das Herz zum Glück aber nicht.

Herz-Forscher vermuten, dass es vermutlich eine genetische Disposition für das Broken-Heart-Syndrom gibt. "Es scheint, dass bestimmte Bereiche des Gehirns, die für die Verarbeitung von Gefühlen wichtig sind, mit anderen Gehirnarealen schlechter kommunizieren als bei Gesunden", erklärt Dr. Stephanie Grabhorn, Chefärztin der Psychosomatischen Akutklinik Blomenburg in Selent, "Aus diesem Grund funktioniert die Stressverarbeitung und die Emotionsregulation nicht optimal."

Welche Ursachen hat ein Gebrochenes-Herz-Syndrom?

Emotionaler Stress, der das Herz angreift, kann unterschiedliche Ursachen haben: Es kann ein Trauerfall, eine Trennung oder ein schockierendes Erlebnis zugrunde liegen.

Eine Studie im Journal of Epidemiology and Community Health zeigt, dass Menschen nach dem Tod nahestehender Personen oft selbst versterben. Bei Eltern zum Beispiel, die ein Kind (zwischen 10 und 17 Jahren) verlieren, ist das Sterberisiko im folgenden Jahr um 31 Prozent erhöht. Einen Ehepartner, ein Geschwister oder ein Kind zu verlieren wurde bereits in mehreren Langzeit-Studien mit einer höheren Todesrate in Verbindung gebracht.

Betrifft das Broken-Heart-Syndrom besonders Frauen?

Tatsächlich sind Frauen, vor allem nach den Wechseljahren, häufiger betroffen als Männer. Das scheint damit zusammenzuhängen, dass Frauen mit abfallenden Östrogenspiegel anfälliger für die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol sind. Eine starke Ausschüttung dieser Stresshormone kann leichter die Herzmuskelzellen schädigen und die Pumparbeit des Herzens stören, so die Expertin. Es wird vermutet, dass 2 bis 8 Prozent der Frauen, die mit einem Verdacht auf einen Herzinfarkt behandelt werden, eigentlich am Broken-Heart-Syndrom leiden.

Das Broken-Heart-Syndrom ist also weit mehr als ein kitschiger Begriff für Liebeskummer, es ist eine schwerwiegende Herzerkrankung.

Starker, plötzlicher Liebeskummer kann das Broken-Heart-Syndrom auslösen.
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Emotionaler Stress, wie er zum Beispiel bei einer Trennung entsteht, kann zum Broken-Heart-Syndrom führen.

Was passiert beim Broken-Heart-Syndrom?

Das Herz ist in seiner regulären Funktion gestört. "Die Stress-Kardiomyopathie betrifft in der Regel die Funktion der linken Herzkammer", so Dr. Garbhorn, "Dazu ist die Hauptschlagader gleichzeitig deutlich verengt, sodass das Herz Probleme hat, das Blut in den Körper zu pumpen."

Übrigens: In den 90er Jahren entdeckten japanische Wissenschaftler erstmals bei Broken-Heart-Patienten, dass deren Herzmuskel teilweise gelähmt und die linke Herzkammer wie ein Ballon aufgebläht war. Die optische Veränderung des Herzens erinnerte sie an eine typische japanische Krakenfalle aus Ton, deshalb gaben sie der Krankheit deren Namen: Tako-Tsubo.

Woran erkenne ich ein Tako-Tsubo-Syndrom?

Die Symptome ähneln stark einem Herzinfarkt: Betroffene leiden meist unter einem Engegefühl in der Brust, haben Atemnot und starke Herzschmerzen, die sich bis zu einem sogenannten Vernichtungsschmerz steigern können. Auch kann es zu Übelkeit, Oberbauchbeschwerden, Erbrechen und Schweißausbrüchen kommen.

Erst eine Röntgenaufnahme im Krankenhaus verschafft Klarheit, ob die Herzkranzgefäße oder die linke Herzkammer betroffen sind.
Es gibt Schätzungen, wonach etwa 2 Prozent der Patienten Herzinfarkt-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert werden, an einem Broken-Heart-Syndrom leiden. Verglichen mit anderen Herzleiden ist es also äußerst selten, betrifft aber vor allem Frauen.

Welche Folgen hat ein Broken-Heart-Syndrom?

"Aufgrund der schwachen Pumpfunktion der linken Herzkammer treten Beschwerden einer Herzschwäche auf", erklärt die Fachärztin für Pyschosomatik, "So staut sich zum Beispiel Blut in der Lunge und in den venösen Gefäßen, weil das Herz seine Pumpleistung nicht mehr schafft. Auf diese Weise kann es zu Beinödemen und Wasser in der Lunge kommen."

Bei einem Broken-Heart-Syndrom handelt es sich eindeutig nicht um einen Herzinfarkt, dennoch kann es in seltenen Fällen trotzdem zu Herzrhythmusstörungen mit plötzlichem Herztod kommen.

Wie kann man einem Gebrochenen-Herz-Syndrom vorbeugen?

Da die Forschung hier noch recht am Anfang steht und bis dato wenig Studien vorliegen, lassen sich über die Prävention bisher keine wissenschaftlich fundierten Aussagen treffen. "Neben psychosomatisch bedingten Ursachen, hat vermutlich auch die genetische Disposition, bzw. der Erbfaktor Einfluss auf den Ausbruch und Verlauf der akut auftretenden Herzmuskelerkrankung", so Dr. Grabhorn.

Broken-Heart-Symptome ähneln Herzinfrakt-Symptomen: Du solltest dann immer einen Notarzt rufen.
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Bei starken Schmerzen in der Brust und Atemnot solltest du immer den Notarzt rufen, es könnte ein Herzinfarkt oder ein Broken-Heart-Syndrom dahinter stecken.

Wie wird das Broken-Heart-Syndrom behandelt?

Ein festgelegtes Behandlungskonzept gibt es bisher nicht. "Grundsätzlich hat das Broken-Heart-Syndrom bei der richtigen Therapie aber eine gute Prognose. Neben medikamentösen Maßnahmen, wie z. B. dem Verabreichen eines Betablockers, spielt die Psychotherapie eine wichtige Rolle bei der symptomatischen Bekämpfung", so die Expertin.

Wichtig ist, die Herzgesundheit nach dem Ereignis lange beim Kardiologen überwachen zu lassen. Sinnvoll ist auf jeden Fall auch eine psychologische Betreuung, um einen Rückfall vorzubeugen.

Herzprobleme aus Kummer sind nicht weniger gefährlich als ein Herzinfarkt. Auch wenn du Herzinfarkt-Symptome eindeutig auf emotionalen Stress zurückführen kannst, solltest dennoch immer sofort den Notarzt rufen.

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