Wer mit dem Rauchen aufhört, muss mit Entzugserscheinungen rechnen Piotre Marcinski / Shutterstock.com

Die Nebenwirkungen beim Rauchstopp

Ex-Raucherinnen-Krankheit Probleme beim Aufhören: Nebenwirkungen beim Rauchstopp

Wenn du mit dem Rauchen aufhörst, muss mit diesen 8 Nebenwirkungen rechnen. Halte trotzdem durch! Entzugserscheinungen sind normal und wir sagen dir, was dagegen hilft

Du hast aufgehört zu rauchen oder hast es fest vor? Glückwunsch! Halte in jedem Falle durch, auch wenn du im Anschluss möglicherweise mit ein paar unangenehme Begleiterscheinungen zu tun hast wie Schlafprobleme oder Gewichtszunahme. Denn das gehört zur Entwöhnung leider dazu, lässt sich aber alles in den Griff kriegen.

Die hier aufgeführten 8 Nebenwirkungen sind beim Rauch-Stopp ganz normal und gehen schnell vorüber. Unser Experte, der Lungenarzt und Suchtexperte Dr. Alexander Rupp, erklärt dir zudem, was dir hilft, damit du trotz Entzugserscheinungen nicht wieder rückfällig zu wirst.

Was passiert im Körper, wenn du aufhörst zu rauchen?

Wenn du mit dem Rauchen aufhörst, sinkt der Nikotinspiegel im Blut, wodurch zu Beginn der Entwöhnungsphase ein hormonelles Ungleichgewicht im Körper ausgelöst wird. "Nikotin setzt als Droge direkt im Belohnungszentrum des Gehirns an und bewirkt, dass das Glückshormon Dopamin und zahlreiche andere Botenstoffe freigesetzt werden", erklärt Dr. Rupp, "Wird das Nikotin entzogen, entsteht im Gehirn ein Mangel an diesen Substanzen, was dazu führt, dass Entzugserscheinungen auftreten." Studien zeigen bei Rauchern auf Entzug eine deutlich verringerte Dopamin-Produktion.

Neben den erwähnten Glückshormonen, die durch das Nikotin frei werden, sorgt vor allem die Ausschüttung von Adrenalin dafür, dass du dich nach dem Rauchen fit und leistungsfähig fühlst und auch deine Konzentrationsfähigkeit steigt. Diese Effekte fallen mit dem Nikotinentzug dann mit einem Male weg.

"Die gute Nachricht ist, dass eine körperliche Nikotinentwöhnung in den meisten Fällen sehr schnell abgeschlossen ist. Nach einigen Tagen ist für die meisten nach dem Rauch-Stopp das Gröbste überstanden", sagt Dr. Rupp. (Klingt gut? So wirst auch du Nichtraucherin.)

Was sind typische Entzugserscheinungen bei Ex-Rauchern?

"Sehr häufig kommen emotionale Verstimmungen wie Gereiztheit, Nervosität und Unruhe vor. Auch Müdigkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten können auftreten", erläutert Dr. Rupp, "Durch einen gesteigerten Appetit kann es außerdem nach dem Rauch-Stopp zu einer Gewichtszunahme kommen."

Welche Nebenwirkungen können nach dem Rauch-Stopp auftreten?

Mit diesen 8 Entzugserscheinungen muss du leider kurzfristig rechnen. Aber du kannst gegen die Symptome auch etwas tun.

1. Übellaunigkeit

Nach dem Rauch-Stopp treten oft Stimmungsveränderungen wie Gereiztheit, Unruhe, Nervosität bis hin zur Aggression und depressiven Verstimmung auf. Dies liegt daran, dass durch den Nikotinentzug im Gehirn weniger Serotonin und Dopamin produziert werden. Diese Hormone sorgen normalerweise für einen Belohnungseffekt und Glücksgefühle. Fehlen diese, verschlechtert sich die Stimmung.
Das hilft: Abhilfe kann alles schaffen, was die Stimmung hebt. Bewegung an der frischen Luft und viel Licht. Soziale Kontakte und die Beschäftigung mit Dingen, die du gerne tust. Baue regelmäßige Belohnungen in deinen Alltag ein: ein kurzer Spaziergang statt Raucherpause bei der Arbeit, oder ein Wellness-Wochenende, das du mit dem Geld finanzierst, das du durch den Rauch-Stopp sparen konntest. Gute Nachricht: Studien zeigen, dass eine Rauch-Stopp langfristig die Laune sogar bessert und die Gefahr von Angststörungen verringert.

2. Starkes Verlangen zu rauchen

Beim Rauchen gelangt das Nikotin in Sekundenschnelle durch einen "Kick" ins Gehirn. Nikotin dockt im Gehirn direkt im Belohnungszentrum an und löst Wohlbefinden und Entspannungsgefühle aus. Wiederholt sich dieser Vorgang, lernt das Gehirn schnell, dass das Rauchen einer Zigarette mit positiven Gefühlen verbunden ist. Durch eine Konditionierung wird das Verlangen nach der nächsten Zigarette ausgelöst, die Sucht wird gestärkt. Dabei sind eine Menge psychologischer Mechanismen am Werk, die besonders am Anfang, aber zum Teil auch noch lange nach dem Rauch-Stopp, ein Rauchverlangen auslösen können.
Das hilft: Versuche, eingefahrenen Verhaltensweisen zu verändern. Mache dir bewusst, welche Situationen dein Rauchverlangen triggern. Diese können zum Beispiel Stress, Einsamkeitsgefühle, der Wunsch nach einer Pause, aber auch Party-Abende mit Freunden oder der Kaffee morgens sein. Dann solltest du dir konkret für diese Situationen alternative Verhaltensweisen überlegen.

3. Gewichtszunahme

Nikotin wirkt zum einen als Appetitzügler und erhöht durch seine sympathomimetische, also anregende Wirkung den Ruheenergieumsatz. Raucher benötigen so bei einer täglichen Dosis von 25 Zigaretten ungefähr 200 kcal mehr Energie pro Tag. In der Konsequenz kommt es beim Nikotinentzug laut Studien bei bis zu 80 Prozent der Personen zu einer Gewichtszunahme von etwa 4-5 Kilo innerhalb eines Jahres. Der Grund dafür ist unter anderem, dass sich der Ruhemetabolismus nach dem Rauch-Stopp verlangsamt.
Das hilft: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßiger Sport helfen, das Gewicht konstant zu halten. Eine strenge, kalorienreduzierte Diät ist nicht zu empfehlen, da diese den Energieumsatz des Körpers zusätzlich senkt und sich diese auch negativ auf die Stimmung auswirken kann, die bei vielen Aufhörern ohnehin schon leidet. Außerdem solltest du darauf achten, die fehlende Zigarette nicht mit Süßigkeiten zu kompensieren, sondern eher auf Obst oder Gemüsesticks zurückzugreifen.

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4. Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfweh

Die Aufnahme von Nikotin führt zu einer Ausschüttung von Adrenalin. Wird Adrenalin ausgeschüttet, stellt der Körper Energiereserven bereit und die Blutgefäße werden erweitert, so wird das Gehirn für einen kurzen Zeitraum besser durchblutet und mit Energie versorgt. Deshalb hat Adrenalin unter anderem eine anregende, konzentrationsfördernde Wirkung. Beim Nikotinentzug wird weniger Adrenalin ausgeschüttet, was dazu führen kann, dass man müde wird, Kopfschmerzen bekommt und es zu Konzentrationsproblemen kommt.
Das hilft: Auch hier hilft Bewegung an der frischen Luft und viel Licht. Eine gesunde Ernährung und viel Trinken tragen dazu bei, dass dein Körper seine Nährstoffe, Vitamine und Mineralien erhält. Eine kurze Pause mit Spaziergang sorgt dafür, dass der Kreislauf angekurbelt und das Gehirn gut durchblutet wird und mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird.

5. Erkältungssymptome

In den ersten 1 bis 2 Wochen nach dem Rauchstopp können Erkältungen und kleine Geschwüre im Mundbereich auftreten. Vor allem Halsschmerzen, Husten und Niesanfälle kommen häufig bei frisch gebackenen Nichtrauchern vor. Die kurzzeitig erhöhte Anfälligkeit für Infekte liegt wahrscheinlich daran, dass die antibakterielle Wirkung des im Speichel gelösten Nikotins nicht mehr vorhanden ist. Außerdem sinkt im Speicheln der Anteil an Immunglobulin A, einem Antikörper, der eine Abwehrbarriere gegen Krankheitserreger bildet.
Das hilft: Alles, was das Immunsystem stärkt. Bewegung an der frischen Luft und eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit viel Vitamin C hilft, auch nach dem Rauch-Stopp gesund zu bleiben.

6. Verstärkter Raucherhusten

Nach dem Rauch-Stopp kann sich in den ersten Wochen der Raucherhusten vorübergehend verschlimmern. Durch das Rauchen gelangen Giftstoffe, Teer und Feinstaub in die Luftröhre und Bronchien. Diese verkleben die feinen Flimmerhärchen, die normalerwiese an Schleim gebundenen Schmutz aus der Lunge transportieren. Ein Abtransport der Schadstoffe ist dann nicht mehr möglich. Nach einem Rauch-Stopp erholen sich die übrig gebliebenen Flimmerhärchen und nehmen ihre Funktion wieder auf. So kommt erst einmal mehr Schmutz durch die Luftröhre nach oben, der abgehustet werden muss.
Das hilft: Sport kann helfen, die Symptome schneller in den Griff zu bekommen. Durch viel Bewegung erholt sich die Lungenfunktion schneller, die Atemnot verschwindet und der Husten lässt schneller nach.

7. Wechselwirkungen mit Medikamenten

Die Leber von Rauchern produziert mehr Enzyme, die Schadstoffe schneller metabolisieren, damit diese aus dem Körper abtransportiert werden können. Diese Enzyme verstoffwechseln auch manche Medikamente schneller, die die Raucher im Falle von Erkrankungen einnehmen müssen. Nach dem Rauch-Stopp kann es daher in seltenen Fällen zu Überdosierungen der Medikamente kommen, da diese nicht mehr so schnell abgebaut werden. Ein weiteres Problem besteht darin, dass Nikotin die Blutgefäße verengt, was die Aufnahme von gespritztem Insulin bei Diabetikern verlangsamen kann. Ein Rauch-Stopp kann hier durch eine bessere Durchblutung des Gewebes zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) führen.
Das hilft: Wenn Medikamente eingenommen werden, hilft vor dem geplanten Rauch-Stopp ein ärztliches Gespräch zur Abklärung.

8. Schlafprobleme

Der Konsum von Nikotin führt bei Rauchern dazu, dass sich Tiefschlafphasen verkürzen und leichtere Schlafphasen zunehmen. Dies ist auf den anregenden Effekt von Nikotin zurückzuführen. Wenn man mit dem Rauchen gerade aufgehört hat, stellt sich das Gehirn um, es kommt Studien zufolge zu schlechterem Schlaf und häufigerer Müdigkeit. Außerdem verlängern und intensivieren sich nach dem Aufhören die REM-Schlafphasen, was zu lebhaften Träumen führen kann.

Das hilft: Um diese Erscheinung abzumildern, solltest du ab dem frühen Nachmittag kein Koffein mehr zu dir nehmen. Es hilft außerdem, abends entspannenden Tätigkeiten nachzugehen und blaues Licht, welches von Bildschirmen und Handys ausgestrahlt wird, zu vermeiden. In hartnäckigen Fällen kannst du auch zu einem Baldrian-Tee greifen, oder eine heiße Milch mit Honig trinken.

Wie lange halten die Beschwerden nach dem Rauch-Stopp an?

Das ist individuell verschieden. Manche Neu-Ex-Raucher haben Glück und entwickeln nur wenige Symptome, andere trifft es leider härter. Spätestens jedoch nach 2 Wochen sind auch die hartnäckigsten körperlichen Entzugserscheinungen verschwunden.

Was hilft bei starken Entzugserscheinungen?

Sind die Entzugserscheinungen besonders stark, können auch Medikamente unterstützend wirken. "Der Goldstandard bei der Tabakentwöhnung ist die Verhaltensänderung, die bei starker Abhängigkeit oder bei starken Entzugssymptomen mit einer medikamentösen Therapie kombiniert werden kann", erklärt Dr. Rupp. "Besonders langjährige, starke Raucher können von Nikotinersatzpräparaten oder anderen Entwöhnungsmedikamenten profitieren." Wende dich in dem Fall an deine Hausärztin bzw. deinen Hausarzt.

Nicht mehr rauchen: Was hilft mir, nicht rückfällig zu werden?

Sind die körperlichen Symptome überstanden, kann es trotzdem noch zu Rückfällen kommen. Schuld daran ist die psychische Abhängigkeit, die auch lange Zeit nach dem Rauch-Stopp noch vorhanden sein kann. Besonders in bestimmten Situationen, beispielsweise in stressigen Momenten oder beim Ausgehen mit Freunden, berichten Raucher von einem plötzlichen Rauchverlangen. Allerdings kann Studien zufolge auch gerade ein unterstützendes Umfeld helfen, abstinent zu bleiben. Gute Freunde sind also wichtig!

Auch wichtig: gute Durchhalte-Strategien, die kannst du in Kursen erlernen. Oder per Handy: Die NichtraucherHelden GmbH, bietet eine Smartphone-App an, die Rauch-Stopper auf dem Weg zur Tabakabstinenz über 3 Monate begleitet und unterstützt. Geschäftsführer Andy Bosch: "Wir fahren mit dem Konzept unseres Programmes den Ansatz der Verhaltenstherapie, der sich in Studien als erfolgversprechend erwiesen hat." Die App ist vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als "App-auf-Rezept" anerkannt. Wird sie von Arzt oder Ärztin per Rezept verordnet, werden die Kosten vollständig von der Krankenversicherung übernommen. Infos auf der Homepage der NichtraucherHelden.

Entzugserscheinungen hin oder her: Bereits 20 Minuten nach der letzten Zigarette beginnt die Regeneration! Schon nach wenigen Tagen kannst du besser atmen, riechen und schmecken. Nach 6 Monaten sinkt dein Infektrisiko, nach einem halben Jahr ohne Zigarette halbiert sich dein Herzinfarktrisiko. Von jedem Tag ohne Nikotin profitiert dein Körper. Durchhalten lohnt sich!

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Weniger rauchen hilft nicht, wenn du ganz mit dem Rauchen aufhören willst.
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