Schnittwunden solltest du nicht mir Spucke aussaugen, sondern mit Desinfektionsspray desinfizieren New Africa / Shutterstock.com

Schnittwunden richtig behandeln

Wunden selbst versorgen So behandelst du Schnittwunden richtig

Schnittwunden sind oft nur kleine Hautritze, die aber verdammt weh tun können und sich schnell entzünden. Wie du sie optimal versorgst, erfährst du hier

Ob beim Gemüseschnibbeln, Papier aus dem Drucker ziehen oder bei der Gartenarbeit - eine Schnittwunde zieht man sich schnell zu. Meist sind die Wunden gar nicht so groß, schmerzen tun sie aber trotzdem fies.

Wichtig: Selbst wenn sie nicht bluten, solltest du sie zügig verarzten. Sonst drohen schmerzhafte Entzündungen und du hast noch lange Ärger damit. Wie du eine Schnittwunde richtig behandelst, erfährst du hier.

Wie versorge ich eine akute Schnittwunde am besten?

Du hast dir beim Hantieren mit dem Küchenmesser oder der Schere eine kleine, blutende Schnittwunde zugezogen? In der Regel kannst du sie gut allein verarzten. Die wichtigsten Tipps:

  • "Das wichtigste ist erst einmal, eine Blutstillung zu erzeugen", sagt Dr. Christian Merkel vom Haut- und Laserzentrum an der Oper in München, "Und das erreicht man am besten, indem man auf die Wunde drückt, so dass die Gefäße sich schließen und die Blutgerinnung einsetzt." Achte drauf, mit einem sauberen Tuch oder besser einem sterilen Verband auf die Wunde zu drücken.
  • Im zweiten Schritt solltest du die Wunde unbedingt desinfizieren, um eine Entzündung zu vermeiden, am besten mit einem Desinfektionsspray (z.B. octenisept Wund-Desinfektions Spray). Durch die Corona-Pandemie haben die meisten von uns ein Desinfektionsmittel wie z.B. Sterilium ja auch immer griffbereit, das tut es natürlich auch.
  • Wenn du kein Desinfektionsmittel in Griffweite hast, solltest du 10 bis 15 Bluttropfen aus der Wunde herausdrücken, bevor du sie mit Druck verschließt, rät Dr. Merkel. Auf diese Weise können in die Wunde gelangte Bakterien und Keime abfließen, die Entzündungen auslösen könnten.
  • Auch ein Alaunstift, den dein Freund vielleicht zum Stillen von Rasur-Schnitten im Bad parat hat, kann dir im Zweifelfall gute Dienste leisten: Alaunstifte enthalten verschiedene Salze, die eine zusammenziehende Wirkung auf das Hautgewebe haben, so dass sich die Blutgefäße schnell wieder schließen. Außerdem hemmt Alaun das Bakterienwachstum.
  • Auch nicht-blutende Schnittwunden sollten unbedingt desinfiziert werden. "Unsere Haut bildet eine Barriere und hat eine Schutzfunktion", so der Dermatologe, "Ist diese Barriere verletzt, können Bakterien eindringen, auch wenn kein Blut fließt."
  • Übrigens: Die Tipps unserer Großmütter, eine Wunde auszusaugen oder darauf zu pusten, solltest du nicht befolgen. "Unsere Mundhöhle bevölkern eine Vielzahl von Bakterien, die nicht in eine offene Wunde gelangen sollten, weil sie dort Entzündungen auslösen können", erklärt Dr. Merkel.
  • Gleiches gilt, wenn Wunden gereinigt werden müssen, zum Beispiel weil sich Partikel eines zerbrochenen Glases oder Schmutz darin befinden: Spüle sie mit klarem Wasser heraus, nicht mit Spucke.
  • By the way: Check in deinem Impfheft, ob deine Tetanus-Impfung noch aktuell ist! "Sie muss alle 10 Jahre aufgefrischt werden", sagt Dr. Merkel, "Eine Tetanus-Infektion sollte man nicht unterschätzen, nicht selten verläuft sie tödlich." Tetanusbakterien kannst du dir überall, im Straßenstaub und bei Kontakt mit Erde, über offene Hautstellen einfangen.

Wie verbinde ich eine Schnittwunde?

"Bei kleinen Schnittwunden reicht ein normales Pflaster", sagt der Münchner Dermatologe. Wähle am besten ein atmungsaktives Pflaster, damit eine Luftzirkulation möglich ist. Sonst können sich feuchte Kammern entstehen, in denen sich Bakterien und Keime vermehren können.

Größere, stark blutende Schnittwunden brauchen womöglich erst einmal eine stärkere Kompression, z.B. durch eine Mullkompresse oder einen Druckverband, die die Wunde nicht nur vor Bakterien und Keimen schützen, sondern auch geschlossen halten.

Heilsalbe wie Bepanthen auf die frische Wunde zu geben, hilft bei der Heilung, hält Hautarzt Dr. Merkel aber nicht für zwingend notwendig: "Heilsalben wirken beruhigend und schaden nicht, aber die Haut heilt auch ohne sie."

Wie erkenne ich, dass eine Schnittwunde entzündet ist und ärztlich behandelt werden muss?

Bei diesen Entzündungszeichen einer Wunde solltest du eine dermatologische Praxis aufsuchen:

  • Rötung
  • Schwellung
  • Schmerzen
  • Überwärmung

In diesen Fällen scheinen Bakterien und Keime in die Wunde gelangt zu sein und müssen z.B. mit antibiotischen Cremes behandelt werden, für die du aber ein ärztliches Rezept brauchst. Meist tauchen diese Anzeichen erst 1 bis 2 Tage nach der Verletzung auf.

Nimm Entzündungen nicht auf die leichte Schulter: Es könnte sich eine schmerzhafte Wundrose daraus entwickeln, mit Fieber und Schüttelfrost als Begleiterscheinung. Sie entsteht, wenn Bakterien in die Lymphgefäße der Haut eindringen.

"Wenn eine Wunde stark und über 30 Minuten lang blutet, sollte man eine ärztliche Notaufnahme aufsuchen", rät Dr. Merkel. Offen klaffende Wunden gehören immer in ärztliche Behandlung, um einen größeren Blutverlust zu vermeiden und womöglich in Mitleidenschaft gezogene Nerven, Muskeln, Sehnen und Bänder zu versorgen. Auch bilden sich bei nicht professionell versorgten Wunden stärker ausgeprägte Narben.

Wie lange dauert es, bis Schnittwunden verheilen?

Das hängt davon ab, wo du dich geschnitten hast. Ein Schnitt im Gesicht, zum Beispiel durch die Rasur, heilt meist innerhalb von 2 bis 3 Tagen, so unser Experte.

An den Händen und Füßen brauchst du in der Regel bis zu 2 Wochen Geduld. Der Grund: "Je weiter eine Wunde vom Herzen entfernt ist, desto geringer ist die Blutzirkulation und desto länger dauert deshalb die Heilung", so Dr. Merkel. Auch sind Hände und Füße ständig in Bewegung, deshalb reißen die Stellen leicht wieder auf.

Warum schmerzen kleine, z.B. mit scharfen Papierkanten zugezogene Schnittwunden meist mehr als große?

Das liegt weniger an der Tiefe des Schnittes als am Körperteil. "Die Nerven liegen an der Oberfläche der Haut", erklärt Dermatologe Dr. Merkel, "Deshalb müssten kleine Schnitte eigentlich weniger schmerzen als große bzw. längere." Aber nicht jedes Körperteil ist hat gleich viele Schmerzrezeptoren.

Deine Finger sind deine wichtigsten Tastorgane und mit besonders vielen Rezeptoren ausgestattet. Wenn du mit Papier hantierst, schneidest du dir meistens in eine Fingerkuppe, die besonders viele Schmerzrezeptoren besitzt. Kein Wunder, dass Schnitte dir dort stärker weh tun als an anderen Körperpartien.

Gibt es Tipps, wie Schnittwunden schneller heilen?

Wenn du deine Schnittwunde gleich gut versorgst, also desinfizierst und mit einem Pflaster vor Bakterien und Keimen schützt, hast du schon das Wesentliche zu einer schnellen Heilung beigetragen.

Sitzt die Wunde an einer Körperstelle, die häufig in Bewegung ist, wird sie schneller wieder aufbrechen, was den Heilungsprozess natürlich verlängert, logisch. Wenn möglich, schütze die betroffene Stelle lange mit einem gut gepolsterten Pflaster.

Ein Wundgel (z.B. MediGel oder BepanGel) kann die Heilung beschleunigen und Narben vorbeugen: Studien belegen, dass feuchte Wunden schneller heilen als trockene.

Auch solltest du eine frische Wunde nicht dem direkten Sonnenlicht aussetzen, da UV-Strahlen frisches Narbengewebe schädigen und so die Heilung verzögern. Auch sichtbar bleibende Narben sind durch Sonnenexposition wahrscheinlicher.

Und rauche nicht: Wer Zigaretten raucht, muss mit einer längeren Heildauer rechnen. Denn das Nikotin im Blut verringert die Durchblutung der Haut und verzögert auf diese Weise die Hauterneuerung.

Größere, stark blutende Schnittwunden solltest du ärztlich versorgen lassen. Kleinere Schnittwunden kannst du selbst behandeln, indem du sie zügig desinfiziert und mit einem Pflaster schützt. Denk daran: Über jede noch so kleine Schnittwunde können Bakterien und Keimen eindringen, die schmerzhafte Entzündungen auslösen können.

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