Smarte Menstruationstasse: Was deine Periode über dich verrät

Femtech-Innovation
Smarte Menstruationstasse: Was deine Periode über dich verrät

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.05.2026
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Frau mit Menstruationsbeschwerden sitzt auf dem Sofa und checkt ihre Tracking-App auf dem Smartphone
Foto: JulPo, Getty Images

Jede Periode ist anders. Doch was genau passiert in deinem Körper und wann weicht dein Zyklus von deiner persönlichen Norm ab? Genau das wollen smarte Menstruationstassen herausfinden. Hier erfährst du alles zu dieser neuartigen Technologie und wie sie dir nützen kann.

Was eine smarte Menstruationstasse misst

Eine herkömmliche Menstruationstasse aus medizinischem Silikon fängt das Blut auf – mehr nicht. Smarte Modelle können deutlich mehr: Eingebettete Biosensoren messen, wie viel Menstruationsflüssigkeit du verlierst, wie schnell der Fluss ist und ob sich Muster über mehrere Zyklen verändern.

Das ist medizinisch relevant. Eine durchschnittliche Menstruation bedeutet etwa 30 bis 40 ml Blutverlust. Verlierst du dauerhaft mehr als 80 ml, spricht die Medizin von Menorrhagie, einer übermäßig starken Blutung, die langfristig zu Anämie führen kann. Die meisten merken das nicht, weil sie schlicht nicht wissen, wie viel sie wirklich verlieren. Eine smarte Tasse erfasst das automatisch. Auch häufige Gerinnsel können auf hormonelle Unregelmäßigkeiten oder Myome (gutartige Muskelknoten in der Gebärmutter) hindeuten.

Die Smart-Cup von Emm: Diese Technik steckt in der Tasse

Das aktuell fortschrittlichste Produkt ist die Emm Smart Cup. Das britische Start-up hat 5 Jahre Entwicklung und eine Finanzierungsrunde über 9 Millionen US-Dollar (ca. 8,3 Millionen Euro) hinter sich. Die smarte Tasse besteht aus medizinischem Silikon mit hauchdünnen Sensoren. Daten werden per Bluetooth nur dann übertragen, wenn die Cup im Lade-Etui liegt, nie während des Tragens.

Nach 3 Zyklen erkennt die App deine persönliche Norm und meldet Abweichungen. Der Launch ist für 2026 zunächst in Großbritannien geplant, weitere Märkte folgen. Über 30.000 Interessierte stehen bereits auf der Warteliste. Ein Preis für Deutschland steht noch nicht fest; vergleichbare Wearables liegen meist zwischen 200 und 250 Euro.

Welche Erkrankungen werden sichtbar?

Gynäkolog:innen bezeichnen die Menstruation als "fünftes Vitalzeichen". Sie liefert Hinweise auf den Hormonstatus und kann auf Erkrankungen hindeuten, bevor andere Symptome auftreten. Relevant sind vor allem:

  • Endometriose: Die Gebärmutterschleimhaut wächst außerhalb der Gebärmutter. Das betrifft jede 10. Frau, die Diagnose dauert im Schnitt 7 bis 10 Jahre.
  • PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom): Hormonelle Störung mit unregelmäßigen Zyklen.
  • Myome: Gutartige Wucherungen, die starke Blutungen verursachen können.

Wichtig: Eine smarte Tasse stellt keine Diagnosen. Sie liefert Daten, die das Gespräch mit der Gynäkologin konkreter machen. Statt Vermutungen gibt es Zahlen.

Tracking ja – aber was passiert mit deinen Daten?

Menstruationsdaten sind hochsensibel. Sie lassen Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit und Schwangerschaften zu und unterliegen in der EU nach Artikel 9 der DSGVO einem besonderen Schutzstatus.

Die Vergangenheit der Branche gibt Grund zur Vorsicht: Die Zyklustracking-App Flo geriet 2021 in die Kritik, weil sie Nutzerdaten zu Werbezwecken an Facebook und Google weitergegeben hatte. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC verhängte Auflagen, in Kanada läuft bis heute ein Sammelklageverfahren. Die Mozilla Foundation stellte in ihrer Analyse "Privacy Not Included" fest, dass 18 von 25 untersuchten Perioden- und Schwangerschafts-Apps den Datenschutz nicht ausreichend gewährleisten.

Pro Tracking:

  • Objektive Daten für bessere Arztgespräche
  • Frühzeitige Erkennung von Zyklusveränderungen
  • Anonymisierte Daten können die unterfinanzierte Forschung zur Frauengesundheit voranbringen

Contra Tracking:

  • Risiko der Datenweitergabe an Werbepartner
  • Femtech-Apps unterliegen oft nicht den strengen Auflagen für Medizinprodukte
  • Smarte Cups kosten ein Vielfaches einer normalen Tasse
  • Gynäkologin Mandy Mangler warnt: Frauen sollten nicht verlernen, auf ihre eigenen Körpersignale zu achten

Emm gibt an, Daten verschlüsselt, pseudonymisiert und mit 2-Faktor-Authentifizierung zu speichern. Eine unabhängige Prüfung steht noch aus. Grundsätzlich gilt: Datenschutzerklärung lesen, Speicherort prüfen (idealerweise EU) und nachschauen, ob Daten an Dritte weitergegeben werden. Lieber einmal zu oft als zu wenig checken.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu smarten Menstruationstassen

Fazit