Verstopfung: Hausmittel & Co. 8 Gründe für Verdauungsbeschwerden– und was schnell hilft

Rund 80 Prozent aller Menschen leiden hin und wieder unter Verstopfungen
Rund 80 Prozent aller Menschen leidet hin und wieder unter Verstopfungen. © gpointstudio / Shutterstock.com

Stillstand im Bauch? Das sind die besten Hausmittel und Tipps bei Verstopfung. So wirst du die Beschwerden schnell wieder los

Es ist kein Thema, über das Menschen gerne sprechen. Aber es beschäftigt viele, einige quält es. Deshalb reden wir hier mal ganz unverblümt über Verstopfung. Und wenn auch du darunter leidest, können wir dich beruhigen: Du bist bei weitem nicht allein.

Eine Studie der American Society of Colon and Rectal Surgeons hat ergeben: Rund 80 Prozent der Menschen plagen hin und wieder Verstopfungen. Grund genug, einmal Klartext über das unleidige Thema zu sprechen. Wir erläutern die 8 häufigsten Ursachen für Verstopfungen und liefern dir Tipps, dagegen vorzugehen.

Was ist eigentlich Verstopfung?

Von einer Verstopfung, oder medizinisch: Obstipation, ist dann die Rede, wenn die Darmentleerung erschwert ist und seltener als dreimal pro Woche erfolgt, auch spezifisch sind parallele Passage-Störungen von Dünn- oder Dickdarm. Übrigens: Der Verdauungsvorgang kann normal bis zu drei Tage dauern, je nach Ernährung und Veranlagung. es muss also nicht immer gleich Verstopfung sein, wenn du mal nicht "normal" auf die Toilette kannst!

Achtung: Bei einer akuten Verstopfung, die mit heftigen Bauchschmerzen, angeschwollenem Bauch und Erbrechen einhergeht, solltest du dir sofort medizinische Hilfe suchen! Es könnte ein Darmverschluss vorliegen. Hier soll es allerdings um die "normale" bzw. chronische Verstopfung gehen.

Was hilft gegen Verstopfung?

Dafür, dass es im Darm nicht vorangeht, gibt es verschiedenen mögliche Ursachen. Demenstprechend gibt es verschiedene Arten, dagegen vorzugehen. Den meisten Problemen ist einfach beizukommen. Hier sind die häufigsten Gründe für Verstopfung und Tipps, was dann hilft.

Zu wenig Ballaststoffe sorgen für Verstopfung

Am wichtigsten ist es, darauf zu achten, ausreichend Ballaststoffe zu sich zu nehmen, am besten in Form von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten. Für Frauen liegt die empfohlene Menge an Ballaststoffen bei 25 Gramm täglich, wie das U.S. Department of Health and Human Service empfiehlt. Auch wenn du da grundsätzlich gut versorgt bist, kann es zu Verstopfungen kommen, wenn du deine Routine unterbrichst, etwa auf Reisen.

"Viele Menschen haben eine feste Ernährungsweise mit einer guten Menge an Ballaststoffen, die ihre Verdauung in Balance hält", sagt Jordan Karlitz, Gastroenterologe und Mitglied des American College of Gastroenterology. "Wenn man verreist und Lebensmittel isst, an die man nicht gewöhnt ist, kann das zu einer Veränderung der Darmtätigkeit führen." Also: Keine Sorgen machen und möglichst bald zur gewohnten Routine zurückkehren.

Auch Stress kann Verstopfung verursachen

"Meiner Erfahrung nach leiden Patienten häufig unter unregelmäßigem Stuhlgang, weil sie Stress haben", sagt Karlitz. Das Nervensystem ist eng mit Magen und Darm verknüpft. Stress oder Schlafmangel (oder beides, weil eines oft aus dem anderen hervorgeht) können den Darm völlig aus der Bahn werfen und somit für die Verstopfung verantwortlich sein.

Durch Yoga oder Meditation kannst du bei viel Stress für Ausgleich sorgen. Darüber freut sich auch der Darm.

Stress und zu wenig Bewegung können zu Verstopfungen beitragen
Stress und zu wenig Bewegung können Verstopfungen verursachen. © G-Stock Studio / Shutterstock.com

Zu wenig Bewegung fördert Verstopfung

Sport und Bewegung sind einfach in jeder Hinsicht wichtig für den Körper. "Viele meiner Patienten leiden unter Verstopfung, nachdem sie aus irgendwelchen Gründen ihr Sport- und Bewegungspensum heruntergeschraubt haben", erklärt Karlitz. "Veränderungen in den Gewohnheiten können den Körper ganz schön durcheinander bringen, auch die Verdauung."

Darum sorge stets dafür, dass du genügend körperliche Aktivität in den Alltag einbaust, und wenn es nur ein Spaziergang am Abend ist. Vielleicht lässt sich der Arbeitsweg ja statt mit Auto oder Bahn zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen? Das bringt schon viel.

Auch ein Grund für Verstopfung: Du bist schwanger

Manchmal gehen in deinem Bauch Dinge vor sich, die zunächst nichts mit der Verdauung zu tun haben, darauf aber Einfluss haben. Zum Beispiel eine Schwangerschaft! Viele Frauen haben zu Beginn der Schwangerschaft mit Verdauungsbeschwerden zu kämpfen, einige leiden die ganzen 9 Monate darunter.

"Eine Schwangerschaft bedeutet extreme Veränderungen im Hormonhaushalt und in der Ernährung. Oft kommt dann noch Stress dazu, was die Verdauung zusätzlich lahm legen kann", sagt Karlitz.

Wenn du schwanger bist, solltest du darauf achten, wann genau du dich am unwohlsten fühlst – nach einer fettigen Pizza oder vielleicht Unmengen an Eis? Diese Lebensmittel zu meiden, kann helfen, dich und deine Verdauung gut durch die Schwangerschaft zu bringen.

Sogar Schmerzmittel können Verstopfung auslösen

Wenn du über einen längeren Zeitraum Medikamente einnehmen musst, kann das dazu führen, dass deine Verdauung schlappmacht.
"Schmerz- oder Betäubungsmittel sind die nahezu häufigste Ursache für Verstopfungen", weiß Karlitz. Dabei sind Medikamente gemeint, die wirklich lange oder in hohem Maße eingenommen wurden.

Keine Sorge: Eine Dosis Ibuprofen gegen Kopfschmerzen wird nicht gleich deine Verdauung lahmlegen. Aber wenn du regelmäßig Medikamente einnehmen musst, solltest du deinen Arzt fragen, ob du auf ein sanfteres Mittel umsteigen kannst, das günstiger für den Darmbetrieb wirkt.

Wer im Laufe des Tages viel trinkt und sich ballaststoffreich ernährt, beugt Verstopfungen effektiv vor.
Wer im Laufe des Tages viel trinkt und sich ballaststoffreich ernährt, beugt Verstopfungen effektiv vor. © Oleksii Shalamov / Shutterstock.com

Wer zu wenig trinkt, riskiert Verstopfung

Wasser ist elementar für eine funktionierende Gesundheit. Soweit nichts Neues. Doch das Interessante ist nicht nur die einfache Hydration, sondern das Zusammenspiel mit den bereits erwähnten Ballaststoffen. Die bringen ohne genügend Flüssigkeit nämlich nichts oder bewirken sogar das Gegenteil.

"Ballaststoffe quellen mit Wasser auf. Wenn man zwar genügend Ballaststoffe aufnimmt, aber nicht ausreichend trinkt, kann das schnell zu Verstopfungen führen", so Karlitz. Also, immer genug Wasser trinken, Minimum sind 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag!

Probleme mit der Schilddrüse begünstigen Verstopfung

Wenn du andere mögliche Ursachen für deine Verdauungsstörungen ausgeschlossen hast, solltest du eine Internistin aufsuchen, um deine Schilddrüsenfunktion testen zu lassen. "Manchmal ist eine Schilddrüsenunterfunktion Schuld", sagt Karlitz.

Eine funktionierende Schilddrüse produziert Hormone, die zahlreiche Prozesse in deinem Körper steuern, darunter auch die Verdauung. Weitere Anzeichen für einen Mangel sind zudem Erschöpfung und Niedergeschlagenheit.

Gegen die Unterfunktion der Schilddrüse gibt es wirksame Medikamente, meist synthetisch hergestelltes Thyroxin (Schilddrüsenhormon) oder bei entsprechendem Mangel Jod. Die Behandlung wird dir helfen, die Probleme zu beseitigen.

Auch eine chronische Erkrankung kann Verstopfung verursachen

Wenn deine Verstopfungen partout nicht weggehen und von Schmerzen begleitet werden, solltest du eine gastroenterologische Praxis aufsuchen. Dort kann beispielsweise eine Erkrankung deines Verdauungstraktes diagnostiziert werden wie zum Beispiel ein Reizdarmsyndrom.

"Das Reizdarmsyndrom ist sehr verbreitet. Es kann sich entweder durch Verstopfung oder Durchfall äußern. Auf Dauer kann es dazu führen, dass man gar nicht mehr normal zur Toilette gehen kann", erklärt Karlitz.

Wenn du glaubst, am Reizdarmsyndrom zu leiden, versuche nicht, dir mit rezeptfreien Medikamenten Linderung zu verschaffen. Suche stattdessen direkt ärztlichen Rat. So kannst du herausfinden, woher die Probleme kommen und einen Verhaltensplan erstellen, um deine Symptome wieder in den Griff zu bekommen.

Statt die Fäuste zu ballen, solltest du bei Verstopfungen deinen Bauchdecke im Uhrzeigersinn massieren.
Anstatt die Fäuste zu ballen, solltest du bei Verstopfungen deinen Bauchdecke im Uhrzeigersinn massieren. © Monthira / Shutterstock.com

Welche Hausmittel helfen schnell bei Verstopfung?

Es muss ja nicht immer eine Krankheit sein, manchmal geht es einfach so im Darm nicht weiter. Dann helfen dir diese Hausmittel und Tricks vielleicht weiter:

1. Ein Hocker unter den Füßen: Beim Sitzen auf der Toilette behindert ein Knick im Darm das Entleeren. Ideal ist tatsächlich die Hockstellung. Ein kleiner Hocker für die Füße bringt dich in eine günstigere Position.

2. Koffein:
Finger weg vom Verdauungsschnaps! Denn: Alkohol schläfert den Darm ein. Kaffee hingegen wirkt anregend, trink also besser einen Espresso!

3. Bauchmassage:
Zur Unterstützung der Darmaktivität massierst du die Bauchdecke mit sanft streichenden Bewegungen im Uhrzeigersinn.

4. Wärme: Auch eine Wärmflasche oder ein in der Mikrowelle aufgeheiztes Kirschkernkissen auf dem Bauch können die Verdauung anregen und befreiend wirken.

Was beugt einer Verstopfung vor?

Meist ist die Lösung für eine funktionierende Verdauung simpel: Iss gesund, trink viel Wasser und achte auf eine ausreichende Aufnahme von Ballaststoffen. Letztere gibt es in 2 Formen: Lösliche, die sich in Wasser auflösen (wie in Haferflocken, Äpfel und Bananen) und unlösliche (wie in Weizen, Broccoli und vielen dunklen Blattgemüsen). Die meisten Menschen benötigen einen Mix aus beiden Arten, um gesund zu bleiben.

Wenn du zu chronischen Verstopfungen neigst, greif nicht zu rezeptfreien Medikamenten aus der Apotheke: "Es gibt zahlreiche Abführmittel auf dem Markt, aber wenn das zu einem fortdauernden Thema wird, ist es besser, einen Spezialisten aufzusuchen, um schwerwiegende Ursachen auszuschließen", so Karlitz.

Mit ausreichend Bewegung und ballaststoffreicher Ernährung beugst du künftig Verstopfungen wirkungsvoll vor. Wenn alle unsere Tipps bei akuter Verstopfung nicht helfen, leide nicht still vor dich hin. Verstopfung sollte kein Tabu sein. Rede mit der Hausärztin oder dem Hausarzt deines Vertrauens!

14.10.2019| Rebecca Höfer © womenshealth.de
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