Arachnophobie So werden Sie die Spinnenphobie los

Keine Angst! In diesem Artikel zeigen wir keine Spinnen – versprochen! © Marjan Apostolovic / Shutterstock.com

Wenn die Angst vor Spinnen das Leben massiv einschränkt, sollte man handeln. Ein Hypnosetherapeut erklärt, woher Arachnophobie kommt und wie man die Angst für immer ablegen kann. (In diesem Artikel werden übrigens keine Fotos von Spinnen gezeigt. Versprochen!)

Steffi (36) hatte noch nie ein besonders inniges Verhältnis zu Spinnen. Sie sah die Tiere immer eher mit Ekel an, hätte sie nie freiwillig angefasst. Und das, obwohl sie auf dem Land aufgewachsen ist. Mit Garten, Keller und Dachboden – also idealen Lebensräumen für Spinnen. „Damals fand ich Spinnen einfach nur eklig. Richtig schlimm wurde es erst als Teenager“, erzählt sie. Schlimm heißt, dass Steffi plötzlich Schweißausbrüche und Herzrasen bekam, wenn sie eine Spinne sah. Ihr einziger Gedanke in einer solchen Situation: Flucht. „Wenn ich telefonierte und plötzlich eine Spinne auftauchte, habe ich einfach den Hörer fallen lassen und bin aus dem Raum gerannt. Mir war dann alles andere egal.“ Ruhig bleiben oder gar die Spinne entfernen – damals für Steffi undenkbar. „Ich war wie in Panik und konnte mich manchmal Stunden später erst beruhigen“, sagt sie.

Wenn die Angst mit den Jahren immer schlimmer wird

'Das wird besser, wenn Du älter wirst', hatte ihre Mutter häufig prophezeit. Leider war das Gegenteil der Fall und die Angst vor Spinnen verstärkte sich bei Steffi zusehends. Urlaub wurde nur in Ländern gemacht, die nicht zufällig auch für ihre besonders großen Spinnen bekannt waren. Ein Gang in den Keller war fast nur in Begleitung möglich. „Irgendwann konnte ich nicht einmal mehr ein Buch durchblättern, von dem ich wusste, dass es die Abbildung einer Spinne enthält“, erzählt sie. „Das ist nicht untypisch“, weiß Hypnosetherapeut Dietmar Brökelmann (hypnosetherapeut-heilpraktiker.de), „Bestehende Ängste können sich mit dem Älterwerden so manifestieren, dass sie quasi übermächtig werden und die Menschen immer weiter in ihrer Lebensqualität einschränken“. Junge Menschen haben daher auch eine deutlich bessere Prognose, eine Angststörung behandeln zu lassen.

Welche Ursachen hat eine Arachnophobie?

Woher aber kommt die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) überhaupt, die – jedenfalls in unseren Breitengraden – eine irrationale ist. Schließlich sind Spinnen bei uns nicht gefährlich oder warum sollte ein Weberknecht an der Zimmerdecke Schweißausbrüche in uns auslösen? Wird die Angst durch ein Schlüsselerlebnis ausgelöst? Ist sie erlernt oder kann sie einen ganz anderen Grund haben, für den das achtbeinige Tier letztlich nur Pate steht?

Sätze wie "Die tut doch nichts" sind für Betroffene nicht hilfreich. Die irrationale Angst vor Spinnen kann ganz verschiedene Gründe haben. © Marjan Apostolovic / Shutterstock.com

Erlernte oder diffuse Ängste – die Angst vor Spinnen hat immer einen anderen Grund

Die Gründe für eine Arachnophobie sind sehr individuell. "Zeigen Sie mir 10 Fälle von Spinnenangst und Sie haben in der Regel 10 verschiedene Auslöser vorliegen“, so der Hypnosetherapeut. Ganz klassisch ist die erlernte Angst, die dann eintritt, wenn wir als Kind durch das Verhalten unserer Eltern vorgeprägt werden. Heißt: Hat unsere Mutter bereits panisch zusammengezuckt, wenn sie eine Spinne sah, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass wir ebenso handeln. Auch Filme, Bücher, gehörte Geschichten über Spinnen oder Menschen mit Arachnophobie können eine ebensolche bei uns auslösen.

„Es gibt auch sehr diffuse Ängste, die in erster Linie gar nichts mit dem Tier zu tun haben, allerdings auf die Spinne projiziert werden“ weiß Brökelmann aus seiner Praxis. In einem Fall hatte eine Frau plötzlich eine Angst vor Spinnen entwickelt, die sie sich nicht erklären konnte. In der Hypnosesitzung stellte sich heraus, dass sie eigentlich Angst vor dem Alleinsein hatte. Sie wollte ihren Partner am liebsten die ganze Zeit um sich wissen und die Arachnophobie war folglich der Versuch, diesen Zustand herbeizuführen.

Wenn der Leidensdruck zu groß wird: Spinnenphobie aktiv bekämpfen

Wer das Schema seiner Angst verstanden hat und sie sich langsam aufzulösen beginnt, fühlt sich danach nicht selten wie ein neuer Mensch. „Dem Angstpatienten wird eine enorme Last von den Schultern genommen“, weiß Dietmar Brökelmann, der immer wieder in seiner Praxis erlebt, wie die Patienten noch während der Hypnose plötzlich tief durchatmen und beginnen zu lächeln. „Danach ist die Lebensqualität dieser Menschen eine komplett andere. Sie fühlen sich tatsächlich befreit.“

Wenn kleine Insekten große Panik auslösen, kann das die Lebensqualität einschränken. © Marjan Apostolovic / Shutterstock.com

Auch für Steffi wurde der Leidensdruck irgendwann zu groß. Sie schildert den Tag, an dem sie wusste, dass sie dringend handeln musste: „Als ich mit meiner 5-jährigen Tochter ins Auto einsteigen wollte, krabbelte eine Spinne im Fußraum meines Wagens. Damit wäre beinahe eine meiner größten Befürchtungen wahr geworden – dass mich die Angst einmal beim Autofahren einholen und ich dadurch einen Unfall provozieren würde.“ Steffi verließ fluchtartig den Wagen, ihre Tochter ließ sie angeschnallt auf dem Rücksitz im Auto, um im nächsten Haus zu klingeln und eine Frau zu bitten, die Spinne für sie zu entfernen. „Da wusste ich, dass es so nicht weitergeht und ich dringend etwas tun muss. Außerdem hatte ich die Sorge, meine Tochter könnte dieses Verhalten irgendwann adaptieren und eine ebensolche Angst entwickeln. Das wollte ich auf keinen Fall.“

Wie kann Hypnose bei Spinnenangst helfen?

Wie aber findet ein Hypnosetherapeut die richtige Ursache und wie vor allem schafft er es, die Angst im Unterbewusstsein aufzulösen? Hierfür führt Dietmar Brökelmann ein intensives Gespräch mit dem Patienten noch vor der eigentlichen Hypnose. Wie lange besteht die Angst schon? Wie groß ist der Leidensdruck und welche Gefühle löst die Angst genau in einem aus? Fragen wie diese bringen den Therapeuten langsam auf die Spur. „Während der Hypnose selbst unterhalte ich mich mit dem Patienten weiter“, sagt Brökelmann, „Man darf sich den Hypnosezustand nicht so vorstellen wie man es aus Showhypnosen im Fernsehen kennt.“ Wer sich in Trance befindet, ist nicht weggetreten, sondern befindet sich in einem extrem fokussierten und wachen Zustand, der ihm die Möglichkeit gibt, Vorgänge im Unterbewusstsein ganz neu zu verknüpfen.

Und diese Neuverknüpfung ist letztlich der Schlüssel, um die Angst aufzulösen. „Ich versuche während der Hypnose das Objekt der Angst mit etwas Positivem zu belegen“, so der Hypnosetherapeut. So kann zum Beispiel das Gefühl des Ekels und der Schockstarre, das bislang eine Spinne in uns auslöste, ausgetauscht werden gegen das Gefühl der Freude, das wir vielleicht empfinden, wenn wir einen Hund oder eine Katze sehen.

In Trance immer wieder mit der Angst konfrontiert werden

Auch Steffi ließ sich in Brökelmanns Praxis in Paderborn in Trance versetzen, als sie begann, sich in ihrem eigenen Haus nicht mehr wohl zu fühlen. Der Gang in den Keller oder in die Garage waren zu diesem Zeitpunkt für sie kaum noch möglich. "Eine Konfrontationstherapie kam für mich nicht in Frage. Sich einer lebenden Spinne langsam zu nähern oder ein Glas mit Spinne in den Händen zu halten wäre für mich undenkbar gewesen", sagt sie. "Die schrittweise Konfrontation, wie sie in der kognitiven Verhaltenstherapie Anwendung findet, kann für Menschen mit sehr starker Phobie sogar kontraproduktiv sein", sagt Brökelmann. Zum einen kann die Angst noch mehr gesteigert werden, zum anderen kann das Gefühl, die Angst trotzdem nicht überwunden zu haben, den Menschen noch weiter lähmen.

Während der Hypnose ging Dietmar Brökelmann mit Steffi gedanklich immer wieder die einzelnen Räume ihres Hauses ab. „Ich musste immer wieder nach unten in den Keller oder in die Garage gehen, das Licht anschalten, mir die Wände genau anschauen. Nach und nach sickerte bei mir durch, dass Spinnen vollkommen harmlos sind", erzählt sie.

Und danach? "Danach war das Gefühl ein komplett anderes", schildert Steffi, die heute immer noch nicht mit Spinnen kuschelt, allerdings ein Leben ohne Angst und Einschränkungen führen kann. "Wenn ich heute eine Spinne im Keller entdecke, ist diese Schockstarre weg. Ich freue mich zwar nicht, aber ich kann sie selbst entfernen, ohne in Panik nach meinem Mann zu schreien. Und das ist mehr, als ich mir jemals hätte vorstellen können."

www.hypnosetherapeut-heilpraktiker.de
Dietmar Brökelmann bietet in seiner Praxis therapeutische Heilhypnose an

Dietmar Brökelmann ist Hypnosetherapeut und Heilpraktiker (Psychotherapie) mit eigener Praxis in Paderborn. Er behandelt alle möglichen Arten von Ängsten, Traumata, Süchten oder Verhaltensanomalien. Menschen mit Arachnophobie machen etwa 10 Prozent seiner Angst-Patienten aus. In der Regel benötigen sie zwischen 2 und 8 Sitzungen, um ihre Angst vor Spinnen vollständig aufzulösen. www.hypnosetherapeut-heilpraktiker.de.

08.10.2017| Linda Babst © womenshealth.de
Sponsored Section
Aktuelles Heft
Personal_Trainer App