Lippenherpes Wenn es am Mund kribbelt und spannt...

Schnell handeln bei Herpes
Es kribbelt, brennt und spannt an der Lippe? Das sind erste Herpes-Anzeichen! Jetzt ist schnelles Handeln gefragt! © WAYHOME Studio / Shutterstock.com

... ist es leider oft Lippenherpes. Wie die fiesen Bläschen an der Lippe entstehen und was Sie dagegen tun können

Sie glauben, Herpes betrifft Sie nicht? Leider falsch! In fast jedem Erwachsenen schlummert ein Herpes-Virus. Doch nicht bei jedem bricht die Krankheit aus.

Was ist Herpes?

Bei Herpes denken wir meist direkt an die nervigen Bläschen im Lippenbereich, doch die Krankheit hat viel mehr Facetten: "Es sind insgesamt acht verschiedene Herpes-Viren bekannt, die Infektionen an der Haut verursachen können", erklärt die Hautexpertin Dr. Cecilia Dietrich vom Dermatologikum Hamburg. Am bekanntesten sind die Herpes simplex Typen I (Lippenherpes) und II (Genitalherpes).

Woher kommt Lippenherpes ?

"Die Infektion mit dem Herpes simplex Virus (HSV) Typ I oder II ist in Deutschland weit verbreitet, nahezu jeder Mensch ist mit einem oder beiden Erregertypen infiziert. Das Immunsystem bekämpft die Herpesviren zwar, sodass sie meist keine Symptome verursachen. Das Virus 'schlummert‘ jedoch zeitlebens in den sogenannten peripheren Ganglien der Nervenzellen", erklärt Dr. Dietrich. Es gibt verschiedene Faktoren, die Herpes reaktivieren. Starkes Sonnenlicht ist zum Beispiel eine Ursache, deshalb tritt Herpes häufig im Sommer auf. Doch auch im Winter kann er zuschlagen, denn da ist das Immunsystem häufig geschwächt und anfälliger. Auch Stress oder hormonelle Veränderungen zählen zu den Triggern.

Wie verläuft die Krankheit?

"Hier unterscheidet man zwischen der ersten Infektion, häufig im frühen Kindesalter, und der Reaktivierung im weiteren Laufe des Lebens", sagt Dr. Dietrich. Die erste Infektion verläuft bei ungefähr 10 Prozent der Betroffenen äußerst schmerzhaft, im Normalfall aber unbemerkt. Spätere Reaktivierungen sind im Vergleich dazu eher harmlos: Spannungsgefühl, Rötungen, dann lästige Bläschen- und Krustenbildung. Der Inhalt dieser Bläschen ist hoch ansteckend.

Herpessymptome
Aua! Die fiesen Bläschen schmerzen und rütteln manchmal auch an unserem Selbstbewusstsein. © Ekaterina Molchanova / Shutterstock.com

Tipps für die akute Phase: Wenn Ihre Lippen akut von Lippenherpes befallen sind, sollten Sie sich häufig die Hände waschen. Besteck, Geschirr und Gläser sollen Sie nicht mit anderen teilen, und ja, Küssen ist leider auch ein No-Go. Wenn Sie Schmerzen haben, verspricht ein mit einem Geschirrhandtuch umwickelter Eiswürfel oder ein Coolpack Linderung. Ganz wichtig: Das Tuch muss stets frisch sein und anschließend mit Hygienewaschmittel gewaschen werden.

Wie kann man Lippenherpes behandeln?

Die schlechte Nachricht vorab: Es gibt keine Wunderheilmittel! Aber der Krankheitsverlauf lässt sich verkürzen und etwas abmildern. Dafür gibt es verschiedene Medikamente:

Medikamente und Pflege gegen Lippenherpes:

  • Cremes und Pflegestifte mit Zusätzen wie Zink oder Melissenblatt-Extrakt trocknen die nervigen Bläschen schneller aus. Ganz wichtig: Herpescremes direkt bei den ersten Spannungsanzeichen auftragen und regelmäßig, am besten alle 2 Stunden, nachcremen.
  • Herpespflaster sollen verhindern, dass sich die Viren weiter ausbreiten und übertragen. Pluspunkt: Die transparenten Pflaster sind nahezu unsichtbar.
  • Medikamente in Tablettenform können nur hilfreich sein, wenn Sie sie schon einnehmen, bevor sich die ersten Bläschen bilden.
Hilfsmittel Herpescreme
Eine Herpescreme kann die Symptome lindern. © Image Point Fr / Shutterstock.com

Auch Hausmittel können gegen Herpes helfen:

  • Zahnpasta ist ein beliebtes Hausmittel gegen Lippenherpes. Zwar schließt sie die Wunde luftdicht ab und verhindert so die Ansteckung Ihrer Liebsten, aber nur mit Zinkzusatz kann Zahnpasta auch den Heilungsprozess unterstützen.
  • Als Lokaltherapie wirkt hochprozentiger Alkohol aus der Apotheke desinfizierend.
  • Auch Teebaumöl kann die Viren daran hindern, sich weiter auszubreiten. Immer darauf achten, die Heilmittel mit einem Wattestäbchen aufzutragen, damit sich die Viren nicht auf andere Körperteile übertragen.
  • Aloe Vera ist bei vielen Hautkrankheiten eine gute Wahl. Auf die Krusten aufgetragen, kann sie den Heilungsprozess beschleunigen.

Lippenherpes vorbeugen: So reduzieren Sie die Ansteckungsgefahr

Wann Herpes ausbricht, kann man kaum vorhersagen. Manche Betroffene leiden alle paar Wochen unter den nervigen Symptomen, andere einmal im Jahr und wieder andere nie. Wenn Sie sichergehen möchten, in der nächsten Zeit herpesfrei zu bleiben, weil etwa Ihre Hochzeit oder ein anderes wichtiges Ereignis ansteht, sollten Sie mit Ihrem Arzt über eine antivirale Prophylaxe sprechen. Gegen Trigger wie Stress helfen ein geregelter Tagesablauf und ein gesunder Lebensstil. Da Herpes oft durch starkes Sonnenlicht ausgelöst wird, sollten Sie – besonders im Strand- oder Skiurlaub – die sensible Lippenregion mit einer Pflege mit Lichtschutzfaktor schützen.

Tipp: Herpespflaster und -cremes nehmen nicht viel Platz weg! Wenn Sie oft von Lippenherpes betroffen sind, sollten Sie immer ein Notfall-Set in der Handtasche haben, da schnelles Handeln bei ersten Anzeichen einen schlimmen Ausbruch verhindern kann.

Bei Herpes bloß keinen Oralsex

Die bittere Wahrheit: Wenn Sie oder Ihr Partner akut Herpes haben, ist Oralsex strengstens verboten! Der Grund: Genitalherpes kann sich durch dabei auf die Lippen übertragen, Lippenherpes auf die Genitalien. Tatsächlich ist die Unterscheidung in Lippenherpes und Genitalherpes mittlerweile nicht mehr aktuell, weil kaum jemand auf Blowjob und Cunnilingus verzichten mag.

Klar, die kleinen Bläschen sehen fies aus und nerven. Im Normalfall ist der Spuk aber nach einigen Tagen wieder vorbei. Wenn Sie zu denjenigen gehören, die regelmäßig unter den hässlichen Bläschen leiden, dann sollten Sie Ihr Immunsystem unterstützen und das Stress-Level senken.

24.11.2017| Juliane Funke © womenshealth.de
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