Dehnungsstreifen loswerden Das hilft wirklich gegen Schwangerschaftsstreifen

Dehnungsstreifen am Bauch sind weit verbreitet
Für Dehnungsstreifen müssen Sie sich nicht schämen. Sie sind ganz natürlich. © EAK MOTO/ Shutterstock

Fast jede Frau bekommt sie, keine will sie: Dehnungsstreifen. Wie Sie entstehen und was Sie dagegen tun können

Ob durch eine Schwangerschaft, schnelles Wachstum in der Pubertät oder eine Gewichtszunahme: Es gibt viele Gründe, warum gerade Frauen im Laufe ihres Lebens mit Dehnungsstreifen zu kämpfen haben. Die Münchner Dermatologin Dr. Elisabeth Schuhmachers erklärt, wie sie entstehen – und gibt hilfreiche Tipps, wie Sie Dehnungstreifen vorbeugen und wieder loswerden können.

Was sind Dehnungsstreifen und wie entstehen sie?

Eines vorweg: Dehnungsstreifen, also kleine Risse in der Unterhaut, sind ein weit verbreitetes Phänomen und keine Krankheit. "Mehr als die Hälfte aller Frauen ist davon betroffen", so die Expertin.

Dehnungsstreifen entstehen, wenn sich das Bindegewebe über einen gewissen Grad hinaus ausdehnt. Dadurch werden elastische Kollagenfasern der Haut auseinandergezogen und reißen. Das kann zum Beispiel während der Schwangerschaft passieren. Ein weit verbreiteter Grund ist aber auch ein schnelles Längenwachstum in der Pubertät – oder auch ganz schlicht eine starke Gewichtszunahme.

Gibt es einen Unterschied zwischen Dehnungs- und Schwangerschaftsstreifen?

Nein, den gibt es nicht. Die Expertin erklärt: "Beide Begriffe beschreiben Risse in der Haut durch ein unüblich starkes Wachstum einer bestimmten Körperstelle, was bei einer Schwangerschaft besonders an Bauch und Brust der Fall ist."

Warum bekommen manche Menschen Dehnungsstreifen und andere nicht?

Die schlechte Nachricht: Dehnungsstreifen sind zum Teil genetisch bedingt, da es unterschiedliche Bindegewebstypen gibt. Einige Menschen haben also per Geburt ein schwaches Bindegewebe. Außerdem macht die Krankheit Morbus Cushing anfällig für Dehnungsstreifen. "Bei dieser Krankheit wird die Nebennierenrinde stimuliert, was zu einem vermehrten Cortisolproduktion führt", so Schumachers. Besonders häufig treten Dehnungsstreifen an Körperstellen auf, die einer starken Dehnung ausgesetzt sind, wie zum Beispiel Bauch oder Brust. Auch an den Oberschenkeln, der Hüfte und am Gesäß kommen sie häufig vor.

Wie kann ich wenn überhaupt Schwangerschaftsstreifen vorbeugen?

Die gute Nachricht: Es gibt Möglichkeiten Dehnungsstreifen vorzubeugen. Klar, in erster Linie gilt es, starke Gewichtszunahmen oder extreme -schwankungen zu vermeiden. "Natürlich können Sie in der Schwangerschaft das Wachstum ihres Babys nicht bremsen. Sie sollten jedoch nicht zu viel Fettgewebe zunehmen, das die Haut zusätzlich dehnt." Außerdem empfiehlt die Dermatologin schwangeren Frauen folgende Produkte zur Vorbeugung von Dehnungsstreifen in der Schwangerschaft:

  • Schwangerschftsbauchgurte: Diese stützen den Bauch und entlasten das Bindegewebe
  • Bauchstützende Unterhosen, die eine stabilisierende Wirkung auf den Babybauch haben
  • Stützende BHs, da vor allem auch die Brust in der Schwangerschaft wächst

Helfen Cremes gegen Dehnungsstreifen?

Vorbeugend, ja! Besonders koffeinhaltige Lotionen sind zu empfehlen. Aber auch Cremes mit Vitamin-A-Säure sind wirksam. Diese muss jedoch der Arzt rezeptieren. Ansonsten hilft es, die Haut mit Retinol einzucremen. Zudem sind Öle mit den Vitaminen C und E empfehlenswert.

Kann ich Dehnungsstreifen ärztlich behandeln lassen?

Anfänglich rote Dehnungsstreifen verblassen nach circa 1-2 Jahren wieder und werden dann weiß, da das Gewebe vernarbt. Wenn sie aber erst einmal da sind, sind Schwangerschaftsstreifen hartnäckig und nicht so leicht wieder loszuwerden. Es gibt jedoch effektive Methoden, Dehnungsstreifen ärztlich entfernen zu lassen, der Prozess ist allerdings langwierig.

Sie können Dehnungsstreifen durch eine Laserbehandlung therapieren lassen. Eine oft gelobte Methode ist der fraktionale Laser, der die betroffenen Hautpartien mit Mini-Lichtblitzen befeuert und so deren Oberfläche nur punktuell (fraktional) durchdringt. Durch diese Mini-Verletzungen soll die Produktion von Kollagen angeregt und die Zellregeneration stimuliert werden. Verheilen die winzigen Stiche, soll sich neues Gewebe bilden, was die Dehnungsrisse in der Haut mildert.

Elisabeth Schuhmachers wendet in ihrer Praxis bevorzugt die Microneedling-Methode mit Radiofrequenz an. "Hierbei werden mit kleinen Nadeln feinste Verletzungen in der Haut verursacht", erklärt die Dermatologin. Anschließend wird innerhalb von Millisekunden ein Wärmeimpuls (Radiofrequenzenergie) abgegeben, dieser Vorgang soll die Regeneration der Haut anregen. "Danach spritze ich Eigenblut unter die Haut. Das nennt man Vampirlifting", so die Expertin. Die Kosten für diese Behandlung betragen hierbei sogar zirka 300 Euro pro Sitzung – je nach Größe des zu behandelnden Areals. Meist sind mehrere Sitzungen notwendig, um Dehnungsstreifen vollständig zu entfernen. Einfacher und vor allem billiger ist es, diese Spuren des Lebens einfach hinzunehmen.

Was kann ich sonst noch gegen Dehnungsstreifen tun?

Laut Dr. Schuhmachers hilft Sport nur bedingt gegen Dehnungsstreifen: "Sie können mit Sport ausschließlich eine Gewichtszunahme steuern. Durch Massagen und einen gesunden Lebensstil ist es jedoch möglich, die Ausprägung von Dehnungsstreifen zu verringern." Im Zuge einer Schwangerschaft kann es vorbeugend helfen, die am häufigsten betroffenen Regionen regelmäßig nicht nur einzucremen oder zu -ölen sondern dabei auch einer Zupfmassage zu unterziehen, also immer kleine Hautbereiche mit den Fingern zu greifen und leicht zu zupfen. Das Prinzip des Microneedling gibt es in abgespeckter Version auch für zuhause: So genannte Derma-Roller sind mit hauchfeinen Nadeln gespickte Handroller, mit denen Sie selbst die betroffenen Stellen behandeln sollen. Diese Geräte sind allerdings längst nicht so wirksam wie die ärztlichen Instrumente - und bei unzureichender Sterilität der Nadeln besteht eher die Gefahr von Infektionen.

Versuchen Sie, Ihre Dehnungsstreifen zu akzeptieren

Denken Sie daran: Dehnungsstreifen sind nichts wofür Sie sich schämen sollten! Jede zweite Frau ist davon betroffen und muss einen Weg finden, damit umzugehen. Die Künstlerin Sara Shakeel hat eine Methode gefunden, die beweist, dass Dehnungsstreifen kein optischer Makel sein müssen, und setzt ihre Streifen kunstvoll auf ihrem Instagram Account in Szene. Auch andere Frauen folgen diesem Beispiel. Zwei Amerikanerinnen erstellten den Instagram Account "Love your lines", auf dem Frauen aus aller Welt Fotos von ihren Körpern nach der Schwangerschaft oder nach einem großen Gewichtsverlust zeigen.

Natürlich können Sie einiges gegen Dehnungsstreifen unternehmen, wenn es Ihnen Aufwand und Kosten wert ist. Aber das Motto sollte lauten: Love yourself! Hadern Sie nicht mit der Natur. Genau wie die Künstlerinnen bei "Love your lines" sollten Sie ein Statement setzen und Ihren Körper akzeptieren, wie er ist. Vergessen Sie nicht, dass Dehnungsstreifen etwas ganz Natürliches sind. Eine Erinnerung daran, dass Ihr Körper Großartiges geleistet hat!

24.08.2018| Susan Kesselring © womenshealth.de
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