ASMR Entspannung durch Töne und Video: So funktioniert es

20-40 % der Menschen sind für ASMR empfänglich und können dadurch besser einschlafen und entspannen.
Die Idee bei ASMR: Durch das Hören vertrauter angenehmer Töne runterkommen und entspannen. © Shutterstock/Africa Studios

Listen and relax! Wenn es dir schwer fällt, zur Ruhe zu kommen oder du Probleme beim Einschlafen hast, solltest du ASMR ausprobieren

Was hilft dir dabei zu entspannen, wenn du gestresst bist? Oder dabei einzuschlafen? Wenn Lesen oder Musikhören nicht helfen, bringen vielleicht Geräusche etwas, die du von früher kennst. Zum Beispiel das sanfte Kratzen, wenn du dir von deiner Mutter die Haare hast kämmen lassen? Oder das Einschlafen bei halb geöffneter Zimmertür, während draußen noch ganz leise das Gemurmel der vertrauten Elternstimmen zu hören war?

Es gibt in der Erinnerung viele kleine Momente und Berührungen, bei denen Geräusche entstanden, an die du dich bestimmt heute noch mit einem wohligen Gefühl zurückerinnerst: Geborgenheit, Vertrauen, Freude. Es kann ungemein entspannend sein, diese Gefühle heute noch einmal zu erleben. Das kannst du – mit ASMR. Wie das geht, erklären wir hier.

Was ist ASMR?

ASMR ist die Abkürzung für „autonomous sensory meridian response“. Was so kompliziert klingt, ist letztlich ganz einfach. Der Begriff bedeutet in etwa „spontane Reaktion des Körpers auf sensorische Stimulierung“. Es geht also um eine körperliche Entspannungsreaktion auf Sinnesreize, vornehmlich durch Hören von Geräuschen.

Das kennst du sicher: Deine Haut kribbelt und du bekommst Gänsehaut, weil sich etwas für dich gut anfühlt – also, wenn dir beispielsweise jemand ganz leicht an den Haarspitzen zieht oder mit den Fingernägeln sanft über den Rücken streichelt. Typischerweise beginnt dieses Kribbeln auf der Kopfhaut und bewegt sich angenehm an der Rückseite des Halses langsam entlang der Arme und die Wirbelsäule den Körper hinunter. Einfach herrlich entspannend. Genau das soll durch ASMR gelingen.

Durch ASMR sollen Kindheitserinnerungen voller Liebe, Zuneigung und Freude geweckt werden.
Durch ASMR können zum Beispiel Kindheitserinnerungen voller Liebe, Zuneigung und Freude geweckt werden. © Shutterstock / Dean Drobot

Wie funktioniert ASMR?

Durch sogenannte visuelle und akustische „Trigger“, soll dieses wohlige Gefühl erreicht werden, also durch das Anhören entsprechender Geräusche mit Kopfhörern oder Anschauen eines Videos . Dazu werden von ASMR-Anhängern eigens Videos oder Audiofiles produziert, in denen etwa Klänge wie sanftes Flüstern, das Geräusch vom Schreiben eines Stiftes auf Papier oder einer Bürste beim Haarekämmen zu hören sind.

Es gibt dazu verschiedenste Playlisten auf Streaming-Plattformen, zahlreiche Videos auf YouTube. Von Naturgeräuschen über Alltagsgeräusche, Geräuschwellen in einem bestimmten Herzfrequenzbereich, Rollenspiele, „Mouth Sounds“ wie Schmatzen bis hin zu Geräuschen, die imitieren, dass dein Ohr angeleckt oder angepustet wird gibt es alles. So ist für alle etwas dabei, das beruhigen soll, oder beim Einschlafen hilft. So zumindest die Theorie.

Durch akustische- und visuelle Trigger, wie das Bürsten eines Mikrofons, soll ein wohliges Gefühl ausgelöst werden.
Durch akustische- und visuelle Trigger, wie das Bürsten eines Mikrofons, soll ein wohliges Gefühl ausgelöst werden. © Shutterstock / Andrey Popov

Seit wann gibt es ASMR?

Seit 2007 wird über dieses Phänomen online gesprochen. Bis 2010 untersuchten Forscher mit Hilfe von Hirnbildgebung und Umfragen, die den Nutzen dokumentierten, wie z.B. weniger Stress, weniger Angst und sogar Schlafanreize. Der Trend kommt ursprünglich aus den USA.

Inzwischen haben nicht nur zahlreiche YouTuber ASMR für sich entdeckt, sondern auch Marken wie Ikea, Pepsi oder Otto setzen ASMR bewusst in Werbekampagnen ein, damit potenzielle Käufer Entspannung mit der Marke verbinden und dadurch ein unterbewusstes Vertrauen zu ihr entwickeln.

Durch die vermehrten öffentlichen Gespräche über psychische Probleme vieler Menschen in den letzten Jahren, haben gerade die Medien dazu beigetragen, dass sämtliche Tabus dieses Themengebiets gebrochen wurden: das Thema Psychologie und damit verbundene Probleme wie Depressionen, Stresstoleranz, Ein- und Durchschlafstörungen rückten immer weiter in die Mitte der Gesellschaft. Das war der Zeitraum, in dem ASMR als digitaler Lösungsansatz an Bedeutung gewann.

ASMR steht für eine „spontane, intensive Reaktion des Körpers auf intensive Stimulierung“.
ASMR steht für eine spontane, intensive Reaktion des Körpers auf intensive Stimulierung. © Shutterstock / VGstockstudios

Warum wirkt ASMR so entspannend?

Einfach gesagt: Es lenkt ab, ohne neue komplexe Reize zu setzen. Eine Studie von der Swansea University ergab, dass die Mehrheit der Menschen, die ASMR-Videos verwenden, dies tun, um die Symptome von Angst, Depression, Stress und Schlaflosigkeit zu lindern. Mit positivem Effekt. Oftmals ist dabei sogar von einem „Gehirnorgasmus“ die Rede, obwohl damit kein erotischer Zusammenhang gemeint ist, sondern nur der vergleichbare Zustand absoluter Entspannung.

Es gibt Menschen, die ASMR mit eher sensorischen und emotionalen Erfahrungen verbinden (z.B. wenn du leise Geräusche mit Gelassenheit verbindest, kannst du dich entspannen, wenn du Flüstern hörst), bei anderen gibt es diese Verknüpfung nicht.

In den ASMR-Videos übernehmen die Moderatoren im übertragenen Sinne die Rolle eines liebenden Elternteils, indem sie mit beruhigenden Tönen sanfte, vertraute Aktionen ausführen. Das Gehirn erkennt diese äußeren Einflüsse und erinnert sich an die damit verbundenen Gefühle von Komfort, Sicherheit und Entspannung, so dass du diese Gefühle in der Gegenwart wieder erleben kannst. Du entspannst dich.

Funktioniert ASMR bei jedem Menschen?

Nicht zwingend. Etwa 20 bis 40 Prozent der Menschen können ASMR erleben, sagt Dr. Craig Richard, Professor für biopharmazeutische Wissenschaften an der Shenandoah University in Winchester, Virginia.

Studien haben Unterschiede in der Gehirnvernetzung zwischen den Gehirnen von ASMR-empfindlichen Menschen und denen, die das Gefühl nicht haben, festgestellt. Am besten einfach mal ausprobieren.

Bist du für ASMR empfänglich?

Ob ASMR bei dir funktioniert, musst du selbst herausfinden. Das geht zum Beispiel mithilfe von Test-Videos, die extra dafür erstellt worden sind. Darin wird Schritt für Schritt erklärt, was du machen musst. Du hörst verschiedenste Trigger Geräusche und weißt dann, ob spezielle Sounds dich entspannen – oder eben auch nicht. Das einzige was du dafür brauchst sind Kopfhörer.

Wenn du weißt, dass dir die Sprachgeräusche der Moderatorin, neben den vorgestellten Triggern aus dem Video, absolut nicht beim Entspannen helfen, dann kannst du es dir natürlich auch einfach an deinem persönlichen Wohlfühlort gemütlich machen und dir einzelne Triggersounds auf Streaming Plattformen anhören. Vielleicht ist da etwas für dich dabei. Nur, weil du mit dem Video nicht entspannen kannst, heißt es nicht, dass du für rein akustische ASMR Sounds auch nicht empfänglich bist. Wichtig ist, dass du dich darauf einlässt und einfach etwas ausprobierst.

ASMR kann dich beruhigen, dir beim Einschlafen oder Entspannen helfen. Finde einfach selbst heraus, ob es für dich funktioniert. Entweder mit den vielen Angeboten im Netz oder mit selbst erstellten Aufnahmen deiner Lieblings-Sounds.

20.08.2019| Valerie Zeyn © womenshealth.de
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