Parabene & Co Macht Ihr Shampoo Ihre Haare kaputt?

Machen Parabene und Silikone die Haare kaputt?
Haarewaschen ist für die meisten ein Alltagsritual. Wir klären die Frage: Kann Shampoo die Haare kaputt machen? © Tanja Heffner / Unsplash.com

Silikone, Sulfate und Parabene stecken in vielen Shampoos. Wir sagen, wie schlecht sie für die Haare sind und welche Alternativen es gibt

Haarwaschmittel soll schlecht für die Haare sein? Viele denken eher: Shampoo ist Shampoo und macht die Haare sauber. Was soll schon groß passieren? Nun ja: Einiges. Wenn Sie das falsche Produkt verwenden, kann auf Dauer tatsächlich eine ganze Menge daneben gehen: Ihre Haare sind ein paar Stunden nach dem Waschen wieder fettig? Möglich, dass es am Silikon im Shampoo liegt. Die Spitzen werden immer trockener und brüchiger oder die Kopfhaut juckt plötzlich? Das könnte an aggressiven Sulfaten liegen. Worauf Sie beim Shampoo-Kauf achten müssen, damit Bad Hair Days in Zukunft Geschichte sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Sind Silikone wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

Jein. "Silikone generell zu verteufeln ist nicht ganz fair, besonders bei stark beanspruchten Haaren können Sie wahre Wunder bewirken", weiß Julia Lückemann, Friseurmeisterin und Mit-Inhaberin vom angesagten Nova Hairstudio in Hamburg. Grundsätzlich gilt: Silikone versiegeln die Haaroberfläche. Die Haare fühlen sich weich an, glänzen stärker und lassen sich besser kämmen, was Haarbruch reduziert. "Bei der Qualität gibt es allerdings große Unterschiede. Gute Silikone lassen sich durchs Shampoonieren entfernen, schlechte nicht", sagt die Expertin.

Warum sind nicht wasserlösliche Silikone so schlecht fürs Haar?

"Nicht wasserlösliche Silikone sind günstig in der Herstellung, darum meist in günstigen Drogerieprodukten zu finden", weiß Julia Lückemann. Am Anfang spielen sie Ihnen ein tolles Haargefühl vor. Die Strähnen werden ganz weich und glänzend. "Weil sich mit der Zeit aber immer mehr Silikone auf dem Haar anlagern – weil sie sich ja schließlich nicht auswaschen – verkleben die Haare irgendwann regelrecht", so die Expertin. Wirklich wirksame Pflegestoffe können dann nicht mehr durchdringen und die Haare trocknen unter dem "Plastikfilm" aus.

Und das ist nicht alles: Der Silikonfilm verklebt nicht nur die Haare, sondern auch die Kopfhaut. Die Folge: Sie kann nicht mehr "atmen" und die Haare werden schneller fettig. Auch beim Haarefärben kann es zum Problem werden, wenn Sie Pflegeprodukte mit nicht auswaschbaren Silikonen benutzen. "Die Farben reagieren auf das Silikon und können schlechter wirken", so Lückemann.

via GIPHY

Wann sind Silikone gut fürs Haar?

"Hochwertige wasserlösliche Silikone hingehen verkleben das Haar nicht. Sie werden bei jeder Wäsche abgetragen und erneuert. Sie machen Farben länger haltbar und geben Glanz und Geschmeidigkeit", sagt Friseurmeisterin Julia Lückemann. Diese guten Silikone sind allerdings teurer in der Herstellung und deshalb meist nur in kostspieligen Friseurshampoos enthalten. Qualität hat in dem Fall also ihren Preis. Wer sehr kaputte Haare hat, sollte aber unbedingt investieren, wenn die Haare nicht der Schere zum Opfer fallen sollen. Alle mit normalen, gesunden Haaren, die nicht so tief in die Tasche greifen möchten, benutzen einfach ein silikonfreies Shampoo aus der Drogerie. Das erfüllt dann auch seinen Zweck: Die Haare säubern, nicht verkleben.

Woran erkenne ich schlechte Silikone?

Lassen Sie die Flasche im Regel stehen, wenn auf der Rückseite die folgenden nicht wasserlöslichen Silikone aufgelistet sind:

  • Cetearyl Methicone
  • Cetyl Dimethicone
  • Cyclopeentasiloxane
  • Dimethicone
  • Dimethiconol
  • Stearyl Dimethicone
  • Trimethylsilylamodimethicone
  • Phenyl Trimethicone
  • Cyclomethicone
  • Dioleyl Tocopheryl Methylilanol
  • Ascoryl Methylsilanol Pectinate
  • Cyclohexasiloxane

Trocknen Sulfate die Haare aus?

Noch eine Inhaltsstoffgruppe, die bei vielen Frauen auf der schwarzen Liste stehen, sind Sulfate. Diese Stoffe sorgen dafür, dass Shampoo schäumt und lösen Fette und Verschmutzungen aus dem Haar.

"Der bekannteste Schaumbildner ist Sodium Laureth Sulfat. Es ist nämlich das kostengünstigste in der Herstellung und steckt deshalb in unzähligen Produkten", so Lückemann. "Leider ist Sodium Laureth Sulfat ein sehr aggressives Tensid – es erzeugt extrem viel Schaum. In unseren Köpfen ist es ein Zeichen dafür, dass etwas gut reinigt, wenn es stark schäumt. Doch das ist nicht unbedingt richtig. Genauso gut reinigen Mittel, die nicht so stark schäumen. Zudem sind sie weniger austrocknend und schonender für Kopfhaut und Haare."

Wer sollte unbedingt auf Sulfate verzichten?

Vor allem, wenn Sie sehr trockene Haare oder eine sensible Kopfhaut haben, sollten Sie Sodium Laureth Sulfate meiden. Aber auch wenn Ihre Haare gefärbt oder mit Keratin behandelt sind. Denn dann können die aggressiven Reinemacher dazu führen, dass die Farbe vorzeitig verblasst und die Keratin-Behandlung sich frühzeitig auswäscht.

Eine tolle Alternative sind dann sogenannte Wash-Conditioner, die komplett ohne Sulfate auskommen, also gar nicht schäumen, sondern eher wie eine Renigungsmilch fürs Gesicht funktionieren. "Haben Sie sich einmal daran gewöhnt, kann es Haare und Kopfhaut sehr verbessern. Denn wer weniger den natürlichen Säureschutzmantel der Haut zerstört, dessen Kopfhaut kann sich besser alleine regulieren."

Warum sind Parabene so schlimm?

Eines vorweg: Auf Ihre Haare hat es keinen Einfluss, ob Parabene im Shampoo stecken oder nicht. Trotzdem haben viele Menschen Angst vor ihnen. Warum also? Parabene sind Konservierungsstoffe, die Shampoos und andere Kosmetika vor dem Verderben schützen – und das seit mittlerweile mehr als 80 Jahren. Sie sind die wissenschaftlich am häufigsten untersuchten Konservierungsstoffe, gelten als besonders verträglich und lösen nur selten Allergien aus. Trotzdem haben sie einen schlechten Ruf.

Es heißt, dass sie eine hormonähnliche Wirkung haben und deshalb womöglich Krebs auslösen können. Wissenschaftlich belegt ist das bisher nicht. Aber ebenso wenig ist bewiesen, dass es definitiv nicht so ist.

Wer sollte auf Parabene verzichten?

Alle, die vorsorglich lieber darauf verzichten möchten! Denn Sie finden mittlerweile auch zahlreiche Shampoos und Spülungen ohne Parabene im Haarpflegeregal. Stattdessen kommen dann meist ätherische Öle und Alkohol als Konservierungsstoffe zum Einsatz, die sensible Haut allerdings reizen können. Sie merken also, auch wenn's nur ums Shampoo geht, ist das alles nicht so leicht.

Wie oft sollte ich mir überhaupt die Haare waschen?

Egal, wie mild Ihr Shampoo ist. Wenn Sie es zu oft benutzen, trockenen die Haare aus. "Je häufiger man wäscht, umso stärker trocknen Kopfhaut und Haare aus. 2 bis 3 Mal die Woche sollte unbedingt ausreichen", empfiehlt Friseurin Julia Lückemann. Ihr Tipp: Trockenshampoo kann helfen die Tage zu überbrücken. Und es trocknet nicht so aus, wie die Haare zu shampoonieren.

Für Sportlerinnen, die nach dem täglichen Workout duschen möchten empfiehlt die Expertin die Haare jedes 2. Mal nur mit Wasser auszuspülen. Frischer Schweiß stinkt nämlich nicht und kann einfach mit Wasser von Kopfhaut und Haaren entfernt werden. Shampoo ist dann überflüssig.

Woran liegt es, dass die Kopfhaut immer nachfettet?

Verrückterweise liegt es neben einer persönlichen Veranlagung am Haarewaschen. "Häufiges Waschen ist ein Teufelskreis. Die Kopfhaut ist ausgetrocknet und produziert mehr Talg, um das auszugleichen. Also werden die Haare schneller fettig. Je seltener Sie waschen, umso weniger fettet sie", weiß Lückemann. Auch weniger stark schäumende Shampoos ohne besagte Sodium Laureth Sulfate können helfen. "Auch wenn es am Anfang schwer fällt: Geben Sie nicht so schnell auf, die Kopfhaut braucht einige Wochen um sich umzugewöhnen." Wer das durchhält, wird mit fluffig-leichtem Haar belohnt!

Fazit: Verzicht ist oft gut, aber nicht immer die beste Lösung. Nicht alle Stoffe im Shampoo sind so schlecht wie ihr Ruf. Silikone zum Beispiel können Sie nicht über einen Kamm scheren, wohingegen Sie das billige Sodium Laureth Sulfate meiden sollten. Für Parabene ist das nicht so leicht zu pauschalisieren. Wiegen Sie in dem Fall also selber ab, ob die "frei von"-Variante für Sie die richtige Wahl ist.

19.11.2018| © womenshealth.de
Sponsored Section
Aktuelles Heft