Kaiserschnitt Wie deine Kaiserschnittnarbe sanfter heilt

Eine Kaiserschnittnarbe braucht etwa ein Jahr um zu verblassen
Steh zu deiner Kaiserschnittnarbe! Sie ist ein Andenken an die Geburt deines Babys. © siampukkato / Shutterstock.com

Ein Kaiserschnitt hat im wahrsten Sinne einschneidende Folgen. Wir beantworten alle Fragen und sagen, wie du deine Narbe am besten pflegst

Machen wir uns nichts vor: Niemand lässt sich gern freiwillig den Bauch aufschneiden. Die meisten schwangeren Frauen legen es nicht darauf an, ihr Baby per Kaiserschnitt zu gebären.

Doch immer mehr entscheiden sich dafür: Laut Statistischem Bundesamt hat sich den letzten Jahren die Anzahl der Entbindungen per Kaiserschnitt in Deutschland von 15,3 % (1991) auf 30,5 % (2016) gesteigert. Warum das so ist, welche Folgen das haben kann und wie du deine Narbe pflegst, erfährst du hier.

Was ist ein Kaiserschnitt?

Bei einem Kaiserschnitt wird das Baby nicht vaginal durch den Geburtskanal, sondern unter Narkose mit Hilfe eines Bauch- und Uterus-Schnittes entbunden, der anschließend wie jede OP-Narbe vernäht oder geklammert wird.

Warum macht man einen Kaiserschnitt?

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum ein Kaiserschnitt empfohlen wird, zum Beispiel wenn das Kind in der Steißlage liegt oder die Mutter unter Schwangerschafts-Diabetes oder -Vergiftung (Präeklampsie) leidet.

Neben diesen medizinisch indizierten Kaiserschnitten wächst die Zahl derjenigen Schwangeren, die sich für einen Wunschkaiserschnitt entscheiden, sei es aus Angst vor der Geburt, einem damit verbundenen möglichen Dammschnitt oder den späteren Auswirkungen auf die Sexualität.

Leichtfertig solltest du dich nicht für einen Kaiserschnitt entscheiden, denn letztendlich handelt es sich dabei um eine ernst zu nehmende Bauch-Operation, mit allen möglichen Risiken.

Hinzu kommen mögliche Komplikationen bei nachfolgenden Schwangerschaften, etwa eine verzögerte Rückbildung der Gebärmutter und Narbenheilungsstörungen. Aber in den allermeisten Fällen verläuft alles gut und die einzigen unmittelbaren Folgen betreffen die Kaiserschnittnarbe.

Steht zu deiner Kaiserschnittnarbe, sie ist ein Andenken an die Geburt deines Babys
Gib deinem Körper nach der Geburt deines Babys Zeit und Ruhe sich zu regenerieren. © Stanislaw Mikulsik / Shutterstock.com

Tut eine Kaiserschnittnarbe weh?

Wir wollen nichts beschönigen, in den ersten Tagen nach dem Kaiserschnitt musst du mit Schmerzen im Narbenbereich rechnen, vor allem wenn du dich bewegst, gehst, lachst, hustest oder niest. Um den Wundheilungsprozess zu beobachten und Entzündungen vorzubeugen, bleiben Frauen nach einem Kaiserschnitt in der Regel noch etwa 4 bis 6 Tage im Krankenhaus.

Wie entwickelt sich die Kaiserschnittnarbe nach der Geburt?

Direkt nach der Geburt ist die Narbe erst einmal eine rote, geschwollene Wunde, meist direkt oberhalb des Ansatzes der Schambehaarung, die mit einem Wundverband steril abgeklebt wird.

Nach etwa einer Woche bereits können die Fäden gezogen bzw. die Klammern gelöst werden. Nach etwa 3 Wochen sind die Narben in der Regel oberflächlich gut verheilt, doch die durchtrennten Muskelfasern und Nerven brauchen noch bis zu einem Jahr, um sich komplett zu regenerieren.

Welche Folgen hat die Kaiserschnittnarbe noch?

Eine weitere Folge ist ein Taubheitsgefühl im Narbenbereich, das mit den Monaten nachlässt, bei machen Frauen aber auch nie ganz verschwindet. Auch juckt die Narbe meist in den ersten Monaten, was aber ein gutes Zeichen für eine voranschreitende Heilung ist.

"Nach dem Eingriff bleibt eine Narbe von etwa 10-20 Zentimetern Länge zurück", sagt Dr. med. Welf Prager, Dermatologe der Praxis Prager&Partner aus Hamburg, "Allerdings hängt dies auch von den Körpermaßen des Kindes ab. Nicht immer muss die Narbe so groß sein, und natürlich wird sie in den darauffolgenden Jahren durch das Verblassen kleiner aussehen. Dabei spielt die Narbenpflege eine wichtige Rolle." Und dafür kannst du aktiv etwas tun.

Wann beginnt man mit der Narbenpflege?

Sobald das Pflaster von der Narbe genommen werden darf, kannst du mit der Narbenpflege beginnen. "Nach dem Eingriff ist es ratsam, so schnell wie möglich mit der Narbenpflege anzufangen", so Dr. Prager.

Welche Mittel gibt es zur Pflege der Kaiserschnittnarbe?

In Absprache mit deinem OP-Arzt oder der OP-Ärztin gibt es verschiedene Möglichkeiten die Heilung optimal zu unterstützen. "Für gute Ergebnisse und eine schonende Behandlung empfehle ich meinen Patientinnen eine Art Pflaster, das über Nacht auf die Narbe einwirkt."

  • Gut bewährt hat sich das Contractubex Intensivpatch, das Inhaltsstoffen wie Zwiebelextrakt und Allantoin enthält. Cepalin oder auch Zwiebelextrakt ist bekannt für seine entzündungshemmenden Eigenschaften und verhindert eine übermäßige Narbenbildung.
  • Eine weitere Option, die häufig zur Verwendung kommt, ist das Dermatix Ultra Gel. Das Gel basiert auf Silikon und hilft gegen eine juckende Narbe, wirkt schmerzlindernd und die Narbe wird weicher und elastischer.
  • Eine tolle Alternative ist Kokosöl: Die im Öl enthaltene Laurinsäure wirkt antibakteriell, schützt die Haut vor Keimen und Bakterien und schenkt der Narbe zusätzlich Feuchtigkeit.
Gute Pflege hilft, dass die Kaierschnittnarbe gut abheilt
Gute Pflege hilft der Kaierschnittnarbe dabei, gut abzuheilen. © Fotoduets / Shutterstock.com

Wie oft soll ich meine Narbe eincremen?

Wenn du ein Pflaster mit Zwiebelextrakt verwenden möchtest, trägst du es jede Nacht vor dem Schlafengehen auf und entfernst es am nächsten Morgen. Dadurch wird die Bildung von wulstigem Narbengewebe verhindert. Ein Silikongel oder eine Creme trägst du jeden Morgen und jeden Abend sanft auf.

"Die Narbenpflege sollte mindestens sechs Monate betragen, da der Körper in dieser Zeit am meisten mit der Heilung von Muskulatur, Fettgewebe und Unterhaut beschäftigt ist. Hier wirken die Cremes besonders unterstützend", erklärt der Dermatologe.

Wann verblasst die Kaiserschnittnarbe?

Ganz verschwinden wird sie wohl nie. "Man kann damit rechnen, dass die Narbe in den ersten sechs Monaten nach dem Eingriff etwas stärker gerötet ist", sagt Dr. Prager, "Wie gut eine Kaiserschnittnarbe heilt, ist sehr individuell, es spielen Faktoren wie Alter und Gesundheitsstatus eine Rolle, aber auch wie gut die Wunde versorgt wurde. Regelmäßiges Eincremen und ausreichendes Schonen nach dem Eingriff wirken bei der Heilung unterstützend."

Kann man die Kaiserschnittnarbe lasern?

Ja, das geht. "Kaiserschnittnarben zu lasern gehört in guten dermatologischen Praxen zu den Routinebehandlungen", erklärt Experte Dr. Prager. Mit der Behandlung kann man schon vier Wochen nach dem Kaiserschnitt beginnen. Beim Eingriff kommt der sogenannte Fraktionierte CO2-Laser zum Einsatz. Hier wird das Laserlicht auf viele kleine Gewebsareale verteilt, was den Vorteil hat, dass die Haut viel schneller abheilen kann und die Zellerneuerung angeregt wird.

Die Behandlung nimmt wenige Minuten bis maximal eine Stunde in Anspruch und kostet, je nach Narbengröße, 150 Euro pro Sitzung. "Im Durchschnitt kommt die Patientin, die eine Laserbehandlung wünscht, vier bis acht Mal in meine Praxis", sagt Dr. Prager. "Erste Erfolge sind allerdings schon nach der ersten Behandlung zu erkennen."

Ist das Narbenlasern mit Schmerzen verbunden?

"Die Narbe wird vor der Behandlung betäubt. Gerade am Anfang kann der Laser unangenehm sein, allerdings verursacht er keine starken Schmerzen", erklärt Dr. Prager, "Neben der Behandlung mit Narbenpatches oder Cremes hilft die Laserbehandlung, dass die Narbe weicher und unauffälliger wird."

Wann kann ich nach dem Kaiserschnitt wieder Sport machen?

"In den meisten Fällen ist der Narbenbereich im ersten halben Jahr empfindlich. Das Gefühl lässt aber mit der Zeit nach, sodass man nach Absprache mit dem Arzt nach dem Rückbildungskurs wieder Sport treiben kann", so unser Experte. Vor allem Yoga fördert die Narbenheilung, da es die Durchblutung ankurbelt. Das ist super für ein starkes Bindegewebe und auch die Atmung wird trainiert, was sich positiv auf das Taubheitsgefühl auswirken kann.

Hilft es, die Narbe zu massieren?

"Die Narbe sollte auf keinen Fall massiert werden, weil dadurch die Kollagenneubildung angeregt wird. Kollagen ist wichtig für unsere Haut und gibt ihr Stabilität. Allerdings wird durch den mechanischen Druck auf den gerade operierten Bereich der Heilungsprozess gestört, sodass hypertrophe oder Keloidnarben entstehen können", warnt Dr. Prager.

Ein Keloid ist ein durch Wundheilungsstörungen entstehender gutartiger Tumor, der das Hautniveau überragt. Um solche eine Wucherung zu vermeiden, solltest du die Narbe nur sanft eincremen. Dr. Prager: "Insbesondere nach dem Eingriff sollte darauf stark geachtet werden, dass nicht zu viel Druck auf der Narbe lastet."

Es gibt viele Wege, die Heilung einer Kaiserschnittnarbe zu unterstützen. Das Wichtigste ist, dass du deinem Körper Zeit gibst, sich richtig zu erholen. Gerade nach der Geburt benötigt er Ruhe. Daher: Gehe die Situation möglichst entspannt an und steh zu deiner Kaiserschnittnarbe: Sie erinnert an die Geburt deines Babys.

08.11.2019| Marleen Meffert, Christine Naefeke © womenshealth.de
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