Life-Coaching Wie ein Life-Coach Ihnen hilft, Krisen zu meistern

 Karriere- oder Krisenfragen? So unterstützt ein Life-Coach Sie
Ein Life-Coach kann Ihnen helfen, aus einer Stress-Spirale herauszukommen. © unsplash.com/ Joshua Rawson Harris

Ob Stress im Job, eine schwierige Trennung oder Versagensängste: Das Leben ist oft nicht easy. Wir erklären, wie ein Life-Coach Ihnen hilft

Das Leben ist schön, aber oft merken Sie es gar nicht. Je mehr Aufgaben oder Hürden Sie zu bewältigen haben, desto weniger schaffen Sie, und irgendwann wächst Ihnen dann alles über den Kopf. Ein Szenario, das Ihnen bekannt vorkommt? Die gute Nachricht ist: Sie müssen da nicht allein durch.

Natürlich ist es gut, über so etwas auch mit Freunden und Familie zu sprechen. Aber oft ist eine neutrale Außensicht und die klare Analyse eines Profis hilfreicher. Lösungsansätze und Hilfestellungen liefert Ihnen ein Life-Coach. Ein was? Was genau es damit auf sich hat, verrät Ihnen die Frankfurter Coaching-Expertin Dasa Szekely.

Was ist ein Life-Coach?

Ein Life-Coach ist letztlich eine Art Berater in Lebensfragen. Früher galt es als Privileg der Stars, sich persönliche Trainer und Berater zu nehmen. Heute wissen auch ganz normale Menschen, wie gut es ist, einen Personal Trainer als Ansprechpartner zu haben. Und natürlich kann es sinnstiftend sein, auch Sachen Karriere oder Lebensplanung mit einem Coach zusammenzuarbeiten.

Bei einem Life-Coach handelt sich letztlich um einen professionellen Mentor oder auch persönlichen Berater, mit dem Sie zum Beispiel über berufliche Krisen, wichtige Richtungsentscheidungen oder aber Ihre Angst zu versagen sprechen können. Das Life-Coaching ist immer noch "relativ jung und erst seit etwa 15 Jahren in Deutschland bekannt", so Dasa Szekely.

Leseempfehlung der Expertin: Coaching, Beratung und Gehirn von Gerhard Roth und Alica Ryba

Welche Aufgaben hat ein Life Coach?

Ein Life-Coach sollte Ihnen in allererster Linie zuhören! Er ist für Sie kein Richtungsanzeiger, kein Tonangeber. Er kann und soll Ihnen die Frage danach, was richtig oder falsch ist, nicht einfach so beantworten. Der Coach kann aber dabei helfen, selbst eine Antwort darauf zu finden, indem er Fragen stellt, auf Dinge hinweist, Veränderungen anregt. "Ein klassischer Coach bewegt sich in der Regel auf einer Symptomebene", so die Expertin. Kommen Sie beispielsweise mit Ihrer Zeit nicht klar, können Sie etwas an Ihrem Zeitmanagement verändern. In diesem konkreten Fall erarbeitet ein Life-Coach zusammen mit Ihnen einen Stundenplan.

Grundsätzlich verhilft ein Life-Coach Ihnen vor allem zu einer besseren Selbstreflexion und -wahrnehmung. Er unterstützt bei der Erkennung und Lösung von Blockaden und Problemen. "Er kann Ihnen etwas zurückspiegeln, Ihnen aufzeigen, wo Sie noch nicht hingeschaut haben, und so Ihren Blickwinkel auf Dinge einmal verlagern", erklärt Dasa Szekely.

Be the change! Nur Sie selbst können etwas an Ihrem Leben ändern. © unsplash.com/ Ross Findon

Wer braucht alles einen Life-Coach?

Die Expertin fasst es so zusammen: "Jeder, der ein Problem hat, bei der er allein oder mit Hilfe von Freunden oder Familie nicht weiterkommt, kann einen Externen gebrauchen, der emotional nicht mit Ihnen verbandelt ist." Dabei ist ganz klar, dass ein Coach auch ein Stück weit einen Part übernimmt, den früher, in weniger komplexen Zeiten, der beste Kumpel oder die beste Freundin innehatte. "Das, was heute irgendwie so ein bisschen verloren geht, ist sich hinzusetzen und auszutauschen – das kann eben sehr entspannend sein", erklärt die Expertin.

Kann Life Coaching mehr als Krisenbewältigung?

Ja, Life-Coaching ist nicht immer nur Troubleshooting, es wirkt auch prophylaktisch: Einige von Dasa Szekelys Klienten möchten es erst gar nicht zu einem Burnout oder einer Stressdepression kommen lassen und konsultieren sie viel früher.

Daneben kann der Life-Coach aber auch ein Sparringspartner sein, der für den Austausch von Pros und Contras zur Verfügung steht. Dies macht vor allem bei Personen mit einer höheren Führungsposition Sinn, da diese oftmals niemanden mehr "über sich" zum Reden haben. "Dann finden Coachings etwa alle 8-10 Wochen statt", berichtet Szekely.

Dabei ist aber auch das Coaching selbst ein Symptom – dafür, dass der Stress für viele immer größer wird, sich die Menschen aber dessen bewusst werden und sich Hilfe suchen. "Es wird immer klarer, dass wir keine Kopffüßler sind, sondern das unser Körper eben wirklich auf psychische Belastung reagiert", so die Coaching-Expertin. "Nicht ohne Grund ist Stress die Krankheitsursache Nummer 1 und mit Krankheit meine ich auch physische Krankheit.“ Ein Coaching ist immer auch Gesundheitsprophylaxe.

Was ist der Unterschied zwischen Life-Coach und Therapeut*in?

Auch wenn die Themen von Life-Coaching und Psychotherapie sich oftmals ähneln, so geht es beim Life-Coaching um Problembewältigung und nicht um die Heilung eines pathologischen Störungsbildes. Die Expertin Dasa Szekely betont in diesem Zusammenhang: "Ich arbeite mit gesunden Menschen, sprich mit Menschen, die weder sich noch andere durch ihr Verhalten gefährden. Hinzu kommt, dass das Coaching grundsätzlich gegenwartsorientiert und pragmatischer ist und so vor allem von den Leuten genutzt wird, die möglichst schnell ein Ergebnis wünschen."

Ein weiterer großer Unterschied ist die Dauer: Eine Therapie geht Minimum 12 Stunden, oftmals sogar 20-25 Stunden. Ein Coaching dauert in der Regel zwischen 5-10 Sitzungen und manchmal genügen sogar schon zwei oder eine.

Bei welchen Anliegen hilft ein Life-Coach?

Ein Life-Coach kann Sie – wie der Name schon verrät – in fast allen Lebensbereichen unterstützen: Sei es Beruf, Finanzen, Partnerschaft oder Gesundheit. Er hilft Ihnen persönliche sowie berufliche Ziele (neu) zu definieren, klärt den Blick in Krisenphasen und gibt so auch oft neuen Mut. "Trotzdem ist Coaching immer ganz individuell und so auch die Lösung für das Problem. Eine Entspannungstechnik ist nicht unbedingt für jeden entspannend", betont die Expertin.

Das sind 7 gängige Behandlungsthemen:

1. Neue Motivation finden

Ein Coach definiert mit Ihnen zusammen Ihre Ziele und gibt Anregungen, wie Sie diese dann erreichen können.

2. Selbstbewusstsein stärken

Hier stehen die Themen Selbstliebe und Selbstwert im Vordergrund.

3. Blockaden und Ängste überwinden

Viele Frauen haben Angst zu versagen, nicht zu genügen. Wenig Selbstvertrauen ist auch oft ein Hemmnis.

4. Stress und Erschöpfung bewältigen

Es gibt verschiedene Methoden zum Abbau von Stress. Da die aber eben nicht für alle passen, rät ein guter Life-Coach dann auch oftmals zu Sportarten, bei denen Sie sich so richtig auspowern können.

5. Berufliche Veränderungen planen

Hierbei stehen vor allem folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie kann mein nächster Karriereschritt aussehen? Soll ich noch in dem Unternehmen bleiben? Was passiert nach dem Studium? Wie verbinde ich meine Persönlichkeit mit meinem Beruf? Was macht mir Spaß?

6. Gesunde Work-Life-Balance finden

Dieses Anliegen betrifft viele Frauen! Der passende Coach kann durch gezieltes Fragen Ihnen helfen herauszufinden, wie Sie Familie bzw. Privates und Arbeit in Einklang bringen. Auch wenn jeder Fall immer individuell ist, so ist es beispielsweise sinnvoll, schon vor einer Schwangerschaft zukünftige Gegebenheiten mit dem Partner abzuklären und nicht zu warten, bis das Kind da ist.

7. Bewältigung von Beziehungsstress

Ein Coach unterstützt Sie bei folgenden Fragen: Wie vermeide ich den Stress, der meine Beziehung belastet? Soll ich mich trennen oder nicht? Wie verhalte ich mich nach einer Trennung?

Kleiner Tipp: Einige Life-Coaches bieten auch eine Paartherapie an.

Wie verläuft eine Beratung mit dem Life Coach?

Die Beratung kann sehr unterschiedlich gestaltet sein und richtet sich sowohl nach Ihrem Anliegen als auch nach den Schwerpunkten des Coaches. Meistens treffen Sie sich 5-mal zwischen 60 und 90 Minuten. Achtung: Bei den Terminen können (und sollen) auch mal größere Emotionen aus Ihnen herausbrechen.

Woran erkenne ich einen guten Life-Coach?

"Da der Begriff des Life-Coaches nicht geschützt ist, kann sich grundsätzlich jeder Life-Coach nennen“, so die Expertin. Das macht es umso wichtiger, zu schauen, wer kompetent ist und wer nicht. Das ist ein Prozess aus Suchen und Probieren. Die Expertin nennt folgende 2 Punkte, auf die Sie unbedingt achten sollten:

a) Informieren Sie sich vorab unbedingt gründlich

Recherchieren Sie bitte genau, wo hat der Coach seine Ausbildung gemacht hat und wie sein Erfahrungswert ist. Informieren Sie sich hierbei zum Beispiel über das Ausbildungsinstitut, an dem er gelernt hat. Ein Psychologiestudium ist sicher immer eine gute Grundlage, aber auch nicht allein Garant für eine gute Ausbildung.

Wichtig ist ebenfalls zu schauen, ob der Coach Zusatzausbildungen absolviert hat. Vor allem bei großen emotionalen Themen wie Burnout oder lang währenden Stress-Symptomen kann eine Zusatzausbildung notwendig sein. Szekely empfiehlt Zusatzqualifikationen aus der humanistischen Psychologie: Transaktionsanalyse, Gestalttherapie, Körpertherapie oder hypnosystemische Therapie.

b) Definieren Sie im Gespräch gemeinsam Ziele

Sie wollen kein Endloscoaching: Auch wenn reden immer gut tut, sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie ein Ziel verfolgen und diesem auch näher kommen. Ein guter Coach sollte bereits zu Anfang sagen können, wo es in etwa hingeht und wie lange die Behandlung ungefähr dauert.

Seine Ziele einmal aufzuschreiben kann extrem hilfreich sein.
Es kann extrem hilfreich sein, wenn Sie Ihre Ziele einmal aufschreiben. © unsplash.com/ Kyle Glenn

Wie finde ich den passenden Life-Coach?

Fragen Sie zunächst ruhig einmal in Ihrem Umfeld nach! "Life-Coaching ist angekommen in der Gesellschaft, viele meiner Klienten sind durch Empfehlung auf mich Aufmerksam geworden", erklärt Szekely. Sofern Sie hiermit keinen Erfolg haben, macht es bei leichteren Themen vor allem Sinn, nach Sympathie zu gehen. Vereinbaren Sie daher einfach ein Kennenlerngespräch oder -telefonat. Wenn Sie unsicher sind, führen Sie Gespräche mit zwei, drei Coaches und entscheiden Sie dann.

Wichtig: Es sollte nach der ersten Sitzung oder spätestens nach der zweiten etwas in Gang gekommen sein, das Ihnen das Gefühl gibt: Es geht in die richtige Richtung.

Tipp von der Expertin: Gut informieren kann man sich zum Beispiel unter therapie.de

Was kostet ein Life-Coach?

Je nachdem wo Sie wohnen, kann der Preis natürlich variieren. Anfänger nehmen meist um die 80 Euro pro Stunde. Bei erfahreneren Coaches bewegen sich die Kosten zwischen 80 und 250 Euro pro Stunde. "Die Kosten sind in der Regel abhängig von Dauer und Qualität der Ausbildung", betont die Life-Coaching Expertin Szekely.

Tipp: Fragen Sie ruhig Ihren Arbeitgeber, ob er sie hierbei unterstützt. Selbst wenn dieser Ihnen keine komplette Behandlung zahlt, so gibt er vielleicht aber einen Zuschuss.

Erfahrungsbericht von Kristin: "So war Life-Coaching für mich"

"Ich war 26, als ich mich zu einem Life-Coaching entschloss. Weil ich relativ jung war, hat es mich viel Überwindung gekostet. Ich war zu dem Zeitpunkt eben keine von denen, die um die Welt reisten, Karriere machten oder eine Familie gründeten. Ich war viel mehr damit beschäftigt nachzudenken, was bei mir schief läuft. Ich war unglücklich, malte alles schwarz und war grundsätzlich nie zufrieden. Bekam ich eine 1.3 auf meine Hausarbeit, so regte ich mich auf, dass es keine 1.0 war. Fuhren andere im Sommer in die Karibik und ich 'nur' an die Nordsee, war ich fast schon wütend. Alles in allem war ich ständig negativ gestimmt und nie zufrieden mit dem, was ich hatte, sondern frustriert über das, was ich nicht hatte.

Balance ist nichts was Sie irgendwo finden, Sie müssen sie schaffen. © unsplash.com/ Anthony Tran

Ich dachte, wenn ich jetzt so weitermache, bin ich irgendwann 40, frustriert und allein. Also musste und wollte ich etwas ändern. Ich wollte wieder frei atmen, den Alltag wieder mit frischer Motivation angehen und wissen, wer ich überhaupt bin. Ich musste mir eingestehen, dass ich Hilfe brauchte. Und das von jemand Neutralem und Professionellen, denn Freunde und Familie waren allmählich überfordert, genervt oder wandten sich sogar von mir ab.

Insgesamt war ich 4-mal beim Coaching. Ich lernte, dankbar zu sein, mich selbst besser zu akzeptieren und einfach positiver zu denken. Es wurde natürlich viel geredet, aber auch mal geschwiegen und reflektiert, das ein oder andere Mal geweint. Letztlich haben mir vor allem die „gezielten“ Fragen des Coaches geholfen, mich wirklich selbst zu hinterfragen. Mir persönlich haben neben der Gesprächstherapie das Boxen und Reiten sehr geholfen, Stress abzubauen und ihn nicht mehr nur in mich reinzufressen.

Mir half das Coaching definitiv, Altlasten hinter mir zu lassen und mich weniger zu stressen. Mein Leben hat an Qualität gewonnen, da ich es endlich mal lebe und nicht immer mehr nach mehr strebe. Klar gibt es schlechte Tage und Situationen, aber durch das Coaching weiß ich eben, wie ich da wieder besser rauskomme und Dinge einfach mal mit Humor nehme. Für dieses Gefühl von Kontrolle und Leichtigkeit bin ich echt dankbar!

Seien Sie geduldig mit sich und geben sich selbst Zeit, sich so lieben zu lernen, wie Sie sind. © unsplash.com/ Tina Floersch

Natürlich ist mein Leben auch heute nicht immer perfekt und natürlich bin ich nach wie vor auch mal unglücklich, wütend oder frustriert. Der Unterschied zu früher ist aber, dass ich weiß, dass irgendwann ganz sicher wieder alles gut ist.

Abschließend ist mir wichtig zu betonen, dass Life-Coaches keine Wunderheiler sind. Eine erfolgreiche Beratung geht immer mit Eigenverantwortung einher. Ein Coach kann noch so gut sein, wer selbst nicht regelmäßig und aktiv an sich und der Situation arbeitet, kann den Zustand auch nicht verbessern.

Egal ob berufliche, oder private Anliegen, diese mit einem Life Coach mal durchzusprechen, kann auf keinen Fall schaden. Natürlich ist Coaching nicht für jede Frau und vor allem nicht für jedes Problem das Richtige. Aber einen Versuch ist es wert.

03.04.2019| Alexa Heyn © womenshealth.de
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